Mit aktiver Hilfe der örtlichen Feuerwehr gelang es dem offiziell größten Fan Peter, Axxis’ zum nunmehr zweiten Mal nach Bredenborn zu locken und dort der örtlichen Szene ordentlich einzuheizen. Nach dem Einlass ergatterte ich mir erstmal ein Bierchen und einen Stehplatz am Rande der für das Konzert genutzten Stadthalle und wartete gespannt auf die Vorband Jigsaw.

AXXIS – Stadthalle Bredenborn

AXXIS - Hardrock Ende der 1980er Jahre mit Elementen des Power Metal

AXXIS – Hardrock Ende der 1980er Jahre mit Elementen des Power Metal

Gegen 20 Uhr betraten diese die Bühne und begannen, der bereits nahezu zur Hälfte gefüllten Halle ordentlich etwas auf die Ohren zu geben. Die Ton- und Lichttechniker verstanden ihr Handwerk und so gab es weder unschöne Rückkopplungen noch ein deutliches Hervortreten eines Instrumentes. Allein die Stimme des Sängers hätte noch ein wenig mehr in den Vordergrund gespielt werden können. Macht aber nichts, es war auch so sehr gut.

Die Band spielte mit einer Mischung aus Hardrock bis hin zum leichten Grind eine tolle Mischung, und die Zuschauer dankten es ihnen mit sofortiger belebter Resonanz.

Es war kaum etwas von der typischen anfänglichen Zurückhaltung und dem zumeist schweren Stand der Vorbands zu spüren.
Kurz vor dem Ende der Performance gaben die fünf Musiker noch mal richtig Gas und zeigten ihr Potential, das Lust auf Mehr machte. Wir werden sicherlich noch was von ihnen hören.

Nach dieser einstündigen Einstimmung in den Abend gaben sich nach einer halben Stunde Umbaupause Axxis die Ehre und kamen zusammen mit Peter auf die Bühne. Die inzwischen vollständig gefüllte Stadthalle empfing sie standesgemäß und Bernhard ließ es sich nicht nehmen, Peter gebührend für die Möglichkeit zu danken, wieder in dem kleinen Ort auftreten zu können.

AXXIS live – eine Reise durch die Bandgeschichte

Nach einem Auftritt eines Fans aus den ersten Reihen, der AC/DC`s „Highway to Hell“ in wirklich beeindruckender Form darbot, entführte Axxis die Zuschauer auf eine Reise durch die Bandgeschichte.

Absolute Kracher vom Album „Kingdom of the Night“ wurden gekonnt abgewechselt mit Tracks aus dem jüngsten „Paradise in Flames“ und auch die Stimme Lakonia’s wurde perfekt mit eingewoben. Immer wieder griff sie stimmtechnisch aktiv in den Auftritt ein und wusste zu überzeugen. Die Qualität war sehr hochwertig und kam sogar einer Studioaufnahme nahe.
Das merkte auch das Publikum und es ließ sich kein Unterschied feststellen zwischen einem Auftritt à la W:O:A und diesem Konzert. Ich empfand es fast als persönliche Bindung zwischen Band und Zuhörern, und bei Weitem nicht so statisch, wie ich es erst vermutet hätte bei einer solch bekannten Band.

Keine Spur von Distanz. So durfte sogar eine junge Frau aus der ersten Reihe auf der Bühne ihre hochfrequente Stimme durch das Mikro erklingen lassen. Außerdem wurden später zwei kleine Jungen auf die Bühne geholt und ihnen eine DV- Kamera in die Pfoten gedrückt, um während der nächsten zwei Songs ein „Musikvideo“ zu drehen. Das zeigt doch wahre Freude an den Auftritten, und auch nach mittlerweile zwanzig Jahren Bühnenpräsenz war bei den Musikern keine Ermüdung zu spüren.

Axxis – Doom Of Destiny

Axxis - Doom Of Destiny

Axxis – Doom Of Destiny

Zu der Klasse der bisher von Axxis erbrachten Leistungen gesellen sich hier noch verstärkte Female Vocals, die vor allem die Hooks sehr gut unterlegten! Als besonderes Schmankerl wird dann noch der erste deutschsprachige Axxis Titel in Form des Songs „Engel Aus Hass“ präsentiert; leider gibt es diesen nur auf der Limited Edition zu hören.

