Azavatar - AzavatarDazu kommt, dass mit Songtiteln wie „Kvlt“, „Kaos“, „Kvrse“, etc. scheinbar aus den gängigsten Begriffen der „Modern Black Metal“-Szene geschöpft wurde, die in meinen Augen allerdings im Wesentlichen mit Belanglosigkeit glänzte. Dementsprechend gering waren meine Erwartungen, als ich die Platte eines Abends nach einem langen Arbeitstag einlegte. Ich sollte auf dramatische Weise eines Besseren belehrt werden.

„Kvlt“ ist der erste von fünf vorhandenen Titeln und gleitet noch vergleichsweise gemäßigt dahin. Schon vor dem Blick in die Labelinfo erscheint der Name „Dark Fortress“ vor meinem inneren Auge und tatsächlich stellt sich Victor Bullok auch als Produzent heraus. Allerdings kommt beim Opener musikalisch nicht viel rüber, stützen sich die Harmonien doch zu repetitiv auf die Abfolge von immer zwei Akkorden. Und somit verstreichen erstmal sieben lange Minuten, bis sich das Blatt mit dem zweiten Song „Kaos“ wendet. Und das gewaltige Feuerwerk, welches plötzlich abgebrannt wird, hinterlässt wahrlich Eindruck. Eine unfassbare Raserei trümmert hernieder und die Gitarren durchziehen dieses Geflecht mit Melodien, die nur einem manischen Geist der Bösartigkeit und des Wahnsinns entsprungen sein können. Der dritte Song „Kvrse“ erzeugt genau dieselbe Stimmung, allerdings nun mit den Stilmitteln Langsamkeit und Wucht. Mitten in diese Gewalt erhebt sich dann plötzlich eine Epik und Schönheit, die zu Tränen rührt, bevor auch der dritte Akt unter dem Schutt der Raserei begraben wird. Herrlich, was für eine Dramatik!

Die erste Hälfte des vierten (und mit einer Spielzeit von fast 15 Minuten auch längsten) Titels „Krest“ lässt den Hörer zunächst verschnaufen, bevor man ihn nach dem Tiefpunkt in der Mitte auf majestätischen Schwingen wieder in die Höhe reißt. Den Höhepunkt dieser emotionalen Achterbahnfahrt liefert aber der letzte Song „Krypt“: Über elf Minuten lang wird das Gaspedal durchgedrückt und man scheucht einen schrecklich-schönen Melodiebogen nach dem anderen aus den Membranen. Die Keyboards, die hauptsächlich zur sphärischen Unterstützung der Gitarrenmelodien dienen, verdichten das ohnehin schon neblige Szenario, während die Drums von einem ewig Gehetzten bedient zu werden scheinen. Dazu gibt es sogar einen Refrain, der sofort im Gedächtnis hängen bleibt. „Krypt“ ist ohne Übertreibung einer der besten atmosphärischen Black Metal Songs, seit Lunar Aurora in der Versenkung verschwunden sind.

Trotz einiger zäher Passagen zu Anfang und Mitte (Stellen wie die erste Hälfte von „Krest“ sind im Proberaum sicher nett zu spielen, langweilen aber etwas auf Platte) haben AZAVATAR ein erstaunliches Debut auf die Beine gestellt, dem einiges an Beachtung zusteht. Die 7 Punkte sollten sicher die fettesten sein, die ich je verliehen hab…

Tracklist:
1. Kvlt
2. Kaos
3. Kvrse
4. Krest
5. Krypt