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Sister Sin – Dance Of The Wicked (Re-Release)

Mit „Dance of the Wicked“ erscheint im Juni nach ziemlich genau zehn Jahren das Debutalbum von Sister Sin als Re-Release. Willkommene Gelegenheit besonders für diejenigen, die mit dem 2012er-Album „Now and Forever“ auf den Geschmack gekommen sind, das lange vergriffene Erstlingswerk in erweiterter Form erstehen zu können.


Lohnt sich das aber? Natürlich! Sister Sin machen eine starke Mischung aus gutem alten Heavy Metal und dreckigem Rock. Die Band aus Göteborg um Frontfrau Liv Jagrell, die 2002 gegründet wurde und seither einen steten Aufstieg verzeichnen konnte, ging mit diesem Album über fünf Jahre, bis zu ihrem ersten richtigen Vertrag bei Victory Records, auf Tour und verdiente sich die Sporen, mit Größen wie Motörhead oder Arch Enemy auf Tournee gehen zu dürfen. Und warum auch nicht? Spätestens ab Song 2, dem Titelsong „Dance of the Wicked“ war ich überzeugt. Liv Jagrell, die das Schicksal vieler attraktiver Geschlechtsgenossinnen im Genre teilen muss und nicht zuletzt vom Revolver Magazin zu einer der „Hottest Chicks of Metal“ gekürt wurde, ist alles andere als nur Eyecandy, wenn auch in ihrer Stimme ein nicht zu verachtender Sexappeal mitschwingt.

Verglichen mit „Now and Forever“ ist die Performance auf „Dance of the Wicked“ selbstverständlich weniger ausgeprägt, weniger aggressiv und rau, klar. Aber für eine Debütantin erreicht Jagrell ein beachtliches Spektrum zwischen cleanem und aggressiv-kehligem Gesang, der an „Brody Dalle“ erinnert. Zusammen mit dem soliden, aber wenig außergewöhnlichen Songwriting ergibt sich eine Atmosphäre, die nach Scotch und warmen Tabakqualm duftet.

Nettes Extra ist ein Cover des Rolling Stones-Song „Paint it Black“, aber als wirkliche Perle würde ich diese Interpretation nicht bezeichnen. Eher als netten Versuch. Dass dieser Re-Release die ursprünglich acht Tracks umfassende Debutscheibe mit vier neuen Songs ergänzt, ist dagegen schon eher ein Leckerbissen.

Es handelt sich dabei um Demoversionen von später erschienenen Tracks, zum Beispiel den Titelsong „Minor you (Major me)“ der gleichnamigen EP von 2007. Damit liefern Sister Sin auch einen gelungenen Vorgeschmack auf ihr übriges Programm. Hier zeigt sich die Entwicklung der Band und der Leistung Jagrells besonders deutlich, man kann wirklich von einem Bruch zwischen den Parts reden. Allgemein gehen die vier Zusatztracks deutlich härter zur Sache und ergänzen das Ursprungswerk um vier sehr schön drückende, kompromisslose Songs. Das abschließende Cover des Motörhead-Songs „Rock’N’Roll“ zusammen mit Doro Pesch, die heutzutage ja immer für einen Gastauftritt gut ist, ist ein würdiger Abschluss.

Das alte, etwas abgedroschene Cover ist professionell überarbeitet worden. Im Zentrum steht eine Zombiebraut auf schwarzem Grund, der steinig wirkt und eingerahmt ist von einem Goldrand sowie dem Albumtitel. Es bleibt zwar eine Zombiebraut, nun wirkt es aber wenigstens nicht wie eine Zombiedragqueen, wenn man sich das Original von 2003 dazu betrachtet.

Ein weiterer Unterschied zum Original von 2003 ist eine DVD. Darauf sind unter anderem die bisher veröffentlichten Musikvideos der Band zu finden. Für Fans also auf jeden Fall ein echtes Schmankerl.

„Dance of the Wicked“ gehört für mich zu der Gruppe der lohnenswerten Re-Releases: es gibt neues Material, das das ursprüngliche, zeitlose Werk ergänzt, es gibt ein aufgefrischtes Artwork und dazu noch eine pralle DVD. Auch wenn Sister Sin kein Meisterwerk mit ihrem Debüt geschaffen haben, ist es trotz allem ein kurzweiliges Vergnügen, das man sich ohne weiteres und immer wieder anhören kann.

Trackliste

  • 01. Kiss The Sky
  • 02. Dance Of The Wicked
  • 03. Fall Into My Dreams
  • 04. End Of The Beginning
  • 05. Love Lies
  • 06. Dirty Damn I
  • 07. Paint It Black
  • 08. Tragedy Loves Company
  • 09. Minor You (Major Me) (Demo)
  • 10. Writings On The Wall (Demo)
  • 11. Head Over Heels For Love (Demo)
  • 12. Rock ’n‘ Roll
Wertung: 8 von 10