Wenn eine Heavy Metal-Band es qualitativ überzeugend und vor allem auch eigenständig fertigbringt, dem guten alten Schwermetall der 1980er Jahre angemessen zu huldigen, dann ist doch automatisch schon mal die halbe Miete im Sack.

Heavy Riffs, eingängige Melodien und technisch anspruchsvolle Leadgitarren sind die Markenzeichen der Münchner Heavy Metal-Band Reverend Hound. Obwohl München – anders als Hamburg oder das Ruhrgebiet – nicht unbedingt als eines der Heavy Metal-Zentren Deutschlands gilt, hat Bayern nun eine Band, die mit den großen Namen der Szene gleichziehen möchte.

11 Fragen von metaller.de an Gitarrist Thomas von REVEREND HOUND

11 Fragen von metaller.de an Gitarrist Thomas Meyns von REVEREND HOUND

11 Fragen von metaller.de an Gitarrist Thomas Meyns von REVEREND HOUND

1. Welche Themen spielen in Euren Songs eine wichtige Rolle und warum?
Ich selbst habe nur sehr wenige unserer Texte geschrieben, aber ich würde sagen, dass wir nicht ein bestimmtes Themenfeld festgelegt sind. Wir singen also nicht nur über Fantasy oder ausschließlich über Politik oder so etwas. Für uns kommt die Inspiration aus so ziemlich jeder Richtung, vornehmlich aus Film, Literatur und Videospielen, aber auch geschichtlichen oder aktuellen politischen oder sozialen Themen. Wir haben Songs über Zombies, Vampire und Seeräuber, aber z.B. auch über diese unerträglichen Fernseh-Prediger, die in den USA den Leuten das Geld aus der Tasche ziehen. Wenn man mit offenen Augen durch den Tag geht, findet man eigentlich recht schnell etwas, das sich zu einem Songtext verarbeiten lässt. Das Schreiben von Texten ist aber wirklich nicht meine größte Stärke, das machen eher unser anderer Gitarrist Sebastian und Wolfgang, unser Sänger.

2. Wie würdet Ihr einem Außerirdischen den Metal bzw. Euren Musikstil erklären?
Um irgendjemandem den Metal zu erklären – ganz egal, aus welcher Galaxie – würde ich ihm oder ihr „Painkiller“ von Judas Priest vorspielen. Für mich definiert dieses Album den Metal. Alleine der Titeltrack ist bis heute die Blaupause des Genres, aber auch der Rest der Platte ist ein Lehrstück in Sachen Heavy Metal. Weil es wohl ziemlich sinnlos wäre, einem Außerirdischen zu erklären, dass Reverend Hound wie eine Mischung aus Metallica und Iron Maiden, also Heavy Riffs in Verbindung mit großen Melodien, klingen (wollen), würde ich ihn wahrscheinlich einfach zu einem unserer Konzerte mitnehmen. Für den Heimflug bekommt er dann noch unsere EP „Enter My Nightmare“ und dann sollten eigentlich alle Fragen geklärt sein.

3. Wie kamt ihr / kamst du zum Metal?
Da kann ich natürlich nur für mich selbst antworten: Als Teenager habe ich AC/DC in irgendeiner Fernsehsendung gesehen – kann „TV Total“ gewesen sein – und aus reiner Neugierde habe ich mir dann am nächsten Tag ihr damals aktuelles Album in einem Plattenladen angehört. Da war es dann um mich geschehen: Die pure Energie dieser Musik, die Gitarren und die Soli von Angus Young haben mir eines klargemacht: Das musste die beste Musik der Welt sein! Ich habe mich dann immer mehr in Bands wie Black Sabbath, Iron Maiden oder Dio usw. eingehört und zu meinem nächsten Geburtstag mein ganzes Geld zusammengekratzt, um meine erste Gitarre zu kaufen.

