Samsas Traum – Heiliges Herz – Das Schwert Deiner Sonne

Samsas Traum haben mit ihrem aktuellen Album „Heiliges Herz – Das Schwert Deiner Sonne“ mal wieder eine Diskussion in Fachkreisen ausgelöst.

Nach einer mehr als schlechten Review im renommierten Rock Hard hat sich Mastermind Alexander Katsche mit einer sehr polemischen Kritik an die Öffentlichkeit gewandt! Aber hören wir uns den Gegenstand dieses Streites doch einmal selber und vor allem ganz unvoreingenommen an. Musikalisch geht die neue Scheibe aus dem Hause Katsche wieder eindeutig mehr in die Metal Ecke.

Nachdem man in der Vergangenheit eher experimentelle Wege gegangen ist und fast schon in die EBM/Dark Wave Ecke schielte knüpft das neue Album wieder an die vom Black Metal geprägten frühen Tage der Band an. Vor allem das Doublebassgeballer kann zusammen mit der Bassarbeit ein treibendes und knackiges Grundgerüst schaffen, auf dem kurze Keyboard Parts für Kälte sorgen. Darüber legen sich allerdings leider Gitarrenlinien, die bestenfalls als einfallslos zu charakterisieren sind. Das hätte so auch von jeder anderen Black Metal Combo kommen können. Was Samsas Traum allerdings so einmalig macht ist der „Gesang“ von Alex Katsche, der aus einem Black Metal Grundgerüst ein astreines Gothic Metal Scheibchen macht. Mal kreischt, mal spricht er fast. Immer bewegt er sich jedoch auf unerwarteten Pfaden und überrascht den Zuhörer mit Nerven zerreißenden Vocals.Handwerklich ist den Jungs sicherlich nichts vorzuwerfen.

Immerhin handelt es sich hier um gestandene Musiker, die schon seit über zehn Jahren im Geschäft sind. Da kann man eigentlich nicht viel verkehrt machen. Allerdings ist das musikalische Material natürlich auch nicht so anspruchsvoll, dass sie hier mit atemberaubender Saitenakrobatik glänzen konnten.

Ein Glanzpunkt sind hingegen einmal mehr die Texte. Alex Katsche hat wieder einmal kleine lyrische Meisterwerke erschaffen, deren Sinn sich nicht sofort erschließt. Man muss das Album schon einige Male hören und sein Gehirn zu Höchstleistungen anspornen, wenn man Samsas Traum verstehen will. Aber das lohnt sich auch. Solche lyrischen Großtaten sind im Musikbereich einzigartig und lassen sich sonst allenfalls in der Literatur finden.Über die Produktion lassen sich hingegen nicht so viele gute Worte verlieren.

Zwar kracht das Album ganz amtlich und kann zuweilen auch die Kälte der alten Black Metal Tage rüber bringen. Doch ist die Scheibe – wie leider so oft im Gothic Metal – für meine Begriffe viel zu glatt produziert. Hier fehlen einfach die Ecken und Kanten. Alles ist auf die Tanzbarkeit in Düsterclubs ausgerichtet. Ein bißchen Eingenständigkeit und Räudigkeit hätte dem Silberling sicherlich eine noch größere Wirkung verliehen.Eigentlich ist im Hause Samsas Traum also alles so wie immer: Das neue Album “Heiliges Herz – Das Schwert Deiner Sonne“ ist sicherlich einmal mehr gewöhnungsbedürftig und weist auch einige Schwächen auf.

Damit wurde eine – mittlerweile immer wiederkehrende – Diskussion um die musikalischen Qualitäten der Beteiligten ausgelöst. Letzten Endes kann aber jeder, der die Musik der Combo vorher auch schon mochte – hier bedenkenlos zugreifen, während Leute, die ihr kritisch gegenüber standen lieber die Finger davon lassen sollten.

Autor: Daniel Popp
02.11.2007

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The Veil & Samsas Traum

Wir schreiben den 13. März des Jahres 2008: Samsas Traum mit Unterstützung der französischen Band The Veil beehren das X in Herford und wir zogen aus um diesem Spektakel aus Blut, Krach und Black Metal beizuwohnen.

Als wir in Herford ankamen und unsere ersten Biere leerten, öffnete das X bereits seine Pforten und wir betraten die Main-Hall. Um Punkt 20:30 läuteten die Franzosen The Veil den Konzertabend ein und begannen ein knapp 45 Minütiges Set. Jene Band, die sich als Support von Samsas Traum qualifiziert hatte, kam beim Publikum leider nicht gut an. Die meisten Besucher saßen noch gemütlich an ihren Tischen, sodass der Innenraum ziemlich leer war, was darauf hinwies, dass das Publikum auch ein wenig gelangweilt von der Darbietung der Franzosen war. Keyboardlastiger Industrial Rock mit weiblichem Gesang, welcher leider auch nicht sehr abwechslungsreich war, eignete sich an diesem Abend wohl nicht gut und das Publikum applaudierte sogar (unfairer Weise!), als der letzte Song angekündigt wurde. Nach kurzer Umbaupause betraten endlich Samsas Traum die Bühne.

Die Band, welche sich im Jahre 1996 formierte und zu Anfang als Soloprojekt von Fronter und Mastermind Alexander Kaschte geplant war, kamen in voller Black Metal Montur – Corpsepaint und Nieten- vor das Publikum, welches inzwischen nun aus gut doch 250 Zuschauern bestand und spielten mit ziemlich krasser und teils auch überladener Lichtshow ihr Set. Mit diesem Auftritt wollte Samsas Traum mutmaßlich ihren Wandel „back to the roots“, also zurück zu den Wurzeln des Black Metal, aus denen Kaschte stammt, versinnbildlichen, was ihnen auch derbst gelang!

Derzeit tritt die Band mit ihrem Image-Wandel öfters Mal ins Rampenlicht der Metall-Unterstützenden Fach-Presse; erst vor einiger Zeit verweigerte das „RockHard“ der Band die für Kaschte schon fast traditionelle „Arschbombe des Monats“ für das schlechteste neue Album, dann sah sich Samsas Traum in Verbindung mit Rechtsradikalismus konfrontiert …

Der Innenraum füllte sich, die Plätze an den Tischen leerten sich und in den ersten Reihen flogen die Haare. Die erste Hälfte des Konzertes tendierte mehr zu den gewaltigen Liedern vom aktuellen Album Heiliges Herz – Das Schwert deiner Sonne, während die zweite Hälfte zurück in die alte Ära der ruhigen und teils avanrgardistischen Songs führen sollte. Schon nach dem ersten Stück verließ Kaschte die Bühne und kam kurz darauf in blutverschmierter Zwangsjacke und einem Glas Kunstblut zurück. Nachdem er den einen oder anderen Fan mit Blut besudelte, ging es mit viel Krach weiter und es wurde gebangt und getanzt, was das Zeug hielt. Kaschte war allerdings ein wenig unzufrieden, was das Publikum anging. So kommentierte er, das er schon das eine oder andere weitaus bessere Publikum hatte. Dies wollten die Fans nicht auf sich sitzen lassen und gaben noch mal richtig Gas, um Kaschte zu beweisen, dass sie doch ein denkwürdiges Publikum für seine Darbietung sind.

Einige Songs später setzte die Band für ein paar Minuten aus und es wurde als eine Art Intro „Angst“ eingespielt. Als diese introartige Pause vorüber war, kam die Band zurück auf die Bühne, und zwar ohne Corpsepaint und Nieten, Kaschte dafür aber mit Dissection-Shirt und der Teil der alten, ruhigeren Lieder begann, welcher beim Publikum teils auch besser ankam. Einen Einschnitt gab es jedoch wieder nach Kaschtes´ Ausruf, dass alle Leute, die Darkthrone kennen, bitte einmal nach vorne kommen sollten… Ich ließ es mir nicht nehmen, meinen Platz zu verlassen und mich mit in die vordersten Reihen zu stellen. Es wurden die Klänge zu Darkthrone´s Graveyard Sluts vom The Cult is Alive Album zum Besten gegeben, und zwar wirklich zum Besten, denn man hatte das Gefühl, die Original-Band vor sich zu haben, obwohl nur ein Cover gespielt wurde. Nach noch ein paar Stücken aus dem „Endstation Sehnsucht“-Album verabschiedeten sich Samsas Traum vom Publikum und verließen die Bühne, doch wie man es gewohnt ist, bekamen wir doch noch die eifrig geforderte Zugabe. Ein Fan warf eine Hand-Puppe auf die Bühne, welche Kaschte aufhob, ins Mikrofon quietschen ließ und dies immer wieder mal während der Zugabe wiederholte. Sehr sympatisch!

So bekamen die Fans noch 3 Songs als Zugabe. Leider war nach dem Konzert auch im „X“ Schluss und somit begaben wir uns wieder zum Auto, um unsere eigene Party zu machen und einen tollen Abend mit viel Unterhaltung, Spaß und tolle Musik ausklingen zu lassen.

Autor: Bericht: ApocalypticWarhammer
13.03.2008

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Alexander Kaschte - Mastermind hinter Samsas Traum

Alexander Kaschte – Mastermind hinter Samsas Traum

Exklusiv-Interview mit A.K. (Alexander Kaschte, Samsas Traum)

OM: Hallo Alexander! Vielen Dank erst mal, dass du dir Zeit für dieses Interview mit OsnaMetal.de genommen hast. Wie geht es dir heute?

A.: Danke, mir geht es sehr gut. Heute Vormittag standen zwei Interviews mit Russland auf dem Programm, danach habe ich sehr lange Gitarre gespielt – gefolgt von einem Stadtbummel durch Wien. Gerade hat meine Freundin eine vegane Lasagne ins Backrohr geschoben, hier riecht es köstlich – ich bin wunschlos glücklich.

OM: Lass uns keine Zeit vertrödeln, sondern gleich am Anfang zum Anlass dieses Interviews kommen: Das RockHard Review zu eurer neuen Scheibe „Heiliges Herz – Das Schwert deiner Sonne“, das wenig positiv ausgefallen ist. Wie hast du davon erfahren?

A.: Ich habe die Rezension von meinem Promoter einen Monat vor ihrem Erscheinen per Email zugeschickt bekommen. Wenn man die Presse über eine namhafte Agentur mit einer neuen Veröffentlichung bemustern lässt, haben die Magazine ihre Besprechungen im Vorfeld abzuliefern – als Beweis dafür, dass das Material angekommen ist und rezensiert wird.

Für meinen „offenen Brief“ – der nicht wirklich als solcher gedacht war, ich verstehe ihn mehr als essayistisches Entertainment für meine Fans – habe ich aber weitaus weniger Zeit als einen Monat gebraucht. Ich habe ihn einen Tag vor dem Erscheinungstermin des Rock Hard verfasst.

OM: Die Redakteurin Conny Schiffbauer baut darin ein Bild auf, dass vor allem auf der altbekannten Herr der Ringe Metaphorik basiert. Hast du irgendeine Erklärung dafür, wie sie zu diesem Vergleich kommt?

