Nachdem der Sommer 2013 anscheinend beschlossen hat, doch noch vorbei zu schauen freue ich mich umso mehr, dass ich dieses Wochenende endlich in die lang ersehnte Festivalsaison starten darf.


Und was wäre für einen solchen Start besser geeignet als ein kleines gemütliches Festival mit familiärem Flair. So packe ich also meine Sachen und mache mich auf den Weg zum Break the Ground Festival nach Ahnsbeck bei Celle. Das Break the Ground geht dieses Jahr bereits in die fünfte Runde. Und das ist für ein Festival dieser Größe (geschätzt ca. 1000 Besucher) sehr beachtlich. Schießen doch seit einigen Jahren die Festivals wie Pilze aus dem Boden, nur um ein bis zwei Jahre wieder zu verschwinden.

Donnerstag:

Als ich am Donnerstag ankomme schaffe ich es gerade noch mein Zelt trocken aufzubauen, bevor es anfängt zu regnen. Und es soll auch den ganzen Abend nicht mehr so recht aufhören. Das ist natürlich extrem ärgerlich für Vader, den Headlinern des ersten Abends. In strömendem Regen spielen die motivierten Polen heute vor vielleicht 100 Nasen, die den Wassermassen trotzen. Der Sound ist durchaus annehmbar und die düster schaurige Show kommt bei den wenigen Zuschauern gut an. Wetter kann manchmal ein echtes Arschloch sein. Glücklicherweise ist für Freitag und Samstag deutlich besseres Wetter gemeldet.

Freitag:

Den Anfang am Freitag machen die Gewinner der Newcommer Contests Shotgun Justice aus Peine. Auch wenn die Uhr bereits 16.00 Uhr anzeigt, ist es auf dem Festivalgelände noch relativ leer. Schade eigentlich, denn die Jungs machen eine gute Show und haben das Publikum mit ihren knalligen Rocknummern schnell im Griff. Soundmäßig geht jedoch einiges daneben. Zu Anfang übertönen Rückkopplungen immer wieder die Musik und teilweise fehlte die linke Gitarre vollständig. Zum Ende des Gigs wird der Sound dann etwas besser und die Musik wird einen ticken härter. Alles in allem aber ein gelungener Gig.

Auf die darauf folgenden Gloryful bin ich besonders gespannt, denn ich hatte im Vorfeld bereits viel Gutes über die Band gehört und auch einige Stücke hören dürfen. Und ich werde nicht enttäuscht. Der klassische 80er Jahre Heavy Metal mit Manowar Einschlag kommt beim Publikum sehr gut an. Die Gitarren kommen kraftvoll aus den Boxen und Sänger Johnny La Bomba überzeugt durch seinen großen Stimmumfang. Der Sound ist ebenfalls um einiges besser geworden. Und so verwundert es nicht, wenn es zum Ende des Gigs die ersten „Zugabe“ Rufe gibt.

Macbeth geben dann richtig Gas. Direkt beim Opener fliegen die Matten und es wird gebangt was das Zeug hält. Die Auswahl der Stücke beschränkt sich weitgehend auf die beiden letzten Alben „Gotteskrieger“ und „Wiedergänger“. Besonders hervorzuheben ist hier die großartige „Stalingrad“ Trilogie, die von der Band sehr emotional und gekonnt komplett vorgetragen wird. Ein klasse Auftritt.

Aber kommen wir nun zu Grand Magus, dem Headliner des Abends. Allein die Tatsache, dass die Schweden extra für das Break the Ground nach Deutschland kommen kann schon mal als Ritterschlag gewertet werden. Und so wundert es auch nicht, dass nun das Gelände zum ersten Mal gut gefüllt ist. Und die Leute vor der Bühne sollen nicht enttäuscht werden. Der Sound ist einwandfrei, die Lichtshow sorgt für eine leicht melancholische Stimmung und die Spielfreude der Band lässt nichts zu wünschen übrig. Die Stücke vom neuen Album „The Hunt“ und im Besonderen das düster schaurige „Vallhalla Rising“ kommen beim Publikum richtig gut an. Und als Sänger Janne Christoffersson im kurzen Zugabablock dann „Hammer of the North“ anstimmt geben noch einmal alle alles und sind durchweg zufrieden und glücklich. Ein super Auftritt von einer klasse Band.

Den Rausschmeißer-Slot haben heute Epitome. Mit ihrem durch Synthies untermalten Metalcore treten sie ziemlich Arsch und machen ihre Sache richtig gut. Technisch einwandfrei gespielt und mit großem Enthusiasmus heizen sie den verbliebenen Metallern noch einmal ein. Auch wenn der Platz schon ziemlich leer ist geht es noch mal richtig ab. Einen so heftigen Mosphit wie hier hat es den ganzen Tag noch nicht gegeben und auch die Wall of Death funktioniert vergleichsweise gut. Was ich aber nicht so ganz verstehe ist das Gelaber des Sängers über seine Mutter. Naja, ist ja auch schon spät.

