Mittwoch 30. Juli

Die größte Veränderung ist wohl, dass die Sicherheitskontrollen so verlegt wurden, dass für das gesamte Festivalgelände inklusive des Vorplatzes nur noch „eine große Kontrolle“ durchgeführt werden muss statt der vielen kleinen. Das verkürzt die Wartezeiten am Einlass zum Infield merklich. Auch der Vorplatz, das Wacken Center, ist viel weitläufiger und übersichtlicher als bisher. Der Biergarten wurde in Richtung Metal Market verlegt und so gestaltet sich der Übergang von Wacken Plaza zum eigentlichen Infield sehr flüssig. Alles in allem hat sich das Gelände im Vergleich zu den Vorjahren weiterentwickelt. Auch hinter den Kulissen hat sich einiges geändert. Statt des üblichen Campgrounds für Künstler & Pressevertreter/VIPs direkt neben den Hauptbühnen, haben sich die Veranstalter dieses Jahr dazu entschlossen, diese Personengruppen weit weg des Troubles auf einem separaten Campground unterzubringen. Für den Transport zwischen Campground und Infield steht ein Shuttle Bus zur Verfügung.

Bei so vielen Neuheiten vergeht der erste Tag schnell mit der Erkundung des neuen Geländes. Nebenbei lauschen wir einigen Bands wie Megabosch, die mit ihren apokalyptischen Sounds das neu gestaltete Wasteland in Wallung bringen. Bei den Wackingern geben Mr. Hurley & Die Pulveraffen aus Osnabrück etwas Seemannsgarn zum Besten. Da sie die erste Band sind die auf dem diesjährigen Wacken spielen, ist die Resonanz für eine so kleine Band überraschend gut. Dadurch aus der Ruhe bringen lassen sie sich jedoch nicht und heizen der Menge mit Stücken wie „Blau wie das Meer“ oder dem „Plankentanz“ ein.

Donnerstag 31. Juli

Der Donnerstag beginnt dieses Jahr warm und entspannt. Diese Wärme soll sich die kommenden Festivaltage halten und sogar noch verbessern (oder verschlimmern, je nachdem wie man es nimmt). Musikalisch beginnt der Tag für uns auf dem Weg zu den großen Bühnen wieder mit den Piraten von Mr. Hurley & Die Pulveraffen. Danach geht es direkt weiter zur Black Stage auf der Skyline mit Gastkünstlern wie Doro Pesch die Mainstages auch in diesem Jahr eröffnen. Wie in jedem Jahr spielen Skyline Songs aus ihrem eigenen Repertoire, sowie bekannte Songs mit ihren Gastkünstlern, oder auch mal gecoverte Songs.

Rüber zur True Metal Stage, auf welcher der türkische Comedian Bülent Ceylan sein Programm den Metalheads ein wenig näher bringt. Mit musikalischen, sowie Comedy Einlagen unterhält er uns bei strahlendem Sonnenschein und über 30 Grad vom Feinsten. Auch das Publikum wird mit eingebunden. So wird der Unterscheid zwischen einer deutschen sowie einer schweizerischen Laola-Welle erläutert. Die deutsche Laola-Welle bewegt sich in rund zehn Sekunden durch knapp 30.000 Metalheads. Die schweizer Laola-Welle braucht für die gleiche Strecke dann knapp fünf Minuten.

Switch zur Black Stage zu etwas Power Metal alter Schule. Hammerfall bestreiten Ihr Konzert beim Wacken-Jubiläum gewohnt souverän. Die schwedische Band spielt ihr Programm gekonnt runter und heizt der Masse damit so richtig ein. Dann sind auf der True Stage die Glamrocker von Steel Panther an der Reihe. Jeder der Steel Panther schon einmal gesehen hat weiß, dass sie ihre Shows gewohnt kitschig, albern und vor allem mit viel nackter Haut (besonders beim weiblichen Publikum) ausschmücken. Alles in allem mal wieder eine sehr sehenswerte Show der optisch schon etwas in die Jahre gekommenen Rocker aus den USA, die sich scheinbar selbst nicht ganz für voll nehmen. Obwohl die Band erst im Jahre 2000 gegründet wurde, sind sie vom Aussehen her irgendwann in den 1980ern stehen geblieben.

