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Old Cannibal – The old cannibal and the sea

Alaaf! OLD CANNIBAL aus BAP-City melden sich mit ihrem Playus-Longus „The old cannibal and the sea“ erstmals lautstark zu Wort.

oldcannibal2015Das Cover des Debüts lockt einen optisch zunächst auf eine falsche Fähr(t)e: so glaubt man doch glatt Sodoms Bandmaskottchen Knarrenheinz mit seiner Nussschale gestrandet zu erkennen und gleich rumpelartige Salven um die Ohren zu bekommen…aber falsch gedacht, denn OLD CANNIBAL schicken Melodic Metal mit cleanem Gesang aus den Boxen.

2011 zu fünft gestartet, folgte im Jahr darauf das 3-Track-Demo „Lord of war“ und nach diversen Line-up Wechseln hat sich die Band schließlich als Quartett gefunden und kann nun das zusammen mit Malte Klein produzierte erste Komplettalbum vorlegen, dessen Veröffentlichung mit einer Release-Party in Tschechien seinen Höhepunkt fand.

Die Scheibe enthält acht abwechslungsreiche Tracks, von Songs mit Ohrwurmanleihen wie „Cinematic wargames“ (episch, nettes Solo), dem balladesken Kuschelmetaller „In my mind“, der teilweise regelrecht zum Engtanz auffordert oder dem finalen Stampfer “Lord of war“, dem besten Song des Albums, der sich noch besser als Opener geeignet hätte. Mit „Realität“ findet sich auch ein Song mit deutschem Text auf dem Album, der es schafft, trotzdem nicht in die oft peinliche NDH-Falle zu tappen. Zwar erreicht die vertonte Sozialkritik keine Dritte Wahl- oder Slime-Sphären, doch Strophen wie „…Fleisch ist vergänglich, doch das Plastik ist beständig…“ regen zum Nachdenken an…

Ebenfalls textlich auffallend ist der vermutlich als Trademark-Song erdachte „Cannibal song“, bei dem es darum geht, wie schnell man vom All-Inclusive-Clubber zur Fleischeinlage im Kannibalenkochtopf wird, mit gleichzeitigem verstecktem Gruß („I wanna drink some whiskey, want to drink some beer“) an vier Frankfurter Bierbotschafter.

Soundtechnisch wurden allerdings nicht alle Register gezogen. Denn wie eingangs erwähnt erwartet man bedingt durch Bandname und Cover vor allem härtere Gitarren und ist dementsprechend leider enttäuscht vom „Demosound“, der sich eben durch das ganze Album zieht…trotzdem sind alle Instrumente gleichberechtigt in die Songs eingearbeitet und die Band agiert stets als eingespieltes Kollektiv. Sänger Timm arbeitet sich größtenteils mit cleanen Vocals durch die Songs wie es das melodische Genre eben verlangt, bricht aber auch aus wenn es passt, etwa mit fiesen Growls bei „Cannibal song oder „In my mind“. .

Für Melodiker, die es nicht ganz so hart mögen ist „The old cannibal and the sea“ durchaus einen Durchlauf wert, alle anderen behalten die Band im Hinterkopf, denn ein Händchen für Songstrukturen hat sie, beim Sound ist allerdings noch genug Luft nach oben.

Alles in Allem kann der alte Kannibale hier noch einen Sechseinhalbpfünder aus der See fischen.

Tracklist:
1. Legion of dumb
2. Cinematic wargames
3. In my mind
4. Through the fire
5. The end
6. Realität
7. Cannibal song
8. Lord of war

Wertung: 6.5 von 10