A.: Im ersten Augenblick bin ich davon ausgegangen, dass Conny Schiffbauer auf die in meiner jeder Promo-Cd beiliegenden Band-Biographie anspielt, in welcher erwähnt wird, dass die Bandgründung von SAMSAS TRAUM in erster Linie einem Live-Album von BLIND GUARDIAN zu verdanken ist – ich habe „Tokyo Tales“ 1996 in einer Zeit zu hören bekommen, in der ich das Musikmachen eigentlich an den Nagel hängen wollte. Das Album hat mir viel Mut gemacht – ich wollte mir die Anerkennung, die BLIND GUARDIAN während der mitgeschnittenen Show durch ihre Fans zuteil wurde durch eigene Musik erarbeiten und habe mich deshalb dazu entschlossen, nicht aufzugeben.

Als nächstes habe ich hinsichtlich der Rock Hard-Rezension vermutet, dass Conny vielleicht auf den Anfang des Stücks „Das Schwert Deiner Sonne“ anspielt, bei dem ich mich des selben Gesangsstils wie Varg Vikernes bediene – um der Musik von BURZUM Tribut zu zollen. Auch wenn jedem vernunftbegabten Menschen klar sein muss, dass des Grafen politische Gedanken kompletter Schwachsinn sind, so hat er doch zweifelsohne Musik erschaffen, die bis heute hinsichtlich ihrer Intensität ihresgleichen sucht. Doch weit gefehlt – auch das war nicht der Grund für den „Herr der Ringe“-Vergleich.

Ich will es kurz machen, denn mittlerweile bin ich schlauer: ich hatte die unglaubliche Ehre auf der Geburtstags-Party zum 20jährigen Bestehen von NUCLEAR BLAST Frau Schiffbauer vorgestellt zu werden. Und was soll ich sagen: für Conny war die Begegnung äußerst unfreiwillig, sie ist vor Peinlichkeit und Scham fast im Boden versunken und hat sogar ein wenig geschrieen. Meinen polemischen und sarkastischen Adern wurden in einem 10 Minuten langen Gespräch Energien zugeführt, die bis ans Ende meines Lebens reichen sollten: „Ich habe einfach einen Aufhänger gebraucht“, hat Conny zugegeben.

Herzlichen Glückwunsch, ich bin tatsächlich freundlich geblieben. Wir müssen witzig ausgesehen haben, die Frau ist nicht einmal halb so groß wie ich.

OM: Positiv hebt sie erst einmal das knackige Drumming hervor, dass überraschenderweise von Adrian Erlandsson stammt, nachdem Moritz Neuner seine Spuren bereits eingespielt hatte. Diese wurden dann aber später wieder gelöscht. Warum?

A.: Moritz hat einfach nicht die Leistung erbracht, die ich mir für mein Album gewünscht habe – er hat auf Grund einer Vielzahl musikalischer Aktivitäten und seiner Tätigkeit als Booker von Atrocity und Leave’s Eyes nicht die Kapazitäten gehabt, sich besser auf die Aufnahmen vorzubereiten. Ich habe mir mit der Entscheidung, Moritz zu löschen, lange Zeit schwer getan und viele Versuche unternommen, die Aufnahmen zufrieden stellend verwerten zu können, aber Moritz’ Stil und die gesamte Ästhetik haben schlussendlich nicht zu meiner Vision von „Heiliges Herz“ gepasst.

Fredrik hat mir dazu geraten, keine weitere Zeit zu vergeuden und das Album von einem anderen Drummer einspielen zu lassen. Er hat den Kontakt zu Adrian hergestellt – nachdem dieser meine Demos gehört hat, war schnell klar, dass er die Platte einspielen würde, denn die Stücke haben ihm auf Anhieb gefallen.

OM: Nicht verstehen kann ich hingegen Connys Kritik an den Gesangslinien, die sich wieder einmal durch eine hohe Poetizität auszeichnen. Gibt es ein lyrisches Konzept hinter dem Album?

A.: Ein lyrisches Konzept war nicht beabsichtigt, aber als das fertige Album vorlag, ist mir die häufige Verwendung der Elemente und Naturgewalten aufgefallen, mit denen ich meine Gefühle auf metaphorische Art und Weise zum Ausdruck zu bringen versucht habe. Vielleicht hat mich die martialische Atmosphäre der Musik unterbewusst dazu bewegt – ich habe allerdings, was will man auch anderes von mir erwarten, bewusst auf die üblichen Black Metal-Textbausteine verzichtet, da ich in der Verbindung meiner Lyrik mit Black Metal einen Anreiz sah, etwas Neues und Innovatives zu erschaffen.

Black Metal hat für mich nichts mit Satanismus, Headbanging, Bier trinken und lärmender Musik zu tun, ich verstehe Black Metal in erster Linie als philosophisches und höchst disziplinäres Betätigungsfeld – was sich wahrscheinlich ebenfalls in meinen Texten niedergeschlagen hat.

OM: Ein Kritikpunkt der nicht nur vom Rock Hard vertreten wird ist hingegen auch das Songwriting, das bestenfalls als unispiriert oder langweilig bezeichnet wird. Gibt dir dieser fast schon flächendeckende Konsens in der Fachpresse nicht zu denken?

A.: Nein, das Album beinhaltet eine Auswahl großartiger und gut geschriebener Songs – „Heiliges Herz“ ist, auch wenn es den Hörer im ersten Augenblick überfährt und wie eine einstündige Blast Beat-Orgie wirkt, eine sehr abwechslungsreiche Platte. Höre sie genauer an und Du wirst viele Details und Spielereien entdecken, die sich nicht auf Anhieb erschließen.

Leider verstehe ich nicht, warum Du von einem „fast schon flächendeckenden Konsens“ redest. Das Orkus-Magazin hat mir satte zehn von zehn Punkten verpasst, im Gothic und Sonic Seducer werden meine neuen Alben in ähnlicher Art und Weise gehuldigt. Das Legacy bezeichnet „Heiliges Herz“ als „lupenreines Black Metal-Werk nach norwegischer Prägung“ mit „deutlichem Darkthrone- und Mayhem-Einschlag“. In einem renommierten Online-Magazin lässt man sich sogar zu Sätzen wie „Auf der anderen Seite ist Samsas Traum hier ein Geniestreich gelungen, der sich in punkto brachialer Intensität auf einem Level mit dem bisher unerreichten „Storm of the Light’s Bane“ von Dissection bewegt, über das ja bis heute noch diskutiert wird, ob es nun Black Metal ist oder nicht“ oder „Songs wie „Auf den Spiralnebeln“ und „Durch springende Lippen“ sind episch und symphonisch wie Emperor zu ihren besten Zeiten“ hinreißen.

Wir haben schon immer polarisiert, und ich bin sehr glücklich darüber, dass mir dies mit „Heiliges Herz“ und „Wenn schwarzer Regen“ einmal mehr gelungen ist – es gibt niemanden im Metal- oder Gothic-Sektor, über den sich so gut reden lässt wie über mich.

Und um noch den von Dir verwendeten Begriff „Fachpresse“ anzusprechen:

Ein Musikjournalist hat sich meiner Meinung nach auf hermeneutische Art und Weise einer Band respektive einem Album zu nähern. Er soll darüber schreiben, warum ihm ein Album gefällt – oder warum es in seinen Ohren keinen Anklang findet. Über die Qualität eines Musikjournalisten entscheidet – wie der Begriff aufzeigt – entweder das Studium der Musikwissenschaft und des Journalismus oder die belegbare Fähigkeit, sich einfühlsam und objektiv mit Musik auseinander setzen zu können. Hinsichtlich aller anderen im Zusammenhang mit Musik stehenden Gebiete hat ein Musikjournalist den Mund, die Finger oder den Stift ruhig zu halten.

Die Noten, das Arrangement, die Strukturen, das Songwriting, die Qualität der Aufnahme, die simple Praxis – all das sind Dinge, von denen ein Musikjournalist nichts versteht – und die ihn auch nicht das Geringste angehen. Wenn ein Musikjournalist trotzdem beansprucht, fundiertes Wissen über das Komponieren, Spielen und Aufnehmen von Musik zu besitzen, so frage ich mich, warum er nicht Musiker wird, denn dann kann er beweisen, dass er der bessere Künstler ist. Ich bin in den letzten 11 Jahren vielen gescheiterten Instrumentalisten, Sängern, Selbstdarstellern und Studenten begegnet, die sich in Musikzeitschriften auf Grund der ihnen zugeteilten vermeintlichen Macht mittels Buchstaben über Bands heben wollten und für einen lächerlichen Lohn, für Promo-CDs und Freikarten ihr eigenes Ego streichelten und zu profilieren versucht haben.

Viele dieser Menschen können – und das ist so nachweisbar wie schändlich – keine korrekten Sätze bilden. Ein (aus)gebildeter und studierter, in einem anderen Sektor tätiger Journalist würde niemals auf die Idee kommen, eine subjektive und unfundierte Meinung über weltpolitische Ereignisse in die Berichterstattung einfließen zu lassen. Er würde dafür im schlimmsten Falle mit dem Leben bezahlen. Seien wir also froh darüber, dass Gitarrenhälse immer länger und härter sein werden als Stifte.

OM: Auf diese weniger angenehme Rezension folgte dann auch eine entsprechende Antwort aus dem Haus Samsas Traum. Diese wird eingeleitet mit der Kritik daran, dass „Heiliges Herz – Das Schwert deiner Sonne“ von einer unbekannten Redakteurin und nicht von dem Redaktions Veteranen Götz Kühnemund zerrissen wurde. Auf der anderen Seite kann natürlich nicht jede Scheibe von ihm – der sich hauptsächlich mit den großen Veröffentlichungen beschäftigt – besprochen werden. Überschätzt du nicht ein wenig die Wichtigkeit von Samsas Traum?

A.: Du nimmst meinen „offenen Brief“ sehr ernst und wörtlich, sehe ich das richtig?

In aller Deutlichkeit: mir ist es egal, welcher Rock Hard-„Musikjournalist“ meine Alben in der Luft zerreißt, wir werden die Akte Rock Hard immer gewinnbringend und effektiv auszuschlachten wissen. Es wäre mir lediglich die delikatere Ehre gewesen, Götz Kühnemund persönlich ans Bein zu pinkeln – er hat schlicht und ergreifend den größeren Namen, und die Strafen für Majestätsbeleidigung sind höher als die für Beamtenbeleidigung.

OM: Weiter geht es mit einem Angriff auf die Redakteurin Conny Schiffbauer. Sie hat sicherlich eine nicht sehr gute Rezension geschrieben. Allerdings ist in so etwas auch immer eine gehörige Portion Subjektivität enthalten. Dieser Eindruck ist bei ihr nun einmal nicht sehr gut. Wäre es nicht einfacher gewesen zu sagen: „OK. Die mag uns nicht, aber unsere Fans wissen schon was sie an uns haben.“?

