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Area 4 mit u.a.: Donots & Soulfly & NoFX & Itchy Poopzkid & The 69 Eyes & Tool

Ich bin geneigt, zu sagen: Area 4 – Germany’s best Topfestival

Das hört sich nach einer gewagten These an, aber zum Ende dieses Berichtes hoffe ich, euch überzeugt zu haben. Daher fange ich mit dem wichtigsten Grund für ein gutes Festival an: die Auswahl der Bands. Ich gebe euch zu allen Bands, die ich mitbekommen habe, eine kurze persönliche Zusammenfassung:..


Was ich so hören konnte, wurde von der Band aus Ibbenbüren kein Hit ausgelassen und mit aller Macht versucht, die Stimmung anzuheizen. Laut unseren Zeltnachbarn muss es ihnen auch gelungen sein, denn sie fanden den Auftritt äußerst gelungen.

Bei Soulfly war ich mit dabei – und sie sorgten mit ihrem bandeigenen Sound für viel Freude unter den Zuschauern. Ich persönlich fand den Auftritt etwas zu routiniert. So wurden die Sepultura – Klassiker „Roots Bloody Roots“ sowie „Refuse / Resist“ gespielt. An sich ist das ja mit Max Cavalera am Gesang eine gute Sache, aber diese Dinge sehe ich immer eher negativ, da Soulfly eine eigenständige Band ist und über genügend eigene gute Lieder verfügt.

Bei Eagles Of Death Metal blieben wir zunächst lieber am Zelt. Da ich die Band schon ein paar Mal gesehen hatte und sie mich live nie überzeugen konnten, war die Anziehungskraft meines Campingstuhls, eines kühlen Bieres und des guten Wetters größer als der Drang zur Bühne. Dennoch sahen wir die letzten drei bis vier Lieder und mein bereits gewonnener Eindruck wurde bestätigt.

Es folgten NoFX – und was soll man zu den Melodic Core Veteranen noch sagen. Das erste Mal NoFX live war für mich vor 16 Jahren, und seit dieser Zeit haben sie mir immer bewiesen, dass sie eine absolut grandiose Liveband sind. Zwar mag ich ihre Musik nicht mehr so gerne, aber dennoch schaffen sie es immer noch, mit ihrer Performance die Leute zu begeistern. So war das Konzert ein sehr gelungener Abschluss des ersten Tages.

Der Samstag begann mit Turbostaat und Itchy Poopzkid. Als die beiden Bands spielten, war ich selbst jedoch noch in der Aufwachphase und konnte sie nur vom Zeltplatz wahrnehmen, wobei Turbostaat den besseren Eindruck hinterließ.

Für die Lokalmatadore Muff Potter war es danach ein Leichtes, zu einem frühen Zeitpunkt eine Menge Leute zum Gang zur Bühne zu bewegen. So wurden sie schon ordentlich abgefeiert und bedankten sich ihrerseits mit einem rundum gelungenem Auftritt.

Als einzige Metalcore-Band des gesamten Festivals müssten die nun folgenden From Autumn To Ashes eigentlich einen schweren Stand haben – doch weit gefehlt: die Jungs aus New York gingen ab die Feuerwehr, was das Publikum begeistert honorierte. Eine absolut sehens- und hörenswerte Show, für die es einen Daumen hoch gibt!

Nach diesem für mich erstem Highlight entern die Koblenzer Blackmail um Sänger Aydo Abay die Bühne. Auf diesen Auftritt war ich sehr gespannt und wurde vor allem vom Gitarristen Kurt Ebelhäuser nicht enttäuscht. Allerdings gefiel mir Sänger Abay nicht, weil er, meiner Einschätzung nach, etwas zu betrunken war. Dennoch holte er sich Pluspunkte durch seine witzigen Ansagen. Unter anderem klärte er alle auf, dass der Sänger von Billy Talent stünke, was er bei einem gemeinsamen Toilettenbesuch festgestellt habe. Alles in Allem ein äußerst gelungener Auftritt bei bestem Wetter.