Nach dem überragenden Erfolg der „Paradise in Flames“ war von den alteingesessenen Musikern, die schon seit Jahrzehnten die Metalszene begeistern, auch nichts anderes zu erwarten, als ein weiteres überragendes Album, das auf der Klasse des Vorgängers aufbaut und absolut zum Mitreißen geeignet ist.

Ich kann die Scheibe gar nicht so loben, wie ich sie geil finde- Ich bin sicher, jeder Mensch, der auch nur ein wenig an Power Metal interessiert ist, wird dieses Scheibchen haben wollen und genau so lieben wie ich. Die Stücke sind alle durch eine gewisse Grundstimmung verbunden, die sich auch im Artwork wieder findet. Grundlage bildet dabei das Schicksal sowie dessen Bezug zum Leben und welche Wechselwirkungen sich aus dem Glauben an das Schicksal ergeben. Dabei wechseln Tempo und Stilanleihen regelmäßig. „Revolutions“ zum Beispiel kommt sehr, sehr locker und mit einigem Groove daher. „The Fire Still Burns“ dagegen ist eher eine ruhigere Ballade, die auch ganz schön ist und die ruhigen Elemente des Ganzen auf den Punkt bringt.

Da diese Elemente auch in den anderen Songs auftauchen, fällt das Stück trotz der fehlenden Power nicht so aus der Reihe wie es zu erwarten gewesen wäre. „She Got Nine Lifes“ ist auch sehr fetzig und gewinnt vor allem durch die vielen female Vocs an Klasse. Generell quellen die Songs praktisch vor Spielfreude und Genialität über. Es gibt viele Parts, die praktisch mit der Untermalung durch Engelschöre, in Form von Gitarren, verglichen werden können. Als neuer Gitarrist hat sich Marco Wried hier definitiv bewährt.

Also zieht euch die Scheibe rein, ich kann hier nur die volle Punktzahl vergeben. Und wer es richtig wissen will geht auf eines der geilen Konzerte mit der vollen Power von Helloween, Gamma Ray und Axxis!

Axxis – Paradise In Flames

Axxis - Paradise In Flames

Axxis – Paradise In Flames

Die Ruhrpottler Jungs Bernhard Weiss am Gesang, Harry Oellers an den Keys, Guido Wehmeyer an der Gitarre, Kuno Niemeyer am Bass und als zweiter Part der Rhythmusabteilung Andre Hilgers an den Drums haben also ihren Stil etwas geändert. Und was dabei heraus gekommen ist, gefällt. Der Einstieg erfolgt über das Intro „Paradiese In Flames“, welches die Spannung gekonnt ansteigen lässt.

Mit einer sehr eingängigen Textzeile beginnt dann der Song „Dance With The Dead“ und eingängig bleibt es die gesamten 4:40 min lang. Wobei vor allem die Hookline erwähnenswert ist. Gesanglich kommen einem unweigerlich Gedanken an Eunuchen, wobei der Rest des Songs eher in gemäßigter Stimmlage gehalten ist. Ab und an taucht eine zweite, weibliche Stimme auf, die den Song gekonnt ergänzt. Fast nahtlos und mit einem geschickten Übergang beginnt dann Track 5 „Tales Of Glory Island“, der etwas schneller daherkommt. Die Drums sind schnell und hart.

Die Hookline ist ruhiger als der Rest des Songs, nimmt aber im Verlauf immer mehr an Fahrt zu. Durchaus ein sehr hörenswerter Song. Bis dato zeichnet sich die Scheibe auf jeden Fall schon einmal durch eine extrem hohe Gefälligkeit und eingängige Melodien aus. Auch der nächste Song beginnt fast nahtlos aus den Ausklängen des Vorgängers. In „Take My Hand“ ist dann wieder deutlich die weibliche Stimme herauszuhören und ein choraler Part führt melodisch in den Song ein. Ein Blick auf den Infotext macht dann klar, dass es sich bei den filigranen female vocals um Sängerin Lakonia handelt, die auch schon auf dem Album „Time Machine“ mitmischte und sich nun einige Parts mit Bernhard teilt.

