Celle Rock City Festival 2007 – zwei musikalisch hochwertige Abende

Ich ging frohen Mutes und gut gelaunt zur CD Kaserne, um mich von guten Acts berieseln zu lassen. Und wer pünktlich da war, der … stand erstmal bei Regen und Kälte vor den Toren des Celle Rock City Festival 2007, weil sich der Einlass, wie bei jeder guten Veranstaltung erstmal verschoben hatte.

Celle Rock City Festival 2007 – Tag 1

Celle Rock Cit Festival 2007
Celle Rock Cit Festival 2007

Mir persönlich war dann da noch ein Dorn im Auge. Also im übertragenen Sinne, denn aus einem mir nicht bekannten Grund stand ich nicht, wie angekündigt, auf der Gästeliste sondern musste erst warten, bis jemand kam, der über den Besuch von OsnaMetal.de informiert war.

Dadurch war ich dann irgendwann doch drin – und was soll ich sagen? Ich war angenehm von der Location überrascht. Für das Festival wurde ein extra großer Merchandisingbereich ausgestellt, Getränke gab’s zu fairen Preisen und sogar Kuchen konnte man für einen Euro das Stück erwerben. Für die Konzerte war ein separater Raum vorhanden, der bestimmt bis 500 partymachende Metaller, Punks oder sonst welche Fangruppen fassen kann – wenn nicht sogar noch mehr …

Am besagten elften des Monats Mai spielten in der folgenden Reihenfolge:

Nosebleed,
Lunarsphere,
Spalter,
Drone,
A Chinese Restaurant,
Dark Age,
Sufferage und
Nayled

Nosebleed waren also die Opener. Die Burgdorfer zeigten von vornherein recht eindrucksvoll, was in ihnen steckte und auch die Technik ließ in Bezug auf die Qualität wirklich nichts zu wünschen übrig. Mit der präsentierten Härte und der Stärke im Grunzen konnten Drummer Kreutzfeldt, Sänger Zorn, Basser Mike und Gitarrist Rolle ihre Form des Thrash Metal und Hardcore durchaus eindrucksvoll vertreten. Auch die Fans waren schon gut drauf und so gab es vie Moshing und allgemeine Bewegung. Die cleanen Passagen knüpften fast ein bisschen an Operngesang an, was wohl an den Tiefen lag, die für diese angewandt wurden. Nosebleed haben sich absolut empfohlen, vor allem für Veranstaltungenm bei denen es viel Speed geben soll.

Nach zu eng einkalkulierten 15 Minuten Umbau (eigentlich waren es vor fast jeder Gruppe ein paar Minuten mehr) gab es schon das erste Highlight des Abends. Lunarsphere sind nämlich mal wieder mit von der Partie gewesen.

Eigentlich kann ich gar nicht mehr soviel zu dem Auftritt der Nienburger sagen, denn alles, was es zu sagen gibt, wurde bereits im Bericht zum Warm-Up des Festivals geschrieben. Einfach nur ein bemerkenswerter Act, angefangen vom super Intro bis hin zum siebten und letzten Song. Power der Instrumente und Gesang ergänzten sich ausnahmslos ideal und der Rhythmus animierte immer wieder zum Headbangen. Fannähe wurde auch aufgebaut, zum Beispiel dadurch, das mal ein Fan mitsingen durfte und auch, indem Zwiebel mal wieder seine Milch unter den Musikinteressierten verteilte. Ohne Frage: die Jungs haben’s drauf! Musik mit Mitgrunzcharakter. Schade aber, dass auch dieser Gruppe nur 30 Minuten eingeräumt wurden. Wenigstens konnte während der letzten Nummer noch mal mit ein bisschen Rumgepoge begonnen werden.

Anschließend reiten sich Spalter ein, die mir ebenfalls durch ein enorm cooles Intro auffielen. Durch Keyboard und tiefer Stimme gelang es diesen fünf Hamburgern auch ordentlich einzuheizen. Der Thrash-Metal wurde toll präsentiert, und es hatte fast schon etwas von Rammstein, woran eine bemerkenswerte Eingängigkeit nicht unschuldig sein dürfte. Am Ende hatte es fast den Anschein, als wollten Spalter als erste Gruppe dem Verlangen nach einer Zugabe nachgeben. Das musste jedoch aus Zeitgründen unterbunden werden. Es lag also wahrscheinlich nicht nur daran, dass die Runde nur aus faulen Säcken besteht, wie sie es selbst ausdrückten.

