Was als simpler Anspieltipp eines befreundeten Langhaares begann, hat sich zur Dauerbelegung auf meinen Vinylrotierer gemausert. Nach einem Gespräch über Sangeskunst im Heavy Metal und der damit einhergehenden Aufzählung legendärer Sänger, bei der unter anderem der kaum vergleichbare Gesang von Kim Bendix Petersen, besser bekannt als King Diamond, angeführt wurde, schrieb mir mein Gesprächspartner nur ein Wörtchen auf eine abgerissene Seite eines bekannten Metalmagazins und entließ mich in den Januarschnee. Das kaum zu entziffernde Gekrakel stellte sich als der Name Attic heraus und nach dem ersten Onlineprobehören wurde direkt die Vinylversion bestellt.

Allein die Aufmachung der Schallplattenausgabe des Albums „The Invocation“ lässt die Augen groß werden: Schwerer Karton mit edlem Druck, in Gold gestanzten Lettern und einem düsteren, mysteriösen Artwork. Das riesige Booklet beinhaltet die Texte und fügt sich optisch perfekt in das Konzept des Artworks. Die Labels der Platte aus 180g schwärzestem Vinyl runden den Punkt Optik aufs Beste ab. Allein für die Aufmachung (der Vinylversion) des Albums haben Attic ordentlich Vorschusslorbeeren ergattern können.

Nun jedoch zum wirklich wichtigen Part: Der Musik. Das Album beginnt mit dem Stück „The Hidden Grave“. Dieses Orgelinstrumental bringt den Hörer in die richtige Stimmung und sorgt im Zusammenspiel mit dem genialen Cover für Neugierde auf das Kommende. Mit „Funeral In The Woods“ starten Attic dann schließlich durch, und der Sound ist kräftig, glasklar. Durch treibende Drums, hallende Gitarren und den unfassbar genialen Gesang von Frontmann Meister Cagliostro werden Erinnerungen an King Diamonds legendäres Album „Abigail“ wach und diesen Vergleich müssen Attic in keinster Weise scheuen. Das Songwriting ist gelungen und wird über die Dauer der Songs nicht langweilig. Thematisch gibt man sich ganz im Stil der ersten Alben von Mercyful Fate hin und man wird als Hörer in finstere Wälder, alte Gemäuer und eine Welt dunkler Rituale und Geister entführt. Über die gesamte A-Seite halten Attic das Niveau, welches sie mit ihrem ersten Song als Basis gelegt haben, aufrecht, und hauen mit „Join The Coven“ und „Ghost Of The Orphanage“ einen großartigen Song nach dem anderen raus, so dass es schwerfällt ein Highlight auszumachen.

Die B-Seite beginnt ebenfalls mit einem Orgelinstrumental, welches den Titel „In The Chapel“ trägt und als direktes Intro zum folgenden Titelsong des Albums dient. Auch hier beweist Meister Cagliostro weiterhin seine Gesangskünste, dessen markante Kopfstimme die Texte besonders unterstreichen. Das folgende „The Headless Horseman“ ist das Paradebeispiel hierfür. Die zweite Hälfte des Albums steht der ersten in nichts nach. Großartige Gitarrenläufe sorgen das ganze Album über für eine gewisse „Epicness“. Es sei jedoch an dieser Stelle auch erwähnt, dass der kräftige, sehr hohe Gesangstil des Sängers für moderne Ohren recht gewöhnungsbedürftig sein kann. Es ist also eindeutig, dass Attic sich allein hierdurch in ihrem Sound von anderen Kapellen abheben.

Jeder, auf dessen Kutte ein Patch von King Diamond zu finden ist, oder der sich bei den düsteren, mysteriösen und anti-religiösen Texten von Mercyful Fate heimisch fühlt, ist mehr als gut beraten, sich das Debüt der Gelsenkirchener zuzulegen. Live werden die Herren auf dem diesjährigen Beastival in Geiselwind zu sehen sein, und ich bin sehr gespannt, wie sich dieses hohe Niveau der Platte auf die Bühne übertragen lässt. Alles in allem ist das Album definitiv eine Besonderheit in der heutigen, extrem breitgefächerten Metallandschaft, der man in jedem Fall ein Ohr widmen sollte.

Tracklist

  • 01. The Hidden Grave
  • 02. Funeral In The Woods
  • 03. Join The Coven
  • 04. Edlyn
  • 05. Ghost Of The Orphange
  • 06. In The Chapel
  • 07. The Invocation
  • 08. The Headless Horseman
  • 09. Satan’s Bride
  • 10. Evil Inheritance