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Mercenary – The Hours That Remain

Nach ihrem kommerziellen Durchbruch mit dem Vorgänger “11 Dreams” (2004), der ihnen die Tür zu namhaften Festivals wie Wacken, Roskilde oder Dynamo öffnete, legen Mercenary nun mit „ The Hours That Remain“ nach.


Dumm nur, dass kurz vor dem Beginn der Aufnahmen Bassist und Mastermind Hendrik „Kral“ Andersen nach 15 Jahren seinen Hut nahm und die Band überraschend verließ. Für die restliche Mannschaft gilt es also nun sowohl sich als auch der übrigen Welt zu beweisen, dass Mercenary mehr war als nur ein Soloprojekt des Herrn Kral mit musikalischer Unterstützung. Schon mal eins vorweg: Mercenary haben sich verändert! Kein Wunder, da sich Abgänger Kral doch hauptverantwortlich für Musik und Texte zeichnete und seiner Truppe meist fast komplett ausgearbeitete Stücke vorlegte an denen nicht viel zu rütteln war. Während der Aufnahmen nahm Mercenary-Dauerproduzent Jacob Hansen die tiefen Töne in Beschlag, die dann nach Vollendung an Neuzugang René Pedersen wanderten.Fakt ist, dass die melodischen Passagen mehr in den Vordergrund gerückt sind und die Death Metal-Elemente wesentlich kleiner geworden sind. Soundtechnisch hat sich auch einiges getan, so findet sich das Sextett nun in einem Klanguniversum à la Stratovarius und Blind Guardian wieder. Dies wird schon beim Hören des Openers „Redefine Me“ klar, der nach kurzem Intro zwar harte Gitarrenriffs und Doublebassgewummer beinhaltet, aber durch das Keyboard und den überwiegend cleanen Gesang melodiös gehalten wird. Hier kommt auch gleich das erste Schmankerl des Albums zu Tage: Björn Strid (Soilwork) unterstützt Mikkel Sandanger und seine dänische Truppe am Mikro! Bei „Year Of The Plague“ kommen die Deathelemente stärker zum Tragen, wodurch der Song auch gleich mit einer der härtesten dieses Albums ist. Mike trommelt sich in den Strophen den Frust von der Seele, während Mikkel sich die Lunge aus dem Hals kreischt und das Gitarrenduo Buus/ Molbjerg eine hervorragende Rhythmusarbeit leistet; das Keyboard hält sich dezent im Hintergrund und macht somit den Weg für Gitarren und Gesang frei. Der Refrain kommt dann wieder etwas epischer mit Cleangesang daher. „My World Is Ending“ kommt durchgehend mit klarer Stimme aus und verzichtet auf härtere Zwischenparts, wird dadurch allerdings auch schnell langweilig, da Refrain und Strophe sehr ähnlich klingen.Etwas anders geht es da schon bei „This Eternal Instant“ zur Sache. Hier dürfen die Gitarren wieder härter und schneller angeschlagen werden und das Keyboard liefert die passenden Flächensounds dazu. Aufgewertet wird das Stück zusätzlich durch einen 40sekündigen Mittelpart, der einen „Märchenerzähler“ zu Wort kommen lässt und somit Abwechslung hineinbringt.

„Lost Reality“ ist für mich einer der Hits dieser Platte, da mich der anfängliche Keyboardsound und die dazugehörige Melodie doch sehr stark an „Walk To My Own Song“ von Stratovarius erinnert und die Strophe sehr Anders Friden-like daherkommt. Diese beiden Elemente wurden hier schön miteinander vereint, jedoch könnte der Chorus ruhig mal eine andere Struktur bzw. Gesangslinie vertragen, da bisher alle Refrains sehr gleich klangen und damit den Wiedererkennungswert sinken lassen. Mit „Soul Decision“ kommen wir zu dem 2. Stück der härteren Gangart. Flotte, rhythmische Gitarrenarbeit, dezentes Keyboard und verbale Unterstützung von Heaven Shall Burn – „Sänger“ Marcus Bischoff.Ein echtes Aufhorchen beim Durchhören der Platte konnte mir „Simplicity Demand“ entlocken, da dieser Song ganz im Gegensatz zu den übrigen Tracks mit einem ruhigen kurzen Gitarrenspiel eingeleitet wird und daraufhin voll loslegt. Mal echte Dynamik hier, allerdings beschränkt sich dieses leider wirklich nur auf den Anfang. Hätte gern davon zwischendrin etwas mehr gehabt, um dadurch die harten Gitarren mehr zur Geltung zu bringen! „Obscure Indicretion“ hat bis auf ein schönes Solo keine großen Neuerungen gegenüber seinen Vorgängern zu bieten.„My Secret Window“ bleibt da schon eher wieder hängen, da hier ordentlich zwischen cleanem Gesang und Gekreische gewechselt wird, so dass nicht so schnell Eintönigkeit aufkommt, womit manche der Stücke auf diesem Album durchaus zu kämpfen haben. Auch der Titelsong „The Hours That Remain“ beinhaltet nichts, was der Hörer in den vergangenen ca. 55 Min. nicht schon gehört hätte, bis auf das ruhige Outro, das dieses Bombastalbum zu einer runden Sache macht.Fazit: Boah, ist mir dieses Review schwer gefallen, da hier wirklich gute Musiker an der Arbeit waren, allerdings bei ihrer Arbeit zu sehr auf Komplexität gesetzt haben, um sich, auch ohne Kral, der Welt zu beweisen. „The Hours That Remain“ beinhaltet bis auf 1 – 2 Ausnahmen wirklich gute Songs, die jedoch schlichtweg zu lang geraten sind und dadurch eine Menge an Hörfreude einbüßen. Zudem sind mir nach gut 4 Liedern die Refrains auf die Nerven gegangen, weil sie echt alle gleich klingen! Trotz alledem ist diese Scheibe ein Hörerlebnis, da hier ein Klanguniversum aufgebaut wird, dass sich dem Zuhörer erst nach mehrmaligem Durchhören erschließt (und glaubt mir ich habs mir echt oft angehört!) und dadurch teilweise wie eine Mischung aus epischer Filmmusik und deathangehauchtem Metal wirkt. Mehr Abwechslung und Dynamik wären zwar schön gewesen, aber man kann ja bekanntlich nicht immer alles haben. Dafür wird der „Limited Edition“ noch eine Bonus – DVD beigelegt, die ein „Making of“ und Liveaufnahmen mit einer Lauflänge von 120 Min. beinhaltet.

Wertung: 7 von 10