A.: Ich habe nicht über das Rock Hard respektive Conny Schiffbauer geschrieben, weil ich mich in meiner Ehre gekränkt oder in meinem Selbstbild beleidigt fühle – oder weil ich etwa glaube, dass das Rock Hard meine Platte missverstanden hat. Ich habe meinen „offenen Brief“ verfasst, weil das Rock Hard zu dämlich ist, mir den Ball NICHT zuzuspielen. Connys Rezension war die beste Marketing-Vorlage, die man mir hätte geben können, ich musste sie einfach aufgreifen. Jedes Wort, welches das Rock Hard über mich verliert, ist bares Geld, d.h. real verkaufte Einheiten wert – und was gibt es schöneres, als den Kühlschrank füllen zu können, indem man einem Schreiberlinchen verbal den Hintern versohlt? Darüber hinaus habe ich meinen Angriff auch zur Unterhaltung meiner Fans verfasst.

Ich liebe knifflige Wortgefechte und versuche, sie mit Humor zu führen – und zu schmücken.

OM: Diese Stellungnahme von Samsas Traum ist meiner Ansicht nach allerdings in einem Punkt verfehlt: Sie greift das Rock Hard und vor allem Conny Schiffbauer auf persönlicher Ebene an. Und das auf eine stark beleidigende Art und Weise. Bist du wirklich der Ansicht, dass man auf dieser Ebene eine konstruktive Diskussion über Musik führen kann?

A.: Nein – aber wie man in den Wald ruft, so schallt es zurück. Wie Du an meinen obigen Ausführungen bemerken kannst, habe ich eine sehr geringe Meinung vom Großteil der mir bekannten Musikjournalisten. Grundsätzlich, und ganz von Conny abgesehen: Der Wert der durch einen Menschen verrichteten Arbeit darf einfach nicht am Status des Berufs, sondern an der Qualität der Arbeit gemessen werden. Ich habe allerdings den Eindruck, dass viele Magazine innerhalb der letzten 10 Jahre in Kooperation mit modernen Medienkonzernen – will heißen mit Plattenfirmen, Musiksendern, Filmverleihern, Videofirmen, Textil-, Schuh- und Spielkonsolenproduzenten – einen Zustand herbeigeführt haben, in dem sie dem Leser tatsächlich vorsetzen können, was sie wollen – selbst wenn es sich um den größten Mist handelt. Wenn ich mir aber eine Tageszeitung kaufe, möchte ich gut, richtig, objektiv und unparteiisch informiert werden – ein Anspruch, den nur noch wenige Redaktionen an ihre Hefte zu stellen scheinen.

Und wer hat eigentlich – vor allen Dingen in Anbetracht der derzeitigen, oben beschriebenen Situation – Musikjournalisten die Rechte von Diplomaten, das Recht auf Immunität zugesprochen? Jeder normale Mensch muss damit rechnen, dass man ihm, wenn er den Mund zu weit aufreißt, selbigen stopft. Conny hat eine dicke Lippe riskiert – dass die das wusste, habe ich an ihrer Reaktion bei unserem Zusammentreffen gemerkt. Sie hat allerdings nicht gewusst, mit wem oder was sie sich anlegt. Sie war verstört, weil sie wegen SAMSAS TRAUM Emails erhalten hat, in denen sie als „verschimmelte Fotze“ und „Straßenhure“ bezeichnet wurde.

Conny hat sich nicht einmal getraut mir zu sagen, wo sie genau herkommt – warum? Weil sie die Macht der Masse fürchtet, und die Masse ist in diesem speziellen Fall da, wo ich bin. Ich habe als Musiker Respekt verdient, den ich mir auf meine Weise eingefordert habe – erstens für mein musikalisches Schaffen und zweitens dafür, dass Menschen wie ich den Arsch von Menschen wie Conny letzen Endes überhaupt kacken lassen.

OM: Lass und nun einmal weg gehen von dieser Thematik. Daneben hast du in letzter Zeit auch noch Kritik an einigen anderen Institutionen geübt, die direkt mit Samsas Traum zu tun haben. Wegen technischer Probleme mussten Trisol einen Fanchat mit Samsas Traum verschieben, woraufhin auch das Label von dir mit wüsten Schimpftiraden eingedeckt wurde. Dabei sind technische Schwierigkeiten vorher leider nicht abzusehen. Warum bist du trotzdem so unbarmherzig mit deiner Plattenfirma ins Gericht gegangen?

A.: Trisol – besser gesagt: das ausführende, für den Chat zuständige Organ und die beteiligte Marketingfirma – haben den SAMSAS TRAUM-Chat insgesamt dreimal verschoben; aus Gründen, die ich zwar offiziell als technische Probleme oder Naturkatastrophen verpackt habe, die mir aber in Wirklichkeit von Anfang an als an den Haaren herbeigezogen, wenn nicht als erstunken und erlogen vorkamen!

Ich glaube, dass Terminstress, daraus resultierende mangelnde Vorbereitung, Unfähigkeit, wenn nicht sogar pure Blödheit die eigentlichen Gründe waren.

In Verbindung mit dem Umstand, dass Trisol „Heiliges Herz“ ganze sechs Monate lang haben herumliegen lassen anstatt das Album zu veröffentlichen und dem Gefühl, dass entsteht, wenn einem Künstler seine Fans im Nacken sitzen und er ihre Ungeduld nachvollziehen, wenn nicht sogar teilen kann, kann der Frust über einen verschobenen Chat Kapriolen schlagen – und ich finde, dass Trisol für meine Verhältnisse noch mit einem blauen Auge davongekommen sind. Man darf nicht vergessen, dass ich immer der Bote zu sein durfte, der die Nachricht von einer weiteren Verschiebung zu überbringen hatte – und irgendwann ist die Peinlichkeit physisch wahrnehmbar, vor allem, wenn man sich die enttäuschten Gesichter dank Myspace bildlich vorstellen kann.

OM: Auch der Fanartikel Versand Infraot bekam sein Fett weg. Ohne Angabe von näheren Gründen wurde die Zusammenarbeit beendet. Wie kam es dazu?

A.: Hier musst Du etwas falsch verstanden haben. Ich habe per Newsmail verlautbaren lassen, dass wir sämtliches altes Merchandising durch Infrarot „ausverkaufen“ lassen, da es uns als „nicht zukunftskompatibel“ erscheint. Das heißt: weil mein Herz seit drei Jahren für nichts anderes als für Black Metal schlägt, kann ich es weder mit meiner Person noch mit dem Image meiner Band vereinbaren, weiterhin Artikel zu verkaufen, auf denen niedliche Zebras oder die Aufdrucke „K.haosprinz“ und „Wind-Prinzessin“ zu lesen sind.

Unser Merchandising wird sich unserer Musik und meiner Entwicklung angleichen – um mich frei von der Vergangenheit fühlen zu können, müssen die Altlasten über Bord geworfen werden. Ich drücke mich oft sehr bildlich, kompliziert und gewollt diffus aus – Du bist nicht der erste, der die Newsmail bzgl. Infrarot missverstanden hat. Infrarot haben immer gute Arbeit geleistet und werden auch in Zukunft – trotz der Wiedereröffnung unseres eigenen Merchandising-Online-Shops Gothicon – ausgewählte Artikel meiner Band in ihrem Sortiment führen dürfen.

OM: Dann lass uns abschließend noch einmal auf das Samsas Traum Line-Up zu sprechen kommen. Auf dem Drumhocker sitzt bei euch neuerdings Adrian Erlandsson. Was hat euch dazu bewogen gerade ihn aufzunehmen?

A.: Um das Pferd von hinten aufzuziehen – ich bin ein großer Feind von Metal Core und äußerst entsetzt darüber, dass viele jüngere Musikhörer in Combos wie z.B. Caliban, Heaven Shall Burn und Neaera die Erfinder von tollen Gitarrenriffs, zweistimmigen Leads und keifendem Gesang sehen.

Meine Seele gehört Dissection, meine Liebe gilt Dark Tranquillity und At The Gates – und meine Toleranz wird von In Flames fast schon überstrapaziert. Demnach kannst du Dir vorstellen, wie ich modernem Metal gegenüberstehe: ich hasse ihn, und der Tag, ab dem es Ramones-, Misfits- und Iron Maiden-Shirts bei H&M gab war der Tag, ab dem ich glaubte, meine Pubertät mit Bomben und Granaten verteidigen zu müssen. Ich bin durch die Straßen gelaufen und habe nur gedacht: „Wenn die alle miteinander doch nur wüssten, dass es diese Musik schon viel früher, viel besser, ungetriggert und ohne Computerhaschereien gab…“

Von daher stellten sich mir all meine konservativen und traditionalistischen Nackenhaare vor Begeisterung zu Berge, als mir Fredrik am Telefon vorschlug, Adrian einzustellen – immerhin hat dieser Mann mit seiner damaligen Band eine ganze Generation geprägt. Keine Frage, dass ich ab diesem Zeitpunkt nicht weiter nach einem Schlagzeuger suchen wollte.

OM: Wie hat Adrian sich denn bisher in das Bandgefüge eingegliedert?

A.: Adrian hat sich sowohl bei den Aufnahmen zu „Heiliges Herz“ als auch auf der „Zwischen Himmel und Hölle“-Tour optimal eingegliedert. Er ist zwar ein vielbeschäftigter Drummer und sagt über sich selbst, dass er seinen eigenen Kopf vergessen würde, wenn dieser nicht angewachsen wäre, aber: Wie auch die anderen Musiker hat sich Adrian gänzlich in den Dienst von SAMSAS TRAUM gestellt und sämtliche bisherigen Schlachten zu meiner vollsten Zufriedenheit geschlagen.

OM: Könnte aus der Zusammenarbeit mit ihm eine längerfristige Angelegenheit werden?

A.: Gute Frage, nächste Frage – hier ist das letzte Wort noch nicht gesprochen.

Adrian hat zwar deutlich signalisiert, dass er Interesse daran hat auch am nächsten SAMSAS TRAUM-Album mitzuwirken; wir haben uns aber noch nicht über Details unterhalten. Diese betreffen neben terminlichen Koordinationen auch den zukünftigen Stellenwert meiner Band und ihre Wertschätzung durch die einzelnen Mitglieder, anstehende Tourneen, den Entstehungsprozess der Stücke, simple Landesgrenzen und die gesamte Stilistik der Musik.

Mit anderen Worten: alot of talking needs to be done!

OM: Ausserdem seit ihr zur Zeit auf der Suche nach einem neuen Gitarristen für die Live Aktivitäten. Hat sich da schon etwas getan?

A.: SAMSAS TRAUM sind seit einigen Wochen vollzählig und haben die „Zwischen Himmel und Hölle“-Tour bereits in einer fast kompletten Besetzung gespielt.

Da Adrian durch Cradle Of Filth und At The Gates über unzählige Kontakte und Bekanntschaften verfügt, lies sich die Gitarristenfrage mit Leichtigkeit lösen. Die „Neuzugänge“ heißen Andrew Ongley und Stevie Lee, beide leben in London – ich bin mit ihnen sowohl musikalisch als auch zwischenmenschlich sehr glücklich und freue mich, dermaßen aktive und agile Mitstreiter gefunden zu haben.

OM: Nun gut. Dann wollen wir es damit für heute einmal bewenden lassen und zum Abschluss das altbekannte OsnaMetal.de Assoziationsspiel spielen. Die Regeln sind einfach: Ich sage dir ein Wort und du sagst mir, was immer dir dazu durch den Kopf schießt.

