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Paganfest 2013 mit Alestorm, Varg, Arkona, Kalmah, Thyrfing, Wolfchant und Bornholm

Mit dem Paganfest hat Rock the Nations mittlerweile einen weiteren echten Klassiker unter den Festivals etablieren können. Seit einigen Jahren ist diese Tour aus dem alljährlichen Konzertkalender nicht mehr wegzudenken. Ganz besonders interessant sind dabei immer die Extended Shows, wie die in Essen, bei denen neben den regulären Bands immer noch zwei bis drei besondere Special Guests dabei sind.


Als Location für die heutige Show hat man sich die Weststadthalle in Essen ausgesucht. An sich nicht schlecht, denn Essen liegt zentral im Ruhrgebiet, die Halle ist gut zu finden und im Umkreis gibt es gute Parkmöglichkeiten. Was allerdings negativ auffällt ist, dass die Bühne längs in der Halle platziert ist. Dies bedingt natürlich, dass die Entfernung zwischen Bühne und Rückwand relativ gering ist und so nur vergleichsweise wenige Leute die Bands direkt von vorne sehen können. Außerdem führt es während des Konzerts mitunter zu Platzmangel beim Bierholen oder auf dem Weg zum WC. Ob gewollt oder nicht, das Crowdsurfen wird hierdurch auch weitestgehend unterbunden, denn wer will schon für gefühlte fünf Reihen crowdsurfen. Positiv zu bemerken ist allerdings die Galerie, die einen sehr guten Blick auf die Bühne ermöglicht, und für Leute, die nicht in den Moshpit wollen, äußerst angenehm ist. Eine zweite Theke unter dem Aufgang zur Galerie sorgt für Entzerrung beim Getränkeverkauf und der im Vorraum aufgebaute Merch-Stand ist übersichtlich und behindert nur wenig. Die Security ist freundlich und zuvorkommend und hat mit dem eh friedlichen Metal-Publikum keine Probleme. Auch die Preise sind soweit in Ordnung.

Nun aber zur Musik. Den Anfang macht Bornholm aus Ungarn. Die Band hat gerade ihr neues Album „Inexorable Defiance“ veröffentlicht und im Vorfeld viele Vorschusslorbeeren bekommen. Da war die Rede von „Bathory 2.0“ oder „Bathorys rechtmäßigen Erben“. Von daher war meine Erwartungshaltung gegenüber der Band relativ hoch. Leider können die Jungs dem aber nicht gerecht werden. Diese Mischung aus düsteren Melodien, kreischender Stimme und schon fast doomigem Tempo kommt weder bei mir noch beim restlichen Publikum wirklich gut an. Insgesamt wirkt die Band aber professionell und spielt ihren Auftritt solide runter. Lustig anzusehen ist allerdings, dass sich Sänger Renfield immer wieder an der Hose herumfummelt, weil die anscheinend etwas rutscht. Aber vielleicht passt die ja bis zum Ende der Tour.

Etwas agiler geht es dann bei Wolfchant zu Werke, die mit ihrer Mischung aus brettharten Black Metal-Elementen mit melodischen Folk-Einflüssen beim Publikum schon ganz gut Stimmung erzeugen. Endlich haben auch ein paar mehr Nasen den Weg in die Halle gefunden und üben sich an den ersten Pogo-Tanzbewegungen. Dabei kommen die älteren Sachen wie „Never too Drunk“ oder „Eremit“ ebenso gut an wie die Stücke vom neuen Album „Embraced by Fire“. Schade nur, dass der Gesang insgesamt meistens zu leise war und der Sound auch sonst nicht gerade überragend ist.

In römischer Rüstung und mit martialischem Auftreten kommen dann die Mannen um Centurio Maurizio Iacono auf die Bühne. Ex Deo nennt sich dieses Nebenprojekt der kanadischen Death Metal- Formation Kataklysm, welches versucht den Metallern ein Stück römischer Mythologie näher zu bringen. Ob das die Wochenend-Wickinger vor der Bühne interessiert sei mal dahin gestellt, aber die „Wall of Rome“, die später noch zigfach von der Wall of Death gefolgt wird, kommt schon mal gut an. Und das auch wenn der Sound noch etwas dünn ist. Stilistisch ist Ex Deo zwar eher im Death Metal anzusiedeln, aber klingt zwischenzeitlich schon fast wie Sepultura zu besten Zeiten. Beim Publikum können sie aber trotzdem punkten. An dieser Stelle zeigt sich aufgrund des ersten größeren Moshpits auch erstmals das Platzproblem in der Tiefe der Halle. Die Leute, die nur gucken wollen, werden schon etwas an die Seite abgedrängt.

