Spielten Gigs mit In Extremo und Secrets Of The Moon. Jetzt legen sie mit dem Album „Noor“ mal wieder ihre eigene Interpretation des Genres Medieval Metal vor.

Das Soundgewand dieses Machwerks geht klar weg von der Mittelalter-Schiene und bedient sich vor allem Elementen des Metal. Und zwar allen Stilrichtungen des Metal! Das ist es, was diese Scheibe so außergewöhnlich macht: Growls und Blastbeat-Parts künden von Black Metal, elegische Bridges von Melodic Metal, zweistimmige Gitarren von Heavy Metal, Hummpa Einlagen an Pagan Metal und Doublebass-Attacken von Power Metal.

Ganz weg ist natürlich der Einfluss der mittelalterlichen Musik natürlich auch auf „Noor“ nicht. Sie finden sich vor allem in der Struktur der angesprochenen melodiösen Bridges und dem Einsatz von Flöten und einem Schifferklavir. Letztendlich hat es mit „Drunken Sailor“ auch wieder ein Traditional auf die Scheibe gepackt, dass von den fünf Musikern auf ihre Art zur Partymusik umgedeutet wird. Sehr schön ist übrigens auch die Tatsache, dass am Ende dieses Tracks – und damit am Ende der Platte – die Stimmen der Musiker zu hören sind, die sich darüber beklagen ob der Geschwindigkeit des Stückes keine Luft mehr zu bekommen. Das macht die Band menschlich und sympathisch.

Aber auch die restlichen Stücke auf der CD sind nicht weniger stark. Und ebenso unterschiedlich wie die verschiedenen Einflüsse sind auch die Thematiken, mit denen sie sich auseinander setzen: So könnte der Text von „Am Grunde des Meeres“ auch von jeder x-beliebigen Mittelalterband stammen, während „Under Yggdrasil“ eher an Pagan Metal erinnert und die Lyrics von „Sons Of The Damned“ mit ihrem Lob der Metal-Szene auch durchaus von Manowar stammen könnten.

Was „Noor“ aber auch zu einem Klangerlebnis macht ist das dichte Soundgewebe, das auf der Scheibe zu jeder Zeit präsent ist: Vor allem die Rythmussektion knallt amtlich und wird durch derbe Riffs noch verstärkt. Damit es nicht zu langweilig wird packen die Nordrhein-Westfahlen immer mal wieder den ein oder anderen melodiösen oder elegischen Part dazwischen. Oft passiert auch beides gleichzeitig, so dass der Klangteppich noch enger gewebt zu sein scheint. Perfekt abgerundet wird diese Tatsache auch durch die amtliche Produktion, die zu jeder Zeit für ordentlich Dampf sorgt.

Wer meine bisherigen Reviews gelesen hat, der weiß, dass ich nicht schnell mit hohen Bewertungen bei der Hand bin. Aber in diesem Fall kann ich einfach nicht anders, als zum Topscore zu greifen! Dies ist genau die Art von Musik, die alle Genre-Grenzen und –Diskussionen, in denen sich die Metal-Szene zur Zeit ergeht, überwinden und die Szene wieder vereinen könnte. Was „Noor“ so stark macht ist die Tatsache, dass Adorned Brood hier ein Album geschaffen haben, das wohl jedem Metal-Fan gefallen dürfte. Abolute Kaufverpflichtung!