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Anschließend wurde es voll. Es schien so, als hätten sich alle Menschen, die reinpassten, in dem Raum vor der Bühne versammelt, nur um Drone zusehen. Ich selbst kannte sie vorher noch nicht, blieb darum kritisch.

Als es los ging wurde mir langsam klar, warum sie so begeistert erwartet wurden. Aufpeitschendes Verhalten und tolle Musik sowie eine hervorragende Lichttechnik führten dazu, dass fast bis nach hinten Bewegung entstand, die mich mit meiner Kamera natürlich weiter nach hinten trieb – sicher ist bekanntlich sicher. Der Fronter Moritz Hempel fiel während der Show nicht nur durch seinen Spruch „Geile Scheiße!“ auf, den er oftmals wiederholte, sondern auch durch die erfolgreichen Animationsversuche. Es gelang ihm, die Massen zu trennen und dann aufeinander einstürmen zulassen. Besonders effektiv waren im Klangbild die Begleitschreie von Marcelo Vasquez und Martin Froese. Alles in allem ein guter Auftritt, den viele nicht ohne Schmerzen überstanden haben sollten. Während des Auftritts der Celler kam es übrigens zu den ersten Crowdsurfern, die die breite Menschenmasse in vollen Zügen ausnutzen konnten.

Schon der nächste Auftritt erschien in meinen Augen im Voraus als weiteres Highlight. Die Bremer Emocore-Truppe A Chinese Restaurant hatte sich angekündigt.

Tatsächlich machten sie ihrem Musikstil alle Ehre und richtig tolle Musik, die man auch „Nicht-Emos“ nur empfehlen kann. Als größter Fan stellte sich der Sänger von Drone heraus: Jedes Mal, wenn Sänger und Gitarrist Manu enttäuscht feststellte, dass viele nicht mehr da waren, ruf er ein aufmunterndes „Geile Scheiße!“ in den Raum rief. Zusammen mit dem Bassisten und zweiten Sänger Sebastian und Drummer Sebastian machte Manu das Ding aber absolut gut und lieferte eine herausragende Vorstellung. Musikalisch sind A Chinese Restaurant sehr zu empfehlen, wenn man auf emotionale Musik mit befreienden Screams steht und auch sonst auf handfestes Zeug ausgerichtet ist. Beide Daumen hoch gibt es dafür von meiner Seite aus, zumal auch immer Humor mit auf der Bühne war. Eine Person aus dem Publikum brachte es nämlich doch glatt über sich, zu behaupten „Ihr seid geil auf CD“, worauf postwendend die ernüchternde Antwort „das können wir nicht gewesen sein“ folgte.

Mit Dark Age folgte, wie sollte es anders sein, schon zum xten Mal eine äußerst gute Truppe, die ihr Keyboard besonders interessant in Szene setzte. Durch eine herausragend starke Melodik wurde ihr Melodic Death Metal meiner Meinung nach deutlich aufgewertet, wenn er auch im Grunde schon ausgezeichnet war. Respekt dafür!

Ärgerlicherweise war es mir nicht mehr möglich, Sufferage und Nayled zu hören, da sich der Abendablauf nach hinten verschoben hatte und so leider gar nicht mehr in meine Zeitplanung passte.

Aber ich hoffe dennoch, dass ich Sufferage (Death Metal und Grindcore) und die Hamburger Jungs von Nayled (Death und Thrash) auch einmal live erleben kann.