Auf der Blackstage machen sich derweil die Metal Urgesteine und fast schon Inventar-Band des W:O:A Saxon, bereit. Saxon sind einfach Kult. 25 Jahre Wacken, 35 Jahre Saxon. Und sie rocken immer noch. Dieses Jahr mit Verstärkung in Form von vier Streicherinnen und einem Perkussionisten. Das Set wirkt erwartungsgemäß etwas klassischer als man es sonst von Saxon gewohnt ist. In diesem Gewand präsentieren sie Songs wie „Crusader“, „Battalions of Steel“ oder „The Eagle has landed“. Aber auch ihre anderen Hits, wie „Sacrifice“ oder „Heavy Metal Thunder“, dürfen natürlich nicht fehlen.

Nach so vielen grandiosen Künstlern schon zu Beginn des Festivals ziehen wir uns in das große Zirkuszelt, dem Bullhead Circus, zurück und warten auf den Auftritt von Starchild. Starchild sind eine noch weitestgehend unbekannte Power Metal Band aus Deutschland. Ihr Sound geht, wie sie selbst sagen, in den Bereich SciFi Metal. Da sollte jeder mal reingehört haben. In einem Moment der Unachtsamkeit wird eine Orgel auf die Bühne geschoben. Hinter dieser Orgel sitzt niemand Geringeres als Helge Schneider. Manche mögen sich nun Fragen, wie Power-SciFi Metal und Orgelmusik von Helge Schneider zusammenpassen. Aber bereits auf dem aktuellen “Starchild” Album wirkt Schneider mit Orgeleinlagen in zwei Songs mit. Wer sich nun fragt wie eine kleine Band wie Starchild zu einem begnadeten Musiker wie Helge Schneider kommt – Der Bandchef von Starchild Sandro Giampietro spielt auch in Schneiders Jazz Band. Auf jeden Fall kommt dieser Überraschungsbesuch nicht nur bei uns sondern auch den restlichen Metalheads sehr gut an. Ein echtes Highlight in der W:O:A Geschichte.

Freitag

Man mag ja über die Kommerzialisierung des W:OA und das Begleitprogramm rund um das Festival sagen, was man will. Aber wenn man am Freitagmorgen bei strahlendem Sonnenschein das Infield betritt, muss man unweigerlich die Mundwinkel nach oben ziehen und grinsen. Zu diesem Zeitpunkt ist es vor den Bühnen auch noch nicht so brechend voll und man kann auf angenehme Weise der Hair Metal Legende Skid Row lauschen. Obwohl die Jungs schon etwas in die Jahre gekommen sind, können sie noch ganz gut rocken. Außer den Klassikern wie „18 and life“, „I remember you“ oder „Monkey Business“ hat die Band aber nicht viel zu bieten. Dementsprechend bescheiden ist auch die Stimmung vor der Bühne. Ganz anders sieht das bei Knorkator aus. Da stellt sich gleich die Frage, warum Alf Ator, Stumpen und Co. schon wieder einmal auf der Partystage ran müssen. Bereits 2011 war es hier sowohl platztechnisch, wie auch vom Sound her ein Desaster. Und heute ist nicht besser. Weiter vorne mag das noch ganz ok sein. Aber ab kurz nach dem FOH Turm kommt so gut wie nichts mehr an. Das ist umso mehr schade, als dass die Band heute hervorragend aufgelegt ist und das Publikum direkt zu Anfang mit seiner ulkigen Art veräppelt. So schmettert Sänger Stumpen voller Inbrunst erst einmal Helene Fischers „Atemlos“ raus und blickt in verwunderte Gesichter. Doch dann geht es richtig los und es wird ein bunter Strauß an Knorkator Melodien zum Besten gegeben. Darunter auch „Zoo“, „31.Buchstabe“ und „Du bist Schuld“ bei welchem natürlich mal wieder jemand aus dem Publikum als Schuldiger herhalten muss.