Black Metal

A.: …Disziplin, Disziplin, Disziplin.

Gothic

A.: …mehr „Schein“ als „Sein“.

Lyrik

A.: …anstrengend. An „Heiliges Herz“ habe ich lange getüftelt.

Selbstbildnis

A.:…das Gegenteil von dem, was viele glauben.

Samsas Traum

A.:…komplizierte Sache – sehr einnehmend.

Mitmenschen

A.: …Nein Danke.

Loyalität

A.:…Waffe gegen die moderne Welt.

Fairness

A.:…Ehre, wem Ehre gebührt.

Merchandise

A.:…Mittel zur Macht.

Österreich

A.:…Entwicklungsland.

Deutschland

A.:…gefühlskalt.

Osnabrück

A.:…lang ist’s her. Und: Secrets Of The Moon, oder?

OsnaMetal.de

A.:…lustige Fragen.

OM: OK. Das war es auch schon. Vielen Danke noch einmal dafür, dass du dir die Zeit genommen hast. Die letzten Worte gehören natürlich dir!

A.: Ich danke Euch für die Unterstützung und dieses Interview.

Auf bald!

Interview: Deathstorm
12.11.2007

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Interview mit Alexander Kaschte (Samsas Traum)

Schon 2007 hatten wir das Vergnügen, Alexander Kaschte, seines Zeichens Mastermind hinter der Avantgarde Black Metal Band Samsas Traum zu einem Gespräch zu treffen. Nun bot sich uns erneut die Möglichkeit und wir sprachen mit Alex ausführlich über das neue Album „13 Jahre lang dagegen – Anti bis zum Tod“, über Menschen, Tiere und Persönliches aus Alex´ Leben.

OM: Hallo Alex, wie geht dir heute?

Alex: Mir geht es wieder gut, ja. Als ich heute morgen aufgewacht bin, war ich ein bisschen erschöpft. Gestern war ein recht anstrengender Tag. Außerdem hatten wir alle in der Band, also ich noch nicht, mit gesundheitlichen Schwierigkeiten zu kämpfen, da es sehr kalt wird da draußen und wir halt viel Arbeit zu leisten haben jeden Abend und viel schwitzen, Dabei kann man sich leicht verkühlen in kalten Clubs, wie es gestern zum Beispiel der Fall war. Aber wir trinken alle fleißig Tee, saufen Medizin und nehmen präventiv Hustensaft.

OM: Dann wollen wir hier mal schnell loslegen:

Fangen wir gleich mit dem wichtigen an, mit deinem neuen Album: Was glaubst du wie die Öffentlichkeit auf das neue Album reagieren wird?

Alex: Ich habe keine Ahnung, wie die Öffentlichkeit darauf reagieren wird, und ich interessiere mich da auch ehrlich gesagt nicht für, weil – ich bin Künstler und habe Lust, Dinge zu tun. Mir ist es egal, weil ich mich als Künstler ausdrücke und nicht Rücksicht darauf nehmen kann, was andere Leute von meiner Musik denken. Sonst würde meine Musik nicht so werden, wie ich das will.

Ich glaube, dass wir Leute damit zu unserer Fanschar dazugewinnen können, die vielleicht aus dem Mainstream kommen. Ich glaube aber auch, dass wir vielleicht alte Fans wieder zurückgewinnen können, weil das Album ja nicht so aufs Gaspedal tritt wie „Heiliges Herz“ zum Beispiel. Ich glaube, grundsätzlich ist es ein lichteres, fröhlicheres und einfacheres Album als es vorher bei Samsas Traum‚ jemals gab.

OM: Damit hast du auch schon die nächste Frage beantwortet…

Alex. Was war denn die nächste Frage?

OM: Die Frage wäre gewesen, ob du glaubst, dass du deinen alten Fans treu geblieben bist und ob neue Fans hinzugekommen sind.

Alex: Pass mal auf: Das Problem ist, dass die Fans bei Samsas Traum so vielschichtig sind wie Samsas Traum selbst. Ich habe zum Beispiel heute zwei Messages über MySpace gekriegt. Der erste Fan hat mir geschrieben: „Alex, dein neues Album, die Instrumente – die klingen zu normal, die Texte beinhalten keine Hilfestellung für mein zukünftiges Leben und außerdem ist dies hier schlechter als die Alben vorher!“

Der Nächste schrieb mir: „Dein neues Album ist das genialste, was du jemals gemacht hast, und vereint die Kreativität von a-Ura mit der Intensität von „die Liebe Gottes“ – was meiner Meinung nach totaler Schwachsinn ist, da das Album weder nach dem Einen noch nach dem Anderen klingt. Man kann es nicht jedem recht machen, man muss einfach drauf scheißen, sein Ding durchziehen, und hoffen, dass es den Leuten gefällt.

OM: Der erste Titel auf deinem neuen Album klingt ja ziemlich pessimistisch. Hast du denn als Mensch auch eher eine pessimistische Einstellung, oder kommt das den Zuhörern nur so vor?

Alex: Also zuerst einmal bin ich der Meinung, dass der Titel gar nicht pessimistisch klingt, sondern eher freudvoll, kraftvoll und nach vorne blickend klingt, so nach dem Motto „wir haben die letzten 13 Jahre überstanden, dann werden wir auch die nächsten 13 Jahre überstehen.“ So ist es gedacht.

Aber ich bin im normalen Leben natürlich nicht unbedingt Optimist. Ich gehe also nicht durch die Welt und denke mir, dass alles schön und bunt und toll ist, sondern es ist schon so, dass ich das Schlimmste befürchte und das Schlechteste erwarte und versuche, mich auf all das möglichst gut vorzubereiten. Also das ist meine Lebenseinstellung.

OM: Dieses Album hat ja schon etwas härtere Klänge, fast metallastige Klänge und unterscheidet sich so von manch einem Album zuvor. Würdest du sagen, dass dieses Album ein Umbruch auf etwas Neues ist, oder ist dieses Album lediglich Ausdruck deines vielschichtigen Charakters?

Alex: Es ist rauer. Es ist rauer gemischt. Es klingt einfach dreckiger, aber es ist kein Geknüppel drauf, es ist mindestens halb so schnell wie andere Lieder von mir und es ist alles nur im mittleren Bereich und alles komplett nachvollziehbar von mir. Es ist keinesfalls chaotisch, deswegen verstehe ich nicht. warum es härter sein soll. Aber, um deine Frage zu beantworten, es ist überhaupt nicht zukunftsweisend es ist auch nicht ernst gemeint. Die Platte habe ich gemacht, weil ich auf einem Konzert war, und die entsprechende Band fand ich so geil, dass ich mir gedacht habe: Komm, probierst auch mal aus, solche Lieder zu schreiben. Und aus diesem kleinen Experiment wurde dann diese Idee, daraus eine Geburtstagsplatte zu machen, da dieser rockige Partycharakter aus den Stücken hervortrat. Die nächsten Alben werden nicht so klingen. Die nächsten Albern werden klingen wie eine Mischung aus „Heiliges Herz“ und „a.Ura“, wie das, was ich bisher gemacht habe.

Dies ist ein Ausnahmealbum und es sollte von vornherein ein Ausnahmealbum sein. Es wird auch eine Ausnahme bleiben, wir machen jetzt keinen Death’n’roll weiterhin. Aber es ist auch natürlich eine Seite von meinen Charakter, sonst hätte ich diese Ausdrucksform nicht gewählt. Für dieses räudige, dreckige… da war einfach mal die Zeit reif dafür.

OM: Wofür steht der Käfer mit dem Knochen bei dir auf der MySpace-Seite?

Alex: Na, der steht dafür, dass vieles Alte bei Samsas Traum am Zerbröckeln ist, denn es ist ja kein erhaltener Käfer, sondern quasi ein Käfer-Skelett. Es hat nach wie vor die Form eines Käfers, aber es bedeutet eben auch, dass Dinge im Hause Samsas Traum nicht mehr sind.

OM : Was wolltest du speziell mit diesem Album ausdrücken?

Alex: Der Grundgedanke im Album ist eigentlich perfekt im Titel wiedergegeben. Ich habe diese Platte gemacht, weil ich den 13. Geburtstag meiner Band feiern wollte, da ich der Meinung bin, dass wir das Recht dazu haben, auch mal einen Geburtstag zu feiern. Wir haben viele Höhen und Tiefen durchlebt, wir haben viele Neider, wir haben viele Lästermäuler, viele Feinde, Menschen, die weder mich noch meine Musik noch meine Ansichten gut finden oder sich damit anfreunden können. Wir wollten einfach mal mit diesem Album ein Statement setzen, dass es uns jetzt 13 Jahre lang gibt und es uns noch weiterhin geben wird. Das ist stärker als jemals zuvor.

OM: Wie sind die Aufnahmen zu dem Album im Studio gelaufen?

Alex: Die Aufnahmen sind furchtbar gelaufen, es war das pure Grauen. Wir sind auf jemanden hereingefallen, der sich uns als guter Tontechniker und Produzent verkauft hat, es dann aber letztenen Endes nicht war, so dass wir einen Monat lang umsonst gearbeitet und tierisch viel Geld verloren haben. Letzen Endes mussten wir die entstandenen Aufnahmen ein zweites Mal woanders mischen lassen, bis das ganze in die Form kam, wie wir es haben wollten. Schließlich waren es sechs Wochen purer Terror und diese Zeit würde ich am liebsten aus meinem Leben streichen.

Es waren keine schönen Tage da. Wir mussten für dieses Album härter kämpfen als für je ein Album zuvor. Wir waren dann bei Alex Theisen vom Ultraton Studio in Mainz , wo unter anderem so Sachen gemacht werden wie die Donots oder Agathodaimon, Virgina Jetzt oder Sportfreunde Stiller. Dies ist ein Analog-Studio mit vielen alten Geräten, der macht so einen richtig fetten Schweinesound. Dem bin ich sehr dankbar dafür, was er da rausgeholt hat und schlussendlich ist die Platte dann doch noch so geworden, wie ich das haben wollte. Es war ein langer Weg bis dahin. Wir sind richtig auf die Schnauze gefallen.

OM: Was glaubst du, wie sieht die Welt in 13 Jahren aus? Wo siehst du euch in 13 Jahren? Wo wird die Wissenschaft sein? Die Forschung? Die Kirche? Texte?

Alex: Lass mich mal rechnen: in 13 Jahren bin ich 34 Jahre alt. Da wird es Samsas Traum bestimmt noch geben. Wir machen dann so Musik wie Radiohead heute. Die Kinder werden immer blöder, die Kluft zwischen Arm und Reich wird immer größer. Es wird in 13 Jahren leider noch nicht für eine Revolution reichen, da es den Leuten bis dahin noch nicht schlecht genug geht. Für die Kirche interessiere ich mich nicht. Und was waren die anderen Sachen?

OM: Ist nichts Konkretes, rede einfach mal ein bisschen aus dem Nähkästchen. Vielleicht etwas über den Klimawandel?

Alex: *lacht* Das kann ich nicht vorhersagen, da bin ich weder intelligent genug noch informiert genug dazu. Vielleicht kann ich die Frage weitgehend damit beantworten, dass die Polkappen schmelzen werden, es wird mehr regnen, die Wälder werden mehr abgetragen, es wird grundsätzlich heißer – dann labere ich alles, was andere auch wissen.

