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Thrudvangar – Tiwaz

Thrudvangar veröffentlichen im Juli mit „Tiwaz“ ihr viertes Studioalbum. In der nordischen Mythologie steht die Tiwaz-Rune für Tyr, den Asen des Kampfes und des Sieges. Die Tiwaz-Rune wurde im wesentlichen als Pfeil nach oben realisiert und vielleicht wollen die Köthener Jungs von Thrudvangar damit die Richtung anzeigen, die sie gehen wollen, nach oben.


Nach den ersten Durchläufen des Albums kann ich mich allerdings nicht des Verdachts erwehren, dass sich Thrudvangar vor allem an „denen da oben“ orientieren oder auch teilweise nachspielen. Das Album hat zweifellos Druck, wirkt durch die massiven Gitarrenwände und einem weitestgehend stumpfen Schlagzeug roh und martialisch und ähnelt damit vor allem den früheren Werken von Amon Amarth. Doch während Amon Amarth vor allem durch die massive Stimme von Johan Hegg als Alleinstellungsmerkmal aus der Masse heraus tritt, ringen Musik und Gesang bei der vorliegenden Scheibe stets um Vorherrschaft. So verbleibt der Großteil des Albums in mittelmäßigem, midtempo-geprägtem Death Metal. Drei Songs brechen allerdings aus dem Raster heraus und wirken absolut aufwertend: „Sonnenwende“, „Des Kriegers Los“ und „Schicksal“ sind für mich ganz klare Perlen und wirken durch Upbeat-Tempo sowie untypisch optimal abgemischtem Verhältnis zwischen Gesang und Musik gleichermaßen deplatziert in dem sonst eher einheitlich wirkenden Soundbrei, wie auch unverkennbar wegen deutlichen Leitmelodien.

Da die Produktion ohne Zweifel solide ist, wirken die Kompositionen zwischen den besagten Perlen wie ein Einheitsbrei und ich habe das Gefühl, dass die Struktur und sogar die Akzente des Gesangs sehr häufig nach dem gleichen Schema verfahren.

Was die Lyrics betrifft, da liefern Thrudvangar genretypische, deutschsprachige Wikingerromantik und bedienen sich aus dem breiten Katalog der assoziierten Klischees und Themen wie dem Tod in der Schlacht, heidnischer Riten wie der Sonnenwende, dem Nachleben, Kampf, Brüderlichkeit und der Freiheit. Also weitestgehend alles, was schon jede andere Viking-Band in so ziemlich jeder Sprache schon einmal oder mehrmals verarbeitet hat. Das ist soweit auch kein Problem, nur versteht man kaum etwas davon. Die cleanen Vocals sind so gut wie gar nicht vorhanden, die übrigen Passagen wirken nur halbgegrowlt und verschwimmen damit auch zunehmend mit der massiven Gitarrenwand. Ohne den Vergleich zu Amon Amarth überanstrengen zu wollen, aber dort konnte die mächtige Stimme von Hegg wenigstens mit der Musik mithalten.

Dieser Pfeil nach oben, den ich zu Beginn angesprochen habe, stellt sich schließlich als Wunschgedanke heraus. „Tiwaz“ hat mich nach dem ersten imposanten Durchhören sehr enttäuscht. Der zunächst gute Eindruck verschwindet schnell, sobald man vor lauter Soundbrei eigentlich nur durch die Pausen zwischen den Tracks bemerkt, wann ein Song endet und der Nächste beginnt, und dass im Hintergrund jemand etwas kaum Verständliches zur Melodie grunzt. Außerdem wirken die einzelnen Tracks unfertig, eintönig und ähneln einander zu stark, nicht nur was die Musik angeht sondern insbesondere, was die Intonation, Growls und Prosodie betrifft, sodass es schlicht langweilig wurde.

Trackliste:

  • 01. Tiwaz
  • 02. Sonnenwende
  • 03. Der Letzte Weg
  • 04. Frei
  • 05. Des Kriegers Los
  • 06. Brüder
  • 07. Heimat
  • 08. Schicksal
  • 09. Abschied
Wertung: 4 von 10