Parallel dazu zocken Endstille auf der Black Stage, was irgendwie ein wenig surreal wirkt. Sonnenschein und 25° Grad passen einfach nicht zu Corpse Paint, verzerrten Gitarren und bizarren Texten über Krieg und Tod. Den Fans vor der Bühne scheint es aber zu gefallen und so werden zu den pfeilschnellen Gitarrenriffs und dem, wie ein Maschinengewehr ratternden, Schlagzeug ordentlich die Matten geschwungen. Und das in einer Lautstärke, wie es dem Wacken Open Air würdig ist. Die Musik ist zwar ganz klar Geschmackssache, technisch gibt es hier aber nichts zu meckern. Während ich mir dann einen leckeren Met beim Beerenweine.de Stand einverleibe, lausche ich den Klängen der Rock’n`Roll Piraten von Mr. Hurley & Die Pulveraffen, die mittlerweile ihren dritten Auftritt auf diesem Wacken Open Air haben. Die Band sorgt in der heißen Mittagssonne für ordentlich Stimmung auf der Wackinger Stage. In ihren lustigen Piratenkostümen und einer musikalischen Ausrichtung irgendwo zwischen Santiano und Alestorm kommen sie bei den Anwesenden bestens an. Vor der Bühne wird jedenfalls kräftig getanzt und gerockt. Sehr angenehme Frühschoppen Musik.

Nächster Programmpunkt sind dann eigentlich Heaven Shall Burn. Doch auf dem Weg vom Camp zum Infield passiert das, was wohl jedem schon einmal passiert ist. Man schlendert zur Bushaltestelle, biegt um die Ecke und sieht gerade noch die Rücklichter. Mist. Bus verpasst. Und als Konsequenz daraus geht dann etwa drei Viertel des Gigs verloren und es bleiben nur noch die letzten vier Songs. Aber die haben es noch einmal in sich. Bei „Black Tears“ ist sogar Edge Of Sanity Mastermind Dan Svanö mit auf der Bühne. Und beim mittlerweile wohl zur inoffiziellen Bandhymne aufgestiegenen „Endzeit“ zerlegt die Thüringische Metalcore Institution dann das komplette Infield, als sich vor der Bühne eine riesige Wall of Death aufbaut. Bei „Trespassing the Shores of your World“ folgt dann der obligatorische Circle Pit um den Mischer, was sich heute allerdings als nicht so ganz einfach darstellt und von daher recht gemächlich von Statten geht. Nichtsdestotrotz ein tolles Bild. Den Abschluss bildet dann das Blind Guardian Cover „Vallhalla“, welches Sänger Marcus Bischoff gewohnt stimmgewaltig vorträgt. Somit geht ein kraftvoller und energiegeladener Auftritt zu Ende. Schade nur, dass ich einen Großteil davon nicht sehen konnte.

Pünktlich zum Abendbrot kommen die Children Of Bodom aus ihrem Spielzimmer und ballern gut gelaunt und spielfreudig einmal quer durch ihr Repertoire. Hits wie „Needled 24/7“, „Are you dead yet“, „Towards dead end“, „Downfall“, “Halo of Blood”, “Hate me!”, “In your face” oder der Klassiker “Lake Bodom” lassen über den, leider immer noch sehr verwaschenen, Sound der CoBler hinwegsehen. Die Booze Brothers liefern einen starken Auftritt und die Menge feiert jedes „Fuck“ ab. Deutlich gediegener, aber nicht minder stimmungsvoll geht es zur gleichen Zeit auf der Party Stage ab. Santiano sind sicherlich alles andere als Heavy Metal. Nichtsdestotrotz ist es vor der Party Stage brechend voll und die Stimmung bombig. Damit sind die norddeutschen Shanty-Rocker der lebendige Beweis dafür, inwieweit sich das Wacken Open Air gewandelt hat. Vor fünfzehn Jahren hätte diese Band allenfalls morgens um elf im Biergarten eine Chance gehabt. Doch heute sorgt sie vor einer wild tanzenden und singenden Menge für richtig Party. Was das musikalische Können der Jungs angeht, gibt es nichts zu meckern und auch der Sound ist trotz des aufkommenden Windes absolut in Ordnung. Die dezente Pyroshow rundet den Auftritt ab.

