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Skull Fist – Chasing The Dream

Das alte Jahr liegt hinter uns, das Neue kann kommen! Und wie es kommt! Einen gewissen Anteil daran haben auf jeden Fall die Jungs von Skull Fist. Die Kanadier um Frontsau, Bandchef und Skateboardfreak Jackie Slaughter legen nämlich zu Beginn 2014 ihr langerwartetes, zweites Album vor. Die Erwartungen an die Scheibe waren recht hoch, da die Retro-Speed-Metaller mit dem Erstling „Head Of The Päck“ durchaus für ordentlich Wirbel in der Szene gesorgt haben.


Um es dann auch direkt auf den Punkt zu bringen: „Chasing The Dream“ fügt sich nahtlos an den Vorgänger aus dem Jahr 2011 an und bietet eine gehörige Portion schnellen Heavy Metal mit einer dezenten Kitsch-Note. Aber was anderes war auch eigentlich nicht zu erwarten. Das erste, was einem als Hörer auffällt, ist jedoch eine Änderung am Sound. So klingt die Platte etwas wuchtiger, aber auch leider ein wenig glattgebügelter als das Debüt. Auch am Gesang hat sich etwas getan. Hat sich Sänger Jackie auf „Head Of The Päck“ noch in extremen Höhen rumgetrieben, so hat er auf „Chasing The Dream“ mehr Wert auf gemäßigten, klaren Gesang gelegt. Stellenweise klingt das Ergebnis auch ein wenig zu poppig. Aber die musikalische Untermalung macht diesen „Missstand“, wenn man es denn überhaupt so nennen möchte, mehr als wett. Schon der Opener „Hour To Live“ brettert ohne Rücksicht auf Verluste in den Gehörgang. Nach einem sich steigernden Gitarrenriff setzt das Schlagzeug mit einem pfeilschnellen Beat ein und man kann getrost auf der Checkliste vermerken: „Drums: vorhanden!“. Der Song erinnert stellenweise an den Titeltrack des Debüts. Livetauglichkeit und Bewegungsförderung inklusive. Ein gelungener Einstand. Weiter geht es mit einer gehörigen Portion Haarspray-Metal: Der Song „Bad For Good“ erinnert musikalisch schwer an Sounds von Mötley Crüe und Konsorten. Ein schön treibender Beat, etwas gemäßigteres Tempo und Mitsingcharakter machen das Stück zu einem ordentlichen Skull Fist Song. Wieder etwas mehr Tempo gibt’s beim Titeltrack „Chasing The Dream“. Ein besonderes Schmankerl haben sich die Herren für Fans der ersten Stunde parat gelegt. Der Song „Sign Of The Warrior“ mit seinem markanten Drum-Intro war bereits auf der ersten EP „Heavier Than Metal“ zu hören. Leider wird man als Fan der Scheibe auch lieber zu dieser greifen, da sich hierbei der Unterschied in der Produktion am deutlichsten bemerkbar macht. War die EP Version noch herrlich räudig und eher ungeschliffen, so ist die 2014er Variante etwas zu aufpoliert. Es fehlt dem Ganzen etwas an den nötigen Eiern. Nichtsdestotrotz bleibt „Sign Of The Warrior“ ein ordentliches Speed-Brett, welches sich sehr gut in den Albumkontext einfügt. Besondere Highlights auf der zweiten Seite (ich habe natürlich die Vinyl Version am rotieren) sind das Instrumental „Shreds Not Dead“, bei dem sich Jackie Slaughter und Johnny Nesta an ihren 6 Saitern etwas vordergründiger austoben können. Den Abschluss der Platte bildet das Stück „Mean Street Rider“, welches vom Skateboarding (dem drittliebsten Hobby von Jackie Slaughter) handelt und mit der Originaltonspur seines Unfalls, der einen Halsbruch zur Folge hatte, eingeleitet wird. So kann man seine Vorlieben auch zusammenführen. Der Song war der erste Output von Skull Fist zur Einstimmung auf die neue Platte und hatte durchaus gemischte Reaktionen zur Folge, was primär an der veränderten Produktion lag.

Nach einigen Durchgängen bin ich mit dem neuen Sound von Skull Fist auf „Chasing The Dream“ in jedem Fall warm geworden. Das Songwriting ist wie aus einem Guss zum Vorgänger und beinhaltet alles, was man als Skull Fist Fan erwartet hat. Schnelle Riffs, Mitsing-Parts und auch den einen oder anderen Nackenbrecher mit 80er-Jahre Flair. Die Produktion wird dem einen oder anderen Die-Hard-Untergrundfan, der in der EP damals eine Offenbarung gesehen hat, derbe vor den Kopf stoßen, aber im Endeffekt ist die Platte eine gelungene Fortsetzung des Debüts. Eine welterschütternde Revolution ist mit dieser Platte natürlich nicht von Statten gegangen, aber mal ehrlich: Wer verlangt so was von Kerlen, die scheinbar zwanzig Jahre zu spät geboren wurden. Wie sich die Songs live anhören kann man dann ab Ende Januar erleben, denn dann sind Skull Fist zusammen mit den Schweden von Enforcer und den Niederländern Vanderbuyst auf Clubtour durch die Republik.

Tracklist:

  • 1. Hour to Live
  • 2. Bad for Good
  • 3. Chasing the Dream
  • 4. Call of the Wild
  • 5. Sign of the Warrior
  • 6. You’re Gonna Pay
  • 7. Don’t Stop the Fight
  • 8. Shred’s Not Dead
  • 9. Mean Street Rider
Wertung: 7 von 10