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Alice Cooper & Benedictum

Alice Cooper auf seiner „Psychodrama Tour“ in der Osnabrücker „Halle Gartlage“ erwarten zu können war wohl eine der großen Freuden des Sommers 2008 für Fans aus dieser Umgebung. So eine internationale Größe sieht man halt nicht alle Tage in seiner Heimatstadt..

Die „Halle Gartlage“ war schon früh mit geschätzen 2.500 Fans bis in die letzten Ränge gefüllt. Man konnte hier schon von einem vornehmlich eher älterem denn jüngerem Rockerpublikum sprechen.

Der progressiv rockende Anheizer Benedictum erfüllte seine Rolle mit einer runden Show, welche die Zuschauer allerdings keinesfalls zu Begeisterungs-Stürmen riss.

Einzig Fronterin Veronica Freeman konnte bedingt durch ihr ansprechendes Äusseres noch Teile der männlichen Fraktion für sich gewinnen; das Warten auf Cooper wurde für viele somit nur noch unerträglicher.

Während einer längerer Umbaupause wurde die Bühne geheimnisvoll mit einem dunklen Vorhang verhängt, um den Start des Abends in Ruhe auf die Bühne kommen zu lassen. Als sich auf einmal im Scheinwerferlicht eine schwarze Silhouette einer hageren Figur mit Zylinder auf dem Kopf und einer Peitsche in der Hand abzeichnete, war klar, dass Mister Vincent Furnier a.k.a. Alice Cooper nun endlich auf der Bühne war. Und er stand dort, wie man ihn schon seit Jahren kennt: Düster geschminkt, mit frechem Grinsen und in stets Furcht einflößender Pose.

Bei seiner musikalischen Show merkte man ihm sein relativ hohes Alter gar nicht an. Er präsentierte mit seiner Band seine aktuelle CD „Along came a spider“ und einem ausgewähltem Repertoire seiner übrigen Alben im theatralischen Sinne.

Immer wieder nahm er bedrohliche Posen ein und liebte es, das Publikum in seinen Bann zu ziehen. Er widmete sich allen Bühnenrändern und schaute direkt einzelne Zuschauer an, um ihnen das Fürchten zu lehren.

Alice fand großen Spaß daran, immer wieder unerwartet einzelne Utensilien in alle Richtungen ins Publikum zu werfen. So warf er gleich nach den ersten Songs seine Peitsche, eine Krücke, eine Hand voll Perlenketten und später sogar einen Säbel ins Publikum, mit dem er zuvor wilde Fechtattacken auf der Bühne aufgeführt hatte.

Im Angesicht dieser Show wurde die Musik fast zur Nebensache. Den meisten Zuschauer waren allein vom Anblick der Person Alice Cooper so fasziniert, dass sie alles um sich vergaßen. Dabei wurde hier zur Horrorshow ein musikalischer Querschnitt aus aktuellen und ausgewählten Tracks vergangener Alben aufgeführt, bei dem natürlich der Song „Poison“ vom „Trash“ Album als Zugabe nicht fehlen durfte. Manch einer hätte zwar gerne mehr Titel von diesem Album gehört, doch es ist verständlich, dass bei der Vielzahl an Alben die Setlist beschränkt ist.

Spannend wurde der Song „Elected“, in dem Alice den amerikanischen Wahlkampf auf die Schippe nimmt, zelebriert. Alice zelebrierte hier theatralisch mit weiteren Akteuren auf der Bühne amerikanische Präsidentschaftskandidaten, die sich erst gegenseitig bekämpfen und dann wieder in die Arme fallen. Er präsentierte hier in einer durchaus ulkigen wie spannenden Show seine persönliche gleichgültige Einstellung zu dem Wahlkampf. Eine angelehnte Handlung kann auch in dem gleichnamigem Musikvideo gefunden werden.

Zu den absoluten Highlites dieses wohlgemerkt einzigen Cooper Club-Gigs seiner Festival-Tour zählte sicherlich das fast 10-minütige Drum-Solo von Ausnahme-Trommler Eric Singer (u.a. KISS) und natürlich die Guillotine-Show, bei der Cooper als Delinquent schlichtweg mitten auf der Bühne geköpft wurde.

Alice Cooper zeigte, dass auch nach über 40 Jahren Rock auf der Bühne immer noch der Böse ist. Seine Show ist und war das gekonntes Horror-Spektakel, wie man sie von ihm erwartet und erhofft hatte – eine gelungene Show, die zu jedem Zeitpunkt unterhalten wusste und dazu auch noch eine große Portion echter Rockmusik bot.

Er spielte seine Rolle als Horror Rocker mit vollster Überzeugung, und begeisterte somit generationenübergreifend!