Der staubige Weg führt im Anschluss weiter zur Wet-Stage und den Herren von Hämatom. Beides ist in diesem Fall namensgebend, denn wo die Deutschmetaller zuschlagen, bleiben blaue Flecken zurück. Das Zelt ist gut besucht und noch während die letzten Leichen aus Onkel Toms Keller hinaustorkeln, stützen die 4 Himmelsrichtungen ihre Setlist auf den „Säulen des Wahnsinns“. Das Publikum rockt, singt, gröhlt und tanzt. Während bereits nach 3 Songs Nords Schminke eigene Wege geht, bestätigen wir, dass „Eva nicht ganz so heilig“ ist und feiern mit dem dem EAV-Klassiker „Neandertal“ unsere Trivialität. Mit dem aktuellen Smasher vom letzten Silberling „Keinzeitmensch“„Alte Liebe rostet nicht“ und dem allseits beliebten Hasstrack „Leck mich“ vom 2008er Album „Wut“ verabschieden sich die Blutergüsse und man darf wieder frische Luft schnappen.

Doch zum verschnaufen bleibt keine Zeit, denn von der True Metal Stage kann man bereits kurze Zeit später die allseits bekannte Ansage: „We are Motörhead, and we play Rock’n’Roll“ hören. Lemmy, der heute einen fitten Eindruck macht, wird von seinen Fans lautstark begrüßt und alsbald nimmt die rockige Show ihren Lauf. Im vergangenen Jahr dauerte diese Show dann aufgrund der angeschlagenen Gesundheit von Mr. Kilmister dann nur drei Songs. Doch heute geht es über die volle Distanz. Dabei vertraut das Trio von der Insel überwiegend auf Klassiker aus der Frühphase der Band. Gut die Hälfte der heutigen Songs finden sich auf „Overkill“ „Bomber“ „Ace of Spades“ und „1916“. Und die Luft brennt. Es ist einfach unglaublich mit welcher Energie die drei Musiker, die mittlerweile alle über fünfzig sind, diese Meilensteine der Musikgeschichte unters Volk ballern. Zum Abschluss darf dann auch die deutsche Metal Queen Doro noch mal mit auf die Bühne und bei „Killed by Death“ ein wenig mitträllern. Endgültig abgefertigt wird die Meute dann mit „Ace of Spades“ und, wie sollte es anders sein, „Overkill“ als Zugabe.

Die Hard Mercyful Fate und King Diamond Fans mögen es mir verzeihen. Aber bislang sind mir beide Projekte lediglich namentlich bekannt. Für mich Grund genug, mal ein Ohr zu riskieren. Und so finde ich mich pünktlich zur Geisterstunde vor der Black Stage ein. Dann ertönt das Intro und ich blicke auf eine in blau-rotes Licht gehüllte Bühne, die mit umgedrehten Kreuzen, einem hohen Zaun und diversen weiteren Utensilien dekoriert ist. Das Ganze wirkt schon sehr diabolisch. Ich bin also gespannt, was ich da jetzt um die Ohren geblasen bekomme. Und plötzlich steht er da, der über den alle sagen, er gehöre zur Heavy Metal Grundausbildung. Mit angemaltem Gesicht, Zylinder und einem überdimensional großen Mikro. Doch als er dann anfängt zu singen, bin ich erst einmal geschockt, denn das hatte ich nicht erwartet. Mit schriller hoher Stimme, die durch Mark und Bein geht, beginnt er die Vorstellung. Dazu ein verschlepptes Tempo und langatmige Gitarrenriffs. Sorry Jungs, aber das ist nichts für mich. Technisch mag das alles wirklich sehr gut sein. Gerade der Stimmumfang ist beachtlich. Wirklich packen kann mich das aber nicht. Da gebe ich mir zum Abschluss des Tages lieber etwas gute Laune Mittelalter Metal von Saltatio Mortis. Denn auch, wenn ich die Band schon häufig gesehen habe, machen sie immer wieder Spaß. Auch heute gibt es nichts zu meckern. Schwerpunktmäßig werden erwartungsgemäß die Songs der letzten zwei Alben „Das schwarze IXI“ und „Sturm aufs Paradies“ gespielt. Song wie „Früher war alles besser“ und „Wachstum über alles“ kommen super an und sorgen zu später Stunde noch mal für Bewegung vor der Bühne. Gemischt wird das Ganze mit Klassikern der Marke „Prometheus“ oder „Uns gehört die Welt“. Die Anwesenden feiern also eine super Party, welche standesgemäß mit dem „Spielmannsschwur“ beendet wird. Ein gutes Konzert, welches zwar keine Überraschungen liefert, aber das zahlreich erschienene Publikum doch zufrieden zurücklässt.

