Wertung: 8 von 10

Ein Jahr nach der Wiederveröffentlichung des Debütalbums „Errances Oniriques“ in neu aufgenommener Form und drei Jahre nach Veröffentlichung des letzten regulären Studioalbums „Chemins de Souffrance“, meldet sich mit Belenos eine der dienstältesten Black/Pagan Metal Bands zurück, die es seit jeher versteht den ursprünglichen, schwarzmetallischen Spirit in ansprechender Weise mit folkloristischen Elementen anzureichern. Das neuste Werk „Yen Sonn Gardis“ macht hier keine Ausnahme.


Erneut wird schwarzmetallische Raserei gekonnt mit schleppenden, teils doomigen Parts und keltischen Folkpassagen garniert. Die Bezeichnung Band ist bezogen auf Belenos jedoch nur bedingt zutreffend, da hinter diesem Namen der mittlerweile in Sachen Studioalben wieder als Einzelkämpfer agierende Franzose Loïc Cellier steckt.

Nach dem stimmungsvoll in die Scheibe einleitenden Intro „Aspedenn“ macht bereits „Hollved Hirisus“ klar, wohin die Reise geht. Im Midtempo beginnend, schwingen fortan skandinavisch geprägte Riffs, angetrieben von treibenden Drums, inklusive der obligatorischen Doublebasspassagen und Blastbeats, das Zepter. Zum eher in mittleren Tonlagen angesiedelten heiseren Gekeife gesellen sich erhabene Chöre und in der Mitte des Songs übernimmt für kurze Zeit eine Violine die Melodieführung.

Dieser Variantenreichtum zieht sich durch das komplette Album. Immer wieder wird das Tempo variiert, die Gitarren pendeln zwischen klirrenden, recht eingängigen Riffs, melodischen Leads, schweren fast doomigen Parts und gezupften Akustikpassagen. Die Vocals nutzen mit den epischen, teils gregorianisch anmutenden Chören, den Klargesängen und dem schwarzmetallische Gekeife die komplette Bandbreite zur Verstärkung der durch die Instrumentalfraktion heraufbeschworenen Atmosphäre.

In „Gorsedd“, das mit einem längeren akustischen Zwischenspiel gespickt ist begegnet dem geneigten Hörer erneut die Violine und im anschließende „Mestr Ar C’Hoad“ findet gar eine mittelalterliche Drehleiher Verwendung.

Insgesamt ist das komplett in bretonischer Sprache gehaltene „Yen Sonn Gardis“ dann am wertvollsten, wenn sich Cellier den epischen Seiten seiner Kunst widmet. Es sind die getragenen Passagen, die Akustikeinschübe und die Chorpassagen, die uneingeschränkt zu überzeugen wissen und dem Treiben eine besondere Atmosphäre verschaffen. Den rohen Black Metal Parts gehen über die Distanz hingegen leider ein wenig die Luft aus. Die zu großen Teilen recht einfach gehaltenen Riffs und Leads gehen zwar zunächst schnell ins Ohr, und sind gegen Ende der Scheibe keineswegs schlechter als in den ersten Songs, zusammen mit den in diesen Parts nicht sonderlich variablen Drums und der äußerst unauffälligen Arbeit des Tieftöners beschleicht mich jedoch über die volle Distanz immer wieder das Gefühl der Austauschbarkeit dieser Passagen. Es fehlen schlicht die wirklich ergreifenden Gitarrenmelodien, die sich auch über einen längeren Zeitraum in die Gehirnwindungen fräsen und die einen nicht mehr loslassen, wenn sie einmal Besitz von einem ergriffen haben.

Letzteres soll hier auf keinen Fall als harsche Kritik verstanden werden, den Loïc Cellier bewegt sich mit Yen Son Gardis erneut sowohl spieltechnisch als auch kompositorisch über dem Niveau vieler anderer Kapellen und auch die Produktion weiß durchaus zu überzeugen, denn die Scheibe kommt in keinster Weise überproduziert und doch ausreichend druckvoll daher. Darüber hinaus verdient alleine die Tatsache, dass Cellier das komplette Album, vom Einspielen aller Instrumente, über die Aufnahme und Produktion bis hin zum Artworkt im Alleingang erschaffen hat vollsten Respekt.

Festzuhalten bleibt, dass auch das aktuelle Belenos Werk überdurchschnittlichen Black/Pagan Metal bietet, der glücklicherweise fernab von den metgeschwängerten Eskapaden vieler Genrekollegen agiert, dem für eine noch höhere Wertung allerdings eine gewisse Eindringlichkeit in den schrofferen Passagen fehlt.

Tracklist:

  • 01. Aspedenn
  • 02. Hollved Hirisus
  • 03. Ene Kelt
  • 04. Skorn Ha Tan
  • 05. Baleerien An Are
  • 06. Gorsedd
  • 07. Mestr Ar C’hoad
  • 08. Taol-Digoll
  • 09. En Argoll

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