Samstag:

Nach einem leckeren Frühstück und einem guten Morgen Bier beginnt mein heutiger Tag mit den Thrashern von Eradicator aus dem Sauerland. Die noch relativ junge Band fühlt sich auch der Bühne sichtlich zu Hause und macht eine gute Show. Außerdem haben sie bereits zusätzliche Sympathiepunkte durch ihren kurzen Besuch auf dem Campground gesammelt. Der Sound ist wieder einmal einwandfrei und die Stimmung ist bereits sehr gut. Highlight ist dann das „Tormentor“ Cover von Slayer. Weiter so.

Bei Contradiction schlägt dann der Wettergott unbarmherzig zu und sendet ein mächtiges Schauer, just als die Jungs ihre Show beginnen. Dementsprechend ist es vor der Bühne relativ leer und es will nicht so recht Stimmung aufkommen. Nichts desto trotz rockt die Band gekonnt ihre kraftvolle Mischung aus Thrash und Death Metal runter und sieht dabei richtig gut aus. Zum Ende des Gigs kommt dann auch noch mal die Sonne raus und vor der Bühne wird es wieder etwas voller.

Auch President Evil heizen uns bei strahlendem Sonnenschein mit ihrem rotzigen Rock’n’Roll mächtig ein. Insbesondere der Gesang überzeugt durch seine Vielfältigkeit. Mal klingt es ein wenig nach Volbeat, dann wieder mehr nach Type O Negative. Und insgesamt fühlt man sich auch immer wieder an Motörhead erinnert. Sehr ordentlich.

Dann wird es musikalisch ein ganzes Stück düsterer, denn The Vision Bleak betreten die Bühne. Der atmosphärische Metal mit Einflüssen aus Gothic, Doom Metal und Symphonic Metal klingt zunächst ziemlich interessant und vielschichtig. Auf Dauer wird es ganz schön anstrengend. Das sehen auch die meisten Besucher so und so wird es vor der Bühne wieder etwas leerer. Negativ fällt auf, dass die Band ca. 20 Minuten überzieht. Geschmackssache.

Als nächstes sind dann die Power Metaller von Orden Ogan dran. Und die machen eine richtig gute Show. In ihrer Endzeit Kluft aus alten Motorradteilen und Protektoren lassen sie einen Stampfer nach dem nächsten raus und füllen damit ihre 75 Minuten Spielzeit bestens aus. Langeweile Fehlanzeige. Das Publikum geht von Anfang an mit und feiert die Arnsberger ordentlich ab. Highlights sind das melodische „We are pirates“ und „The things we believe in“ bei welchem das Publikum seine Gesangskünste unter Beweis stellen kann.

Den Headliner-Slot am Samstagabend füllt niemand geringeres als Sodom. Und wie es einem echten Metal-Schwergewicht gebührt rocken die Ruhrpott Originale mal wieder in bester Thrash Manier alles kaputt. Für zusätzlichen Spaß sorgt Tom Angelripper, als er beim Motörhead Cover „Iron Fist“ erst einmal sein Mikro in gefühlte drei Meter Höhe schraubt, bevor er anfängt zu singen. Von vorne bis hinten gibt es hier nichts zu meckern. Neu-Schlagzeuger Markus Freiwald fügt sich bestens ins Bandgefüge ein und auch Tom und Bernie machen eine gute Figur. Sodom zockt heute eine buntes Best-of Program mit vielen Klassikern. Einfach immer wieder gut.

Den Abschluss des Festivals machen dann die Death Metaller Damnation Defaced, die sich sehr bemühen und technisch sehr versiert sind. Aber irgendwie kann ich dem Ganzen nicht wirklich viel abgewinnen. Es wirkt etwas zu überladen und konfus. Dennoch wird auch diese Bands von ihren Fans gefeiert und so geht ein wunderbares Festival gegen ca. 2.00 Uhr zu Ende.

Fazit

Insgesamt kann man dem Break the Ground Festival nur gratulieren. Wenn ein Festival dieser Größenordnung es schafft, so viele und hochkarätige Bands zu verpflichten, dann zeugt das von viel Herzblut und einer guten Organisation. Dazu kommt noch die extrem familiäre Atmosphäre, welche das Break the Ground zu einem ganz besonderen Erlebnis macht. Man fühlt sich wie auf einer großen Metaller Gartenparty. Dies zeigt sich im sehr freundlichen Umgang des Personals mit den Gästen, einem kompetenten Auftretens aller Organisatoren und auch an den absolut fanfreundlichen Preisen. So soll es sein.

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