Samstag

Eh man sich versieht, ist es auch schon wieder Samstag und der Festival-Endspurt wird eingeleitet. Und dieser Samstag beginnt bereits zum Mittag, denn Arch Enemy stehen auf der Black Stage. Neben mir sind noch ein paar Tausend Metalheads mehr sehr geil auf die Band. Bis zum FOH Turm stehen die Leute dicht gedrängt und schlagen damit die am Vortag eröffnenden Skid Row um Längen, was die erreichten Zuschauer angeht. Auch was die Agilität angeht, hat Arch Enemy eindeutig die Nase vorn. Die gesamte Band scheint trotz der frühen Uhrzeit extrem gut aufgelegt zu sein und mischt den Pit vor der Bühne ordentlich auf. Die ersten Circle Pits bilden sich, und auch die Crowdsurfer Frequenz steigt schon wieder beachtlich. Und das bei einem super Sound. So machen Songs wie „As the Pages burn“, „Dead Eyes see no future“ oder auch „No Gods, no Masters“ richtig Spaß. Bei allen Songs beweist die neue Sängerin Alizza-White Gluz, dass sie ein absolut würdiger Ersatz für Angela Gossow ist und auch gut mit dem Rest der Band harmoniert. So sieht ein guter Start in den letzten Festivaltag aus.

Ein weiteres Wacken Urgestein macht dann auf der True Metal Stage die Bühne unsicher. Tom Angelripper zeigt mit Sodom, dass sie noch lange nicht zum alten Eisen gehören und zelebrieren eine Thrash Metal Orgie allererster Güte. Neben ein paar neuen Sachen, wie zum Beispiel dem extrem groovenden „In war and pieces“ verlässt sich das Ruhrpott Trio dabei vorwiegend auf die bewährten Klassiker. Ob „Outbreak of Evil“, „Agent Orange“ oder „The Saw is the law“, alles wird von den Thrashern vor der Bühne abgefeiert wie nichts Gutes. Man gebe dabei zu bedenken, dass es mitten am Tag ist, und der Lorenz vom Himmel knallt wie in der Sahara. Da fühlt man sich dann fast wie „Ausgebombt“, wenn der Auftritt mit dem All-Time Hit „Remember the Fallen“ zu Ende geht und die Anwesenden noch einmal alles geben.

An dieser Stelle zahlt sich übrigens ein nettes kleines Gimmick aus dem Full Metal Bag, welches jeder Besucher am Eingang erhalten hat, aus. Nämlich ein ca. 1 Liter großer Trinkbeutel, den man mittels eines Karabiners an seiner Hose befestigen kann. Ohne Wasser geht es jetzt nämlich einfach nicht mehr. Und wer nicht sein halbes Monatsgehalt an einer der Getränkebuden ausgeben will, der ist mit diesem Beutel gut beraten. Doch eines muss ohnehin jedem Wackengänger heuer bekannt sein: Ohne einen dicken Geldbeutel sollte man eh nicht aufs größte Metal Festival der Welt fahren. Mit Bierpreisen von zehn Euro pro Liter ist man auf Oktoberfest Niveau. Und der Einfachheit halber wird dann für Cola/Wasser und Co. auch direkt der gleiche Preis fällig. Beim Essen sei auf die qualitativ höherwertigen Stände im Wackingerdorf verwiesen. Hier bezahlt man zwar 10-50% mehr, bekommt dafür aber auch wirklich leckere Sachen. In Sachen Essensauswahl gibt es aber einmal mehr nichts zu meckern.