4. Was wäre Eure Wunschtour/Festivalauftritt und mit welchen Bands würdet Ihr dort gerne auftreten?
Das ist gar nicht so leicht zu beantworten, weil für eine kleine Band wie uns natürlich jede Tour einen enormen Schritt nach vorne bedeuten würde. Aber wenn ich die absolut freie Auswahl hätte, würde ich wohl gerne mit Iron Maiden touren. Einerseits, weil sie natürlich eine meiner Lieblingsbands sind, aber auch, weil man immer wieder hört, dass sie ihre Support-Bands wirklich gut behandeln und insgesamt ziemlich entspannte Typen sein sollen. Was Festivals angeht, so würde ich gerne mal auf dem „Headbangers Open Air“ in Schleswig-Holstein spielen. Ich fahre dort jedes Jahr hin und finde, es ist Deutschlands schönstes Metal-Festival, weil es mit knapp 1500 Besuchern angenehm klein ist und dort jedes Jahr fantastische Bands auftreten – einmal auf diese Bühne zu dürfen würde ich als ziemlichen Ritterschlag empfinden.

5. Wenn Du eine berühmte Persönlichkeit, egal ob tot oder lebendig, treffen dürftest: Wer wäre das und warum?
Als Gitarrist würde ich wahrscheinlich gerne Randy Rhoads treffen, weil er mit seinem visionären Gitarrenspiel den Grundstein für die moderne Heavy Metal-Leadgitarre gelegt hat. Bestimmt wäre es spannend, mal mit ihm zu sprechen anstatt nur Bücher von Dritten zu lesen, die sein Spiel im Nachhinein sezieren.

6. Was ist die wichtigste Musikequipment-Erfindung und warum?
Das „Stompshield“. Das ist eine Art Schutzbügel für die Regler an Effekt-Pedalen, damit man sie in der Hitze eines Live-Auftrittes nicht aus Versehen mit dem Fuß verstellt. Ich habe es schon oft erlebt, dass ich vor lauter Euphorie gegen den Regler meines Lead-Boosts getreten habe und kaum habe ich ein Solo gespielt, habe ich die ganze Band niedergebrüllt, weil alles viel zu laut war. Im Publikum wird sich jeder gedacht haben: Typisch Gitarrist, macht sich lauter als alle anderen. Dabei war es gar keine Absicht! Mit dem Stompshield ist das Problem gelöst – brillant!

7. Auf welche Eurer Aufnahmen seid Ihr am meisten stolz?
Hah, die Antwort ist leicht: Auf unsere aktuelle EP „Enter My Nightmare“! Ich habe das Gefühl, dass wir hier das erste Mal 98% von dem erreicht haben, was wir wollten – die Platte klingt modern und fett aber gleichzeitig organisch und nach einer Band, die spielt. Außerdem finde ich natürlich, dass da unsere bisher besten Songs und unsere bis dato beste Performance drauf sind. Aber das ist glaube ich immer so: Als Musiker ist man im Idealfall immer am zufriedensten mit dem, was man zuletzt geschrieben oder aufgenommen hat, weil man ja danach strebt, sich konstant weiterzuentwickeln. Wenn eine Band ein neues Album aufnimmt, spricht sie immer davon, dass das das Beste und Tollste ist, was sie je zustande gebracht hat. Das klingt schnell nach Werbelyrik oder Phrasendrescherei, aber aus der Perspektive der Musiker ist das die Wahrheit. Ein Album ist auch immer eine Momentaufnahme dessen, wer eine Band zu diesem Zeitpunkt gerade ist und wenn alles nach Plan läuft, ist das die zum jeweiligen Zeitpunkt beste Version der Band. Wenn unser neues Album fertig ist, sage ich also ziemlich sicher genau das Gleiche darüber ☺