Ich würde mich freuen, wen ich in 13 Jahren irgendwo ein Haus habe und es mir und meinen Liebsten gut geht und ich weiterhin das machen kann, was ich gern tue, mämlich meine Musik. Und das in der Form, dass ich mich immer ausdrücken kann, ohne dass ich mich da einschränken muss. Meine Texte werden hoffentlich an Intensität nicht verlieren, aber reduzierter sein, leichter verständlich und deutlicher.

OM: Ich möchte die jetzt gerne zwei Zitate vorlesen aus den Songs vom neuen Album und von dir möchte ich gerne, dass du uns dazu erzählst, was du dir dabei geacht hast usw. Das erste lautet: „31 Jahre erleben, in denen du manches Mal vergisst, dass du nicht mehr 13 bist“

Alex: Ich wollte damit ein ganz spezielles Gefühl zum Ausdruck bringen, was ich habe. Es ist nämlich die Kluft in mir zwischen dem Verhalten, welches ich an den Tag legen muss, und dem Menschen, der wirklich in mir steckt. Es existiert eine Differenz zwischen meiner Außenwirkung und zwischen der Art und Weise wie ich wahrgenommen werde und dem Kind, dem Teenager, dem Rabauken, der da immernoch irgendwo verschüttet in mir steckt. Und dieser Konflikt, der ist manchmal herbe und schmerzhaft und den würde ich bis auf Weiteres gerne loswerden.

OM: das zweite Zitat: „Die Welt hat nie von dir geträumt, du hast dich niemals aufgebäumt, wer oder was dich auch ersann: Du kotzt mich an!“

Alex:

Das bedeutet, dass man, wenn man in so einer Stadt wie Marburg lebt, 18.000 Studenten um sich herum hat und auch viele weibliche Studenten. Dieses Lied richtet sich komplett gegen Mädchen-Studenten aus Marburg, es ist ein Anti-Studentinnen Lied gegen Studentinnen aus Marburg.

Die laufen da alle nämlich herum und halten sich für die Königinnen von morgen. Ich mag in den Augen der Leute diesen seltsamen Glanz nicht, den sie haben, wenn die recht grün hinter den Ohren und naiv gerade das Abi in der Tasche haben und denken, dass ab dem Augenblick, ab dem sie zu studieren beginnen, ihnen die Welt zu Füßen liegt. Dass sie jetzt von zu Hause ausziehen, ihre eigene Bude haben, saufen können, was das Zeug hält und irgendwann in vier Jahren einen Job bekommen – denn das werden sie nicht. Und die Naivität dieser Menschen, die kotzt mich enorm an. Also dieser Glaube daran, dass die Welt sie braucht und dass sie wichtig sind für die Welt und dass auf sie gewartet wird, dass Deutschland, dass die Wirtschaft, dass die Gesellschaft nur auf diese Leute wartet, die größtenteils mittlerweile ihr Studium von Mama und Papa finanziert bekommen. Das mag ich nicht und ich glaube, das wird dazu führen, dass es weitere gesellschaftliche Veränderungen mit sich bringen wird. Und ich hoffe, dass diese Menschen auf die Schnauze fallen, dass sie in die Arbeitslosigkeit stürzen, wenn sie von der Uni kommen, und dass sie dann mal merken, dass sie ihr Leben neu sortieren müssen. Das wünsche ich denen.

OM: Hast du eine besondere Verbindung zu einem Lied auf dem jetzigen Album?

Alex: Ja, zu jedem. Ich habe zu jedem Lied eine tiefe Verbindung, denn ich habe mir auf Basis dessen, auf Basis der existierenden Verbindung aufgrund vom Affinitäten zu Themen der Literatur oder des Films die Sachen herausgesucht.

„Happy Birthday“ mag ich, weil es so witzig ist. Ich mag „Agnes“ wegen dem Film „Schreie und Flüstern“ von Inge Bergmann. Ich mag „Ich werde da sein“ wegen der veganen Message, die das Lied transportiert. Und ich habe auch eine tiefe emotionale Bindung zu „Barfuß“, weil es von einem Ehepaar handelt, das an den Folgen von Tschernobyl zugrunde gegangen ist. Ich schreibe nur über Sachen, die mich bewegen. Es ist nicht so, dass ich irgendwelche Themen habe, die nur Wortmalereien sind, oder die nichts aussagen. Ich schreibe wirklich nur über Sachen, die mir nahe gehen, sonst würde Samsas Traum vielleicht gar nicht so wirken, wie es wirkt.

OM: Mit wem würdest du am liebsten ein Duett singen?

ALEX: Mit wem ich am liebsten ein Duett singen würde? Mit der Sabina von Alight. Sie singt seit ein paar Tagen mit mir jeden Abend „Sterbende Liebe“ und „Satanshimmel voller Geigen“. Das Mädchen ist 18 Jahre alt und sie hat eine Stimme, die ist der absolute Hammer. Wenn du sie auf der Bühne siehst, glaubst du gar nicht, dass aus so einem kleinen, winzigen, niedlichen Menschen so etwas herauskommen kann. Sie ist einfach eine der besten Persoen, mit denen ich in den letzten Jahren zusammengearbeitet habe. Und ich glaube, aus ihr wird noch viel werden.

OM: Was ist denn in kommender Zukunft geplant? Ein Buch? DVD? Hörspiel? Eine Biografie?

Alex: Buch. DVD. Hörspiel. Wieso gerade Biografie? Warum sollte ich denn eine Biografie schreiben?

OM: Weil ich das interessant finde

Alex: Ich bin 31, Ich habe nichts zu erzählen, da ich finde, dass Leute nur dann eine Biografie schreiben sollten, wenn sie wirklich etwas zu sagen haben. Ich meine, wen ich so alt bin wie Lemmy jetzt ist, dann habe ich das Recht, überhaupt mal die Schnauze aufzumachen und von meinem Leben zu berichten, denn ich habe angefangen, den Krempel zu machen, als ich 16 Jahre alt war. Die Band gibt es, seitdem ich 18 war, das sind 13 Jahre und das ist eine mickrige Zeitspanne im Vergleich zu dem Werk, das andere Menschen vollführt haben. Vielleicht schreibt jemand mal über mich, wenn ich alt bin, da helfe ich auch gerne mit, aber ich selbst werde über mich niemals schreiben.

OM: Gleich gibst du wieder ein Konzert. Hat sich am Empfinden zwischen dem ersten Mal auf der Bühne und heute was verändert? Fühlst du dich anders?

Alex: Da hat sich gar nichts verändert. Das ist genau noch so wie vorher, es ist so, dass ich eigentlich gar nichts fühle, bis es zeitlich kurz vor der Show ist, dann werde ich schweinenervös, was sich aber in dem Augenblick entlädt, wenn ich auf der Bühne bin. Dann hängt es immer vom Publikum ab, dann hängt es davon ab, wie die leute drauf sind, dann hängt es davon ab, wieviel Unterstützung wir bekommen, dann hängt es davon ab, wie die Leute abfahren und es kann passieren, dass sie von Anfang an abgehen. In diesem Fall kommt man sofort da irgendwie rein und ist wie in Trance, zieht es einfach durch und vergisst alles. Es kann auch sein, dass die Leute nicht so munter drauf sind, und dann muss man sich erstmal den Arsch aufarbeiten und motivieren und versuchen, sie zu bewegen. Aber wenn man dann erstmal drin ist, ist es für mich immer das gleiche Mantra, da es immer dieser Zustand ist. Man versetzt sich in diesen Zustand des Miterlebens. Das ist so, als wenn du nach Hause gehst und sagst “Boah, die Band hatte Spaß auf der Bühne und das hat sich auf uns übertragen und das war geil”. Wenn es so ist, dann war es gut. Und dieses Spaßhaben auf der Bühne, das habe ich nach wie vor genauso unverändert wie beim ersten Konzert. Es war so, dass wir auf dieser Tour Schiss um unsere Gesundheit hatten, ich habe natürlich schon so Sorge. Ich frage mich manchmal: Wird es heute Abend anstrengend? Das ist schwer, denn wir sind 2.5 Stunden auf der Bühne. Und das ist die einzige Sorge, die vefliegt irgendwann während dessen. Wenn man alles vergisst, ist es einfach, nur Musik machen.

OM: Wie sieht dein Alltag aus? Wenn du morgens aufstehst und Zeit hast. Was machst du am liebsten?

Alex: Wenn ich Zeit habe?

OM: Beides – allgemein und wenn du Zeit hast.

Alex: Ein schlimmer Tagesablauf sieht so aus, dass ich morgens um sieben Uhr aufstehe, Kaffee koche, E-mails checke und dann ungefähr ewig lange Büroarbeiten erledige, ein bisschen an Musik arbeite und mit dem Hund eine Runde drehe, nach Hause komme und ein bisschen mehr an Musik arbeite, zu Abend esse, dann etweder mit Freunden ausgehe, ins Kino oder auf Konzerte gehe oder mich vor die Glotze lege. So zieht ein nomaler schlimmer Tag aus.

An einem guten Tag ändert sich natürlich nicht das Kaffeetrinken und das E-mails checken oder das mit dem Hund raus gehen, sondern dann mache ich dann länger Musik, da höre ich mir eine CD, die ich noch nicht kenne, oder eine CD aus meiner Sammlung mit Kopfhörern an, weil ich einfach ein großes Interesse an Musik habe, lese noch 30 Seiten in einem Buch und kümmere mich mehr um mich. Also der Alltag wird dadurch besser, wenn ich mehr Zeit für mich selbst habe, was aber manchmal schwierig ist. Im letzten halben Jahr war nicht immer alles sehr schön, war wenig Zeit für mich, um es mal so zu sagen.

OM: Du bist ja überzeugter Veganer. Dazu habe ich zwei Fragen und fange einmal mit der harmloseren von beiden an: Welche Motivation steckt dahinter, dass du die Tierschutzorganisation PETA so unterstützt?

Alex: PETA sind eine weltweit agierende Organisation, die Unsummen an Gelder wälzt und mit der ich nicht in jedem Punkt übereinstimme. Das ist aber gar nicht möglich, mit irgendjemandem in allen Punkten übereinzustimmen. Ich stimme auch nicht mit Greenpeace über ein, ich stimme auch nicht hundertprozentig mit Paul Watson überein, ich stimme auch nicht mit “Vier Pfoten” überein oder dem VGT aus Wien. Der Punkt ist allerdings der, dass PETA etwas tun, das andere nicht tun. Gerade in ihrer Lobby, gerade mit PETA2 erreicht man unglaublich viele junge Menschen auf eine ziemlich hippe und trendige Weise und man kann solche Organisationen als Plattform verwenden, sein Gedankengut, seine Ansichten, sein Wissen, für eine Sache einzusetzen, die dann davon profitiert. Und wer davon profitiert ist das Leben selbst. Das heisst: egal über wen, egal mit welchen Mitteln ich dafür sorge, dass tausende Kinder da draussen meine Meinung lesen, über meine Gedanken informiert werden und meine Anschauung vielleicht teilen, ich üerzeuge die Leute dadurch, und da muss ich nicht hundertprozentig hinter PETA stehen. So sehe ich das.

