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Surfaholics & Perry and The Travellers & Gunslinger & Richie Hunter

Ganz im Zeichen des Rock’n’Roll stand der „Bastard Club“ am 30. September. Schwärmerisch verklärt kam im Vorfeld eine Freundin zu mir und meinte, dass die Surfaholics dort spielen würden. „Kennst du Wayne?“ dachte ich mir im Stillen, getreu meinem altbewährten Motto „Kenn ich nicht – mag ich nicht“..

Da man aber auch stets bereit ist, seinen sozialen Verpflichtungen nachzukommen, sagte ich meine Begleitung zu dem Gig zu. So ein Samstagabend muss ja schließlich irgendwie verlebt werden.

So erfuhr ich zunächst einmal, dass insgesamt vier Bands an diesem Abend um die Gunst der Publikums spielen wollten. Die erste dieser Bands war die Gruppe Gunslinger, eine Lokalband, die mir bis dato gänzlich unbekannt war. Gespielt wurde schlicht Rock mit Hardrockelementen a la AC/DC oder ähnlichen. Musikalisch eher unspektakulär, aber durchaus hörenswert präsentierte sich diese seit 2003 bestehende Band. Die – aus ihrer Perspektive – leider den Part des Openers einnahm. So konnte sie vor einer Zahl von nur knapp 30 Zuschauern zwar ziemlich viel bieten, aber leider nur eine mäßige Begeisterung entfachen. Immerhin hatte auch niemand die Chance, sie mit schlecht zu bewerten.

Bühne frei hieß es danach für die Ibbenbürener von Richie Hunter. Rock’n’Roll gehobener Qualität bedeutete dies, denn die fünf Jungs mit Fronter Richie Hunter an der Spitze haben sich seit Ihrer Gründung 2004 und erst recht seit ihrem Silberling „Whole Lotta Hullabaloo“ im vergangenen Jahr bereits einen Namen gemacht.

So überraschte es wenig, dass sie fünf Sunnyboys mit einem breiten Grinsen hinter ihren abehobenen Pornobrillen auftraten und mit Spielfreude, Witz und einem ganz eigenen Charme auf das Publikum losgelassen wurden. Klischeetexte, die mit einem zwinkerndem Auge vorgetragen wurden, und gitarrenlastiger Rock`n`Roll wurden hier als Rezept für eine gelungene Show eindruckvoll bestätigt.

So war man denn auch in Hochstimmung, das Publikum, dem sich inzwischen einige Köpfe zugesellt hatten, war zumindest in Teilen in Bewegung und wohl kaum einer schaffte es, sich der übermächtigen Gute-Laune-Präsenz zu entziehen.

Beste Basis also für Perry and The Travellers, der offizielle Toursupport für die Surfaholics, an den ich nach dem gelungenen Auftakt durch Richie Hunter natürlich einige Erwartungen hatte.

Diese wurden jedoch relativ schnell zunichte gemacht. Die Gruppe, eigens aus Hammarö in Schweden angereist mit dem Anspruch, mit „good old southern Rock“ die Herzen und vor allem die Gehörgänge zu bedienen, wird vielfach mit Lynyrd Skynyrd oder Credence Clearwater Revival assoziiert. Dass es sich hierbei um etwas antiquierte Bands handelt und sich deren Stil zu Recht wohl nur in den wenigsten Plattensammlungen durchgesetzt hat, wird dabei jedoch geflissentlich übersehen.

Soll heißen: Langweilig.

Musikalisch kann man den Jungs sicherlich nichts anlasten, alles sehr sauber und auch durchaus professionell gehalten, man merkt den Jungens sogar eine nicht alltägliche Spielfreude an. Problem ist jedoch, dass die Musik der in tightem Westernstyle gekleideten Musiker per se zumindest für meine Ohren eher eintönig klingt. Abwechslung wird hier keineswegs groß geschrieben, und das, was in den 80ern revolutionär klang, wirkt abgedroschen und aufgesetzt.

Auch der Rest des Publikums konnte seine Begeisterung erfolgreich zügeln. So ging der Auftritt als mein persönlicher Flop des mittlerweile vergangenen Monats über die Bühne.

Ebendiese wurde danach für die Surfaholics freigegeben. An eine Band, die im Vorfeld derart hochgelobt wurde und für die trotz underground – Status 9,- Euro an der Abendkasse abgenötigt werden sollten, hatte ich natürlich gewisse Erwartungen und hoffte daher, dass sie das Niveau ihres Toursupports toppen würden.

Keineswegs zuviel verlangt! Die aktuelle Scheibe „on the rocks“, auf OsnaMetal.de mit 3,5 von 5 Punkten bewertet, gilt ja bereits als solider Ausdruck handwerklich versierter Musiker. Dass sich Musik in konservierter Silberscheibenform live für gewöhnlich etwas lebendiger anhört, mag mein persönliches Empfinden sein. Ich hatte leider bisher auch nicht die Gelegenheit, „on the rocks“ zu hören. Um so mehr wurde ich jedoch überzeugt, dass die Surfaholics ein neuer Stern am Punk`n `Roll Himmel sein können.

Ein Mädel am Bass, vier Jungens an dem Rest der Instrumente respektive vorm Mikro und eine immerhin nicht unbeträchtliche Menge Publikum, das sich in Teilen sogar zu Tanzbewegungen animieren lässt – dies ist die Kurzversion des Gigs. In bester Tradition von Combos wie den Cellophane Suckers lieferte die Gruppe ein Set, das die Vorgaben von Richie Hunter aufnahm und mit einer etwas punkigeren Note versuchte, textlich in die selbe Kerbe zu schlagen. Möglicherweise sind die Punkambitionen in der Musik der Grund für den Namen der Gruppe, der doch sehr an Skate- oder Surfpunk erinnert. Zu Unrecht, und fast möchte ich hinzufügen: Zu Glück. Denn diese Musik und die Gruppe passen zueinander wie der Kronkorken und die Bierflasche. Hervorragend. Weiter so!