OM: Zunächst mal die Frage, die euch sicherlich am häufigsten gestellt wird: Wie seid ihr auf den Namen Rozencrantz gekommen? Steckt etwas Bestimmtes dahinter?

Lucian Shye: Auf den Namen gekommen sind wir durch den Charakter „Rosencrantz“ aus Shakespeares „Hamlet“, um genauer zu sein, durch den gleichnamigen Charakter aus Tom Stoppards Bühnenstück „Rosencrantz and Guildenstern are dead“. Unsere Bandphilosophie passt zu diesem absurden Stück, denn gerade die Absurdität ist ein nicht wegzudenkender Teil davon geworden. Das nicht alltägliche, vielleicht sogar irrationale, ist etwas, das uns anzieht.

OM: Wie würdet ihr eure Musik beschreiben, bzw. in welches Genre würdet ihr euch einordnen?

Lucian Shye: Wir haben uns noch nie in einer Schublade wohl gefühlt, in ein Genre würde ich unsere Musik auch nicht gern einordnen wollen. Wir haben klare Wurzeln, die im Bereich Darkwave bzw. Gothrock liegen. Diese Wurzeln sind auf dem aktuellen Album zu hören und wir werden diese auch keinesfalls verleugnen, aber gerade auf unseren neuen Alben erkennt man gleichzeitig die Evolution weg von diesem Genre. Wie gesagt, wir werden diese Wurzeln nicht verleugnen, aber uns auch nicht an die Beschränkungen einer von uns selber auferlegten Genretreue halten. Eine solche Beschränkung hemmt uns in unserer Kreativität und hat darum keinen Platz bei uns.

OM: Seit wann macht ihr gemeinsam Musik? Habt ihr noch andere Bandprojekte neben Rozencrantz?

Lucian Shye: Horatio und Skye kennen sich schon seit frühester Kindheit und machen auch schon seit ihrer Jugend gemeinsam Musik, ich habe die beiden über einen Schulfreund kennengelernt und daraus formierte sich seinerzeit „Romeo Discharge“. Aus dieser Formation ging 2003 Rozencrantz hervor. Später kamen durch Besetzungswechsel noch Jackie und Gray in die Band und haben damit die Formation komplett gemacht. Jeder von uns hatte bereits andere Bands vor Rozencrantz, aktuell ist Gray auch Gitarrist bei Area 24, Jackie trommelt bei der Band Hayser und Horatio und Skye tüfteln an elektronischer Musik.

OM: Welche Bands und Musiker haben euch geprägt bzw. beeinflusst?

Lucian Shye: Eine kurze Antwort gibt es auf diese Frage nicht. Die verschiedenen Einflüsse, die jeder mit in die Band bringt, haben widerum so viele eigene Einflussgrößen, dass das hier ganz sicher den Rahmen sprengen würde eine Auflistung zu beginnen. Wir sind alle von frühen Gothrock- und Avantgarde-Bands beeinflusst worden, aber die musikalische Entwicklung geht ja auch bei jedem Einzelnen von uns noch weiter.

OM: Euer aktuelles Album heißt „Tears Black Reign“ und ist letzten Oktober erschienen, ihr seid allerdings einen weitaus längeren Zeitraum schon nicht mehr live zu erleben gewesen, wie lange habt ihr insgesamt an der Platte gefeilt?

Lucian Shye: 2011 haben wir damit angefangen, unsere Konzepte für ein neues Album zusammenzutragen und auszuarbeiten. Unser Plan war es, ca. 20 bis 25 Songkonzepte auszuarbeiten und erstmal im Proberaum aufzunehmen, um dann für den Gang ins Studio eine Auswahl zu treffen. Die Zahl der zur Debatte stehenden Songkonzepte war allerdings schlussendlich höher, und es ergab sich das Problem, dass wir uns einfach von vielen dieser Konzepte nicht trennen wollten, so dass am Ende 23 Songs für unsere Studiosession auf dem Zettel standen und klar war, dass es sich direkt um zwei Alben handeln würde. Das zweite Album aus dieser Studiosession „Drunk on Revolution“ erscheint im Herbst 2013. Die Entstehung der beiden Platten kann man gar nicht voneinander trennen, es ist also unmöglich zu sagen, wie lange wir eigentlich an jeder Platte einzeln gearbeitet haben.

