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Nightwish – Dark Passion Play

Im Vorfeld gab es schon viel Kritik am kommenden Nightwish Album ”Dark Passion Play”: Nach der Trennung von Tarja Turunen – die oft als das Gesicht der Band gesehen wurde – befürchteten viele einen Abstieg in der Gesangsqualität.


Außerdem veranlasste die erste Single “Eva“ Fans der härteren Gangart zu Bekundungen ihres Missfallens; gott sei Dank lösen sich beide Sichtweisen in Rauch auf, wenn man sich den kompletten Longplayer erst einmal zu Gemüte führt. Wer Nightwish nach der Veröffentlichung von “Eva“ radiotauglichen Weichspülmist vorwarf, der ist ja bereits von der zweiten Single “Amaranth“ eines Besseren belehrt worden. Und was die neue Sängerin Anette Olzon betrifft, so kann man wirklich nur staunen. Ihre dunklere Stimme ist keinesfalls nur eine blasse Kopie von Tarja, sondern bringt eine ganz neue Note in die Musik der Band ein. Gleichzeitig lässt sie aber auch an ein oder zwei Stellen des Albums durchblitzen, dass sie durchaus dazu in der Lage ist, so hoch zu singen, wie die ehemalige Fronterin. Auffällig ist die Tatsache, dass ihre Stimme sich wesentlich besser in das musikalische Material einfügt. Wo in der Vergangenheit hin und wieder der Eindruck entstand, dass die Musik nur geschrieben worden wäre um den Gesang zu unterstützen, sind beide nun gleichberechtigt und fügen sich zu einem homogenen Gesamtbild zusammen.Aber Anette ist nicht mehr die einzige Sängerin bei Nightwish: Hatte Marco Hietala in der Vergangenheit schon mal den ein oder anderen Part übernommen, so wurde seine Gesangsarbeit auf diesem Silberling noch einmal intensiviert. Mal unterstützt er wie früher seine Gesangskollegin mit Backing Vocals, mal steht seine Stimme gleichberechtigt neben ihrer. Im thrashigen „Master Passion Greed“ übernimmt er sogar die Hauptarbeit. Lediglich in den Chören im Refrain ist Anette zu hören.Das musikalische Material auf “Dark Passion Play“ kennzeichnet sich vor allem durch Epik. Schon der Longtrack „The Poet And The Pendulum“ lässt sich Zeit für schöne Melodiebögen, ansprechende Gesangsparts, hymnische Orchesterausbrüche und pompöse Chöre. Alles Elemente, die sich auf der gesamten Scheibe wieder finden. Auf ihr schaffen die fünf Musiker immer wieder ein dichtes Klanggewebe, das zwischen Epik, Eingängigkeit, Gefühl und Härte schwebt und somit eine schon fast perfekte Mischung darstellt. Dazu kommen dann immer wieder die Songtexte, für die das Quintett berühmt ist: Mit viel sprachlichem Feingefühl erschaffen, gleichen sie eher ansprechender Lyrik und passen dennoch perfekt zur Musik.Zwar sind Nightwish auch auf diesem Album als das zu erkennen, was sie sind, doch schleichen sich auch immer wieder innovative Elemente in die Songs ein: So liebäugelt „Cadence Of Her Last Breath“ durch Sprechgesang mit amerikanischem New Metal, während uns zum Abschluss des Albums in „Meadows Of Heaven“ sehr soulige Gesangsparts präsentiert werden. Mit Flötenklängen und archaischen Drums tritt „The Islander“ durch die Tür, welche die Combo auf “Once“ mit „Creek Mary’s Blood“ geöffnet hatte, entwickelt sich dann aber zu einer Folk Nummer, die ganz leicht an Blackmore’s Night erinnert. Auch das nachfolgende “Last Of The Wilds“ geht mit akustischen Gitarren und Geigenmelodien in die folkige Ecke ohne jedoch ausgetretene Pfade des skandinavischen Viking Metals oder der deutschen Mittelalterszene zu kopieren. So erschaffen die Musiker etwas völlig eigenständig Neues.Das kann man übrigens auch über “Dark Passion Play“ in seiner Gesamtheit sagen. Dieses Album verliert auch nach mehrmaligen Durchläufen im CD Player nicht seine Spannung, die es maßgeblich aus der bewundernswerten Gesangsarbeit und der musikalischen Vielschichtigkeit zieht. Da steht das thrashige „Master Passion Greed“ einträchtig neben der Ballade „Eva“ und dem irgendwo dazwischen liegenden „7 Days Of The Wolves“. Gerade diese Vielschichtigkeit ist es auch, die für den Erfolg des Silberlings wenigstens in der Szene sorgen wird. Ob sich der kommerzielle Erfolg von “Once“ noch einmal einstellen wird, wo mit Tarja das hauptsächliche Werbegesicht verschwunden ist, darf allerdings in Frage gestellt werden. Das ist allerdings nur ein neuerlicher Beweis für die Ehrlichkeit und das Herzblut, mit denen Nightwish an ihre Arbeit gehen. Dieses Album gehört definitiv in den Schrank jedes Metallers. Wer es nicht kennt, hat was verpasst!

Wertung: 10 von 10