8. Was würdet ihr ändern, wenn ihr im Musikbusiness das sagen hättet?
Ich würde gerne „Pay To Play“ abschaffen. Seit einigen Jahren hat sich die unerträgliche Praxis im Musikbusiness eingeschlichen, dass gerade kleinere Bands dafür zur Kasse gebeten werden, im Vorprogramm bekannter Namen touren dürfen. Die Headliner können da in den meisten Fällen auch gar nichts dafür, weil das Sache der Booker und Tourveranstalter ist. Ich finde das nicht nur respektlos den Bands gegenüber, die sich die Zeit für die Tour aus dem Alltag schneiden und sich dann Abend für Abend den Allerwertesten abspielen, sondern habe auch schon erlebt, wie das Künstler an den Rand des finanziellen Ruins gebracht hat. Vor ein paar Jahren habe ich mich wirklich darauf gefreut, eine amerikanische Underground-Band als Teil einer größeren Tour in München zu sehen, allerdings haben die Jungs es nicht bis in meine Stadt geschafft, weil ihnen vorher das Geld ausgegangen ist. Sie mussten alleine für die Teilnahme zahlen und hatten im Verlauf der Tour natürlich weitere Kosten, weshalb sie kurz vor München die Reißleine ziehen mussten, weil es für sie finanziell nicht mehr machbar war. Darum kann es im Rock ’n‘ Roll nicht gehen – man sollte meinen, dass Talent ausschlaggebend ist.

9. Wenn Du eine Sache auf der Welt verändern könntest: Welche wäre das?
Ich würde Rosinen abschaffen. Ich hasse das Zeug! Sehen aus wie Hasenköttel und machen so viele gute Sachen kaputt: Curry, Apfelkuchen, Hefebrot… Wer auch immer auf die Idee gekommen ist, Weintrauben zu trocknen und ins Essen zu schmeißen, war kein Menschenfreund – weg mit den Dingern!

10. Wenn Du ein Lebensmittel wärst: Welches wäre das?
Da ich halb Fischkopp und halb Bayer bin, müsste ich wahrscheinlich irgendwas Perverses sein, ein Backfischbrötchen mit Weißwurstsenf oder so. Weil das aber vermutlich ziemlich ekelhaft ist, wäre ich wohl lieber etwas, was ich auch selber gerne essen würde: Ein richtig guter Burger, mit allem Drum und Dran, Bacon, Jalapenos, Käse… Keine Ahnung, was das jetzt über mich aussagt

11. Für welche drei Dinge im leben bist Du am dankbarsten?
Ich bin dankbar dafür, dass ich in einer Zeit und an einem Ort lebe, an dem ich mich verwirklichen kann, ohne dass ich Repressalien befürchten muss. Das ist alles andere als selbstverständlich. Genauso bin ich dankbar dafür, dass meine Eltern mich immer in meinen Entscheidungen unterstützt haben, anstatt mir einen Lebensentwurf aufzuzwingen. Das habe ich in meinem Umfeld auch anders gesehen. Und ich bin dankbar dafür, dass ich die Ausdauer und das Durchhaltevermögen hatte, mein Instrument zu lernen. Als notorisch ungeduldiger Mensch bin ich immer noch überrascht, dass ich nicht gleich zu Anfang hingeschmissen habe, also muss es wohl wahre Liebe sein.


Welches war Dein erstes (Metal-)Album?
AC/DC – Stiff Upper Lip

Welches war dein erstes (Metal-)Konzert?
Alice Cooper auf der „Brutal Planet“-Tour

Aktuelle TOP 5 Alben:
– Fifth Angel – The Third Secret
– Racer X – Street Lethal
– Judas Priest – Firepower
– Flotsam & Jetsam – The End Of Chaos
– Monstrosity – The Passage Of Existence

Alltime TOP 5 Alben:
– King Diamond – Abigail
– Judas Priest – Painkiller
– Metallica – Kill Em All
– Iron Maiden – Live After Death
– Ozzy Osbourne – Live At Budokan


Reverend Hound – Enter My Nightmare Video bei YOUTUBE ansehen:

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Video-Link: https://www.youtube.com/watch?v=qLcrS63xTWI


Bandbio REVEREND HOUND

2004 wird die Band unter dem Namen Savage von Gitarrist Thomas und Bassist Nicolas gegründet. Zwei Jahre später wird die Besetzung nach einiger Suche durch den fränkischen Ausnahme-Schlagzeuger Reinhold Schneider verstärkt. Von diesem Zeitpunkt an bildet sein präzises, kraftvolles und intelligentes Spiel das Fundament für den Sound der Band. Mit Roland rekrutiert die Truppe zudem einen Sänger mit einer hohen, klaren Stimme und distanziert sich so klar von Trends wie Nu Metal oder Metalcore.

