Ausgangsbeschränkung und Quarantäne als Test für eine Beziehung?

Jetzt ist es also so weit. Im Rahmen der Corona-Pandemie gilt deutschlandweit ein Kontaktverbot und eine Ausgangsbeschränkung, um die weitere Verbreitung des Virus zu bremsen. Die Schulen und Kindergärten sind geschlossen, Mitarbeiter von Firmen dazu aufgerufen, von zuhause zu arbeiten und auch der Zugang zu Freizeitaktivitäten wurde weitestgehend auf Null heruntergefahren.

Ausgangsbeschränkung und Quarantäne als Test für eine Beziehung?
Ausgangsbeschränkung und Quarantäne als Test für eine Beziehung?

Aktivitäten während der Ausgangsbeschränkung

Für eine Beziehung kann das zu einer echten Belastprobe werden. Die Frau unterrichtet die beiden Kinder in schulischen Belangen im Wohnzimmer und der Mann sitzt im Arbeitszimmer (oder umgekehrt), um an Telefonkonferenzen teilzunehmen oder um die tägliche Büroarbeit zu erledigen. Alle Personen sind über einen längeren Zeitpunkt zusammen. Kann das ein Pulverfass sein? Mitnichten, denn zunächst einmal sollte man den Tag klar strukturieren. Wann stehen wir auf? Wann frühstücken und essen wir gemeinsam? Wer ist für welche Bereiche verantwortlich? Ebenso wichtig ist es, für Rückzugsräume innerhalb der eigenen vier Wände zu sorgen oder zumindest einmal am Tag zu einem Spaziergang nach draußen zu gehen. In einer Beziehung sind Nähe und ein Miteinander nämlich ebenso wichtig wie der Rückzug und die Besinnung auf sich selbst.

Menschen sind soziale Wesen und eine Beziehung zwischen zwei Menschen ist der intimste Ausdruck dafür. Sich mit Freunden zu treffen, ins Kino gehen, die Theaterpremiere besuchen oder sich am Sonntag zum Brunch verabreden, das alles ist nicht mehr möglich. Dafür ist jetzt die Zeit gekommen, um die inzwischen verstaubten Gesellschaftsspiele auszukramen. Natürlich machen „Monopoly“, „Scotland Yard“ oder „Mensch ärger dich nicht“ mehr Spaß, wenn man sie mit vier Personen spielt, aber auch zu zweit ist das möglich. Damit das Spiel nicht schnell langweilig wird, übernimmt eine Person gleich die Rolle einer weiteren Person oder aber man schaltet via Skype den Schwiegervater hinzu, der dann virtuell am Spiel teilnimmt.

Besonders eignen sich solche schweren Zeiten aber dafür, dass man wieder ein Buch in die Hand nimmt und liest. Ebenso kann man gemeinsam den Keller aufräumen oder den Kleiderschrank ausmisten. Da das Kino nicht erreichbar ist, sieht man sich gemeinsam einen Film vom heimischen Sofa mit Popcorn in der Hand an. Man kann auch gemeinsam den Garten auf Vordermann bringen, zu zweit kochen oder gemeinsame Pläne für die Zeit nach Corona machen.

Gesichtsmasken für Metaller: Alltagsmasken zum Schutz vor Coronavirus
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Ausgangsbeschränkung: Trennung auf Zeit

Die Corona-Pandemie bringt es mit sich, dass man in einer Fernbeziehung den Freund am Wochenende nicht mehr besuchen kann. Was tun? In unserer digitalen Welt, in der nahezu jeder eine Webcam oder ein Smartphone besitzt, bietet sich die Videotelefonie an. Oder aber man stellt ein gedrehtes Video auf Youtube online. Kommunikation in dieser Zeit geht weit über das Körperliche hinaus. Es ist die Gelegenheit, den Partner oder die Partnerin intensiver wahrzunehmen. Die Partner könnten auch vereinbaren, jeden Abend um die gleiche Zeit eine Tasse Tee zu kochen oder eine Kerze ans Fenster zu stellen, die deutlich macht, dass man aneinander denkt.

Ebenso denkbar ist es, dass man sich schreibt, was man am Partner oder der Partnerin so sehr mag und jetzt so unendlich vermisst. Dann gelingt auch eine Trennung auf Zeit während der Corona-Pandemie.

Liebe, Sex und Erotik

Besonders schwierig wird es bei der erotischen Zweisamkeit. Wie soll Sex gelingen, wenn man sich möglichst nicht zu nahe kommen soll? Ein Ersatz für die körperliche Liebe kann es sein, dass man sich gegenseitig erotische Fantasien erzählt, die der Partner oder die Partnerin dann weiterführt. Dieser Cyber-Sex via Telefonsexcam ist ganz sicher, denn dabei kann es keine Übertragung geben. Eine andere Möglichkeit wäre die Nutzung von Hilfsmitteln via Vibratoren. Das kann in der häuslichen Gemeinschaft der Fall sein, aber auch bei Menschen, die in einer Fernbeziehung leben. Für diese Personen gibt es Vibratoren, die sich über eine App im Smartphone auch aus der Ferne steuern lassen.

Eine andere Möglichkeit ist der Gebrauch von Kondomen, der zwar die Lust nicht vermindert, der aber dazu führt, dass man sich einerseits nicht anstecken kann und dass man andererseits in neun Monaten nicht mit einem Kind überrascht wird.

Ausgangsbeschränkung und Quarantäne als Test für eine Beziehung?
Ausgangsbeschränkung und Quarantäne als Test für eine Beziehung?

Nähe zulassen, trotz Distanz

Einen Menschen zu lieben beschränkt sich nicht auf das rein Sexuelle, sondern spiegelt sich in vielen anderen Dingen wider. In dieser Situation hat man mehr Zeit für Gespräche. Zuhören wird jetzt noch wichtiger als es ohne hin schon war, denn da man für eine längere Zeit praktisch nur Kontakt zu dieser Person hat, hat jede Äußerung eine enorme Bedeutung. Natürlich wird auch Dinge geben, die am Partner oder der Partnerin auffallen, über die man sich ärgert. Auch dazu ist jetzt die Gelegenheit, dass man sich darüber austauscht und darüber spricht. Denn Nähe zuzulassen heißt eben auch, die Gefühle der anderen Person zu verstehen.

Man räumt jetzt dem gesprochenen Wort eine größere Wichtigkeit ein, denn zuvor war das Leben von Hektik und Schnelligkeit geprägt. Deshalb ist jetzt die Zeit, die emotionale Nähe zuzulassen, die im regulären Alltag nicht so wichtig ist und die oft durch die körperliche Nähe ersetzt wird. Dann gelingen auch Beziehungen in dieser schwierigen Zeit.

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AutorIn: Kai Ladde-Gricht

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