Album Review: Amon Amarth – With Oden on our side

Eines stand schon vor dem Album fest: Wenn die Mannen um Johan Hegg sich bei ihrem mittlerweile fünften Studioalbum nicht kräftig ins Zeug legen, werden sie an die beiden Vorgängeralben „Versus the World“ und „Fate of Norns“ keineswegs herankommen. Letzteres war zwar mit vielen Mid-Tempo lastigen Stücken eher untypisch für die Band und war bei einigen Fans nicht wirklich angekommen, wusste aber dennoch zu überzeugen.

Die Mannen um Johan Hegg mit ihrem fünften Studioalbum

Amon Amarth - With Oden on our side
Amon Amarth – With Oden on our side

Trotzdem war ich absolut davon überzeugt, dass es die 5 Wikinger aus Schweden schaffen können, ihre beiden Vorgängeralben noch zu toppen. Und genau dies ist auch der Fall, denn With Odin on our Side bringt wieder einmal einen Sound mit sich, der unverwechselbar ist. Dies liegt aber nicht nur an Johan Heggs tiefer, Unheil verkündender Stimme. Auch die Riffs und die Drums wissen wieder zu überzeugen. Durch das einfache CD-Cover, welches komplett in Schwarz gehalten ist, und nur mit Bandlogo und Sleipnir, dem Pferd Odins, sowie Albumtitel auf sich aufmerksam macht, könnte man annehmen, dass die Wikinger in ihrem Sound noch ruhiger werden, nachdem sie schon in „Fate of Norns“ teilweise schleppen ließen. Doch mitnichten.

Wie sagt das schöne Sprichwort? „Stille Wasser sind tief“. Und genau dies ist bei „With Odin on our Side“ der Fall. Ist das Albumcover doch relativ ruhig, so geht der Opener der Scheibe sofort mit einem gewaltigen Donnern aus den Boxen los. Drums und Bass wechseln sich bei „Valhalla awaits me“ in den ersten Sekunden ab, und sobald Johann Hegg anfängt zu growlen, fällt dem Zuhörer sofort auf: Die Qualität des Sounds ist um einiges gestiegen. Die Schweden scheinen es endlich geschafft zu haben, eine gute Qualität hinzubekommen. Schließlich war genau dies in ihren ersten Alben immer noch eines der größten Mankos: Der ziemlich lasche Sound. Ungefähr im mittleren Teil des Songs tritt dann ein kräftiges Gitarrensolo seinen Marsch an, und scheint nur eines ausdrücken zu wollen: „Macht euch auf was gefasst, unsere Axt ist scharf, ihr werdet uns nichts entgegenzusetzen haben.“ Dennoch, der Opener des Albums ist erneut ziemlich Mid-Tempo lastig, weiß aber trotzdem zu überzeugen. Wer hier nicht bangt, ist selber Schuld. Kaum ist dann der erste Song vorbei, geht es weiter mit „Runes to my Memory“. Auch hier geht es gitarrenstampfend weiter. Was positiv bei dem Lied auffällt ist, dass die „Krieger“ um Frontsau Johan Hegg es schaffen, einen perfekten Spagat zu erzeugen zwischen hymnenartigem und dennoch brachialem Sound. Auch hier sollte es kein Metaler schaffen nicht zu bangen. Das ist fast schon Zwang. Kaum hällt man dann die Matte still, geht es direkt weiter. Der dritte Song „The Asator“ kommt angerollt, und das nicht zu knapp. Sind die ersten Sekunden noch eher verhalten, so ist der Rest des Liedes keineswegs ruhig. Ein regelrechter Knaller hat sich gefunden, das Gaspedal, welches vorher noch kurz vor dem Anschlag stand, ist nun vollends durchgedrückt.

Abrissbirne und Nackenbrecher

Ein schneller, kräftiger Gitarrensound, starke Drums und Johan Heggs vernichtende Stimme machen hier eines klar: „Asator“ gehört mit zu einem der stärksten Songs auf dem Album. Nur eine kurze Pause ist zu vernehmen, es wird wieder etwas ruhiger in der Mitte des Liedes, dann geht es aber auch sofort weiter. Johann Hegg grunzt so tief, wie wohl nie zuvor, ein Gitarrensolo erklingt, im Hintergrund donnern die Drums wie das Unheil verkündende Getrampel einer ganzen Wikingerhorde. Teilweise sind in diesem Song sogar thrashige Parts vorzufinden, kurzum: Eine astreine Abrissbirne, die aber irgendwie viel zu kurz i st. Dies rückt diesen Nackenbrecher aber keineswegs in ein schlechtes Licht. Es folgt Lied Nummer 4: “Hermod's ride to Hell – Lokes treachery of Part 1”. Ein typischer Amon Amarth Song, indem Johan Hegg es versteht, sich gewisse Textpassagen selbst zuzugrunzen. So klingt es zumindest, spielt er doch in dieser kleinen „Geschichte“ einerseits Hermod, den Erzähler, und auch die Hölle. Ansonsten bleibt bei dem Lied das übliche Amon Amarth Feeling. Nicht wirklich etwas neues, aber wer will das schon, solang das alte so gut klingt?

