Am 23.-24.07.2010 ging das Boarstream Open Air in die dritte Runde. Geplant sind 17 Bands, die die Bühne in Buchenbach in Schutt und Asche legen sollen. Es gibt kostenlose Camping- und Parkplätze direkt neben dem Festivalgelände. Da es ein Vorzeigefestival für den Underground bleiben soll wird in 2010 das Kartenkontingent auf 666 Stk. gedeckelt sein. Also schnell die Tickets sichern und ein unvergessliches WE erleben.

Bands: Cateia, Darkness Ablaze, Defloration, Enthroned, Excrementory Grindfuckers, Fleshless, Ivenberg, Mental Amputation, Milking the Goatmachine, Mor Dagor, Rompeprop, Schattenreich, Spectral, Svartsot, Sycronomica, Thormesis, Thorondir, XIV Dark Centuries

Boarstream Open Air 2010 – Freitag, 23.07.2010

Boarstream Open Air 2010

Boarstream Open Air 2010

Dank einiger Staus kamen wir erst recht spät am Freitag Abend an, darum ging es für uns erst mit dem ersten Highlight des Wochenendes los: Fleshless. Diese boten mit exzellentem Death/Grind eine souveräne Show, technisch verspielte Riffs und brutales Gebolze gaben sich die Klinke in die Hand, wobei mich die deathigen Parts an Genregefährten wie Gorefest und Kataklysm erinnerten.

Ein wenig später schickten sich Milking The Goatmachine an, noch einen draufzusetzen. Sie präsentierten ihre Interpretation des Grindcore, genannt Goatgrind. Natürlich durften dafür notwendige Utensilien wie Ziegenmasken keinesfalls fehlen. Geboten wurde treibender Grindcore der feinsten Schule, überwiegend im Midtempo gehalten, mit vielen Anspielungen auf etablierte Größen, wie das Cover „Surf Goataragua“ erahnen lässt.

Boarstream Open Air 2010 – Samstag, 24.07.2010

Am Samstag ging es dann für mich weiter mit Thorondir. Ob der frühen Stunde und des schlechten Wetter war vor der Bühne noch nicht viel los, wobei Thorondir leider auch nicht viel daran setzten, dies zu ändern. Die durchaus partytaugliche Mischung aus Pagan- und Black Metal hätte im Grunde das Zeug dazu gehabt, auch das musikalische Konzept mit drei Gesängen, aber leider vermochte das nicht vorhandene Stageacting und die damit verbundene fehlende Show nicht, die Stimmung vor der Bühne zu heben. Sehr schade.

Ein nächster Pflichttermin stand dann zu Defloration an. Leider war trotz des mittlerweile besseren Wetters immer noch nicht viel vor der Bühne los, aber diejenigen, die gekommen waren, hatten ihre helle Freude. Defloration wussten mit ihrem Deathmetal mit leichten Grindanleihen zu überzeugen, der Mob tobte, auch wenn die Bühnenshow ein wenig zu wünschen übrig liess. Als Entschuldigung dafür sollte ihnen aber die hohe Komplexität der Riffs zugute gehalten werden, die sie technischer sauber und abgeklärt auf die Meute losgelassen haben.

Anschließend gaben sich Mental Amputation die Ehre. Sie waren für Asenblut eingesprungen, die eigentlich für Svartby spielen sollten, aber das ist eine andere Geschichte. Mental Amputation jedenfalls boten rohen, ungeschliffenen Death/Thrash mit einer Spur Melodie. Herausragend war vor allem die einzigartige Stimme des Sängers Bernd Kombrink, der auch für Apophis am Mikro steht.

Mit Mor Dagor ging es dann musikalisch in eine andere Richtung, es war Zeit für Black Metal. Leider war der Sound etwas drucklos und undifferenziert und der Gesang für meinen Geschmack etwas sehr eigenwillig, jedoch brachten Mor Dagor im Vergleich zu den bisherigen Bands dieses Tages endlich mehr Energie auf die Bühne und lieferten eine mehr als gute Show ab.

