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Istapp – Frostbiten

ISTAPP ist einfach eine Spaßband. Ich hoffe aber inständig, dass die Schweden der deutschen Sprache nicht mächtig sind um meine Einleitung hier lesen zu können. Denn sonst könnte ich mich wohl schon einmal auf ein vorzeitiges Ableben gefasst machen. Gemäß diverser amüsant zu lesenden Interviews ist es ja das erklärte Ziel der beiden Tiefkühl-Freunde hinter ISTAPP, all die hässlichen Sonnenanbeter auszuradieren und die scheinende, verhasste Kugel vom Himmel zu ballern, um danach den Absoluten Nullpunkt zu errichten.

istapp2015Unweigerlich kommt mir dabei immer „Arktos der Schneemann“ aus Peter Maffays Kinderzeichentrickserie „Tabaluga“ in den Sinn: zickig und polternd – aber eben doch nicht wirklich böse. Und das ist leider auch das Problem des zweiten Albums des Duos bestehend aus Sänger Isar und Instrumentalist Fjalar. Denn verpackt in diesen zwar fetten und modernen, aber eben auch „warmen“ Sound will die fiese Message einfach nicht vollständig überzeugend rüberkommen. Außerdem fällt das Album im Verlauf qualitativ ziemlich ab, doch kommen wir mal zu den einzelnen Songs:

Der Opener APEP beginnt mit kompromisslosem Geknüppel, einer frostigen Gitarrenmelodie und garstigem Gekeife und gibt damit die Marschrichtung der kommenden 35 Minuten vor. Die Instrumente werden beherrscht und das zeigt man auch gerne. Gut hörbare, virtuose Bassläufe passen sich hervorragend in die präzise gespielten Drums ein und auch das Songwriting funktioniert hier noch – die Birne wippt wie von selbst, so sollte es sein. Ein gelungener Auftakt ist vollbracht.

Der Titelsong FROSTBITEN ist die erste Hymne des Albums, denn nach einer kurzen Raserei stellt sich der klare Gesang im Refrain schnell als ein Markenzeichen ISTAPPs heraus und wird von Kenner des Debuts sicherlich freudig wiedererkannt. Leider ist der Track (wie fast alle Titel auf der Platte) einfach zu kurz geraten und endet ziemlich abrupt. Schade, da hätte man noch mehr in die Tiefe gehen können…

KALL(ELSEN) ist eine wahre Doublebase-Walze und besticht vor allem mit seinen ekstatischen Gitarrenläufen. Während der langsameren Parts gleitet man sogar mal in schwedendeath-artige Gefilde hinüber und gerade diese Verträumtheit macht die Nummer zum Höhepunkt der Platte. Leider ist aber auch da nach nicht mal 3 Minuten der Ofen wieder aus.

Weiter geht’s mit SKOLL, und schon knallt wieder. Catamenia schießt mir als erster Name ins vertrocknete Gehirn, da die Kombination aus Blasts und Melodie zunächst schwer an die finnischen Schwarzmetaller erinnert. Leider kommt man aber nicht ganz an deren Eingängigkeit heran und so bleibt von der Nummer nur wenig hängen, außer dass man im Refrain mal das wohl obligatorische „Skoll“ gerufen hat. Naja, hätt´s auch nicht unbedingt gebraucht…

Deutlich andächtiger und bemerkenswerter wirkt das darauf folgende PRIMUM FRIGIDUM, hier gibt’s auch endlich wieder die klaren Vocals. Die Mixtur aus Knüppel und Midtempo beschwört eine nächtliche Szenerie förmlich herauf und hebt die epischen Melodien der Gitarren besonders hervor. Ein weiterer Höhepunkt auf dieser Platte.
Auf POLCIRKELNS HERRE versucht man es zum ersten Mal auch akustisch, so richtig klirren zu lassen. Die bisher noch vergleichsweise lustigen Melodien weichen frostigen, eher nach norwegischer Gangart klingenden Harmonien. Hier merkt man aber, dass die Talente des Songwriters Fjalar eher nicht zu Hause sind. Es schleppt sich etwas uninspiriert voran und zum ersten kommt allmählich etwas Langeweile auf.

FIMBULVINTER ist wieder ein flotter, eingängigerer Titel, dem aber leider auch die Motivation fehlt: Viel Wiederholung, wenig Abwechslung – aber immerhin noch ganz gut auf die Fresse. Sicher aber eine der weniger bedeutenden Nummern.

Das ändert sich auf Må DET ALDRIG TÖA zum letzten Mal. Obwohl der Titel erstmal etwas schleppend anläuft, wandelt er sich bald zu einer recht intensiven Angelegenheit. Eher im Midtempo gehalten fallen hier vor allem die anmutigen Chöre sehr angenehm auf und geben dem Song einen sehr gemütlichen Charakter.

Mit VINTERLAND hat man zu Beginn nochmal eine wirklich hervorragende Gitarrenmelodie im Gepäck, deren Fluss man aber leider durch ziemlich mittelmäßige Füllriffs schnell abbremst. Dieser Titel ist das beste Beispiel dafür, dass es insgesamt etwas an der Ausarbeitung der guten Ideen mangelt.

VIT MAKT drückt ebenfalls nochmal ordentlich aufs Gaspedal, hat aber letztlich auch nicht mehr viel zu bieten als der Titel davor. Man hat etwas den Eindruck, dass die beiden letzten Titel noch eilig dazu komponiert wurden, um das Release auf Albumlänge zu strecken.

Abrundend sind die zehn Hasstiraden auf die Thermodynamik zwar durchaus hörenswert für Die-Hard-Fans von Dissection, Catamenia oder auch Taake, zu einem Meilenstein reicht es aber beileibe noch nicht. Außerdem fehlt dem Album auch ein absoluter Überhit wie „I väntan på den absoluta nollpunkten“ vom Debut. Leckere Ideen sind ohne Zweifel vorhanden, hätten aber deutlich liebevoller ausgebaut werden müssen, was aktuell Bands wie etwa KAOS SACRAMENTUM, SVARTRIT oder SETHERIAL auf ihrem Klassiker „Nord“ wesentlich besser hinbekommen. Und ob das verschrobene Konzept und der geniale Klargesang allein reichen wird, ISTAPP langfristig zu etablieren, wird fraglich sein.

 

Tracklist:
1. Apep
2. Frostbiten
3. Kall(elsen)
4. Skoll
5. Primum Frigidum
6. Polcirkelns Herre
7. Fimbulvinter
8. Må Det Aldrig Töa
9. Vinterland
10. Vit Makt

Wertung: 6.5 von 10