OM: Und nun die andere Frage: Angenommen, es gibt nur zwei Varianten: Soll man Fleisch kaufen, um den Tieren eine jahrelange Qual in den zuchtanlagen zu ersparen, oder soll man kein Fleisch kaufen und hoffen, dass die Unternehmen aufhören, Tiere zu züchten?

Alex: Das Beste ist es, eine Band zu gründen, mit der man einen sechsstelligen Jahresumsatz fährt und mit diesen Geldern junge Menschen zu finanzieren, die Sprengsätze in Schlachthöfe legen, die Gräber von Schlachthofmitarbeitern schänden und Leute bedrohen. Das ist das Beste.

OM: Wo würdest du denn am Liebsten im Urlaub mal hinfahren?

Alex: Ich würde gerne mal ganz, ganz abwegige Orte erkunden. Ich würde zum Beispiel gerne mal nach Südamerika in diesen Großbereich Patagonien, weil der mich aus archäologischer Sicht interessiert. Alaska, Kanada wäre mal sehr interessant, da ich viel Gutees darüber gehört habe. Dann interessieren mich auch andererseits Regionen, in die andere Leute nicht so gerne wollen. Ich würde also auch gerne mal echt in die Sektoren vordringen, die um Tschernobyl liegen, einfach um es selbst mal gesehen zu haben. Oder in die entlegenen Winkel von Russland, in die Stalin seine Leute deportiert hat, weil ich nicht glaube, dass wir uns das vorstellen können, unter welchen Umständen gewisse Menschen hier auf diesem Planeten heutzutage ihr Dasein fristen, mit welchen Werte- und Moralvorstellungen die Leute heute noch leben. Grundsätzlich ziehe ich es vor, mich Situationen auszusetzen, die komplett meinem eigenen Weltbild und meiner eigenen Lebensweise widerstreben und die meinen Horizont erweitern.

OM: Zum Schluss habe ich hier och ein kleines Assoziationsspiel.

Alex: Jaaaa!

OM: Internet

Alex: Sucht

OM: Youtube

Alex: Scheisse

OM: Bild Zeitung

Alex: Keine Ahnung

OM: Michael Jackson.

Alex: Groatiger Musiker, eines meiner Idole.

OM: Fernsehen

Alex: Selten

OM: Satanismus

Alex: Idiotie

OM: Gothic

Alex: Wuuaahhhh… *lacht*

OM: Metal

Alex: Primitiv

OM: Lyrik

Alex: Langweilig

OM: Groupies

Alex: Überflüssig

OM: Vielen Dank, dass du dir Zeit für das Interview genommen hast!

Interview: Marianna
04.01.2010

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Interview mit Alexander Kaschte (Samsas Traum/Weena Morloch)

Nach 15 Jahren Samsas Traum verabschiedet sich der Käferkönig und Ausnahmekünstler Alexander Kaschte von den so genannten „Brettern, die die Welt bedeuten“. Mit dem auf Platz 56 eingestiegenden Album „Anleitung zum Totsein“ von Samsas Traum, sowie Weena Morloch´s neuem „Amok“-Album im Gepäck begab er sich zwei Wochen lang auf eine Abschiedstour quer durch Deutschland (mit einem Zwischenstopp in Wien).

Sein vor wenigen Wochen angekündigter Ruckzug war Grund genug, um ihn nocheinmal selbst zu seinen Beweggründen zu fragen. Kurz vor seinem Abschiedskonzert am 1.Oktober diesen Jahres in der Bochumer Matrix stand uns der Sänger und Begründer von Samsas Traum und Weena Morloch Rede und Antwort und gab unter anderem private Einblicke in seine zukünftigen Pläne.

OM: Hi Alex und danke für deine Zeit! Heute Abend findet das letzte Konzert eurer Abschiedstour statt. Welches Resümee kannst du aus den vergangenen zwei Wochen Tour ziehen?

Alexander Kaschte: „Es war die beste Tour, die wir je gespielt haben. Wir haben uns untereinander blendend verstanden, es waren nur Freunde in unserem Bus. Darüber hinaus waren die Reaktionen des Publikum durchweg positiv. Die Auftritte haben uns enorm viel Spaß gemacht, und ich freue mich sehr darüber, dass ausgerechnet die letzte Tour unsere beste Tour war.“

OM: In der Vergangenheit gab es viele Künstler, die „Abschiedstourneen“ und das Ende jedweder Bühnenpräsenz angekündigt haben. Wie bei diesen anderen Künstlern reagieren auch auf deine Ankündigung manche Fans mit Zweifeln. Was macht den Abschied bei dir endgültig und unwiderruflich?

Alexander Kaschte: „Das Musikgeschäft lohnt und finanziert sich nicht mehr so, wie es einmal war. Die Ticketverkäufe stagnieren, die CD-Verkäufe sinken – und man muss trotzdem das gleiche Geld investieren, man hat trotzdem den selben Arbeitsaufwand. Auf einer Tour wie dieser arbeiten zehn Leute, die alle von mir bezahlt werden müssen. Jeder einzelne meiner Männer fängt ungefähr sechs bis acht Wochen vor Tourstart an, sich vorzubereiten. Wenn bei einem solchen Zeitaufwand die Einnahmen absacken, ist das einerseits sehr frustrierend – andererseits gefährdet es auch die Existenz. Da ich seit geraumer Zeit Familie habe, ist mir das finanzielle Risiko bei Tourneen zu groß geworden – die letzten Touren wurden durch meine privaten Ersparnisse gegenfinanziert. Ich habe leider das Gefühl, dass ich meine Zeit in Zukunft anderweitig und produktiver nutzen sollte als sie in dem Umfang in Konzerte zu investieren, wie ich es bisher getan habe. Ich denke da z.B. verstärkt an das Schreiben von Büchern und an Kooperationen mit Theatern.“

OM: Zu deinem nahenden Abschied hast du bisher lediglich verkündet, Zitat:

„(…) es wird keine Erklärung für meine Entscheidung geben – es existieren private, meine Zukunft betreffende und auch musikgeschäftliche Gründe“.

Könntest du dich noch detaillierter äußern?

Alexander Kaschte: „Die seit den Anfängen von Samsas Traum nachgewachsenen Zuhörer konsumieren Musik mit einer anderen Selbstverständlichkeit und einem anderen Gefühl, als wir es früher getan haben – und mit dieser Grundeinstellung kann ich mich nicht mehr identifizieren, ich werde sie deswegen auch nicht mehr bedienen. Für diese Menschen ist Musik zu einer Nebensächlichkeit, der Bildschirm zum Lebensmittelpunkt geworden – ich finde es z.B. erschreckend, dass über die Hälfte unserer Konzertbesucher unsere Shows nur durch das Objektiv ihrer Handykamera erleben, so als ob sie Realität für sie nur durch einen Bildschirm real wird. Ich verstehe diese Leute einfach nicht mehr.“

OM: Zahlreiche Anhänger vermuten „familiäre“ Gründe hinter deinem Rückzug von der Bühne. Wenn dies der Grund sein sollte und mehr Zeit für die Familie bleiben soll, worin liegt dann der zeitliche Unterschied zwischen der Produktion weiterer Alben und darin, diese live zu präsentieren?

Alexander Kaschte: „Musik macht man zu Hause. Musik komponiere ich in meinem Studio, das sich in meiner Wohnung befindet. Musik kann ich auch MIT meiner Familie machen. Wenn ich pro Tag zwei Stunden lang daheim an Stücken schreibe, so ist das etwas anderes als drei Wochen lang von meiner Familie getrennt zu sein und dafür hinterher vielleicht mit Schulden nach Hause zu fahren.“

OM: Ist mit dem angekündigten „Einstampfen“ des Facebookprofils auch ein gleichzeitiger Rückzug aus der Öffentlichkeit voraus gesagt worden?

Alexander Kaschte: „Nein. Was ich an Facebook nicht mag, ist, dass Informationen nicht von oben nach unten fließen, sondern man auch von unten nach oben speien kann. Facebook ist ein Podium, das Fans und manchen minderbemittelten Menschen die Möglichkeit gibt, ihre Meinungen kund zu tun und sich zu Dingen zu äußern, von denen sie keinerlei Ahnung haben. Mein Facebookprofil ist von vorne bis hinten nichts als ein Haufen Scheiße: Gequassel, Geschwätz, dumme Kommentare am laufenden Band, Rechtschreibfehler, Interpretationsfehler, Aussagefehler, Recherchefehler… alles – alles Scheiße von vorne bis hinten. Ich habe das Profil jetzt eine zeitlang als Werbeplattform benutzt und werde es auch in Zukunft als Werbeplattform benutzen – ich werde selbst auf dem Profil aber keine Kommunikation mehr betreiben. Ich möchte stattdessen wieder ein Informationsportal über Samsas Traum, Weena Morloch und mich eröffnen. Wir machen also wieder eine eigene Homepage.“

OM: Du möchtest deine musikalische Karriere in den nächsten Jahren fortsetzen und lediglich der Bühne den Rücken kehren. Wo wird dich die musikalische Zukunft sowohl mit Samsas Traum als auch mit Weena Morloch hinführen? Woran werden zukünftige Alben anknüpfen?

Alexander Kaschte: „Keine Ahnung.“

OM: Also ist das noch völlig offen?

Alexander Kaschte: „Das nächste Samsas Traum-Album wird orchestraler als „Anleitung zum Totsein“. Es ist ein sehr klassisches, ein ruhiges Album mit einigen heftigen Pegelspitzen.

Weena Morloch wird auf dem nächsten Album elektronischer, wie es aber in Zukunft mit diesem Projekt weiter geht steht in den Sternen. Da kann ein Trip Hop-, oder ein Hip Hop- oder ein Synthiepop-Album heraus kommen, alles ist möglich. Ich lege mich nie fest, alles hängt davon ab, worauf ich grade Bock habe.“

OM: Auf dem Konzert am vergangenen Sonntag in Osnabrück musste ein Teil der eigentlich geplanten Setlist aus dem Programm gestrichen werden. Was genau ist geschehen, dass du keine andere Möglichkeit sahst, als eine Kürzung des Programms vorzunehmen?

Alexander Kaschte: „Das wirst du schon alleine daran erkennen können, was heute Abend in Bochum passiert und was hier an Technik und Licht auf der Bühne steht. Wir konnten in Osnabrück über die Hälfte unseres Equipmets nicht auf der Bühne aufbauen, es war kaum Platz für unser Drumkit und die Gitarrenverstärker. Ich habe mich auf der Bühne nicht gehört. Die Decke begann direkt über unseren Köpfen. Es herrschten schlechteste Arbeitsbedingungen – wir hatten etwas anderes erwartet. In Osnabrück angekommen, wurden wir vor vollendete Tatsachen gestellt. Die klassische „Tut mir Leid, aber da ist gestern ´ne Flasche Rotwein in das Monitorpult gelaufen“ – Geschichte. Erst ist diese Box kaputt, dann dieses Kabel defekt, dann jenes Gerät nicht da… und so weiter und so fort.“

OM: Eine Frage, die dir schon mehrmals in ähnlicher Weise gestellt wurde: Die beiden Projekte Samsas Traum und Weena Morloch gehen inhaltlich wie musikalisch meist differenzierte Wege. Welchem Projekt steht Alexander Kaschte im Endeffekt näher? In welchem sind mehr autobiographische Züge vorhanden? In welchem fühlt sich Alex mehr „zu Hause“?

