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Coppelius und Aeronautica

Die Tage werden länger, der Frühling kommt mit großen Schritten auf uns zu und Coppelius machen auf ihrer Frühjahrs/Vinyl Veröffentlichungskonzertreise am heutigen Freitag in der Matrix in Bochum halt. Grund genug also für einen kurzen Abstecher ins Ruhrgebiet. Das denken sich auch die ca. 300 Besucher die mit mir heute die Tube bevölkern.


Und so ist das Etablissement auch schon ganz ordentlich gefüllt, als die Wermelskirchener Steam Punker Aeronautica gegen 20:00 Uhr die Bühne betreten. Und die haben zumindest optisch so einiges zu bieten. Denn wer sich im Steam Punk ein wenig auskennt der weiß, dass es sich bei dieser Stilrichtung um eine Kunstform handelt in der heutige oder zukünftige Technologien mit denen aus der Dampfmaschinenzeit kombiniert werden. Heraus kommen dann unnahbare und unfassbare Figuren, wie man sie sonst nur aus Jules Verne Romanen kennt. Bei Aeronautica stehen die Luftschifffahrt und die so genannten Aeronauten im Mittelpunkt ihres künstlerischen Konzepts. Und was das angeht hat die Band nichts dem Zufall überlassen und präsentiert sich stilsicher im abgewetzten Mantel, mit Dreispitz und Fliegerbrille. Musikalisch gesehen springt der Funke allerdings zunächst nicht so recht über. Die Musik ist schwerfällig und düster, sogar ein bisschen Doom-lastig. Hinzu kommt, dass der Sound nicht besonders gut ausgesteuert ist. Auch das Publikum ist nicht sonderlich begeistert. Im Laufe des Auftritts steigert sich die Band aber zusehends und kann für mehr Stimmung sorgen. Gerade zum Ende hin bekommen die Songs mehr Tiefe und werden etwas melodischer. Und so endet der Auftritt von Aeronautica versöhnlich wenn auch nicht vollends überzeugend.

Laut wird es dann gegen zehn nach neun, als die Herren Coppelius zum Intro „Zauberflöte“ aus einer auf der Bühne aufgestellten Litfaßsäule hervorkommen und das Publikum begrüßen. Sie sind sofort voll in ihrem Element und liefern sogleich die ersten erheiternden Szenen ihrer extravaganten Bühnenshow ab. Ohne große Umschweife kommt man dann auch sofort zur Sache und haut mit „Bitten, Danken, Petitieren“, „Mitten ins Herz“ und „Spieldose“ gleich drei klasse Songs vom aktuellen Album raus. Der Sound kommt druckvoll und deutlich differenzierter als bei Aeronautica aus der PA. Das vernimmt das geschätzte Auditorium natürlich mit Genuss war und ergibt sich in ausgiebigem Klatschen und springen. Und der guten Stimmung können auch der zeitweilig etwas zu leise Gesang und einige Sound Aussetzer nichts anhaben. Wie auch, bieten Coppelius doch neben der Musik auch eine äußerst unterhaltsame Bühnen Akrobatik.

Erwartungsgemäß besteht die Setlist auch im weiteren Verlauf des Konzerts überwiegend aus Stücken des aktuellen Albums „Extrablatt“, auf welches die Berliner ungemein stolz sind. Ganz besonders fällt dies auf als Diener Bastille plötzlich wie ein Geisteskranker an den Bühnenrand sprintet und die just erschienene Vinyl Pressung des „Extrablatt“s vor sich in die Luft hält. Ein Begeisterungssturm geht durch das Publikum. Aber auch sonst macht der Butler heute seinen Job wieder einmal hervorragend. Mal singend mal putzend und feudelnd unterstützt er die Band und trägt so auf fruchtbare Weise zur einzigartigen Coppelius Show bei. Aber auch Max Copella und Comte Caspar sind extrem kurzweilig. Vor allem dann, wenn sie im ultimativen Klarinetten-Battle gegeneinander antreten.

Und so vergeht die Zeit mal wieder einmal im Fluge und die Band kommt gegen viertel vor Elf zum Ende ihrer Show. Aber natürlich nicht ohne noch einmal den Heavy Metal Göttern Iron Maiden zu huldigen. Nachdem sie bereits zuvor „Killers“ zum Besten gegeben haben zelebrieren die werten Herren nun mit „Phantom of the Opera“ einen echten Klassiker den selbst die eisernen Jungfrauen nur allzu selten aufführen. Hierbei überzeugen Coppelius vor allem durch die originelle Art mit der sie den Song covern. Das bekommen nur sehr wenige so authentisch und eigenständig hin.

Im letzten Zugabenblock kehrt die Band dann noch einmal auf das aktuelle Album zurück und pumpt mit „Reichtum“ dann die letzten Kraftreserven aus dem ekstatischen Publikum. Während des Outros verabschieden sich die Berliner dann artig beim Publikum und ein toller Konzertabend geht zu Ende. Im Anschluss gibt es dann noch die Möglichkeit am Merch-Stand Fotos mit den Musikern zu schießen und Autogramme abzustauben. So soll es sein.

Setlist Coppelius:

  • 01. Bitten, Danken, Petitieren
  • 02. Mitten ins Herz
  • 03. Spieldose
  • 04. Geschwind
  • 05. Killers
  • 06. Glabutet ihr
  • 07. Glanz und Eleganz
  • 08. Black is the Colour
  • 09. Locked out
  • 10. Keine Kamera
  • 11. I’d change everyhting
  • 12. Gedicht
  • 13. Olimpia
  • 14. Coppelius hilft
  • 15. Ma Rue A Moi
  • 16. Schöne Augen

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  • 17. Risiko
  • 18 Phatom of the Opera
  • 19 Reichtum