Zunächst bleibt der Song ruhiger, Pianoklänge dominieren die Instrumentals und die Vocals bleiben sehr hoch. Dann wird es gitarrenlastiger und etwas schneller. Die männlichen Vocals tauchen wieder in gemäßigtere Gefilde ab. Das ist auch sehr gut so, denn einige von Bernhards hohen Parts erscheinen etwas schief und wissen nicht zu überzeugen. Die female Vocals hingegen werten die Songs auf und kommen präzise und genau passend.

Positiv erwähnenswert sind weiterhin die saubere Produktion und das geile Artwork. Organisch beginnt dann, „Will God Remember Me“. Dieser Song zeichnet sich eher durch viele Wiederholungen aus, als durch besondere Raffinesse. Fronter Bernhard beschreitet die höheren Ebenen, was mich ja auch schon in „Take My Hand“ nicht besonders zu überzeugen vermochte, da etwas Fülle in der Stimme fehlt. „Talisman“ bricht dann energetischer und mit mehr Power hervor und lässt einem den Unterschied zu den eher ruhigen Vorgängern erkennen. Die Hook ist auch schon eingängiger und ruft teilweise Erinnerungen an Blind Guardian hervor. Der Song geht dann sehr geil weiter und lässt garantiert keine Langeweile aufkommen! Mit „Don’t Leave Me“ taucht dann die erste Ballade der Scheibe auf. Hier liefern sich männliche und weibliche Stimme ein wunderschönes Duett, das unter die Haut geht.

Instrumental dominieren die schon bekannten Pianoklänge. Der Song lässt mich dahin schmelzen und leitet gewohnt fließend zum nächsten Song über. In „Lady Moon“ geht es mit einem der absolut geilsten Songs auf dem mittlerweile 9. Album der Jungs aus dem Ruhrpott, weiter. Auch bei diesem Song ist eine hohe Eingängigkeit zu verzeichnen. Die Vocals sind ausgewogen zwischen hohen Parts und gemäßigten Parts. Ab und an hört man nur die reinen Instrumentals, die das Thema sehr gut weiterzuführen vermögen. Die Gitarre überzeugt und das Drumming schafft eine gute Grundlage. Die Hook ist sehr schön und passt thematisch auch sehr gut zum vorigen Track. Flüsternd wird der Song dann zum Schluss nochmal zur Hook geleitet um dann auszuklingen und für den eisigen Wind platz zu machen.

Die Impression eines kalten Windes schafft der Song „Ice Wind“ durch hohes Tempo, gezielt eingesetztem Background und harte, leicht schneidende Vocals. Insgesamt eine sehr gelungene Konzeption. „Stand By Me“ weist dann eher den eigentlich Axxis bewährten Hard Rock-Einschlag auf. Eigentlich ein sehr gelungener Song, nur die „Reime“ erscheinen teilweise etwas zu offensichtlich und das gewisse Extra fehlt. Gefolgt wird von Track 13, dem treibenden „Gods Of Rain“. Hymnisch, wie auch der Rest des Albums und dabei gekonnt eingespielt klirren die Riffs und das Arrangement rockt. Aber weil alles einmal ein Ende hat wird mit „Passion For Rock“ der letzte Song aufgespielt. Eher klassisch und dabei eingängig klingt damit die Scheibe aus. Insgesamt hat die CD wohl durchaus 4 von 5 Gitarren verdient. Wenn die Musikstiele innerhalb des Albums nicht so sehr schwanken würden und alle Songs so geil gespielt und eingängig wären wie die unten genannten Anspieltipps hätte es wohl auch Topscore gegeben.

Trotzdem ist die Scheibe für alle eher klassischen Metaller, alle Axxis-Fans und Hard-Rocker durchaus kaufenswert.

Anspieltipps: „Dance With The Death“, „Don’t Leave Me“ und „Lady Moon“

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Autor: ArchiVader


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