Alexander Kaschte: „Beide Bands bedienen unterschiedliche Aspekte von mir, das heißt: in Samsas Traum setze ich mich mit intellektuellen Dingen auseinander, bei Weena Morloch geht es mehr ums Gruseln, um Kindheitstraumata, wobei es sich nicht um MEINE Traumata handelt. Weena Morloch ist eine Band, bei der sich viel um Kindheit dreht – und um alles, was damit zu tun hat. Ich fühle mich beiden Bands stark verbunden, aber jeweils auf eine andere Art und Weise – und meinem Charakter entspricht derzeit wahrscheinlich Samsas Traum etwas mehr.“

OM: Du hast verkündet, dass man die zweite CD von „Wenn schwarzer Regen..“, eben die Interview CD, am besten entsorgen sollte. Welche Aussagen von damals würdest du heute revidieren?

Alexander Kaschte: „Dass ich die ganze CD in den Mülleimer schmeißen würde sagt alles über meine Meinung zu ihr aus, von daher brauchen wir jetzt nicht einzelne Aussagen sezieren.“

OM: In deinen Texten, insbesondere bei Weena Morloch, sind zahlreiche radikale Thematiken wie Terrorismus, Amokläufe und Gewalttaten zu finden (Kugel im Gesicht, Stammheim (Kampf), Die Nacht der stumpfen Messer, Amok, Attentat). Wie stehst du selbst zu diesen Themen, wie zu Gewalt im Allgemeinen?

Alexander Kaschte: „Meine eigene Meinung zeigt sich in den Liedern überhaupt nicht, da ich in den Songs die Standpunkte anderer Personen einnehme. „Die Nacht der stumpfen Messer“ ist beispielsweise in der Perspektive von Irmgard Möller geschrieben, da singe nicht ich, das Stück singt so zu sagen Irmgard. Ganz ehrlich: meine Meinung ist nicht weit weg vom Mainstream. Ich interessiere mich für den deutschen Herbst vornehmlich auf Grund der gesellschaftlichen Zusammenhänge und der soziologischen Strukturen, die damals in Deutschland vorherrschten. Ich betrachte alles gerne von einem zeitgeschichtlichen Standpunkt aus. Ich sympathisiere genau so wenig mit Linksextremismus wie ich mit Rechtsextremismus sympathisiere. Ich liebäugele lediglich mit dem vernünftigen Menschenverstand. Das selbe gilt für Amokläufe: ich identifiziere mich weder mit Sebastian noch mit Robert, finde es aber interessant, wie die Gesellschaft auf solche Menschen reagiert respektive auf die Amokläufe reagiert hat… wie die Gesellschaft nach Schuldigen suchte und nicht auf die Idee kam, dass das Problem in ihr selbst liegen könnte- weil sie Amokläufer produziert. Das ist kurzgefasst das, was ich im Song „Amok“ – und auch in „Kugel im Gesicht“ – sage: „Dieser dreckige Planet ist mir die Kugel im Gesicht“, was so viel bedeutet wie: die Gesellschaft hat die Verantwortung für die Menschen zu übernehmen, die sie hervorbringt. Mit genug Lehrern, Freunden und Eltern, die Sebastians und Roberts zuhören, passieren Amokläufe meiner Meinung nach erst gar nicht.“

OM: Im Cover des Album „Oh Luna Mein“ sind noch eindeutig radikale politische Aussagen zu finden. Auf der anderen Seite sei Samsas Traum eine „unpolitische Band“. Du seist früher „linksradikal“ gewesen, heute seist du „für die menschliche Vernunft“. Doch was bedeutet dies im Endeffekt? Wo ordnet sich der heutige Alexander Kaschte (politisch) überhaupt ein?

Alexander Kaschte: „Es gibt einen Unterschied zwischen linken Ansichten und Linksextremismus. Ein Beispiel: es gibt nichts schlimmeres als die Antifa – nicht wegen einiger ihrer Ansichten und Ziele, in ihrem Verhalten ist die Antifa aber mindestens genau so oberflächlich, platt und extrem wie die NPD. Bei vielen ihrer Aktionen und Parolen wird mir schlecht, solche Leute sind – was vor allem ihre Außenwirkung betrifft – peinlich und leider genau so unrepräsentativ wie Neonazis. Politische Kommunikation beginnt dort, wo dich dein Gegenüber versteht, die Antifa bleibt für den Großteil unserer Bevölkerung aber unverständlich und nicht nachvollziehbar. Was ich eigentlich sagen will: man muss nicht unbedingt extrem sein, um links zu sein. Viele moderate Ansätze, viele normale Gedankengänge, die auf ein vernünftiges zwischenmenschliches Miteinander abzielen, sind auch durchaus links. Klaro – wir sollten alle den Castor schottern, und wenn Menschen in ihrem Herkunftsland verfolgt werden, müssen wir sie aufnehmen. Diese ganze „Nazijagd“- und „Good night white Pride“-Scheiße darf allerdings getrost mal umformuliert werden.“

OM: Du hast in einem Interview zumindest von „linksradikal“ gesprochen im Bezug auf dich selbst…

Alexander Kaschte: „Wahrscheinlich habe ich das damals gemacht, um damit zu kokettieren. Anyway: das Gesicht des Linksradikalismus hat sich mit den Jahren verändert. Linksradikalismus ist heute von einer politischen Einstellung zu einer Jugendkultur, zu einer trendy Selbtdefinition mutiert. Mit mir verhält es sich so, wie ich es schon oft gesagt habe: Es geht mir weder um Religion, noch um Hautfarbe, noch um Ansichten, Herkunft, Nationalitäten – ein Mensch ist ein Mensch, und wir bluten alle, wenn man uns schneidet… aber ein Arschloch ist auch ein Arschloch, und ich hab´ was gegen Arschlöcher. Das ist eine simpler und gerechter Ansatz, wie ich finde…“

OM: Das heißt also mit anderen Worten: es ist gar nicht mehr einzuordnen oder definitiv mit Worten festzulegen, wo du dich selber vom Prinzip her siehst?

Alexander Kaschte: „Wenn du wissen willst, ob ich rechts oder links bin, so muss ich dir antworten: Weder noch! Und es interessiert mich auch nicht. Westliche Kulturkreise haben zu viel Freizeit, zu viel Geld und zu viel Wohlstand – in anderen Ländern macht man sich über Definitionsfragen wie diese hier gar keine Gedanken, da einem das Leben selbst alles abverlangt und für hochtrabende Gedanken keine Möglichkeit bleibt.“

OM: Zu deinen zukünftigen Veröffentlichungen: Was erwartet die Fans auf dem schon bald erscheinenden Remixalbum? Was ist mit dem für Ende des Jahres angekündigten „Asen’ka“-Album?

Alexander Kaschte: „Was die Leute auf „Asen’ka“ erwartet habe ich eben schon gesagt.

Das Remixalbum ist sehr vielschichtig – so vielschichtig wie die unterschiedlichen Künstler, die darauf vertreten sind. Ich finde, dass es ein sehr interessantes Album geworden ist, da viele szenefremde Bands und Künstler mit meinem Material gearbeitet haben. Es war eine äußerst interessante Erfahrung, die Platte ist wesentlich besser geworden, als ich es mir vorgestellt habe. Ich bin sehr stolz auf das, was einige Leute aus meinem Zeug gemacht haben.“

OM: Im Jahr 2000 hattest du in einem Interview im Metal Heart verkündet: „Samsas Traum werden insgesamt elf Alben veröffentlichen“. Sind diese Pläne noch aktuell und wird „Asen’ka“ damit das vorletzte Album in der Geschichte von Samsas Traum sein?

Alexander Kaschte: „Das ist auch Schwachsinni. Ist mir total egal, was ich damals gesagt habe. Das war die selbe Art Gelabere wie es Glen Benton von Deicide abgeseiert hat – der Typ hat die ganze Zeit herumerzählt, dass er sich umbringt, sobald er 33 ist – und jetzt ist der Mann über vierzig. Ich mache Musik, so lange wie ich lebe. Samsas Traum werden sich auf keine Anzahl von Alben limitieren. Vielleicht lösen sich Samsas Traum irgendwann auf, wer weiß das schon – aber Alexander Kaschte wird weiter Musik machen.“

OM: Von Beginn deiner Karriere an hast du stets provoziert und heraus gefordert – doch traten dadurch auch Widersprüche in deinen Aussagen auf. Ein einfaches Beispiel: du sprichst dich gegen das Anzünden von Gotteshäusern aus, da diese Kulturgüter darstellen, die erhalten bleiben mussten. Auf der anderen Seite ist von Weena Morloch ein T-Shirt erschienen, auf dessen Rückseite eine brennende Kirche zu sehen ist und die Worte „Weena Morloch – so sicher wie das Amen in der Kirche“ stehen. Wie ist ein derartiger Widerspruch zu erklären?

Alexander Kaschte: „Weißt du, du solltest viele Sachen einfach nicht so ernst nehmen.“

OM: Das heißt, es bleibt im Grunde eine Sache der Interpretation und man darf das für sich selber weniger plakativ sehen?

Alexander Kaschte: „Die Frage nach Religion stellt sich mir nicht – und die Frage nach meinem Bezug von Religion stellt sich hier viel weniger. Man sollte nicht den selben Fehler machen wie Black Metal-Bands, die anstatt des Christentums den Satan anbeten. Das ist doch genau der selbe Mist in grün. Die einzige Alternative ist, jenseits von Religion zu stehen. Wenn du mich nach meiner privaten Meinung und nach meinem Glauben fragst, dann bin ich wahrscheinlich näher an der Physik, an der Philosophie und am Humanismus als an Religion… aber das sind ja wiederumd nicht die Meinung von Weena Morloch. Weena ist niemand, mit dem du über Physik reden kannst.“

OM: Also ist Weena Morloch als ein reines Kunstprodukt zu sehen?

Alexander Kaschte: „Alles, was wir machen, ist Kunst – und es ist auf keinen Fall im Bezug zu mir oder meinen Ansichten zu sehen. Du hast überhaupt keinen blassen Schimmer davon, wer ich eigentlich bin.“

OM: Derartiges habe ich auch nicht behaupten wollen…

Alexander Kaschte: „Ja, aber viele behaupten es, denken es und glauben, sie könnten aus der Kunst Schlüsse ziehen – aber das ist ja gerade der Witz dabei: man kann es nicht. Auch wenn es danach aussieht, es geht nicht.“

OM: Viele Leute sehen den Menschen Alexander Kaschte durchaus kritisch, und Vorwürfe an deine Person sind weit gefächert. Wie siehst du dich selber?

Alexander Kaschte: „Ich? Mich? Als Mensch oder als Bühnenperson?“

OM: In erster Linie als Mensch?

