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In Extremo & Dritte Wahl

Kurz bevor sich die sieben Vaganten für längere Zeit von den Bühnen Deutschlands verabschieden werden, um das Ausland zu bereisen und sich auf das große Jubiläumsfestival vorzubereiten, machen In Extremo kurz vor Weihnachten noch einmal Halt in der altehrwürdigen Bischofsstadt Münster. Im Vorprogramm sind die Punkrocker von Dritte Wahl zu sehen.


Das Jovel ist zu etwa drei Vierteln gefüllt, als Dritte Wahl in ihr Set starten. Das Trio um Sänger und Gitarrist Gunnar Schröder hat sich heute Verstärkung von Pianist Dietmar Staskowiak geholt. Und der scheint ordentlich Spaß an der Sache zu haben. Mit seinen langen Haaren geht er bei den Songs voll mit und bereichert sie um ein versiertes Keyboardspiel. Mit spitzer Wortakrobatik, linkspolitischer Lyric und teils brachialen Arrangements ballern die Rostocker ihre Songs in die Menge. Begeisterungsstürme ernten sie dafür aber eher nicht. Das Publikum steht zumeist regungslos vor der Bühne, lauscht und spendet gelegentlich Anstandsapplaus. Dritte Wahl wirkt extrem deplatziert. Außerdem erinnert der Sound eher an eine leere Fabrikhalle und ist ziemlich blechern. Die Ansagen sind fast nicht zu verstehen und auch die Texte gehen meist im Brei aus Gitarre und Bass unter. Alles in allem eher ein mäßiger Auftritt.

Auch als In Extremo gegen 21.00 Uhr die Bühne betreten, kann man mitnichten von einem anständigen Sound sprechen. Der soll sich erst Mitte des Gigs auf einem vernünftigen Level einstellen. Was Spielfreude und Bühnenperformance angeht, ist der Band allerdings nichts vorzuwerfen. Den Anfang macht Dr. Pymonte bei „Rasend Herz“, als er, wie üblich, das modifizierte Hackbrett bedient und damit die Show einläutet. Die restlichen Spielleute folgen und verwandeln die Bühne sogleich in ein Spielfeld der guten Laune. „Zigeunerskat“, „Vollmond“ und auch die „Feuertaufe“ werden von der Band unter dem Einsatz von reichlich Pyros und Feuer standesgemäß vorgeführt. Das Einhorn interagiert gut mit dem Publikum und fordert immer wieder zum Mitmachen auf. Leider zunächst mit mäßigen Erfolg. Die Zuschauer scheinen noch nicht so richtig warm zu sein und lassen ein wenig den nötigen Enthusiasmus vermissen. Gerade auch, weil Songs wie „Gaukler“, „Himmel & Hölle“ oder auch „Unsichtbar“ wunderbar emotionsvoll dargeboten werden. Es soll tatsächlich bis kurz von dem Ende des regulären Sets dauern, bis das Münsteraner Publikum seine Scheu ablegt und mal ein wenig Stimmung macht. Aber dafür werden „Belladonna“, „Frei zu sein“ und „Küss mich“ auch nach allen Regeln der Kunst abgefeiert. Und das immer wieder unterfüttert mit Pyros und einer prachtvollen Lichtshow.

Im Zugabenblock kommen dann noch einmal die Fans der ersten Stunden auf ihre Kosten. „Ai vis a lol lop“ und „Spielmannsfluch“ gehören ja sowieso schon zu den Standardzugaben. Aber „Villeman og Magnhild“ ist dieser Tage dann doch schon etwas Besonderes. Zumal bei selbigem Stück auch mal wieder die Becken brennen. Das habe ich schon seit langem nicht mehr bei In Extremo gesehen.

Insgesamt liefern In Extremo heute eine echt gute Show ab. Den Fakt, dass dies der vorletzte Abend der Tour ist, merkt man den Jungs auf der Bühne zu keinem Zeitpunkt des Auftritts an. Lediglich das Publikum hätte etwas mehr aus sich heraus kommen können. Aber auch wenn das hier heute kein Jahrhundertauftritt ist, so macht der doch verdammt Lust auf das Jubiläumsfestival im nächsten Jahr auf der Loreley.

Setlist

  • 1.Mein Rasend Herz
  • 2.Zigeunerskat
  • 3.Vollmond
  • 4.Feuertaufe
  • 5.Herr Mannelig
  • 6.Alles schon gesehen
  • 7.In diesem Licht
  • 8.Unsichtbar
  • 9.Gaukler
  • 10.Liam
  • 11.Himmel & Hölle
  • 12.Merseburger Zaubersprüche II
  • 13.Belladonna
  • 14.Sängerkrieg
  • 15.Frei zu sein
  • 16.Küss mich
  • 17.Aufs Leben

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  • 18.Ai vis a lol lop
  • 19.Spielmannsfluch
  • 20.Villeman og Magnhild