Thyrfing starten ihren Auftritt dann mit „Mot Helgrind“, dem Opener ihres aktuellen Albums „De Ödeslösa“. Dabei wird die ganze Halle in eine düster-schaurige Stimmung gehüllt. Der Sound ist druckvoll und die Band versprüht eine ganz eigene Atmosphäre. Dabei hat die Musik sehr viel Potential und klingt aufgrund der vielschichtigen Arrangements ausgesprochen interessant und fett. Stimmungsmäßig wirkt der Auftritt zunächst aber dennoch relativ dröge, da die Band es versäumt das Publikum mitzunehmen. Erst zum Ende hin, als der Klassiker „Storms of Asgard“ rausgehauen wird, wird die Band standesgemäß abgefeiert. Leider ist der Gig dann bereits einen Song später zu Ende. Den Schwung hätte man sich von Anfang an gewünscht.

Mittlerweile ist es Abend geworden und der Magen knurrt. Also machen wir uns auf die Suche nach etwas Essbarem. Da es in der Halle leider keine Möglichkeit zur Nahrungsaufnahme gibt, bleibt uns nur der Weg ins nahe gelegene Burger-Restaurant. Dies hat dann leider zur Folge, dass wir die Melo-Deather Kalmah verpassen. Wir kommen aber gerade noch rechtzeitig zu Arkona.

Und bei denen geht die Party jetzt so richtig ab. Einfach geil, wie Frontfrau Maria die Stimmung aufs Publikum transferieren kann. Verglichen mit den eher verhaltenen Auftritten in der Vergangenheit erleben wir heute eine regelrechte Feier-Orgie. Insgesamt ist die Band hervorragend aufgelegt und unheimlich präsent auf der Bühne. Die traditionellen Elemente fügen sich perfekt in das Gesamtgefüge ein und sorgen so für eine hochexplosive (Party-)Mischung. Arkona sind nach Alestorm definitiv die beste Band des Tages. Die Mitmachquote ist extrem hoch, und die Security hat hier auch zum ersten Mal richtig zu tun, muss sie doch andauernd glückliche Crowdsurfer erden.

Also Co-Headliner tritt heute das Wolfsrudel von Varg auf. Die Band wurde ja in der Vergangenheit teilweise sehr kontrovers diskutiert, und so verwundert es auch nicht, dass die Reaktionen beim Publikum anfangs eher verhalten sind. Gerade die Stücke vom neuen Album, auf denen der Schwerpunkt der Show liegt, scheinen bei den Fans nicht so hundertprozentig anzukommen, obwohl Sound und auch Bühnenpräsenz absolut in Ordnung sind. Sänger Freki in schwarz-roter Bemalung schreit voller Inbrunst sein „Guten Tag“ heraus und animiert die Leute zum Mitmachen. So richtig ab geht es aber eigentlich nur bei älteren Stücken wie zum Beispiel „Schwertzeit“ oder „Blutaar“. Es entwickelt sich ein ordentlicher Moshpit mit richtig vielen Walls of Death, vielleicht sogar ein paar zu vielen. Insgesamt eine gute Stimmung.

Alestorm sind zweifelsohne der Höhepunkt dieses Abends und haben sich den Headliner-Slot redlich verdient. Die Schotten sind mal wieder absolut in Höchstform und machen richtig Alarm auf der Bühne. Und der Funke springt auch sofort über und es wird kräftig gefeiert. So macht Musikpiraterie wirklich Spaß. Ob „Over the seas“, „Wenches and Mead“ oder „Captain Morgan`s Revenge“, alle Klassiker werden gespielt und es bleibt kaum ein Wunsch offen. Auffallend ist, dass die Band so langsam erwachsen zu werden scheint und ihre Show mit einer enormen Professionalität durchzieht. Dabei bleiben die Jungs aber trotzdem sympathisch und nahbar. Einige Mitglieder der Band konnte man beispielsweise bereits im Vorfeld an der Theke oder dem Merch-Stand antreffen und mit ihnen ein Schwätzchen halten oder ein Foto machen.

Alles in allem also ein solides Festival, auf welchem die ca. 850 Besucher einen Riesenspaß mit großartigen Bands hatten. An der Organisation gibt es eigentlich auch nichts Großartiges zu meckern. Lediglich die Position der Bühne und der teilweise dünne Sound schlagen auf der Negativseite zu Buche. Ganz besonders positiv ist aufgefallen, dass einzelne Bandmitglieder immer mal wieder an den Theken oder am Merch-Stand anzutreffen waren und für Autogramme, Fotos und kurze Gespräche Zeit hatten. Unter diesen Umständen auf jeden Fall zu empfehlen.