Donnerstag

Nach kurzer Zugfahrt in den Norden und erfreulich knapper Wartezeit geht es weiter mit dem „geilsten Taxifahrer der Welt“ (ganz liebe Grüße an Willy!)welcher uns auf der Fahrt zum Festivalgelände mit Beischlafgeschichten in seinem Wagen und Ausschweifungen darüber, wie geil das mit dem Deichbrand doch alles sei, unterhält. Sehr sympathischer Mann, der sich mindestens genau so sehr freut wie die Besucher selbst. Am Gelände angekommen folgt dann doch das obligatorische Warten. Allerdings könnte man dies etwas verkürzen, würde nicht die etwas umständliche Bändchenbeschaffung noch vor Eintritt auf das Gelände sein. Sei´s drum, auf dem Gelände hört man bereits The Intersphere aus dem Zelt ihre Mischung aus Progressive, Indie und Alternative Rock zum Besten geben. Doch das muss erst einmal warten, denn zunächst ist Sachen wegbringen und Zelte aufschlagen angesagt. Es ist bereits erschreckend voll, sodass wir einen ziemlich weiten Weg vor uns haben.

Bis dies geschafft ist und noch eine Nachzüglerin vom Shuttle abgeholt ist – seit wann hält dieser weit hinter dem Greencamp? – sind Blackmail und Faun leider auch schon vorbei, so dass der Weg ins Zelt erst zu Die Apokalyptischen Reiter möglich ist. Nach zehn Jahren kehren diese mit einer eindrucksvollen Lichtshow und ihrem aktuellen Album „Tief. Tiefer“ im Gepäck an den Deich, oder zumindest in sein Nähe, zurück. Dieses integrieren sie auch gleich gelungen in ihr Set, ausgewogenen gemischt mit den alten Songs. Der Sprung über die Genregrenzen hinaus ist gelungen, wie man auch am Publikum deutlich erkennen kann. Spaß macht der Auftritt der Metalgranaten vielen und es stellt einen wunderbaren Einstieg für ein ereignisreiches Wochenende da. Unseren Tagesabschluss bilden kurz darauf eine der wichtigsten Vertreter des deutschen Metalcore, Caliban. Zwar haben sich die Reihen im Zelt etwas gelichtet, die Stimmung bleibt dennoch erhalten. Im bereits gut aufgeheizten Zelt geben sich Band und Fans sichtlich Mühe bereits ihre Poren zu fluten und man erwartet fast dass es jeden Moment Schweiß von der Decke regnen würde. Nach mittlerweile neun Alben, wobei das letzte („Ghost Empire“) es gar bis auf Platz der sieben der deutschen Albumcharts schaffte, wundert ihre Beliebtheit kaum noch. Nach knapp 50 Minuten ist aber auch genug und wir treten bereits gut durchnässt den Weg zurück zu den heimischen Zelten an.

Freitag

Freitagmorgen, erst mal einkaufen. Immerhin ersparte man sich zuvor das Geschleppe auf dem Hinweg, also auf nach Cuxhaven. Allerdings stellt es sich als leichter gesagt als getan heraus, da die Security, die ansonsten einen super Job macht in diesen Tagen, uns erst mal an das falsche Ende schickt. Dadurch müssen wir gut das doppelte an Fußweg laufen – bei den Temperaturen eher weniger spaßig. Nach guten vier Stunden kehrt man aber doch zurück und kann nach dem Abladen des Gekauften gleich weiter zum ersten Highlight des heutigen Tages: Subway To Sally fordern zum (Veits)tanz. Und wiedermal stellt sich schnell die Frage: bin ich der einzige, der sie früher schlichtweg besser fand? In gewisser Weise können die neuen Alben einfach nicht mehr so viel, wie die alten. Bei Gesprächen mit anderen Festivalbesuchern wird schnell klar: nein, mit dieser Meinung stehe ich nicht alleine da. Immerhin scheint ein hoch roter Eric Fish gesanglich wieder voll auf der Höhe zu sein, was ich in den letzten Jahren auch schon anders erlebt habe. Dafür hakt es heute das ein oder andere Mal bei der Band selbst. Das Gitarrensolo von Ingo klingt doch etwas holprig und auch sonst schleichen sich zwar selten, aber hörbare Fehler in der musikalischen Darbietung ein. Positiv ist aber, dass ein runder Mix aus all´ den Jahren ihres Schaffens dargeboten wird, von „Wenn Engel hassen“, über „Traum vom Tod II“, „Unterm Galgen“ und dem allseits bekannten „Veitstanz“. Für das eher untypische „Subway To Sally“-Publikum ein schöner Einblick in das Werk, aber: wo bleibt eigentlich der Mitmach-Garant „Julia und die Räuber“?

Zeitig geht es weiter, so bekommt man noch eher zufällig ein paar Songs von Samy Deluxe und seiner Dlx Band mit, was sich als überraschend rockig herausstellt. Wahrscheinlich ist es für diejenigen, die seinen Werdegang aktiv verfolgen, weniger verwunderlich – aber ein Rage Against The Machine-Cover hätte ich eher weniger erwartet. Wie auch schon vor zwei Jahren auf dem Deichbrand wird er vom verschwitzen Publikum frenetisch gefeiert. Bevor dann einer der Headliner die “Firestage” betritt geht es kurz ins Zelt, ein paar Klänge von Massendefekt mitbekommen. Nicht zuletzt auf Grund des schweren Stands teils parallel zu den Broilers spielen zu müssen sind dementsprechend nur ca. 300 Leute im Zelt, welches sich mittlerweile in eine kleine Sauna verwandelt hat. Diese feiern aber ordentlich mit der Band und hinterlassen einen durchweg positiven Eindruck, auch wenn mir nur die älteren Songs noch ein Begriff sind. Pünktlich um halb neun dann wieder raus an die frische Luft, denn die Broilers rufen, und das sehr erfolgreich: zum ersten Mal auf der Geburtstagsfeier des Deichbrand Festivals sind Tausende, Zehntausende Menschen von uns vor der “Firestage” zu entdecken. Eines wird schnell deutlich: diese Band hat den Sprung aus dem Punkrockdschungel raus in die Mainstreamgroßstadt geschafft. Muss man zu diesen überhaupt noch viel erzählen? Den Massen, die dort waren, jedenfalls nicht – die kannten jede Strophe, tanzten, sprangen bis in die letzten Reihen, Circle Pits und allem was zu einer gelungen Rockshow dazu gehört inklusive. Da braucht man gar nicht bis zu Liedern wie „Harter Weg“, „Ruby light and dark“ oder „Meine Sache“ warten. Dass sie dieses Jahr einer der Headliner geworden sind ist geht absolut in Ordnung, das beweisen sie bereits selbst.

Zum Schluss gilt es dann nochmal letzte Reserven für die Schotten von „Biffy Clyro“, die im nächsten Jahr bereits ihr 20. Bandjubiläum feiern, zu opfern. Dafür, dass diese Band für viele in meinem Umfeld nicht mal ein Begriff sind, sind erstaunlich viele Menschen vor der Bühne. Ich hab mir sagen lassen, die halbnackten Oberkörper seien eine Art Erkennungszeichen – so auch diesmal. Dazu eine riesen Menge Konfetti, eine große Show und eine teils etwas gemütlichere Party sowohl vor, als auch auf der Bühne. Das ist vom jeweiligen Song abhängig, der schon mal sehr langsam ausfallen kann. Rein stilistisch erinnern sie an eine sehr softe Version einer Glamrock-Band. Ist okay sich anzuschauen, für viele auch sicherlich viel mehr als das, die große Entdeckung bleibt dabei aber aus.

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