Ticket lösen und abtauchen!

Das Debütalbum des Trios aus Manchester ist alles andere als leicht verdauliche Mainstream-Kost. Ein einziger Song bleibt unter fünf Minuten. Lässt man sich aber erstmal auf die groß angelegten, epischen Brocken von Songs ein, wird man so schnell nicht mehr davon loskommen.

Die nahezu durchweg im Midtempo-Bereich angesiedelten Tracks wummern mit einem derart fetten Sound aus den Boxen, dass man sich kaum vorstellen kann, es hier nur mit drei Mannen zu tun zu haben. Ist aber so. Denn Sänger/Gitarrist Sel Balamir ist dabei mit einer Armee von Gitarreneffekten ausgerüstet und knallt dem Hörer ein Riff nach dem anderen um die Ohren. Dabei kommen aber auch die leisen Töne nicht zu kurz, die sich dynamisch mit den dicken Gitarrenwänden abwechseln. Unterstützt wird das Ganze von donnernden Drum-Breaks.

Zur besonderen Freude des Hörers nutzen Amplifier in ihren Songs immer wieder das Überraschungsmoment. In achtminütigen Songs kann einiges passieren – das beweist das Trio zu Genüge. Da kommt es schon mal vor, dass nach sechs Minuten Achterbahnfahrt der Song sein Ende gefunden zu haben scheint, um dann plötzlich noch eine energiegeladene Instrumental-Orgie zu feiern („Airborne“). Die einzige uptempo-lastige Nummer des Albums „The Consultancy“ könnte mit seiner eingängigen Melodie und der – für Amplifier-Verhältnisse – knackigen Länge von fünf Minuten gar ein richtiger Hit werden und hätte auch auf der neuen Queens Of The Stone Age seinen Platz gehabt.

Amplifier lassen durchaus auch Verschnaufpausen zu, aber nur um danach umso heftiger auszubrechen. Das leise-laut-Prinzip beherrschen die drei Engländer perfekt, wie man es von „Mogwai“, „Tool“ oder der befreundeten Band „Oceansize“ kennt. Besonders an „Tool“ fühlt man sich erinnert, da Sel Balamir`s Stimme der von Maynard Keenan nicht unähnlich ist und er seinen Gesang ähnlich einsetzt, um die Atmosphäre der Songs zu unterstützen. Deshalb verzichtet der Gesang auch auf Ausbrüche, ganz im Gegensatz zur Musik, sondern schwebt stetig über dem psychedelischen Soundteppich.

Um großspurige Ansagen in seinen Texten ist Balamir derweil ganz und gar nicht verlegen: „Don`t matter which way we`re facing – we`re gonna keep rolling forward!“ im Stampfer „Panzer“ oder „We are unstoppable now! We are unbreakable now!“ in „One Great Summer“. Und damit könnte er verdammt noch mal Recht haben!

Das selbstbetitelte Debüt, das in England schon vor gut einem Jahr erschienen ist, kommt hier nun als schickes Doppel-CD-Digipak mit einer Bonus EP in die Läden. Die Bonus EP beinhaltet vier bisher nur in England erhältliche B-Seiten und die Videoclips zu „The Consultancy“ und „Neon“.

Anspieltipps:

– Airborne

– Panzer

– On/Off

– The Consultancy