Aber zurück zum musikalischen Programm. Und das geht für uns dann auf der True Metal Stage mit Amon Amarth weiter. Die Schweden haben sich in den letzten Jahren extrem weiterentwickelt und sich so eine enorme Fanbase erspielt. Dabei schlagen sicher der konsequente musikalische Kurs und die Authentizität erfolgreich zu Buche. Und so schaffen sie heute, was eigentlich nur Rammstein im vergangenen Jahr zu Prime Time geschafft haben: ein nahezu komplett ausgefülltes Infield. Als das Intro ertönt, ist die Bühne in blaues Licht gehüllt und vor dem Backdrop erheben sich zwei große, rauch-spuckende, Drachenköpfe, welche den Bandmitgliedern hin und wieder als Turngeräte zur Verfügung stehen. Frontwickinger Johann Hegg sieht aus, als hätte er entweder zu viel Sonne, oder zu viel Met genossen, und auch wenn von beidem vielleicht ein Teil stimmen mag so brauen sich akustische Gewitterwolken über der True-Stage zusammen. Die „Guardians of Asgard“ schlagen zu und hinterlassen ein „Twilight of the Thundergods“ bei dem kein Auge trocken und keine Faust ungeballt bleibt. 70 Minuten pure Power prasseln auf uns hernieder und bescheren uns einen kurzweiligen Auftritt. Das Publikum ist ebenfalls gut drauf und lässt sich von der Performance anstecken. Vor der Bühne bilden sich immer wieder kleinere und größere Circle Pits und die Security im Graben hat mit dem Herausziehen der Crowdsurfer gut zu tun. Jeder, der Amon Amarth bis dato noch nicht kannte, weiß spätestens jetzt ob der Qualität der Schweden-Deather. Definitiv einer der besten Gigs des ganzen W:O:A 2014.

Als Tobias Sammet 2001 seine Metal Opera herausbrachte, hat er wohl nicht im Traum daran gedacht, wohin ihn das mal führen würde. Dreizehn Jahre später ist er heute bereits zum dritten Mal mit Avantasia live auf dem Wacken Open Air. Und das, wo dieses Projekt eigentlich niemals live aufgeführt werden sollte. Schon verrückt, wie das Leben manchmal so spielt. Zur besten Samstagsabendzeit und mit einem Slot von satten zwei Stunden darf sich der Paradiesvogel austoben. Zur Freude seiner Fans. Und natürlich hat er auch dieses Mal wieder jede Menge großartige Musiker mit an Bord. Den Anfang bei Tobis All-Star Stelldichein macht Pretty Maids Fronter Ronnie Atkins, der sichtlich Spaß an der Show hat. Auch Bob Catley ist wieder mit von der Partie und macht einmal mehr einen guten Job. Eine stimmliche Freude ist auch immer wieder Michael Kiske, der besonders beim Song „Avantasia“ glänzen kann. Und beim gemeinsam vom Sammet, Catley und Kiske gesungenen „Shelter from the rain“ bekommt man beinahe eine Gänsehaut. Wahnsinn, welche Emotionen diese Sänger in die Songs legen können. In „Dying for an angel“ kann sich der geneigte Zuhörer dann von den Sangesqualitäten von Eric Martin, seines Zeichens Sänger von Mr. Big, überzeugen. Im Background Gesang, und der Instrumentalfraktion finden sich allerlei alte Bekannte wie zum Beispiel Amanda Sommerville, Felix Bohnke oder Sascha Paeth, um nur Einige zu nennen. Alles in allem also ein echtes Starensemble. Ein Ensemble, das liefert und dabei von der Bühnenshow bestens in Szene gesetzt wird. Die stimmungsvolle Lichtshow verbunden mit der riesigen Videoleinwand im Hintergrund der Bühne, auf der animierte Filmsequenzen aus dem Avantasia Universum abgespielt werden, setzen immer wieder neue Akzente. Das hier heute ist, wie an sich immer bei Avantasia Gigs, weit mehr also nur Musik. Es ist das Gesamtpaket, was überzeugt und den Zuschauer bei jedem Song aufs Neue in eine entzückende und atemberaubende Welt entführt. Und so vergehen die zwei Stunden Spielzeit wie im Fluge und plötzlich ist schon Zeit für „Lost in Space“, den letzten Song des Programms. Zuvor jedoch neckt Tobi noch ein wenig die vor der Black Stage wartenden Kreator Fans. Natürlich nur zum Spaß. Während der Zugabe kommen dann noch einmal alle Musiker auf die Bühne und singen gemeinsam das Medley aus „Sign of the cross“ und „Seven Angels“, dem traditionell letzten Stücks. Wow, das muss ich jetzt erst einmal sacken lassen, bevor es weitergeht.