Beschwingt von den beiden vorherigen Konzerten wollte ich dann den Engländern Art Brut auch eine Chance geben. Eigentlich hatte ich geplant, die Brit-Pop – Band zu ignorieren. Musikalisch sprach sie mich auch gar nicht an, was vor allem an dem typisch englischen Sprechgesang liegt. Trotzdem muss ich sie aufgrund der Stageaction des Sängers und Gitarristen loben. So versuchte der Sänger Eddie Argos, selbst beim Seilspringen mit dem Mikrophonkabel die Stimmung anzuheizen. Dennoch schaffte es Art Brut nicht, mich bis zum Schluss des Sets zu fesseln und so machte ich mich bereits eher auf die Reise in Richtung Zelt.

Von dort lauschte ich The 69 Eyes, die für mich völlig deplatziert waren auf dem Festival. Wer will schon beim herrlichsten Sonnenschein sich den Schwermut dieser Gothic-Kapelle widmen?

Zu Juliette & The Licks weiß ich dagegen nichts zu sagen. Musikalisch ist die Band meiner Meinung nach eher unteres Mittelmaß, aber live immer wieder sehenswert. Natürlich liegt das fast komplett an den Fähigkeiten der „Bühnensau“ Juliette Lewis, die vor ihrer Band eher Hollywood-Avancen hatte umd mich mit ihrer Show immer mehr an Iggy Pop erinnert. Auch wenn man die Musik nicht mag, die Band muss man einfach gesehen haben.

Unter dem Motto “The Hives are law, you are crime” lieferten Selbige einen grandiosen Auftritt, der keine Wünsche offen ließ. Die Band mit den wahrscheinlich hässlichsten Bärten wusste auf ganzer Linie zu überzeugen und Sänger Howlin’ Pelle Almquist tat sein Übriges dazu. Davon hätte ich gerne mehr gehabt.

Es folgte der – laut Blackmail stinkende Sänger von Billy Talent, bezüglich dessen Auftritt ich im Vorfeld einige Bedenken hatte. Zum Einen, weil ich die neue Scheibe eher mäßig finde und zum Anderen, weil ich Angst hatte, dass Billy Talent einfach nur ihr Set runterspielen.

Statt dessen wurde den Zuschauern eine äußerst ansehnliche Show geboten. Standesgemäß wurde kein Hit ausgelassen und durch ihre Spielfreude überraschten sie mich positiv, so dass meine Bedenken unbegründet waren. Ein wunderschöner Festivaltag ging auf diese Weise würdig zu Ende.

Doch das Wochenende war ja noch nicht um. Und so tat ich mir Sonntag The Draft an. Trotz der frühen Uhrzeit waren pünktlich zu Beginn der -Splitterband wieder ziemlich viele Menschen vor der Bühne. Wahrscheinlich wegen der Popularität der Vorgängerband, die mir selbst mit ihrem charismatischem Sänger Chuck Ragan auch besser gefällt. Doch ich will die Leistung der Amipunk-Combo nicht schmälern, denn ich glaube, dass es noch kein Festival gab, wo eine derart gute Band als Opener des Tages auf der Bühne stand. The Draft werde ich auf jeden Fall im Auge behalten und mir noch mal in einem Club ansehen.

Dass ich später meine Jugendhelden von Jingo De Lunch noch mal erleben durfte, hätte ich kaum zu träumen gewagt. Laut eigener Aussage hat die Band bei ihrem Auftritt dann auch ihr zwanzigjähriges Bestehen gefeiert. Mir kam es so vor, als dass der Zahn der Zeit auch schon an den Mitgliedern genagt hätte – und so wurde die Vorstellung für mich zu einer kleinen Enttäuschung.