Alexander Kaschte: „Wie ich mich sehe?“

OM: Wie du dich selbst einschätzen und beschreiben würdest?

Alexander Kaschte: „Das geht niemanden etwas an.“

OM: Und als Bühnenperson?

Alexander Kaschte: „Der Alexander Kaschte von Samsas Traum ist ein ziemlicher Chauvinist und ein Misanthrop, es findet es super, wenn sich Leute weh tun. Weena Morloch ist ein verstörtes Etwas, das den Bezug zur Realität verloren hat.“

OM: Bereits einige Male wurdest du für deine stringenten Ansichten bezüglich deines Veganismus angefeindet. Was war ursprünglich der Auslöser für diese Ansichten? Was hat dich zu diesen Überzeugungen gebracht?

Alexander Kaschte: „Ich habe all das schon sehr oft erklärt – wie du vielleicht bemerkt hast, äußer ich mich zu diesem Thema seit zwei Jahren nicht mehr. Ich habe sechs Jahre lang darüber geredet – es ging so weit, dass Samsas Traum mit nichts anderem mehr in Verbindung gebracht wurden als mit Veganismus. Dadurch ist die eigentliche Kunst, die Musik in den Hintergrund getreten; und das hat irgendwann angefangen, mich zu stören. Deswegen wird dieses Thema im Kosmos von Samsas Traum nicht mehr stattfinden.“

OM: Wie sähe eine Welt aus, wie Alexander Kaschte sie sich wünschen würde, wenn er sie selber gestalten könnte?

Alexander Kaschte: „Ich bin nicht besonders optimistisch was die Menschheit betrifft. Es wird immer wieder Leute geben wird, die Anderen widersprechen. Es wird immer wieder Menschen geben, die Anderen Probleme bereiten. Es wird immer wieder Personen geben, die Dinge anders sehen. Es wird von daher schwierig, für Frieden auf diesem Planeten zu sorgen. Heile Welt? Is´ nich!“

OM: Samsas Traum gibt es mitlerweile seit 15 Jahren. Wo siehst du dich, musikalisch wie privat, in den nächsten 15 Jahren?

Alexander Kaschte: „Im Augenblick würde es mich freuen, wenn ich so schnell wie möglich mit dem Musikmachen aufhören könnte, da die Luft ständig dünner wird und mein bisheriges Lebensmodell deshalb vorne und hinten nicht mehr funktioniert. Deswegen können die da draußen mir vielleicht irgendwann in den nächsten 18 Monaten geschlossen den Buckel ‚runter rutschen und an so Zeug wie Saltatio Mortis verrecken.“

OM: Das heißt also, dass es durchaus passieren kann, dass du innerhalb der nächsten 18 Monate bekannt gibst, dass es musikalisch komplett vorbei ist?

Alexander Kaschte: „Ja. Ich definiere mich über mein Kind und über meine Familie. Ich definiere mich über Dinge, die mir wichtiger sind als die Kinderkacke, die wir hier abziehen – vor 12 bis 25 jährigen Leuten zu stehn, die vor mir auf- und abhüpfen und in die Händen klatschen, was ist das im Vergleich zu dem, was ich zu Hause habe? Das Gefühl kannst du nicht nachvollziehen, bis du es selbst gefühlt hast. Ich hätte nicht damit gerechnet, dass es mir so geht, aber: KUNST machen – und damit meine ich nicht nur MUSIK – ist das eine, damit werde ich nie aufhören – aber… Ich glaube, dass wir in zwei, drei Jahren in Deutschland die selben Zustände haben werden wie in Rußland heute. Dort werden fast gar keine physikalischen Tonträger mehr verkauft, die Leute laden alles runter – Musik wird ausschließlich mobil konsumiert, und so bin ich nicht aufgewachsen. Das wollte ich nie. Wahrscheinlich werde ich irgendwann meine Musik nur noch auf 500 Schallplatten veröffentlichen und jede einzelne für 50 Euro verkaufen. Keine Ahnung…“

OM: OK, dann sind wir auch schon am Ende. Wir bedanken uns herzlich für deine Zeit und das Interview und wünschen dir und deiner Familie privat wie auch beruflich alles Gute für die Zukunft!

Interview: Anna-Lena, Manu (Gast-Redakteure)
01.10.2011

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Samsas Traum / Weena Morloch – Käfer.Maden.Würmer.Spinnen.

Auf den Tag genau 22 Wochen nach dem letzten Doppelrelease von Samsas Traum und Weena Morloch veröffentlichte Alexander Kaschte, Sänger und Begründer beider Projekte, am 2.12.2011 bereits erneut ein Doppelalbum: „Käfer.Maden.Würmer.Spinnen“ nennt sich die mit 35 Songs und 150 Minuten Laufzeit vollgepackte Platte, die eine Verschmelzung beider Projekte noch offensichtlicher werden lässt.

Nach den Erfolgen im Sommer mit den beiden Alben „Anleitung zum totsein“ (Samsas Traum) und „Amok“ (Weena Morloch) sowie der anschließenden Clubtour ließ es Alexander Kaschte sich nicht nehmen seine beiden Alben neu interpretieren zu lassen. Darüber hinaus findet man auch ältere Stücke in neuem Gewand auf dieser Doppel-CD sowie unveröffentlichte Songs und Livemitschnitte.

Die erste CD beginnt mit zwei zuvor unveröffentlichten Songs von Samsas Traum: „All die toten Spiegel“, welchen man bereits auf der Tour und auf einigen Festivals im Sommer zu hören bekam, sowie „Leb´ Wohl, geliebter Sohn“, ein sehr ruhiges und intensives Stück, welches von Streichern getragen wird. Allerdings können beide Lieder nicht so sehr überzeugen wie des Album „Anleitung zum totsein“. Es folgen zwei Instrumentaldemos sowie zwei Livemitschnitte von „Endstation Eden“ und „Mr. Misanthropia“, bevor man zum eigentlichen Kern des Albums gelangt, den Remixen und Neuinterpretationen. Für diese hat sich Kaschte nicht lumpen lassen und gleich mehrere Interpreten internationalen Ranges beauftragt – darunter unter anderem Tony Wakeford (Solinvictus, Ex-Death in June), Chillheimer, Tying Tiffany, Fabrik C und einige andere. Positiv zu bewerten ist vor allem, dass es gelungen ist völlig neue Interpretationen zu liefern. Negativ ist jedoch, dass die Qualität der Stücke nicht gleichbleibend hoch ist, sondern durchaus schwankend. Mit am besten gelingt noch der Chillheimer–Remix von „Durch die Wand der Träume“, „Sysiphos“ von Digimortal und „Was danach kommt Spinnen“ von Waiting in Vain.

Die zweite CD bietet ausschließlich Songs von Weena Morloch und hat einen ähnlichen Aufbau wie die erste. Sie beginnt, im Unterschied zur ersten CD, mit einer Orchesta-Version von dem Lied „Amok“. Mit „Sonne wie Winter“ folgt ein unveröffentlichtes Stück, welches sich auf das gleichnamige Buch bezieht. Nach einem weiteren Instrumental-Demo („Ein Lied, um dich zu töten“) folgt mit „Hallo Verfassungsschutz“ eines der Highlights des Albums. Es handelt sich dabei um ein Cover der Band Mono für Alle, welche musikalisch eigentlich völlig andere Wege beschreiten als Alexander Kaschte selbst. Mit „Akku und Bachyt“ folgt noch ein dritter, bis dato unveröffentlichter Song, welcher Erinnerungen an die musikalischen Wurzeln von Weena Morloch und dem Album „Kunst-X“ erweckt. Mit den Remixen verhält es sich ähnlich wie bei der ersten CD des Doppelalbums: es sind einige dabei, die den Kauf des Albums durchaus lohnenswert machen, aber andere kann man wiederum getrost überspringen. Zu den Remix-Highlights zählen der Santa Hates You-Remix von dem Song „Kaputt“, die Müller of Death-Version von „Die Nacht der stumpfen Messer“ und der letzte Song, „Amok“, neu verarbeitet von Golgotcha.

Zusammenfassend ist dieser Release sicherlich ein Genuss für all diejenigen, die Kaschte´s Fable für Remixe teilen, ein Muss für alle Sammler und Hardcorefans, aber keine Empfehlung für diejenigen, die sich lieber der Musik von Samsas Traum und Weena Morloch selbst widmen möchten. Die Höhepunkte des Albums stellen vor allem die fünf zuvor unveröffentlichten Stücke dar – ob diese für den Erwerb des Albums ausreichen muss letztendlich der Käufer entscheiden.

CD 1 – SAMSAS TRAUM

  • 01. All die toten Spiegel
  • 02. Leb wohl, geliebter Sohn
  • 03. A – wie „Antarktika“ (Instrumental-Demo)
  • 04. Im Zeichen des Wurms (Instrumental-Demo)
  • 05. Endstation Eden (Live in Wien // 16.11.2009)
  • 06. Mr. Misanthropia (Live in Wien // 16.11.2009)

Remixe und Neu-Interpretationen

  • 07. Durch die Wand der Träume (Chillheimer-Remix)
  • 08. Das ist Liebe (Noktis-Remix)
  • 09. Den Wolken näher (Tying Tiffany-Remix)
  • 10. Ich sehe die Sterne bei Tag (Jovian Spin-Remix)
  • 11. Gott hat kein Gesicht (Lucidstatic-Remix)
  • 12. Satanshimmel voller Geigen (K Is For Kraken-Neu-Interpretation)
  • 13. Sisyphos (Digimortal-Neu-Interpretation)
  • 14. Betet für mich (Alter Der Ruine-Remix)
  • 15. Gott hat kein Gesicht (Fabrik C-Remix)
  • 16. Was danach kommt: Spinnen (Waiting In Vain-Remix)
  • 17. Das Lächeln eines Toten (Tony Wakeford-Neu-Interpretation

CD 2 – WEENA MORLOCH

  • 01. Amok (Orchester-Version)
  • 02. Sonne wie Winter
  • 03. Ein Lied, Dich zu töten (Instrumental-Demo)
  • 04. Hallo Verfassungsschutz (Mono Für Alle-Cover)
  • 05. Akku und Bachyt

Remixe

  • 06. Kaputt! (Santa Hates You-Remix)
  • 07. Die Nacht der stumpfen Messer (Mechanical Moth-Remix)
  • 08. Versprochen (Morpheus Lunae-Remix)
  • 09. Herz und Faust (Extize-Remix)
  • 10. Stammheim (Kampf) (Albin Sunlight Julius-Remix)
  • 11. Disko-Vampir (The Girl And The Robot-Remix)
  • 12. Alarm (Ptyl-Remix)
  • 13. Wenn ich einmal groß bin (Metallspürhunde-Remix)
  • 14. God(B)less America (Duck And Cover) (Deutsch Nepal-Remix)
  • 15. Herz und Faust (Valium Era-Remix)
  • 16. Versprochen (Merzbow-Remix)
  • 17. Die Nacht der stumpfen Messer (Müller Of Death-Remix)
  • 18. Amok (:Golgatha:-Remix)

Autor: Manu
27.12.2011

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