Wertung: 8 von 10

„Recorded on tape“ prangt fett im Booklet von „Blacklands“. Warum gerade dieser Hinweis so wichtig ist (wenn auch aktuell alles andere als innovativ), stellt sich schon beim ersten Hördurchlauf heraus: Viel mehr Oldschool geht nicht!


Die zweite Veröffentlichung von Castle aus dem Hause Vàn Records erfolgt fast auf den Tag genau ein Jahr nach Release des Debüts In Witch Order. Geändert hat sich im Vergleich zum Vorgänger auf den ersten Blick wenig bis gar nichts: Immer noch besteht die Gruppe aus denselben drei Personen, wobei natürlich das Augenmerk besonders auf Elizabeth Blackwell (voc/bass) liegt. Ganz im Gegensatz zu anderen aktuell im Fokus stehenden Okkult-Formationen mit weiblichem Gesang versucht sich Mrs. Blackwell nicht an einer möglichst melodiösen und harmonischen Darbietung der Vocals, sondern tendiert eher in Richtung Cronos von Venom (einzige Ausnahme: der Song „Corpse Candles“). Überhaupt erinnert mich der Stil und Sound von Castle immens an die erste Welle des Black Metal: Bands wie Bathory, Sodom und eben Venom haben Pate gestanden. Dies bezieht sich vor allem auf die Aura und den Spirit, weniger auf musikalische Parallelen. Ich nehme der Band vom ersten Ton an ab, dass sie mit der nötigen Authentizität zur Sache geht und im besten Sinne des Wortes „TRUE“ ist (jaaa, ich weiß, wie abgeschmackt das Herumreiten auf der ganzen „trueness“-Kacke ist…). Was die Variabilität des Songwritings angeht, wurden im Vergleich zum Vorgänger nur Kleinigkeiten geändert. Richtig eingängig ist nach dem ersten Hördurchlauf vor allem das Eröffnungsdoppel aus „Ever Hunter“ und dem bereits erwähnten „Corpse Candles“. Und obwohl die Arrangements äußerst simpel und wenig progressiv gehalten sind, entwickeln sie doch eine erstaunliche Langzeitwirkung. Um die Klasse dieser Songs freizulegen, bedarf es schon einer etwas intensiveren Auseinandersetzung mit dem Album. Ab dem vierten oder fünften Hördurchgang beißen sich die Songs richtiggehend fest und entfalten ihre ganze Klasse. Dies gilt insbesondere für den bereits vorab als Video ausgekoppelten Titeltrack und den Abschlusstrack „Dying Breed“.

Was den Gesamteindruck ein wenig trübt, ist das Proleten-Geblöke von Gitarrist und Hauptsongwriter Mat Davis (im Übrigen verheiratet mit Mrs. Blackwell) bei „Storm Below The Mountain“, wodurch der schöne Gesamtfluss des Albums etwas unterbrochen wird.

Wenn Castle ihren Weg konsequent fortsetzen, können sie sich zu den Motörhead der Okkult-Welle entwickeln (und das nicht nur wegen der überoffensichtlichen Parallele bzgl. der Dreier-Besetzung): Das Songwriting verändert sich nur in Nuancen, hält aber immer einen hohen Qualitätsstandard. Und wenn ich mit meiner Vermutung recht hätte, dann lägen besonders hell strahlende Sternstunden im Stile von „1916“ oder „March Or Die“ noch vor uns und das wäre doch mal so richtig groß! Ich bin somit gespannt, wohin die Reise bei Castle in den nächsten Jahren noch gehen wird und lausche bis dahin den „Schwarzländer“-Songs, welche sich mit jedem weiteren Hördurchlauf tiefer in mein Bewusstsein graben.

Tracklist:

  • 01. Ever Hunter
  • 02. Corpse Candles
  • 03. Storm Below The Mountain
  • 04. Blacklands
  • 05. Curses Of The Priests
  • 06. Venus Pentagram
  • 07. Alcatraz
  • 08. Dying Breed

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