In der inzwischen vierten Staffel ist „Better Call Saul“ besser denn je. Die Anwalts-Serie um Jimmy McGill und seine Verwandlung zum dubiosen Saul Goodman setzt auf Bildsprache und clevere Dialoge, um die Vorgeschichte von „Breaking Bad“ zu erzählen.

Better Call Saul: Eine Anwalts-Serie, die keine ist

Better Call Saul dreht sich um den Anwalt Jimmy „James“ McGill (Bob Odenkirk), den Breaking-Bad-Fans bereits aus Breaking Bad kennen. In Better Call Saul wird Jimmys Vorgeschichte erzählt und wie der einstmals ehrliche Anwalt zum aalglatten Rechtsverdreher Saul Goodman wurde, den wir aus Breaking Bad kennen.

Better Call Saul: Eine Anwalts-Serie, die keine ist

Better Call Saul: Eine Anwalts-Serie, die keine ist

Jimmy McGill, der sein Studium an American Samoa Anwaltsschule absolviert hat, ist ein talentierter Anwalt, der gemeinsam mit seiner Langzeitfreundin Kim Wexler (Rhea Seehorn) die Anwaltskanzlei „Wexler & McGill betreibt“. In den ersten Staffeln der Serie drehte sich die Geschichte vor allem um die Beziehungen der beiden zueinander und um Jimmys Beziehung zu seinem Bruder Chuck McGill (Michael McKean), der seinen jüngeren Bruder nie als Anwalt akzeptiert hat. Das Verhältnis der beiden Brüder bietet eine Menge Konfliktpotenzial, auch weil Chuck eine seltene Erkrankung hat, die ihm beim Kontakt mit Elektronik unerträgliche Schmerzen bereitet. Jimmy, der seinen Bruder liebt, kämpft von Beginn der Serie an um dessen Anerkennung, die er jedoch nie erhält.

Viel Zeit wird auch in die alltäglichen Routinen von Jimmy, Nacho (Michael Mando) und Co. investiert. Von Kamerafahrten und Schnittsequenzen unterstrichen, begleitet der Jimmy und Kim beim abendlichen Fernsehen, folgt Nacho in seine Drogenhöhle und Bandenkämpfe und fängt Mike (Jonathan Banks) ein, wie er die Sicherheit in einem Fabrikgebäude von „Madrigal Industries“ auf Herz und Nieren prüft.

Der Plot wird langsam vorangetrieben und die Handlungsstränge der einzelnen Charaktere überkreuzen sich an unterschiedlichen Stellen. So sorgt Jimmys und Mikes Aufeinandertreffen an der Parkschranke vor dem Gerichtsgebäude immer wieder für komödiantische Momente, während Nacho in einer anderen Szene auf Mike trifft, um in einem Hinterhof einen Deal abzuwickeln.

Wann wird Jimmy zu Saul?

Während zu Beginn der Serie noch die „Cons“ von Jimmy im Vordergrund stehen, nimmt im Laufe der Serie die Beziehung zu Kim Wexler und sein endgültiges Abgleiten in die kriminelle Existenz als Saul Goodman mehr Raum ein. War es in Breaking Bad die Frage, wann Walter White endlich böse wird, ist in Better Caul Saul die Frage, wann Jimmy zu Saul Goodman wird.

Der Zwiespalt zwischen dem ehrlichen Anwaltsleben und den krummen Dingern, die „Slippin´ Jimmy“ immer wieder dreht, macht den Charme der Serie aus. Das Spannende ist die Wandlung der Charaktere, die sich wie ein roter Faden durch die ersten vier Staffeln zieht und immer wieder Wendungen und Überraschungen bietet. Das komplexe Verhältnis der Charaktere zueinander schafft dabei die größten Spannungsmomente: Wie lange wird Jimmy noch auf der moralischen Kippe balancieren und wen wird er bei seinem unvermeidlichen Fall mit sich reißen? Spannend ist das vor allem aufgrund der Komplexität der Charaktere.

Komplexe Charaktere

Jimmy und Walter White, der Protagonist der Mutterserie, sind sich in ihren grundlegenden Charakterzügen gar nicht so unähnlich. Ausgrenzung und Minderwertigkeitskomplexe gehen bei beiden Charakteren ebenso Hand in Hand wie die wiederholten Schicksalsschläge, mit denen sie sich im Laufe der Serien befassen müssen. Genauso haben Jimmy und Walter die größte Mitschuld an ihrem Versagen – wie Walter White das Geschäft mit den Drogen schließlich nur noch aus eigenem Ego betreibt, fällt Jimmy immer wieder in seine Trickbetrügereien zurück und gefährdet damit seine Existenz als rechtschaffener Anwalt.

