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nullDB – Endzeit

Ja, die Endzeit. Von „mayaphilen Internetusern“ in die Weihnachtszeit interpretiert, die Zombieapokalypse oder allgemein von irgendwelchen, selbsternannten Propheten gepredigt: Für die Menschen heute scheint das Ende der Welt zu den Events zu gehören, das besonders erlebenswert gilt. Und eines steht jetzt schon fest: Nämlich dass danach sicher kein Ereignis dieses eine überragen wird. Das Gleiche würde ich gerne auch über „Endzeit“ von nullDB sagen können, aber es ist weder entsprechend einzigartig noch katastrophal.


Wer die selbsternannte „Hoffnung für Freunde der härteren Musik“ noch nicht kannte, so wie ich, dem möchte ich einen kleinen Überblick verschaffen: nullDB stammen aus Würzburg und machen eine Mischung aus Neuer Deutscher Härte und Nu Metal. 2002 unter dem Namen Bulletproofed gegründet gewann die Formation 2008 den „Deutschen Rock und Pop Preis“ in der Kategorie „Best Hard n´Heavy Band“, um sich aus unerklärten Gründen 2009 in nullDB umzubenennen, und das Debutalbum „Im Auge des Sturms“ zu veröffentlichen, sowie in der lokalen Würzburger Clubszene zu touren. Seit dem 14.12.2012 ist nun das zweite vorliegende Album auf dem Markt, um die Erfolgsgeschichte weiterzuschreiben, wovon man sich auch auf den diversen Festivals des Jahres, darunter das Wacken Open Air, überzeugen darf. Ein großer Schritt also.

Nachdem ich also die Bandbio mehr überflogen als wirklich studiert habe waren meine Erwartungen gelinde gesprochen niedrig. Wer so umschweifend im Vorfeld davon überzeugen will, ganz anders als die Großen des Genres zu sein, dennoch aber den Vergleich zu Rammstein ziehen muss, der hat auch sonst wenig zu bieten und fischt nach leichtgläubigen Hörern. Denn ich höre hier sicher kein Rammstein raus, zu wenig Wucht liegt in der Stimme von Sänger Frank Kühnlein, als dass ich es wagen würde, ihn mit Till Lindemann zu vergleichen. Nein, sowohl thematisch als auch musikalisch wirken Oomph! eher als vorsichtiges Vorbild dieser Band, und was den Vocalpart angeht, nun, da möchte ich den Vergleich zu Michael Rhein von In Extremo in einer deutlich jüngeren Variante ziehen.

Zugegeben, stellenweise klingt der Gesang zu jung, fast unreif, verglichen mit den überraschend abwechslungsreichen Kompositionen, aber das lässt sich hier gut verzeihen. Was mir teilweise nicht so leicht fiel zu verzeihen, waren die gelegentlich holprigen Reime und das zeitweilig sehr einseitige Weltbild á la „Ich hab den Durchblick und alle anderen sind dumm“. Ein wenig mehr Tiefgang täte der Message in der Regel sehr gut. Mehrdeutigkeit, Tabubruch und Subtilitäten sind schließlich was Rammstein, Oomph! und Eisbrecher/Megaherz groß gemacht haben.

Wirklich stark sind die Würzburger aber in ihrer Performance. Das Album wirkt darüber hinaus außerordentlich gut produziert, die Abmischung ist perfekt.

Trotz meines allgemein guten Eindrucks sind einige Baustellen unangenehm offensichtlich. Abgesehen von besagten Schwächen bei den Vocals haben die Jungs echtes Potenzial ein Name des Genres zu werden, wenn die Tracks noch einmaliger wären, denn so bleibt bisher wenig hängen. Es wird gängiger, handwerklich sauberer Nu Metal mit ein bisschen NDH-Einschlag geboten, der aber harmlos ist. In den Texten werden Probleme der Gesellschaft oder des Zwischenmenschlichen zwar angesprochen, aber auch hier fehlt jeglicher Biss. Diese „Hoffnung für Freunde der härteren Musik“ bezieht sich für mich noch ganz stark auf Leute, denen der Graf von Unheilig zu hart ist und Rammstein zu hintergründig. Selbst Rampensau Alexx „Der Checker und Pokérapper“ Wesselsky ist weniger von sich selbst eingenommen, wenn es darum geht seine Projekte zu bewerben. Wenn man aber von der übertriebenen Eigenwerbung absieht bekommt man ein bemerkenswert hörbares Werk einer jungen, ambitionierten Band, die aber gerne noch ein wenig mehr Engagement in Sachen Lyrics und allgemein Härte geben darf.

Tracklist

  • 01. Tyrannei
  • 02. Endzeit
  • 03. Roter Regen
  • 04. Kinder des Zorns
  • 05. Kaltes Herz
  • 06. Versuch es doch
  • 07. Leben
  • 08. Taub Blind Stumm
  • 09. Freiheit
  • 10. Die Jagd beginnt
Wertung: 6 von 10