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Die Apokalyptischen Reiter, Tanzwut, Die Vorboten

Die Apokalyptischen Reiter sind wieder auf Tour. Unter dem Motto: „Die Welt ist tief“ und mit den Support Acts Die Vorboten und Tanzwut läuten sie damit wohl endgültig den musikalischen Herbst dieses Jahres ein. Für die heutige Show hat man sich das Aladin in Bremen ausgesucht, welches schon allein aufgrund seiner Bauweise und Einrichtung eine Reise wert ist. Die Wände, Theken und Sitzecken des ehemaligen Kinos sind mit viel Liebe zum Detail hergerichtet worden und versprühen eine wohlige Atmosphäre. Aber auch das Billing kann sich sehen lassen und verspricht eine interessante Musikmischung.


Von daher wundern wir uns erst einmal darüber, dass verhältnismäßig wenige Leute den Weg ins Aladin gefunden haben. Schließlich ist Feiertag und der darauffolgende Samstag für die meisten Leute ja frei. Auch dass Die Vorboten bereits um 19:30 Uhr auf der Bühne stehen irritiert ein wenig, denn eigentlich soll das Konzert ja erst um 20:00 Uhr beginnen. Aber was soll`s. Anfangszeiten werden ja heutzutage eh nicht mehr so ganz genau genommen. Die Jungs aus Wismar zocken ihr Set auf jeden Fall in einer enormen Lautstärke runter. Das wäre ja grundsätzlich nicht so schlimm, wären da nicht ständige Sound-Aussetzer. Mal ist der Gesang zu leise, dann kommt das Keyboard nicht durch. Alles in Allem klingt das ziemlich durchwachsen. Die Band versucht aber tapfer, die geschätzt 50 Nasen vor der Bühne zum Mitmachen zu bewegen. Hierzu werden beispielsweise übergroße aufblasbare Würfel ins Rund geworfen. Bei „Monotony“ ertönt sogar einige Male die Textzeile: „Leben-Sterben“ aus dem Publikum. Ansonsten hält es sich aber mit Partystimmung in Grenzen.

Deutlich schwungvoller geht es dann bei Tanzwut zu, denn der Teufel ist mit seinen Mannen auf „Höllenfahrt“. Während das düstere Intro ertönt versammelt sich im Zuschauerraum ein ansehnlicher Mob, der den Protagonisten auf der Bühne zujubelt. Und dieser wird sogleich von einem derart fetten Bass beschallt, dass einem das Zwerchfell gegen den Kehlkopf drückt. Dazu gesellen sich scharfe Gitarrenriffs, elektronische Synthie-Klänge und ein schaurig kratziger Gesang. Verbunden mit der stimmungsvollen Bühnenshow ein Auftakt nach Maß. Im weiteren Verlauf des Konzertes werden dann Band Klassiker wie „Ihr wolltet Spaß“ oder „Bitte Bitte“ vom begeisterten Publikum abgefeiert. Auffällig ist, dass sich Tanzwut heute immer öfter von ihrer mittelalterlichen Seite zeigen. Die Industrial und NDH Elemente der frühen Alben sind nur noch vereinzelt wahrzunehmen. Das zeigt sich dann auch besonders beim „Rückgratreißer“ bei welchem neben dem Henkermeister, der mit Maske und Galgen auf der Bühne umherläuft, ganz besonders die Dudelsackspieler im Vordergrund stehen. Bei den Fans kommt das auf jeden Fall super an und so entwickelt sich im Pit schnell eine heiße Party, bei der getanzt, geklatscht und gesungen wird. Leider geht diese Party aber viel zu schnell zu Ende.

