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Edguy, Unisonic, Starchild

Wenn die Festivalsaison vorbei ist und die Tage wieder kürzer werden, zieht es Fans und Bands wieder in die Hallen und Clubs der Republik. So auch heute in der Turbinenhalle Oberhausen, wo ein ganz besonderer Leckerbissen auf die Liebhaber von melodischem Power Metal wartet. Denn Avantasia Mastermind Tobias Sammet ist wieder mit seiner Stammformation Edguy auf Tour, um ihr neues Album „Space Police – Defenders of the Crown“ zu präsentieren. Außerdem hat man mit Unisonic eine vielversprechende Vorband mit an Bord. Den Opener Slot übernehmen heute Starchild.


Pünktlich um halb acht betreten dann also Starchild die Bühne und liefern von Anfang an eine solide Performance ab. Geboten wird eine Mischung, die musikalisch irgendwo zwischen Iron Maiden, Helloween und Edguy anzusiedeln ist. Die Songs sind geprägt von treibenden Double-Bass Rhythmen, schnellen Riffs und verspielten Soli. Außerdem lassen sich in Stücken, wie zum Beispiel dem nach der Band selbst benannten „Starchild“, immer wieder Science Fiction Elemente finden. Darüber hinaus beweist Sänger Sandro Giampetro, dass er nicht nur ein begnadeter Songschreiber ist, sondern auch mit einer super Stimme gesegnet ist. Leider kommt die Band heute beim Publikum nicht so überragend an, und so bleibt es lediglich beim Anstandsapplaus.

Ganz anders sieht das aus, als Unisonic die Bühne entern. Die Band wird von den Fans frenetisch begrüßt und abgefeiert. Der Sound ist, wie auch bereits bei Starchild von Anfang an voll da. Lediglich sein Mikro muss Sänger Michael Kiske erst einmal einschalten, bevor seine Stimme durch die Halle schallt. Nachdem die ersten drei Songs relativ schnörkellos und zielstrebig präsentiert werden, zeigt das Duo Hansen und Kiske dann, dass es auch heute noch mindestens genauso gut funktioniert wie vor über zwanzig Jahren bei Helloween. Auch Zweitgitarrist Mandy Meyer und Basser Dennis Ward fügen sich gut in die Bühnenshow ein. Immer wieder wechseln sie die Seiten, posen gemeinsam, oder heizen das Publikum an. Höhepunkt der Show ist dann aber doch wieder ein Klassiker. Mit kräftiger Unterstützung des Publikums wird gegen Ende der Show dann nämlich die Helloween Nummer „I want out“ zum Besten gegeben. Kiske beweist hier einmal mehr, dass er immer noch eine klasse Stimme hat, die auch bei den hohen Parts sicher und druckvoll aus den Boxen kommt. Beschlossen wird der Auftritt dann mit dem Up-Tempo Song „Unisonic“, der sowohl der Band, wie auch dem Publikum noch einmal alles abverlangt. Spätestens jetzt ist klar, dass Oberhausen bereit für Edguy ist.

Und dann ist es endlich soweit. Die Halle wird dunkel, auf der Bühne flackert das Licht, und aus den Boxen ertönt das Intro zur Edguy Show, in welchem die Space Police, die Millionen von Lichtjahren gereist ist, um die Menschheit aus der Unterjochung zu befreien, angekündigt wird. Kurz darauf beginnt die fulminante Show mit „Love Tyger“. Die Jungs scheinen heute extrem gut aufgelegt zu sein und versprühen eine ungemeine Energie. Tobi fegt wie ein Flummi über die Bühne und animiert die Fans zum Klatschen und Springen, während die Gitarrenfraktion mit breitem Lachen im Gesicht abrockt und dabei sichtlich Spaß hat. Das lässt die Leute vor der Bühne natürlich nicht kalt, und so entwickelt sich der Mitsing Teil von „Defenders of the Crown“ zu einem Triumphzug für Sammet und Co. Die Tatsache, dass die heutige Show, nach Tobi’s Aussage, für eine spätere, noch nicht genauer bestimmte Verwendung, aufgezeichnet wird, heizt dem Oberhausener Mob dann noch einmal zusätzlich ein. Beim darauffolgenden „Vain Glory Opera“ erreicht die Stimmung einen ersten Höhepunkt. Die ganze Halle hat die Arme erhoben und klatscht enthusiastisch mit. Nicht nur, dass es schon beachtenswert genug ist, die Turbinenhalle an einem Sonntagabend nahezu auszuverkaufen; es gelingt Edguy zudem heute auch noch eine Bombenstimmung zu transportieren und eine famose Metal-Show abzuliefern. Auch das Schlagzeugsolo, welches Felix Bohnke unter dem Flackern der Stroboskope und zum eingespielten „Imperial March“ aus Star Wars, zum Besten gibt, ist alles andere als langweilig. Schnell wird hier klar, warum der Edguy-Oberfellverdrescher zu den besten Schlagzeugern der Heavy Metal Szene gezählt wird und erntet ordentlich Applaus.

Bevor die Band dann mit „Rock me Amadeus“ dem österreichischen Ausnahmekünstler Falco huldigt, macht Tobias mit seiner gewohnt lockeren Art noch einmal klar, dass es allein die Band ist, die entscheidet, welche Songs auf die CD kommen oder auf Konzerten gespielt werden. Das sei ein Grundprinzip von Heavy Metal. Das Publikum beantwortet die Ansage mit Jubeln und Klatschen. Insgesamt interagiert Sammet heute extrem gut mit dem Publikum und hat die Meute heute zu jeder Zeit voll unter Kontrolle. Und das ohne zu langweilen oder zu kitschig zu werden. Sehr souveräner Auftritt. Nachdem man dann mit „Land of the Miracle“ und „Babylon“ noch einmal zwei Klassiker vom „Theater of Salvation“ Album raushaut, macht sich Edguy noch einen kleinen Scherz und spielt kurz Iron Maiden’s „The Trooper“ an, bevor der reguläre Set mit „Tears of a Mandrake“ zu Ende geht.

Zum Zugabenblock erscheint plötzlich eine riesige dreidimensionale Figur des Space-Cops vom Album Cover auf der Bühne und bereichert damit noch einmal die mächtige, aber dennoch dezente Bühnen-Deko der diesjährigen Tour. Fast schon erwartungsgemäß werden nun die Bandhymnen „Lavatory Love Machine“ und „King of Fools“ zusammen mit den Fans zelebriert. Und so geht diese energiegeladene Show nach gut eineinhalb Stunden dem Ende zu und hinterlässt freudestrahlende Gesichter im Publikum. Alles in allem eine super Vorstellung mit einer tollen Setlist, gutem Sound, einer eindrucksvollen Bühnenshow und vor allem einem klasse Publikum. Man hat wirklich das Gefühl, dass Edguys Rückkehr nach Oberhausen sehnlichst erwartet wurde. Und die Erwartungen der Fans wurden nicht enttäuscht.

Setlist Edguy

  • 1.Love Tyger
  • 2.Space Police
  • 3.Out of Vogue
  • 4.Superheroes
  • 5.Defenders of the Crown
  • 6.Vain Glory Opera
  • 7.Drum Solo (Imperial March – Darth Vader Theme)
  • 9.Rock Me Amadeus (Falco cover)
  • 10.Land of the Miracle
  • 11.Babylon
  • 12.The Trooper (Iron Maiden cover) (Snippet)
  • 13.Tears of a Mandrake

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  • 14.Lavatory Love Machine
  • 15.King of Fools