Der nächste Punkt auf der Tagesordnung waren XIV Dark Centuries. Vermutlich stieg der Bierkonsum zu diesem Zeitpunkt rapide an, denn der dargebotene melodische Paganmetal hatte durchaus Schunkelpotential. Fans von Bands wie Ensiferum oder Black Messiah kamen voll auf ihre Kosten. Interessant war vor allem die Kombination aus Black Metal-artigen Screams und cleanem, getragenem Gesang.

Rompeprop schlugen dann wieder in eine ganz andere Richtung. Klischeebehafteter Goregrind inklusive Stimmverzerrer und Kunstblut, das volle Programm. Und das in einmaliger Aufstellung:

Menstrual Mummy gab sich am Bass die Ehre, das legendäre Urlineup war für einen Auftritt wieder hergestellt – und die Menge zollte tosenden Tribut! Der groovige Goregrind schlug ein wie eine Bombe und spätestens zu „Vaginal Luftwaffe“ stand kein Stein mehr auf dem anderen.

Leider eroberten nach und nach die Fans die Bühne, wobei unter anderem der besagte Stimmverzerrer einige Blessuren hinnehmen musste, was zwar der Stimmung im Publikum keinen Abbruch tat, jedoch augenscheinlich der Stimmung der Musiker.

Nun war es Zeit für den großen Headliner des Festivals: Enthroned aus Belgien. Und diesen Posten hatten sie sich wahrhaftig verdient. Black Metal der höchsten Schule tönte aus den Boxen und auf der Bühne war eine Show der Extraklasse zu beobachten, natürlich mit obligatorischem Corpsepaint und allerlei weiteren Klischees. Das Festivalgelände war bis auf den letzten Platz gefüllt, eine Atmosphäre die dieser Band würdig war, ein wirkliches Highlight.

Den Abschluss bildeten die Excrementory Grindfuckers. Leider hatten sich die Reihen etwas gelichtet, was sicher auch den klirrend kalten Temperaturen zuzuschreiben war. Die Grindfuckers gaben dennoch alles, um die Zuschauer zu unterhalten, was ihnen offensichtlich auch gut gelang, denn Party war ohne Ende vorhanden. Auch wenn Rufus leider fehlte und sich somit hier und da der ein oder andere Patzer eingeschlichen hatte, boten die Grindfuckers eine gewohnt exzellente Show mit einem bunten Mix aus alten Klassikern und Songs des neuen Albums. Auch dem Wunsch nach Zugaben wurde nachgekommen, ein würdiger Abschluss dieses Festivals.

Zusammenfassend war selbiges eine wirklich gelungene Veranstaltung mit vielen wirklich guten Bands und nahezu durchgehend gutem Sound, aber auch einigen Schwachstellen und Absagen und nicht ganz optimalem Festivalwetter. Der Vorverkaufspreis war mit 23€ im Vorverkauf wirklich günstig bemessen und auch die Preisstruktur auf dem Festivalgelände war mehr als human, ein wirklicher Preis/Leistungs-Sieger. Hervorheben möchte ich die Verköstigung mit regionalen Köstlichkeiten wie Maultaschen mit schwäbischem Kartoffelsalat.

Ein großes Lob möchte ich auch den Veranstaltern und Helfern aussprechen, die wirklich alles gegeben haben, dass dieses Festival zu einem wirklichen Highlight wird. Die Security war sehr freundlich, abhanden gekommene Presseausweise wurden anstandslos ersetzt, das war wirklich ganz großes Kino!

Excrementory Grindfuckers – Bitte nicht vor den Gästen

Zunächst einmal aber fiel mir die völlig genreuntypische aber Excrementory Grindfuckers typische Länge des Tonträgers auf, diese beläuft sich auf gewaltigen 80 Minuten und 36 Songs + Hidden Track. Das ist zwar nur die Hälfte vom 2004er „Fertigmachen Szeneputzen“, aber nicht weniger geil. Was soll man aber über die Musik sagen? Es fällt mir schwer ein pauschales Urteil zu fällen.