Auch „Gods of War arise“ versteht es, sich passend in die vorher gespielten Songs nahtlos einzureihen. Der Song geht zwar im Tempo etwas runter, nachdem das Gaspedal vorher durchgedrückt worden war, doch stört das keineswegs. Abgeschlossen wird dieser Song mit einem kräftigen Solo. Als nächstes folgt „With Odin on our Side“.

Perfekter Spagat zwischen Melodie und Brachialität

Man verspricht sich hier natürlich einiges, handelt es sich hier schließlich um den Titelsong. Dieser beginnt mit stampfenden Drums und Gitarren, und man merkt hier, dass das Tempo wieder etwas mehr zunimmt. Vor allem der Refrain reißt mit, wenn Johan Hegg mit tiefer Stimme „Unter the Winter skies, we stand glorius. With Odin on our Side, we are victorius“ grunzt. Das ganze klingt ziemlich nach Schlachtruf, und irgendwie passt der Refrain zum Album, denn mit Odin auf ihrer Seite sind Amon Amarth wirklich erfolgreich.Beim nächsten Song „Cry of the Black Birds“ wird es dann wieder etwas ruhiger. Das zweite eher melodiöse Stück nach „Runes to my Memory“ ertönt, und die ersten Textzeilen sind gleich der Refrain. Auch wenn der Song teilweise eher langsam ist, so verstehen es die Jungs aus Schweden auch hier wieder, den perfekten Spagat zwischen Melodie und Brachialität zu finden. Der Refrain klingt hierbei erneut verdammt nach einem Schlachtruf, dies wird vor allem dadurch bekräftigt, wenn Johan Hegg am Anfang des Liedes laut „Attack!“ brüllt. Zum Ende des Songs wird es nochmals schneller, im Hintergrund hört man mehrfach „Attack“, der Startschuss sozusagen für den schnelleren Part des Liedes. Sehr überzeugend das Ganze.Dennoch lassen Amon Amarth beim vorletzten Lied wieder in Sachen Tempo etwas nach. „Under the Northern star“.

In meinen Augen eines der schwächeren Liedern des Albums, da es mir erscheint, als würden die Musiker einfach nicht aus den Socken kommen. Einziger Lichtblick ist hier das Solo von Gitarrist Johan Söderberg. Als Entschädigung wird beim letzten Stück des Albums „Prediction of Warfare“ richtig angezogen. Nach einem ruhigen Intro folgen hier härtere Riffs, und sobald Hegg anfängt zu growlen gehts wieder schneller. Der Song wird zwar immer wieder langsamer, aber dafür auch wieder schneller. Eine perfekte Mischung im Tempo-Wechsel ist hier gefunden worden. Auffallend hierbei ist, dass in der Mitte des Liedes ein etwas längeres instrumentales Stück gespielt wird, welches eher langsamer ist. Aber auch hier wird der Anschlag wieder erhöht, sobald Frontsau Hegg losgrunzt. Jeder seiner Textzeilen wird hierbei von einem harten Gitarrenriff unterstützt. Abgeschlossen wird das ganze noch einmal mit einem instrumentalen Stück, welches das Album nach einer knappen Dreiviertelstunde zum Abschluss bringt.Metalheads, die sich die Limited Edition besorgt haben, kommen bei dem Album noch auf den Geschmack zweier Live Songs vom Wackenauftritt 04 („Where silent Gods stand Guard“ und „Death in Fire“), die Lust auf die neue Tour zum Album machen sollen, sowie zweier Demosongs vom neuen Album („With Odin on our Side“ und „Hermod's ride to Hell- Lokes treachery Part I“). Und als wäre das noch nicht genug kommen noch zwei ältere Lieder hinzu. „Once Sent from the Golden Hall“, eine alte Aufnahme von 1997 und als besonderes Schmankerl kommt noch „Return of the Gods“ hinzu, welches ebenfalls 1997 aufgenommen, aber nie veröffentlich wurde. Bis zum jetzigen Album.

Fazit Amon Amarth – With Oden on our side

Ein sehr gelungenes Album der Schweden, welches alles wegknüppelt, was sich in den Weg stellt. Schwächen gibt es hierbei kaum. Allerdings haben Amon Amarth dadurch die Höhe der Messlatte wieder einmal verdammt hochgelegt. Dadurch wird es für andere Viking Metal Bands natürlich schwer, an die Jungs heranzukommen, und auch sie selber werden es verdammt schwer haben, diese Scheibe noch einmal zu toppen. Sollten sie sich aber erneut so ins Zeug legen, sollte dies durchaus zuschaffen sein.

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Autor: ArchiVader

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