Doch die Fortsetzung soll nicht lange auf sich warten lassen. Nach einer kurzen Umbaupause ist die Backline der Vorbands weggeräumt und über der Bühne lässt sich ein großes Reiter– Banner erkennen. Ansonsten ist die Bühne eher schlicht gestaltet. Nicht einmal ein Käfig oder eine Schaukel für Dr. Pest ist zu sehen. Und so erscheint Fuchs dann im tiefschwarzen, langen Ledermantel auf der Bühne, als das Set mit „Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit“ beginnt. Ady und Volk-Man präsentieren sich gewohnt leger, während Dr. Pest eher gediegen im klassischen Zweireiher, und ohne Maske oder sonstige Latex-Utensilien hinter seinem Keyboard steht. Die Jungs scheinen im Laufe der Jahre, zumindest was das Outfit angeht, wohl etwas ruhiger geworden zu sein.

Dass dies aber in musikalischer Hinsicht in keinster Weise der Fall ist, beweisen sie dann bei den folgenden Stücken. „Revolution“ verwandelt den kompletten Innenraum zu einem Schmelztiegel der Gefühle und auch „Der Adler“ oder das neue Stück „Ein leichtes Mädchen“ sorgen für ordentlich Bewegung im Pit. Insgesamt ist es jetzt vor der Bühne richtig gut gefüllt, auch wenn im hinteren Bereich oder an den Seiten des Clubs noch reichlich Platz wäre. Beim Drum Solo heizt Sir G. die Meute dann so sehr an, dass sich einige dazu aufgefordert fühlen, beim dumpf daher grollenden „Hört auf“ eine Wall of Death zu veranstalten. Und auch bei „Friede sei mit dir“ und „Es wird schlimmer“ wird kräftig gemosht und die Matte geschwungen. Lediglich ein Circle Pit bekommt das Publikum heute nicht zustande. Dafür darf dann aber der frisch vermählte Fanclub-Präsident bei „Seemann“ zusammen mit seiner Angetrauten auf einem Schlauchboot über das Menschenmeer schippern. Und dabei haben alle sichtlich Spaß.

Kurz vor dem Ende des regulären Sets werden dann die Old-School Fans der Band auch noch einmal bedient. Hämisch und mit einem breiten Grinsen im Gesicht fragt Fuchs nach „Smell of Death“ ob überhaupt noch jemand diesen Song. Den Reaktionen nach zu urteilen wohl nicht mehr allzu viele. Aber die absolute „Reitermania“ soll es dann ja doch noch geben. Jetzt springen und klatschen wirklich alle und die Stimmung ist auf dem absoluten Höhepunkt. Im Zugabenblock lassen die Reiter ihre Show dann standesgemäß mit dem etwas selbstironischen „Die Sonne scheint“, bei dem auch das Publikum noch einmal kräftig mitsingt, ausklingen.

Fazit:

Ein toller Abend, der vor allem durch die Spielfreude der Bands zu einem Erfolg wurde. Die Vorboten hatten es zunächst schwer, aber mit Tanzwut war ein super Anheizer mit an Bord. Und auch die Reiter selbst konnten heute mit ihrer Show überzeugen. Gerade die Songs des neuen Albums funktionieren live einwandfrei. Schön war auch, dass wenigstens ein paar Songs für die Old-School Fans dabei waren. Leider war der Sound nicht immer top. Teilweise wummerte das Schlagzeug etwas zu laut und die restlichen Instrumente und insbesondere der Gesang kamen nur schwer durch. Darüber hinaus war das Konzert aber doch sehr gelungen.

Setlist Die Apokalyptischen Reiter:

  • 1.Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit
  • 2.Revolution
  • 3.Wir
  • 4.Der Adler
  • 5.Ein Leichtes Mädchen
  • 6.Wo Es Dich Gibt
  • 7.Drum Solo
  • 8.Hört auf
  • 9.Friede sei mit dir
  • 10.Es wird schlimmer
  • 11.Nach der Ebbe
  • 12.Seemann
  • 13.Was bleibt bin ich
  • 14.The Smell of Death
  • 15.Unter der Asche
  • 16.Reitermania
  • 17.Rausch

Zugabe

  • 18.Du kleiner Wicht
  • 19.Die Sonne scheint