The Truth. Ein brutal ehrliches, unerwartet unverschnörkeltes und erschreckend geordnetes neues Album der fünf Amis, die mit ihrem Vorgängeralbum „This is love this is murderous“ nun endlich auch in Europa ihren Durchbruch geschafft haben. Die Band, deren Wurzeln ursprünglich im Hardcore-Bereich liegen, ordnet sich mittlerweile selbst dem sowohl von Metalern wie auch von Vertretern des Hardcore meiner Meinung nach zu unrecht kritisch beäugten Begriff des Metalcores zwischen Bands wie Killswitch Engage und Hatebreed ein. Genau genommen handelt es sich bei der Musik dieser Band auch tatsächlich um eine Mischung aus Metal und Hardcore, auch werden Einflüsse aus dem Crossover-Bereich deutlich und als kleines Bonus für den geneigten Freund des Dramatischen eine Prise atmosphärischer Synthiesounds aus Martas Händen.

Den Tenor des Werkes kündigt Frontmann Brandan Schieppati schon eindrucksvoll mit den ersten Takten des Openers an. Straighter, brachialer und abwechslungsreicher ist es geworden und dank des unverblümten Ausdrucks der Songtexte büßt „The Truth“ auch nicht an Härte gegenüber dem Vorgänger ein, wie nach dem Erfolg desselben durchaus hätte erwartet werden können. Lediglich eine Ausnahme stellt die Ballade „Line in the Sand“ dar, die man durchaus auch so auf der Scheibe einer Band finden könnte, die weder etwas mit Metal noch mit Hardcore am Hut hat, was den Song allerdings nicht schlechter macht. Vielmehr lässt er den Hörer nur noch erstaunter über die musikalische Wandlung und Weiterentwicklung der Band zurück.Textlich geht es wie gewohnt um enttäuschte oder zerbrochene Liebe. Höhepunkte des Albums sind für mich jedenfalls die brachiale „Confession“, die die erbarmungslose Wahrheit über so manchem bekannte Gefühle nicht schwulstig und schnulzenmäßig verpackt sondern mit fast schon schmerzhafter Ehrlichkeit rüberbringt. Ebenfalls überzeugen kann der melodische Opener „For Love and Failing“ und mit „Line in the Sand“ gelingt der Band in diesem Fall der notwendige Feinschliff besser als beim Vorgänger. Die durch das Keyboard erzeugte gothicmäßige Stimmung des Vorgängers kann mit „The Truth“ allerdings nicht mehr erreicht werden, leider, dennoch besticht dieses Album mit ausgefeilten und konzeptionierteren Songs.Ein deutliches Minus stellen allerdings die zahlreichen clean gesungenen Passagen dar. Man mag ja eine Verbesserung der Stimme, die den Shouts im Übrigen trotzdem noch um einiges nachsteht, feststellen können. Allerdings erscheint die Art und Weise der Verwendung hier völlig unpassend, wie zum Beispiel in „Dearly Demented“ eindrucksvoll dargestellt. Was für Balladen in Ordnung ist, gehört einfach nicht überall hin. So sind Bleeding Through stellenweise gar nicht wiederzuerkennen und wirken zu geplant und sauber. Da hat mir – so muss ich gestehen – das Konzept vom nicht vorhandenen Konzept doch besser gefallen.Nichtsdestotrotz ein solides, starkes Album, womit sich Bleeding Through einer breiteren Zielgruppe zugänglich machen. Ein kleines Schmankerl für Freunde ästhetischer und trotzdem schockierender Kunst gibt es übrigens noch obendrauf. Das schwarz-weiß gestaltete Booklet in typischer Bleeding Through-Manier ist so schon ein Kunstwerk für sich!Fazit: Daumen hoch, aber keine volle Punktzahl für die Wahrheit!