Und wem Tobis selbsternannter „Pussy-Metal“ zu belanglos erscheint und nicht mit den bereits genervten Kreator Fans auf Mille & Co. warten möchte, der kann bei einem Becher Met dem Auftritt der ungarischen Folk-Punker von Firkin auf der Wackinger Stage Beiwohnen. Hände in die Hüften gestemmt und im irischen-Folk-Gewand losgetanzt.

Im Anschluss geht es weiter zur Party Stage, denn dort erwarten uns Van Canto, die bereits im Vorfeld bekannt gegeben haben, dass es heute einige „Special Guests“ geben wird. Rakkatakka und es geht los. Die Menge ist erstaunt ob der fantastischen gesanglichen Leistungen der Stimmwunder. Da hat sich in den vergangenen Jahren einiges getan. Während die Zuschauer auf die einschlägigen Cover-Songs der Band warten, spekulieren wir, welche Gäste wir denn noch sehen werden. Doch das Rätselraten findet ein schnelles Ende, denn schon steht Chris Boltendahl auf der Bühne und schmettert in bester Manier den Grave Digger Ohrwurm „Rebellion“ vor sich hin. Während im vergangenen Jahr noch Van Canto als Background bei Grave Digger fungierten, so dreht sich in diesem Jahr das Rad. Doch nicht nur im Gesangsbereich hat sich Van Canto heute Verstärkung geholt. So wirkt beispielsweise bei „One to Ten“ Rage Sechssaiter Victor Smolski mit. Auch Jörg Michael zeigt am Schlagzeug, was er kann. Und dann bricht plötzlich frenetischer Jubel im Publikum aus, denn Lady Tarja Turunen herself enters the stage. Nachdem dann zunächst Tarjas Song „Antaroom of Death“, bei welchem Van Canto seinerzeit mitwirkten, zum Besten gegeben wird, ereignet sich dann etwas Geschichtliches. Tarja Turunen singt nach neun Jahren wieder den „Wishmaster“ in Wacken. Und das wie zu besten Nightwish Zeiten, nur halt nun mit den stimmlich deutlich gereiften Van Cantos. Zum Abschluss gibt es dann noch den Iron Maiden Evergreen „Fear of the Dark“, der noch einmal kräftig abgefeiert wird. Klasse Auftritt.

Es ist spät geworden und das Infield hat sich merklich geleert. Viele Metalheads werden wohl schon im Zelt liegen, oder am Zelt noch das letzte Bier des Festivals trinken. Ein großer Teil wird auch schon gen Autobahn unterwegs sein. Dementsprechend spärlich gefüllt ist es auch vor der Bühne, als Schandmaul ihren Gig beginnen. Auch wir beobachten den Auftritt aus „sicherer“ Entfernung und nehmen nebenher noch einen kleinen Gute Nacht Snack ein. Das Schöne ist, dass es zu so später kein Gedränge mehr gibt und die meisten störenden Nebengeräusche ebenfalls passé sind. Der Sound ist erstaunlich klar, laut und deutlich. Selbst im Biergarten kann man den Klängen der Folk Rocker noch angenehm lauschen. Die Setlist ist bunt gemischt und so ist für jeden etwas dabei. Sei es nun der atmosphärische Opener „In deinem Namen“ vom neuen Album, oder aber das markante „Teufelsweib“, Alt und Neu werden gekonnt verbunden. Und alle, die nach der knappen Stunde Spielzeit noch stehen und tanzen können, feiern dann natürlich noch einmal gemeinsam mit den Schandmäulern die „Walpurgisnacht“. In der Zugabe macht die Band mit „Bunt, nicht Braun“ noch einmal unmissverständlich klar, wie zu hirnlosen Parolen und Versteifungen im rechten Arm steht. Und wie könnte ein Schandmaul Auftritt ohne das schönste aller Liebeslieder, nämlich „Dein Anblick“ zu Ende gehen.

Und damit schließt sich unser Bericht. Ein Bericht über ein Festival, das wieder einmal eine Reise wert war. Auch wenn in diesem Jahr der ganz große Über-Headliner gefehlt hat, so war es doch schön.

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