Mitte 2007 wird der Posten des zweiten Gitarristen frei, weshalb Thomas als einziger Axtmann zurückbleibt, ehe Sebastian den Platz im November einnimmt. Von der ersten gemeinsamen Probe an arbeiten die beiden Musiker hervorragend zusammen und der Sound der Band wird eine ganze Ecke härter.

Im Juni 2008 sieht sich die Formation zu einem weiteren Besetzungswechsel gezwungen, denn Sänger Roland muss die Band aufgrund beruflicher Verpflichtungen verlassen und wird umgehend durch Sebastian, den ehemaligen Frontmann von Fallout, ersetzt. Dank seiner rohen, thrashigen Vocals klingt das Gespann härter denn je und schafft es dennoch, diese Energie mit eingängigen Melodien zu kombinieren. Aufgrund dieser drastischen Veränderungen entschließt sich das Quintett, den Namen Savage fallen zu lassen und benennt sich in Reverend Hound um – ein Name, den sie dem auch unter den Bandmitgliedern beliebten Videospiel „Fallout 3“ entnommen hat.

2011 verlässt mit Bassist Nicolas eines der dienstältesten Mitglieder das Line-Up von Reverend Hound, weil er sich nicht länger mit dem Sound der Band identifizieren kann. Da er bereits vorher aufgrund eines längeren Studienaufenthaltes im Ausland für sechs Monate von The Prophecy-Bassist Markus vertreten wurde, ist es für die Band klar, dass kein anderer Kandidat als dauerhafter Nachfolger für Nicolas in Frage kommt. Das ausdifferenzierte Spiel des neuen Bassisten treibt die Band zu filigranerem Songwriting an, was sich auf ihrem zweiten Album „Release The Hounds“ deutlich bemerkbar machen soll.

Als „Release The Hounds“ 2015 nach etlichen Verzögerungen endlich erscheint, hat sich das Besetzungskarussell leider erneut gedreht: Mit Sänger Sebastian, der künftig mehr Zeit für seine Familie aufbringen möchte, hat ein weiteres Mitglied des ersten Line-Ups von Reverend Hound die Band verlassen. Anstatt öffentlich zu suchen, beschließt die Band, sich in ihrem näheren Umfeld umzusehen und rekrutiert mit Wolfgang Gräbner, bekannt von Serum sowie der Metal-Coverband Maidenhead, einen der besten Heavy Metal-Sänger Bayerns.

Mit Wolfgang am Gesang diversifiziert sich der Sound von Reverend Hound einmal mehr. Während alte Songs durch seinen charaktervollen Gesang gewinnen, wird das neue Material explizit für seine Stimme geschrieben. Das macht sich auch in der Publikumsresonanz bemerkbar: Es folgen etliche Auftritte im Vorprogramm von Bands wie Myrath oder Night Demon sowie auf Underground-Festivals wie dem Metalheadz Open Air oder dem Chainbreaker Festival, durch die sich Reverend Hound eine Vielzahl neuer Fans erspielen können. Ihren krönenden Moment erlebt die Formation im Sommer 2017, als sie die große Ehre hat, auf dem Metal Days Open Air in Slowenien eine der beiden Hauptbühnen zu eröffnen.

2018 haben Reverend Hound ihr zehnjähriges Jubiläum gefeiert, was in einer amtlichen Geburtstagsfeier im Münchner Club „Soundcafé“ gipfelte, wo die Truppe auch einen Teil ihrer ersten Gehversuche unternahm. Zudem hat sich die Band im vergangenen Jahr verstärkt auf das Schreiben neuer Songs konzentriert.

2019 sind Reverend Hound nun fest entschlossen, endlich ein neues Album vorzulegen!

Line-Up:
Wolfgang Gräbner – Vocals
Thomas M. – Guitar
Sebastian Weinstock – Guitar
Markus Brendel – Bass

Discography:
2009 – Beyond Savagery
2015 – Release The Hounds
2018 – Enter My Nightmare

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Autor, Infos und Promobilder: via METALMESSAGE


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