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Wolfenmond

Vor dem Hintergrund der Osnabrücker Hansetage präsentierte sich der Herrenteichswall, von der Maiwoche dem Einen oder Anderen wohl noch als großartige Konzert- und Partyörtlichkeit im Hinterkopf, als eine bunte Szenerie aus allerlei folkloristischem Treiben..


Aus diesem Grunde war von dem Osnabrücker Konzertveranstalter Carlo Korte die Mittelaltertruppe Wolfenmond geladen worden, um den Freunden historisch eingefärbter Klänge zum Tanze aufzuspielen.

Dies gelang nur bedingt, denn schon einige Zeit vor Auftritt des lustigen Völkchens hatte sich eine Zahl meistenteils dunkel gewandeter Gestalten eingefunden und sich im Halbkreis vor der Bühne niedergelassen. Durch den freien Eintritt und das liebevoll arrangierte Umfeld des Marktes war das Konzert bereits im Vorfeld in einschlägigen Kreisen hoch beworben worden.

An ein „zum Tanze spielen“ war jedoch bei einem solchen Beginn nicht zu denken. Doch das erwies sich auch als gar nicht nötig, denn die edlen Recken auf der Bühne erheiterten auch so die Gemüter.

Im Gepäck hatten sie dabei ihren frisch gefertigten Silberling „Flammenspiel und Schattenklang“ (das vierte und auch noch ein Doppelalbum!), außerdem noch einen Haufen sonniger Laune und frischer Derbheit.

Und so posierte der Frontmann Christo de Marmedico, kalauernd im immerwährenden Dialog mit dem Publikum, mit fröhlichem Esprit auf der Bühne.

Neben ihm tanzte, sang uns musizierte als einzig weibliches Element Sonja Saltara über die Bühne, um der kantigen Stimme Christos ein paar sanftere Laute hinzuzufügen.

Untermalt von den herkömmlichen Instrumenten einer Band und, um das historische Flair zu komplettieren, mit Dudelsack, Drehleier, Schalmeine und ähnlichem Instrumentarium versehen, begleitete sie der Rest der fünfköpfigen Truppe lärmend, spaßend, unterhaltend.

Musikalisch bewegte sich die Gruppe auf solidem Terrain. Weniger imposante Effekte á la Subway to Sally waren hier vonnöten. Statt dessen wurde deutlich mehr Augenmerk auf gute Handarbeit gelegt, welche zu einem authentischen, originär folkloristischem Klang führte. Bei mir weckte dieser Assoziationen mit den typischen Mittelaltermarkt-Gaukler-Bands wie Cultus Ferox oder Corvus Corax.

Dies war augenscheinlich der Plan, zu dem die Musik nur ein Element bildete. In Gehabe wie Gewandung wurde die gelebte Historie verdeutlicht, und die zotigen Mären des Fronters taten ein Übriges, um die Klischees raubeiniger Mittelaltergesellen zu bedienen.

Das kam an. Obwohl sich die vordere Reihe während des ganzen Konzertes nicht überwinden konnte, sich zu erheben, war die Stimmung bei den geschätzt 200 Anwesenden prächtig. Fröhliches Mitgeschunkel, in der zweiten und dritten Reihe auch Getanze, vereinzelt auch Gesinge und vor allem die offenkundige Sympathie, welche das Publikum bei jeder Gelegenheit bekundete, zeugten von der Leistung der Gruppe, welche schon seit 1999 in wechselnden Besetzungen musiziert und Mittelaltermärkte unsicher macht.

Also ein erfrischender Abend ganz nach dem Geschmack eines Jeden, der ganz oder gelegentlich ein wenig Mittelalteratmosphäre genießen möchte. Und dies alles für lau! Dem bleibt nix hinzuzufügen!