Aufgemuntert wurde ich dann von Madsen: Einfach eine einfach eine Spitzenliveband. Zwar habe ich sie schon besser erlebt, aber dennoch konnten sie viele Zuschauer von ihren Qualitäten überzeugen. Es ist einfach immer wieder schön, die Gruppe aus dem Wendland in natura zu erleben. Wer noch nie da war, dem sei gesagt: Hingehen!

Mit Sparta erlebte ich dann eine Hälfte der grandiosen At The Drive-In, die ich erst mit ihrem dritten und aktuellem Output lieben gelernt habe. Live gesehen hatte ich sie noch nie, und so war ich auf diesen Auftritt gespannt. Sie überzeugten mich auch über die Maßen –mit dem Wermutstropfen, dass die Stücke nach meinem Dafürhalten nicht für die Weitläufigkeit eines Festivals gemacht, weswegen die Atmosphäre ein wenig verloren ging. Deswegen werde ich sie mir bestimmt noch mal bei einem Clubkonzert anschauen.

Es folgten die mir bis dato unbekannten… and you will know us by the trail of death, mit deren zungenbrecherischen Namen ich bisher nicht viel anzufangen wusste. Törichterweise zog ich es daher vor, das Zelt abzubauen und das Auto zu beladen. So gelangte ich lediglich in den Genuss der letzten drei Songs und wurde von der Bühnenpräsenz überrumpelt. Das war schon wirklich gut, vor allem die beiden Drummer glänzten durch synchrones Schlagzeugspiel. Ich ärgere mich jetzt ein bisschen, dass ich sie nicht ganz gesehen habe.

Bitter enttäuscht wurde ich dann auch von den hochgelobten Mando Diao. Da stand eine arrogante und lustlose Band auf der Bühne. Ein absolut schlechter Auftritt, der seine Gage definitiv nicht wert war – ein Eindruck, den mir auch mehrere Zuschauer bestätigten, die hauptsächlich wegen Mando Diao vor Ort waren.

Zum Glück bildeten Tool den Festivalabschluss – und es kann keinen besseren geben. Seit der Veröffentlichung von 10.000 Days bin ich mittlerweile fünf Mal in den Genuss gekommen, sie live zu sehen. – und werde immer total überzeugt.

Zwar fand ich den Gesang etwas zu leise abgemischt, doch der grandiose Drummer Danny Carey und der Bassist Justin Chancellor entschädigten mich – was die mit ihren Instrumenten veranstalten, ist einfach unglaublich. So konnte ich doch endlich zufrieden nach Hause fahren.

Insgesamt haben FKP Scorpio mit ihrem Line-Up nach dem Motto „Klasse statt Masse“ absolut richtig gelegen. Das war eigentlich auch die einhellige Meinung der Besucher, mit denen man ins Gespräch gekommen ist. Sehr schade war lediglich, dass Silverchair und Boozed sehr kurzfristig abgesagt hatten.

Überzeugend auch die Lokalität, auf der das Ganze Spektakel statt fand: Der Flugplatz ist richtig idyllisch gelegen und glänzt durch einen schönen, zum Zelten gut geeigneten Rasen. Zudem sind die Hauptwege asphaltiert – besser geht es kaum, da die Wege vom Zeltplatz zur Bühne auch recht kurz waren.

Ein weiteres Plus war die Sanitärsituation. So viele feste Toiletten habe ich bisher kaum auf einem Festival gesehen. Zwar gab es an einzelnen Stellen die berüchtigten „Dixies“, aber die benutzte kaum jemand. Zudem gab es warme Duschen in Einzelkabinen und auch den Helfern, die zu jeder Tages- und Nachtzeit auf die Sauberkeit geachtet haben, gebührt Respekt. Selbst am Sonntag haben die noch beim Kloputzen gepfiffen. Stimmungsmäßig reihten sie sich damit in die Menge von Gästen und Security ein.

Trotz hoher Preise an den Futterbuden und der eigentlich zu geringen Besucherzahl war dies ein Highlight meines Festivalsommers – wenn nicht sogar, um in RTL-deutsch zu verfallen, „Germany’s best Topfestival“