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The Toten Crackhuren Im Kofferraum – Mama, Ich Blute

The Toten Crackhuren Im Kofferraum, neuerdings abgekürzt als The T.C.H.I.K., belästigen nun schon mit dem zweiten Album die Musikwelt. „Mama, Ich Blute“ heißt das Zweitwerk der Berliner Mädchengruppe, und bringt schon reichlich Spaß.


Die Crackhuren, wie ich sie der Einfachheit wegen im Folgenden nennen werde, stammen aus Berlin Weißensee, machen Elektropunk, und schon gehen die Probleme los. Denn einfach in eine Schublade schieben geht hier gar nicht. Auf dem Album „Mama, Ich Blute“ bedienen die Crackhuren viel mehr als nur bloßen Punk. Nein, die von Synthesizern geprägte Musik, die zwischen Electronica, Rock und dem, was K.I.Z. oder Deichkind machen, hin und her schwingt, zur Untermalung der Lyrics, die mal gerappt, mal gesungen dann wiederum geschrien werden, erinnern teilweise mehr an Girly-Pop oder Deutschrap als an Punk, und widersetzt sich trotzdem jeder Eingrenzung. Die Musik wirkt in ihrer Melodie stark an Achtzigerjahre-Punkrock á la Hans – A – Plast, allerdings übertragen auf elektronische Mittel.

Die Texte sind auf den ersten Blick pubertär und ungefähr so trashig wie eine Scripted Reality Soap. Und damit werden die Crackhuren entweder das gewollt hässliche Spiegelbild für die Popkultur, den massenkompatiblen Ultraindividualismus und hedonistischen Lebensstil unserer Zeit. Oder die Crackhuren meinen damit gar nichts und versuchen nur als geniale Asoziale, möglichst gehaltlosen, tanzbaren Schwachsinn mit einem Höchstmaß an Ekelfaktor, einem Minimum an Niveau und satten, stampfenden Beats ihren Sternburgbierkonsum zu finanzieren.

Im Verhältnis zum vorherigen Album „Jung, Talentlos und Gecastet“ zeigen sich aber ganz klar Veränderungen. Während da noch schulmädchenhafte Themen versaut wurden, scheinen die Crackhuren nun ihren Abschluss gemacht zu haben und es geht primär um das Großstadtleben. Perlen wie „Ich und mein Pony“, „Wir hassen Sport“ oder der „Crackhurentanz“ sind nur bedingt auf dem neuen Album zu erkennen, dafür wirkt der Sound in allen qualitativen Belangen besser.

Tracks wie die erste Single „Klaus“, „Heute Nacht“ und „Wir Werden Nicht Nüchtern“ sind sogar sehr poppig. Bedenkt man die Überfirma „Universal“ hinter dem ausgewiesenen Label „Destiny Records“, hoffe ich, dass die Tendenz nicht noch weiter in den Mainstream geht und Songs wie „Dreckige Wäsche, „Kopf/Knie“ oder „Geniale Asoziale“ sowie mein Favorit „Ich Brauch Keine Wohnung“, weiter den Sound der Crackhuren dominieren werden.

Das Cover ist eines der hässlichsten Cover, das ich bisher vorliegen hatte, und das ist sehr offensichtlich so gewollt und gut so. Eine Collage wie aus der Anstalt, herrlich.

Die Crackhuren kann man mögen, man kann sie auch hassen. Mit „Mama Ich Blute“ wird sich die Hörerschaft mit Sicherheit noch um einiges vergrößern, besonders da die Crackhuren es unter anfänglich erwähntem Akronym nun doch ins Radio und auf MTV geschafft haben. Das Album ist qualitativ hervorragend und liefert einige Tracks, die sich dem Hörer ins Gehör fräsen werden. Verglichen mit dem ersten Album, wirkt „Mama Ich Blute“ aber harmlos und auch ausgewaschen.

Trackliste:

  • 01. Age of Sternburg
  • 02. Geniale Asoziale
  • 03. Klaus
  • 04. Du fehlst mir (Feat. Bela B)
  • 05. Heute Nacht
  • 06. Dreckige Wäsche
  • 07. Last Unicorn
  • 08. Ich Brauch Keine Wohnung
  • 09. Wir Werden Nicht Nüchtern (Feat. Joey Coco)
  • 10. Verrückt Bleiben, Bitte! (Feat. Hyde)
  • 11. Kopf/Knie
  • 12. Loveboat Kapitain
  • ( plus special Hidden Track)
Wertung: 7 von 10