Wie üblich findet man diverse altbekannte Melodien, in Grindcoreversion gespielt. Da wären zum Beispiel „Nur Geträumt“, „Die Wanne ist voll“, „Saturday Night Fever“, „Vielen Dank für die Blumen“ und so weiter. Immer mit mehr oder weniger getreuen Texten und diese Songs heißen auf Grind dann „G.Träumt“, „Die Wanne“, „Playing A Grind“ oder „Vielen Dank für den Grind“. Mein persönlicher Favourite war dann aber das „Kleiner grüner Kaktus“ Cover „Im Bunker“. Unbeschreiblich, was die Fuckers aus diesem Comedian Harmonists Klassiker gemacht haben, völlig neu getextet und richtig schön „gegrindet“. Und eben in 53 Sekunden runtergerissen. Das geniale an diesen Songs ist, das wirklich jeder erkennen kann, welcher Song denn nun in 3 – 6 fachem Tempo auf die Schippe genommen wird.

Wirklich ernst kann man den Rest auch nicht nehmen, die Jungs machen sich einfach über alles lustig, was im Moment zur Musik gehört, sei es der Herr Bertelsmann, der im Intro den Notstand ausruft, da die Grindfuckers wieder da sind, sei es ein Techno-Grind Stück, ein HipHop Song oder eben das grassierende Trve-Sein im Metal, alles kriegt was von den Grindfuckern ab und das macht Spaß. Teilweise erinnern mich die Jungs an den großen, bösen Bruder von J.B.O., die zugegebenermaßen viele der Themen oder Songs schon vor 3-4 Jahren mal anders veröffentlicht haben, das tut aber nichts am Einfallsreichtum, den dieser Tonträger mitbringt. Wenn es so was wie Fun-Grindcore geben sollte, diese Band hat ihn spätestens hiermit begründet. Das heißt aber nicht, das der Liebhaber von massiven Gitarrenwänden und hämmernden Basedrums zu kurz kommt, der muss sich nur auf genügend Lacher bereit machen. Ansonsten wird der Grindfan bedient und kann ohne schlechtes Gewissen zugreifen.

Was den Wiederhörfaktor angeht, da legt dieses Album die Latte schon ziemlich hoch, grade wegen dieser abwechslungsreichen Songs hört man gern wieder rein und hat immer noch Spaß und es wird nicht langweilig. Es gibt nicht viel, was ich an diesem Album auszusetzen hätte, und daher spar ich mir auch das krampfhafte Suchen. Ein gutes Album muss man ja nicht künstlich schlecht machen. Ich vergebe 4,5 Gitarren. Das liegt auch nur daran, das ich den HipHop Song Ghettoblaster irgendwie fehl am Platz finde und Kniggebashing arg pubertär wirkt, aber ansonsten ist Bitte nicht vor den Gästen ein überragendes Album.

Fleshless – Hate is born

Schon mit „Lifetime Mayhem“ wird losgeballert was das Zeug hält und es lässt nicht nach. Ziemlich brutale Vocals, welche mit Gelegentlichen Pig-Squeals angereichert werden, blastende Drums und kranke Gitarren vergewaltigen das Trommelfell bis aufs Äußerste und hinterlassen nur Schutt und Asche.

Leider ist die Scheibe nicht sonderlich abwechslungsreich, sodass alles in sich zusammenfließt und wie ein langer Song klingt.

Ok, bei „The Flayed Ones“ wird eine Ausnahme gemacht, indem ein meiner Meinung nach ziemlich geiles Intro den Song beginnen lässt und eine sehr bekannte Melodie mit Knüppelparts vereint wird.

Nunja, so viel kann man zu dieser CD nicht sagen, außer dass es Geballer der brutalen Sorte ist, aber leider keine große Abwechslung vorhanden ist.

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Autor: ArchiVader


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