Wertung: 9 von 10

Deutschsprachige Musik der etwas härteren Gangart? Da fällt einem spontan neben Rammstein, den ehemaligen Onkelz und vielleicht noch Eisregen erst mal nicht viel ein. Zu Unrecht, denn eine der besten, wenn nicht die beste Band wird häufig übersehen: Callejon!


Nachdem Narziss vor zwei Jahre ihre letzten Konzerte spielten sind deutsche Texte im Metalcorebereich eine absolute Seltenheit geworden. Dass das zu bedauern ist beweisen Callejon seit mittlerweile zehn Jahren und übertreffen sich mit ihrem vierten Longplayer, „Blitzkreuz“, selbst. Dabei ist die Grundaussage des Albums, trotz deutlich mehr emotionaler Lieder, die Aufforderung zur Rebellion geblieben. Man solle nicht ständig mit dem Strom der anderen mitschwimmen wollen, sondern stets das verfolgen, was einen selbst glücklich macht. Dies scheint der Band in den letzten Jahren mehr denn je gelungen zu sein!

Dabei beginnt „Deutschlands feinster Metalcore-Export“ deutlich brachial, erinnert beinahe schon an „Neue Deutsche Härte“, wenn sie den Hörer mit dem Albumtitel gebendem Track „Blitzkreuz“ in der Sackgasse (übrigens spanisch: Callejon) ihres eigenen Lebens willkommen heißen („Willkommen in der Sackgasse, willkommen in der Realität. Willkommen in eurem Leben (…)“). Auch Track zwei mit dem Titel „Cajote Ugly“ schmeißt einen vom Sofa und fordert nicht nur zum Bewegen, sondern der sehr eingängige Refrain auch zum Mitsingen auf.

Erstmals ruhigere Töne werden mit „Meine Liebe“ angestimmt, ein Phänomen, das sich auch bei „Vergmissmeinnicht“ und „Bevor du gehst“ wiederfinden lässt. Allerdings ist keiner der folgenden Songs so stark in Richtung „Popsong“ ausgelegt worden. Auch insgesamt fällt auf, dass auf diesem Album deutlich mehr clean-vocals Einzug gehalten haben ins Basti´s Gesang, was der Qualität des Albums aber keineswegs schadet. Im Gegenteil, es ist eine unglaubliche Variation geschaffen worden, verfeinert mit dem bereits aus den Vorgängeralben bekannten, gelegentlichen Einsatz von Synthesizern.

Auch ein offensichtlich sozialkritischer Song schaffte es aufs Album, für mich persönlich einer der (vielen) Höhepunkte des Albums: „Atlantis“! Wird man zumindest vorgewarnt und gefragt „Seid ihr bereit? Für dieses Lied?“, bricht der Song kurz darauf mit einer gewaltigen Energie los und melodische Gitarrenriffs begleiten die Anklage an den Umgang mit der Atompolitik, den Lobbyismus, das zu schnelle Vergessen und das wieder nichts passiere.

Mit deutlichem Augenzwinkern folgt „Porn from Spain 2“, der Nachfolger des auf dem „Zombieactionhauptquatier“-Album erschienenen ersten Teils. Dabei folgt man textlich dem Vorgänger und kritisiert die heutige Popkultur bis aufs Blut, hält ihr den Spiegel vor und übersetzt auch einfach mal englische Zeilen ins Deutsche um zu beweisen, wie lächerlich diese eigentlich sind. So mutiert beispielsweise Lady Gaga´s „Love Game“ („I wanna take a ride on your disco stick”) einfach zum Refrain des Songs (“Wollt ihr nen Ritt auf meinem Diskostick?“). Außerdem werden mal eben der Madsen-Chef Sebastian ans Mikro und Mr. Mille Petrozza (Kreator) an die Gitarre gebeten. Und auch der erneute Gastauftritt der Jungs von K.i.z. durfte nicht fehlen. Zugegeben, ich bin kein großer Fan der K.i.z.-Rapper, aber was die diversen Musiker dort an unterschiedlichen Musikgenren zusammentackert haben geht einfach tierisch ab und die Message kommt rüber!

Wie bereits erwähnt wird es dann mit „Bevor du gehst“ sehr viel ruhiger, angesichts des Hintergrundes von diesem Song allerdings angebracht und die Emotionalität des Stückes gleicht jede fehlende Härte wieder aus. Stürmischer wird es wieder mit „Polar“, bevor mit dem Song „Was bleibt seid ihr“ ein dickes, fettes Danke an alle Fans („die besten der Welt“, natürlich! 😉 ) gerichtet wird. Das Album nähert sich seinem Ende mit einem sehnsuchtsvollem Blick in die Ferne („Bring mich fort“), welches dank Casper leider nicht den noch treffenderen Titel „Auf und davon“ bekommen sollte. Bis zum Schluss wird das Variieren beibehalten und mit „Kind im Nebel“ ein sehr ruhiger Schlusspunkt geschaffen.

Zusammengefasst kann man nur sagen: WOW! Das über ein Jahr an dem Album gearbeitet wurde ist deutlich hörbar. Auch die Zusammenarbeit mit dem Produzenten Colin Richardson, der unter anderem schon mit As I Lay Dying, Machine Head, Bullet For My Valentine, Slipknot etc. zusammen gearbeitet hat und dieses Album abmischte, war mehr als lohnenswert. Zwar werden die „Standartmetaller“ dem Album eher ablehnend gegenüber stehen und eventuell wird auch der ein oder andere Metalcorefan von dem insgesamt etwas ruhiger gehaltenem Klängen des neuen Albums abgeschreckt sein, aber insgesamt überzeugt es (mich) einfach auf ganzer Linie! Dass die deutschen Musikfans meiner Meinung sind zeigt übrigens der aktuelle Charteinstig auf Platz 9 der aktuellen Media-Control –Album-Charts!

Tracklist:

  • 01. Blitzkreuz
  • 02. Kojote U.g.l.y.
  • 03. Meine Liebe
  • 04. Atlantis
  • 05. Vergissmeinnicht
  • 06. Porn From Spain 2
  • 07. Bevor Du Gehst
  • 08. Polar
  • 09. Was Bleibt Seid Ihr
  • 10. Bring Mich Fort
  • 11. Kind Im Nebel

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