OM: Wie entstehen eure Songs? Gibt es einen dedizierten Songwriter oder arbeiten alle an der Entstehung der Songs mit?

Lucian Shye: Alle bringen ihre Ideen für Songs in die Band mit ein, das geht von kleinen Ideen für einzelne Songparts bis hin zu ausgearbeiteten Konzepten, die teilweise schon mit Text in den Proberaum mitgebracht werden und dann von allen gemeinsam verfeinert werden. Das ist einerseits eine sehr komfortable Lage, da uns niemals die Ideen ausgehen, andererseits ist es aber auch schwierig und anstrengend, weil man die Einflüsse von fünf Mitgliedern und deren geballte Kreativität unter einen Hut bringen muss.

OM: Seit der Veröffentlichung von „Tears Black Reign“ gibt es inzwischen schon von der Hälfte der Songs Videoauskopplungen im Netz. Wie kommt es dazu, dass ihr in diesem Bereich so aktiv seid? Wie entstehen eure Videoclips?

Lucian Shye: Die Videos sind für uns eine weitere Plattform, um uns den Fans oder denen, die es noch werden, zu präsentieren. Da wir geballtes Wissen über das Filmen und die Postproduktion von Videos durch Skye und Horatio in unseren Reihen haben, kommt es eigentlich fast nur noch darauf an, dass wir als Gruppe immer genug Ideen auf den Tisch werfen, die umgesetzt werden können. Die eigentliche Entstehung dauert dann zwischen einem und drei Monaten, der eigentliche Dreh nimmt davon durchschnittlich drei Tage in Anspruch. Die meiste Zeit nehmen Schnitt und Postproduktion der Videos ein.

OM: Ihr feiert dieses Jahr den zehnten Geburtstag der Band. Wie werdet ihr diesen Anlass feiern?

Lucian Shye: Als erstes kann man sich auf unsere CD „The Best 10 Years“ freuen. Diese erscheint im Mai. Diese Platte ist ein Geschenk an unsere Fans und Freunde, die uns das letzte Jahrzehnt mitgetragen haben. Auf der Scheibe ist neben älterem Material auch schon der erste Vorgeschmack auf die „Drunk on Revolution“. Auf jeden Fall sind Songs von allen unseren Veröffentlichungen enthalten. Natürlich werden wir auch weiterhin Bildmaterial für unsere Musik produzieren, und wir werden möglichst viel live spielen. Das nächste Konzert findet am 14.05.2013 auf der Maiwoche in Osnabrück, passend zur Veröffentlichung von „The Best 10 Years“, statt. Hier lohnt es sich zu kommen, da wir bei dieser Show das Best of-Album verschenken werden, und zwar an jeden Besucher, der eins haben möchte. Von diesem Konzert werden wir auch Videomitschnitte machen, damit es in Sachen Video auch mal wieder etwas von Rozencrantz live zu sehen gibt.

OM: Vielen Dank für deine Zeit, Lucian. Und nun zur letzten Frage: Was gibt es in Sachen Live-Shows in 2013 noch von euch zu erwarten?

Lucian Shye: Unsere Tour zur „Drunk on Revolution“ im Herbst ist in Planung und wird auch Konzerte in Großbritannien beinhalten. Das Jahr werden wir wie bereits zwei Male zuvor mit einem kleinen Abstecher nach Russland beenden, um dort für unsere Fans zu spielen.

Fazit: Wer die neue Rozencrantz-CD „The Best 10 Years“ haben will und die Band live noch nie gesehen hat, sollte sich am 14.05.2013 auf dem Weg zur Maiwoche nach Osnabrück machen. Rozencrantz spielen um 22 Uhr auf der Timezone-Bühne. Es lohnt sich.

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