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Ricky Warwick & Keith Caputo

Am diesem, für den 7, Mai schon sehr sommerlichen, Mittwoch fand im Bielefelder Forum ein Konzert gleich zweier Solokünstler, Ricky Warwick und Keith Caputo, statt.


Mit seiner Ende letzten Jahres erschienenen E.P. „Love owes“ im Gepäck enterte Warwick – der übrigens seiner Zeit mit MTV Headbanger’s Ball-Moderatorin Vanessa Warwick verheiratet war – zusammen mit Keith Caputo den Tourbus.

Eine gar nicht so abwegige Mischung, wie ich finde, denn Warwicks’s Gitarrenrock, der hier und da mit Country und Irish Folk-Einschlag versehen ist, passt schon recht gut zu dem über weite Strecken gemächlichen Gitarrenrock des Headliners.

Ganz alleine mit seiner Akustikgitarre unterm Arm und seiner Mundharmonika in der Tasche, die etwa bei „Learning to fall“ zum Einsatz kommen sollte, betrat Warwick die Bühne. Seine Setlist enthielt eine gesunde Mischung aus allen oben genannten Veröffentlichungen und die Show an sich war sehr routiniert.

Hier und da lassen sich auch überaus positive Reaktionen in der noch recht spärlichen Zuhörerschaft erkennen. Dass der Großteil des Publikums jedoch ganz klar wegen Keith Caputo angereist war, ließ sich an der trotz allem recht distanzierten Haltung der Zuhörer ablesen. Vielleicht brauchte man aber auch erst ein wenig Warmlaufzeit.

Warwick ließ sich zumindest nicht beirren und artikulierte mitunter recht schwer verständliche Annekdötchen als Einleitung zu diversen seiner Songs. Zu dem Titel „Johnny or Elvis“ etwa, der mir im Übrigen neben „Can’t live with maybe“ am Besten gefallen hat, nuschelte er irgendwas von magic mushrooms und zeigte sich erfreut, im Publikum jemanden ausfindig machen zu können, der zugab, wie Warwick selbst bereits eben solche konsumiert zu haben.

Zu „Rich kids“ fielen ihm dann ein paar Worte über Paris Hilton ein. Im weiteren Verlauf des Gigs bot Warwick noch eine Coverversion des 1980er Iron Maiden-Titels „Running free“ dar und erzählte in seiner Vorrede irgendwas schwer Verständliches von Steve Harris – vermutlich wollte er darauf hinzuweisen, dass eben jener den Song seinerzeit schrieb.

Im Großen und Ganzen war die One Man-Show trotz aller Minimalistik recht unterhaltsam.

Bei einer Gesamtspielzeit von etwa 40 Minuten zumindest ein überaus gemütlicher und entspannter Einstieg in den Abend.

Nach einer Umbaupause von rund 20 Minuten betrat Keith Caputo, den ich an dieser Stelle nicht weiter vorstellen werde, zusammen mit seiner Band die Bühne und legte direkt los mit dem Klassiker „New York City“.

Das doch recht zahlreiche Publikum, welches noch zuvor bei Herrn Warwick gebührenden Abstand zur Bühne gehalten hatte, bewegte sich nun direkt nach vorne. Nach dem folgenden deutlich schwungvolleren „Monkey“ präsentierte Caputo den ersten neuen Song des Abends, und zwar „Crawling“, den Opener des unlängs veröffentlichten Albums „A fondness for hometown scars“. Insgesamt bot der kleine Mann mit der großen Stimme in der Auswahl der dargebotenen Titel ein buntes Potpourri aus den Alben „Died laughing“ (2000), „Heart’s blood on your dawn“ (2006) und dem just erwähnten Neulingswerk.

Zwar an sich recht wortkarg, ließ Caputo sich dann doch hier und da zu kleinen Ansprachen verleiten. Vor dem sehr ruhigen, dramatischen „I wanna fly” etwa appellierte er an das Publikum, nicht die Nettigkeit Anderer auszunutzen. Stilistisch ist die Musik Caputo´s grob als Gitarrenrock einzuordnen, wobei sanfte Töne über weite Strecken überwiegen. Erstmals richtig doll rockig wurde es bei „Devil’s pride“, bei dem es den Keyboarder direkt von seinem Hocker zog und zu schwungvollen Bewegungsschüben verleitete, was erst wieder bei „Troubles down“ in dieser Form geschah.

Im hinteren Teil des Gigs begann Caputo, nach und nach seine Band vor zu stellen. Nach dem Song „Home“ bspw. nannte er einen der beiden Gitarristen wie auch den Keyboarder namentlich, die darauf hin jeweils einen Solopart auf ihrem Instrument zum Besten gaben.

Der nachfolgende Titel „Cobain“, der – wie unschwer zu erahnen ist – auf den einstigen Nirwana-Fronter ausgerichtet ist, hält mittig sowie am Ende einen Coverpart von „Smells like teen spirit“ parat. Die im Endeffekt im Rahmen des Gitarrenrocks doch erstaunlich breit gefächerte musikalische Bandbreite der Titel Caputo´s wurde u.a. durch den Titel „Son of a gun“ demonstriert, dessen Bassloop sich überaus funky gestaltet und somit an einige Stücke der Red Hot Chili Peppers oder an Tom Petty’s „Mary Jane’s last dance“ erinnert.

Fast pünktlich um Mitternacht war das Konzert zunächst einmal beendet und die Musiker verließen die Bühne. Wobei das frenetisch nach einer Zugabe verlangende Publikum nicht lange auf eine solche warten musste. Zunächst tischte Caputo ein Joe Cocker-Cover auf, und zwar den sehr eindringlichen Song „Never tear us apart“, der in dieser Version so gar nicht an den ursprünglichen Interpreten erinnern will. Abgesehen vielleicht von der Umsetzung auf motorischer Ebene. Nach „Selfish“ folgte dann letztlich noch der sehr eindringlich dargebotene Klassiker aus den Zeiten Life Of Agony’s, „Let’s Pretend“: Zunächst nur eingeleitet von Caputo’s Gesang zusammen mit dem Keyboard, ergänzten die übrigen Musiker den Song erst nach einiger Zeit um ihre Instrumente.

Nach bald 1:50 min. fand der Gig ein Ende und es gibt, so möchte ich anmerken, nur noch selten Konzerte, bei denen eine solch lange Spielzeit zu verbuchen ist. Zugegebener Maßen war der Auftritt zwischenzeitlich recht langatmig, wie ich fand, steigerte sich jedoch wieder deutlich nach hinten raus.

Anzumerken ist hierbei allerdings, dass diese kleine Kritik sicherlich nicht von den Herrschaften unterstützt wird, die den gesamten Gig über wild tanzend und mitsingend im vorderen Bühnenbereich verbrachten.

Setlist Ricky Warwick:

1 Can’t Live with Maybe

2 Love Owes

3 Learning to fall

4 Johnny or Elvis

5 I can see my life from

6 Rich kids

7 Running free

8

9 Three Sides to Every Story

Setlist Keith Caputo:

1 New York City

2 Monkey

3 Crawling

4 Razzberry Mockery

5 I wanna fly (Heart’s blood on your dawn, pPart II)

6 In this life (wake up and smell the dead bodies)

7 Nothing to lose (Songbird)

8 Devil’s pride (forever in transition)

9 Home

10 Cobain (Rainbow Deadhead)

11 Son of a gun (jail face)

12 Sad eyed lady (the pressure and need for release)

13 In December (beyond our grasp)

14 Troubles down (attic crawlspace)

Zugaben

1. Never tear us apart

2. Selfish

3. Let’s Pretend