Wertung: 9 von 10

“Okkult Rock/Metal”: Dieses seit dem Debüt “Witchcraft” von Coven im Jahr 1969 auf der Landkarte der Rockmusik verortete Genre (ja, die waren sogar noch vor Black Sabbath!) erlebt zurzeit eine prächtige Renaissance. Schuld daran sind die Holländer von The Devil’s Blood, die seit Ihrer Debüt-EP “Come, Reap” vor drei Jahren als Szenevorreiter gelten dürfen. Nun also das zweite Album der Kanadier Blood Ceremony, die sich ebenfalls dieser Art von Musik hingeben.


Die Parallelen zu TDB? Einmal natürlich die musikalische Ausrichtung an sich und desweiteren die Tatsache, dass hier mit Alia O’Brien ebenfalls ein weibliches Wesen für die Leadvocals verantwortlich zeichnet. Dieses ist im Booklet sowie auf Promofotos erst mal immer eine tolle Sache, weil diese ganz und gar nicht hässliche Person schon mal ein Pfund ist, mit dem man aus Werbezwecken seitens der Plattenfirma wuchern kann.

Aber auch, wenn man mal die hormonellen Einflüsse bei der Bewertung der Musik versucht wegzulassen (was mir als Mann naturgemäß nicht so ganz leicht fällt) muss man konstatieren, dass Frau O’Brien eine wahrlich beeindruckende Stimme hat, welche über reichlich Volumen und Tiefe verfügt. Da man dies von Farida, der Sängerin der allmächtigen The Devil’s Blood, nicht uneingeschränkt behaupten kann, sind die Kanadier schon mal leicht im Vorteil.

Und die Songs? Tja, da kann ich nicht anders als ein lautes „Chapeau!“ zu krächzen!

Ich höre mir grade beim Verfassen dieser Zeilen zum geschätzt 25ten mal das Album an und hätte nicht gedacht, dass meine Begeisterung noch größer werden könnte, als sie es schon beim fünften Durchhören war.

Zu behaupten, dass The Devil’s Blood mit “Living With The Ancients” vom Koch zum Kellner degradiert worden sind, ist wohl eine Aussage mit nicht grade geringem Wahrheitsgehalt. Hier stimmt einfach alles: Die Atmosphäre der Songs, deren Zusammenstellung und Reihenfolge auf dem Album, das vorhandene Hitpotenzial sowie die sehr lebendige Produktion von Sanford Parker.

Die Texte mit ihren wahrlich “okkulten” Inhalten (Hexentänze und andere lustige Rituale) ergänzen die Musik perfekt, aber selbst wenn man kein Wort Englisch versteht, spürt man aufgrund der tranceartigen Wirkung der Lieder sofort, dass die Musik von geheimen und verbotenen Dingen handeln muss.

Als besonders effektiv erweist sich hier der Einsatz von Querflöte und Orgel, da diese Instrumente die Stimmung perfekt unterstreichen (und mir überaschenderweise nicht auf den Sack gehen) und dafür sorgen, dass man sich vorkommt wie ein Protagonist in “Rosemarys Baby” bzw. “The Omen”.

Songs, die man gehört haben muss? Eigentlich alle, aber um mal ein wenig spezifischer zu werden:

“The Great God Pan”: Passt auch als Titel treffend, da dieser pelzige Bursche natürlich sofort mit Flöteninstrumenten in Verbindung gebracht wird (Panflöte anyone?).

Dann natürlich der rockigste Song des Albums, “My Demon Brother”, sowie “Night of Ogury”, welches durch den exzessiven Orgeleinsatz eine ganz besondere Stimmung entfaltet.

Ihr absolutes Meisterstück haben sich die Kanadier aber für den Schluss des Albums aufgehoben: Das zehnminütige “Daughter Of The Sun” ist an Intensität kaum zu überbieten und liefert mit dem Break nach viereinhalb Minuten den geilsten Ausrastmoment der jüngeren musikalischen Vergangenheit!

Ich wäre in meinem momentanen Zustand eigentlich versucht, hier die Höchstnote zu zücken. Aber dieses Album auf eine Stufe zu stellen mit “Piece Of Mind”, “De Mysteriis Dom Sathanas” oder “Seasons In The Abyss” und es somit zu einem Jahrhundertklassiker zu adeln, traue ich mich dann doch nicht. Davor muss erst mal der Test Of Time bestanden werden und ich denke, mein endgültiges Urteil zu “Living With The Ancients” werde ich Euch dann in 15-20 Jahren mitteilen können.

Bis dahin also!

Trackliste:

  • 01. The Great God Pan
  • 02. Coven Tree
  • 03. The Hermit
  • 04. My Demon Brother
  • 05. Morning Of The Magicans
  • 06. Oliver Haddo
  • 07. Night Of The Ougury
  • 08. The Witch’s Dance
  • 09. Daugher Of The Sun
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