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Bullet For My Valentine, Callejon, Coldrain

Metal(core)-Abrissparty im Hyde Park! Gleich drei Acts aus drei verschiedenen Nationen gaben sich am vergangenen Samstag die Gitarren in die Hand. Mit dabei waren neben den Waliser Headlinern Bullet For My Valentine auch die deutschen Jungs von Callejon und Coldrain aus Japan.


Wer im ausverkauften Hyde Park ein Publikum aus hysterischen Teeniemädels erwartet hatte, der wurde schnell eines Besseren belehrt: War das Publikum doch durchaus bunt gemischt. Nach kurzem „Genuss“ des bei Konzerten im Hyde Park üblichen Plastikbecherbieres ging es bereits um 18:30 pünktlich los mit den Herren von Coldrain. Die Location war gut gefüllt, derart zahlreiches Publikum hat man selten bei dem ersten Act gesehen. Mit ihrer Mischung aus Alternative Rock und Post-Hardcore kam die Band mit der weitesten Anreise beim Publikum gut an und ihre Songs wurden mit viel Applaus honoriert. Gelungene Einstimmung für das, was noch folgen sollte – einzig die Clear-Vocal-Parts des sich verausgabenden Sängers fanden nicht unbedingt meinen Anklang. Insgesamt war es aber ein sehr gelungener Auftritt der Jungs.

Nach knappen 30 Minuten verließen sie die Bühne – und ein durchaus zufriedenes Publikum – um Platz zu machen für die nationale Metalcoregröße Callejon. Verlief zuvor noch alles reibungslos änderte sich das mit dem Beginn des Co-Headliners. Der Sound klang deutlich schlechter und die Stimme des Sängers wirkte zeitweise recht komisch. Im Laufe des Auftritts bekam man es allerdings zunehmend besser in den Griff und den Jungs und Mädels vor der Bühne schien es sowieso nicht aufzufallen – oder egal zu sein. Bereits beim ersten Song schien die Band das Publikum voll auf ihrer Seite zu haben und so wollte Basti dieses auch beim zweiten Stück („Lass mich gehn“) „lauter singen hören als mich selbst!“ Unterstützt wurde dieser Aufruf durch einen kurzen Stromausfall im zweiten Refrain. Das nennt man wohl Timing! Dank der Entertainerkünste vom Rheinländer Mastermind wurden die Probleme aber schnell überbrückt und der Rest der Show verlief ohne weitere Vorkommnisse dieser Art.

Energiegeladen und anspornend ging es weiter und der Schweiß spritzte förmlich durch den Moshpit. Als „Sommer, Liebe, Kokain“ folgte, bedankten sich die Fans mit einer Lautstärke beim Mitsingen, die durchaus beeindrucken konnte. Lobenswerterweise konzentrierte man sich bei der Songauswahl auf die älteren Stücke und so wurde das letzte Album „Man spricht Deutsch“ komplett aus dem Set gelassen – ganz offensichtlich war ich auch nicht der einzige, der das begrüßte. So brauchte Basti auch nur wenige Worte um eine ordentliche Wall of Death während des Songs „Snake Mountain“ auf die Beine zu stellen. Nach einer knappen Dreiviertelstunde näherte sich der Auftritt dem Ende und hinterlassen wurden verschwitzte, kaputte, aber sehr viele glückliche Menschen, wie man dem Großteil im Gesicht ansah.

Waren zahlreiche Besucher auch wegen Callejon da, so haben die meisten der Anwesenden dem Headliner wohl am meisten entgegengefiebert. Diese betraten nach kurzer Umbaupause, unter lautem Applaus und einigen „Bullet! Bullet!“-Rufen, die Bühne, begleitet von dem allseits bekannten „O Fortuna“ als Intro. Nicht nur an dem fast diabolisch anmutenden Beginn erkannte man schnell den Stellenwert von Bullet For My Valentine – von den Reaktionen im Publikum ganz zu schweigen. Als „Raising Hell“ als erster Song aus den Boxen knallte war direkt spürbar: Qualität und Lautstärke sind hörbar aufgedreht worden! Aber auch die Band selber wusste sich gekonnt in Szene zu setzen und die langjährige Bühnenerfahrung war deutlich zu erkennen. Ihr Hang zur Perfektion – immerhin brauchte man sieben Jahre von Gründung der Band bis zur Fertigstellung ihres ersten Album – war auch in der treffenden Balance zwischen den harten Metalriffs und den langsameren, melodischen Parts spürbar. Spätestens als „All These Things I Hate“ als vierter Song den Leuten entgegendröhnte war ein Großteil der Massen nicht mehr zu halten. Überhaupt schien ihre Mischung aus Metalcore, mit Anleihen von Hard Rock und Heavy Metal und diversen anderen Musikgenre, erstaunlich Massenwirksam zu sein. Das wurde nicht zuletzt auch mit vier der „Kerrang! Awards“ in England und den letzten drei Alben in den Top 5 in Deutschland bestätigt. Der Fokus lag, wie wohl bei Bullet For My Valentine-Konzerten üblich, in erster Linie auf der Musik, und so rockten sie sich, mit ihrem mittlerweile kahl geschorenen Sänger Matthew Tuck, etwas wortkarg durch ihre 15 Jahren Bandgeschichte. Wirklich überraschend war für mich die erste Zugabe: so wurde „Ace of Spades“ dargeboten und die sonst, für meinen Geschmack, etwas unpassend hohe Stimme des Sängers kam erstaunlich nah an die von Lemmy heran und jeder Ton saß perfekt. Ausschlaggebend dafür ist wohl auch hier die jahrelange Übung, begannen „Bullet“ ihre Karriere noch als Metallica- und Nirvana-Coverband. So manche Pose des Sängers erinnerte auch gerne mal an James Hetfield.

Um kurz vor 22:00 Uhr wurde der Auftritt mit „Tears Don´t Fall“ bereits beendet, ein Song, den jeder kannte und begeistert mitsang. Und auch wenn der Auftritt sicherlich etwas länger hätte sein können, so hinterließ man im vollbesetzten Hyde Park ein rundum zufriedenes, nassgeschwitztes Publikum, was nicht zuletzt auch an einer sehr gut durchdachten Zusammenstellung von Bands und eindrucksvollen Auftritten lag.

  • 1. O Fortuna (Carl Orff Song / Intro)
  • 2. Raising Hell
  • 3. Scream Aim Fire
  • 4. Your Betrayal
  • 5. All These Things I Hate (Revolve Around Me)
  • 6. 4 Words (To Choke Upon)
  • 7. Temper Temper
  • 8. The Last Fight (Acoustic, Matt Tuck solo for first verse and chorus)
  • 9. Bittersweet Memories
  • 10. Guitar Solo
  • 11. Dirty Little Secret
  • 12. Hand Of Blood / Room 409 / Hearts Burst Into Fire / Begging For Mercy / Riot
  • 13. Waking The Demon
  • 14. Pleasure And Pain

Zugabe:

  • 15. Ace Of Spades
  • 16. Tears Don´t Fall