Gleichzeitig streut Better Call Saul immer wieder Ausblicke in die Zukunft von Jimmy ein. In diesen kleinen Snippets, die in der Zeit nach Breaking Bad spielen, erfährt der Zuschauer, wie es für Saul Goodman nach seiner Flucht aus Albaquerqe weitergeht und mit welchen Schwierigkeiten er unter seiner neuen Identität „Gene“ zu kämpfen hat. Geschickt verbindet die Anwalts-Serie die verschiedenen Zeitebenen und stellt Parallelen zwischen Jimmy McGill, Saul Goodman und Gene her.

Bildsprache statt Cliffhanger

In Sachen Cinematographie knüpft Better Call Saul nahtlos an Breaking Bad an. Die triste Architektur New Mexicos wechselt sich mit öden Landstrichen und grauen Kellerräumen ab, in denen sich Mike, Gus und immer wieder auch Jimmy treffen, um Pläne für ihre kriminellen Machenschaften zu schmieden.
Die cleveren Schnitte und die liebevoll kreierten Montagen zählen zu den Markenzeichen der Serie, die sich durch ihr ruhiges Erzähltempo von ihrem großen Bruder abgrenzt. Doch auch Action gibt es in Better Call Saul, wenn auch in kleinen Dosen und geschickt eingestreut. Auf Twists verzichten die Serienmacher Peter Gould und Vnce Gilligan in ihrer Erzählkunst nicht vollständig – sie werden jedoch sorgsam aufgebaut.

Better Call Saul lebt von den Dialogen und der Bildsprache. Wo andere Serien das Auseinanderdriften von Jimmy und Kim als Cliffhanger genutzt hätten, findet die Trennung der Anwälte in Better Call Saul in Form einer Montage statt. Der Zuschauer muss das Gesehene selbst interpretieren und eigene Schlüsse ziehen. Das macht auch das Miträtseln so spannend, denn immer wieder werden subtile Hinweise eingestreut, die viel über den Fortgang der Handlung verraten – sei es eine Dialogzeile, die sich später als wichtig entpuppt oder eine Kameraeinstellung, die essenzielle Charakterzüge der Figuren unterstreicht.

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Ein Wiedersehen mit alten Bekannten

In Better Call Saul gibt es ein Wiedersehen mit vielen Charakteren, die wir in Breaking Bad kennengelernt haben. Die wichtigste Nebenfigur ist Mike Ehrmanntraut, der in Better Call Saul die zweite Hauptrolle übernimmt. Better Call Saul erzählt die Geschichte des kriminellen Ex-Cops, der im Laufe der Serie alte Rechnungen begleicht und mit wichtigen Figuren zusammentrifft, mit denen er später das Meth-Imperium aufbaut. Neben Tuco Salamanca und Krazy 8 tauchen im Laufe der Serie weitere bekannte Figuren aus dem Breaking-Bad-Universum auf, deren Enthüllung für Breaking-Bad-Fans jedoch eine Überraschung bleiben soll.

Ausstrahlung von Better Call Saul

Die aktuelle vierte Staffel beschäftigt sich eingehend mit Jimmys einjährigem Berufsverbot als Jurist. In anderen Handlungssträngen gibt es die Hintergrundgeschichte eines berühmt-berüchtigten Drogenlabors und Nachos erbitterte Versuche, sich aus dem kriminellen Leben zu befreien.
Better Call Saul läuft seit Februar 2015 auf AMC. In den USA läuft aktuell die vierte Staffel von Better Call Saul. Die Macher planen mindestens fünf Staffeln, in denen die Vorgeschichte von Jimmy McGill abgehandelt werden soll. Die Verlängerung der Serie um eine fünfte Staffel fand im Juli 2018 statt. Sollte AMC den aktuellen Ausstrahlungsrhythmus beibehalten, ist mit einer Ausstrahlung im Juli oder August 2019 zu rechnen.
In Deutschland ist die Serie auf Netflix zu sehen. Die neuen Folgen sind jeweils am Tag nach der US-Premiere im Originalton und auf Deutsch verfügbar.

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Autor: Flix K.


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