Als Fazit für den ersten Abend: Super Bands, sehr fürs nächste Jahr zu empfehlen …

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Celle Rock City Festival 2007 – Tag Zwei

Noch müde vom vorigen Tag machte ich mich Samstagnachmittag erneut auf dem Weg von Wunstorf nach Celle, um auch am zweiten Durchgang des Festivals teilhaben zu können. Der Abend war noch praller gefüllt mit verschiedenen Bands, so dass schon um 17:05 Uhr angefangen werden sollte. Ich selbst kam ärgerlicher Weise verspätet an. So war es mir leider nicht möglich, Gauntlet live mitzuerleben, was mich im Nachhinein besonders ärgert, denn was die Burgdorfer auf ihrer Myspace-Seite zeigen, kann sich absolut hören lassen, wenn auch die cleanen Gesangsabschnitte der Death-Metal- Combo nicht unbedingt in meinem Geschmack passen. Jedenfalls erwischte ich grade noch Swamp und tat mir damit wenigstens den Gefallen, noch etwas dem Stoner Rock aus Celle zu lauschen. Dieser verbreitete eine positive Stimmung verbreitete, was sicherlich auch an dem ordentlichen Gesamteindruck und dem passablen Riffing lag.

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Anschließend verließ ich während der Umbaupause erst einmal den Bühnenraum, der übrigens im Gegensatz zum Vortag in den Pausenzeiten hell erleuchtet wurde, um mir weitere Veränderungen zum Vortag anzuschauen. Die Getränkepreise blieben weiterhin im fairen Bereich, und beim Kuchenbuffet hatten sich die Kosten pro Stück auf 50 Cent, also um fast ebenso viele Prozent, verringert. Vor den Toren der Kaserne hatte ein Pommesbudenwagen Quartier bezogen, um hungrige Metaller mit Pommes und Würstchen zu versorgen. Doch genug von diesen Randinfos. Drinnen sollte es mit den folgenden Bands in der selbigen Reihenfolge weitergehen:

Noxious Bluewater Fog
Sanitys Dawn Muff
Gorilla Monsoon Ohrenfeind
Mourning Caress The Oceanund
Chainwreck

Und das tat es dann auch. Noxious rockten das Haus mit einem angenehmen Mix aus Rock und Metal, wobei klarer Gesang ausnahmsweise weite Strecken überwog. Fast kam es mir ab und zu wie Hardcore Punk oder so vor. Auffällig war besonders, das bei den Schneverdingern in der ersten Reihe direkt an der Bühne hauptsächlich Photographen standen, auch, weil die Lichttechnik wie schon am Freitag zu dem einen oder anderen Schnappschuss einlud. Schöne, mehrstimmige Segmente, gescreamt und gegrunzt, standen musikalisch ganz vorne auf der Liste, die ich mir für Noxious gefertigt habe. Dazu kommt eine schrammige Gitarre und mit voller Rhythmuspower gefüllte Brakes. Obwohl Sänger Jojo etwas heiser schie, war also auch dieser Auftritt ein voller Erfolg.

Als nächstes folgten schon wieder ein paar Celler: Bluewater Fog lautet der Name der Gruppe, deren Progressive Rock ziemlich gut in der Zuschauermenge ankam.

Ärgerlich war es aber, das schon wieder nur vier Songs vorgebracht wurden, wenn man mal davon ausgehen will, dass ich mich nicht verzählt habe.

Dann folgte eine für mich große Überraschung: Ab diesem Zeitpunkt war ich mir sicher, nicht der einzige Wunstorfer in Celle zu sein, denn Sanitys Dawn kommen aus meinem Heimatstädtchen. Merkwürdig dabei, dass sie mir bis dato unbekannt waren, auch wenn sie sich immer noch als „New Comer… Seit 1987“ bezeichnen.

Jedenfalls heizten die Jungs dem Publikum ordentlich ein und gaben alles, was sie hatten. Zeitweise schien der Sänger zwar altersschwach zu werden, doch das überspielte er mit gekonnten Witzen und die anderen, indem sie ihn durch Weiterspielen einfach zu noch mehr Einsatz zwangen. Stakkatoartige Rhythmen bildeten feinsten Grindcore, viel Action, auch in Form eines in der Menge singenden Fronters, und ein markantes Gerülpse sind Markenzeichen dieser Band. Sportlich und agil, kann ich da nur sagen und ein bisschen, wie schon erwähnt, altersbedingte Müdigkeit.
Auf Sanatys Dawn folgten Muff. Muff führten zu einer Veränderung im Publikum, statt dunkler / schwarzer gab es nun eher schwarz-rot gestreifte Pullis. Auch waren viel mehr weibliche Fans in dem Raum, als ich in der gesamten vorherigen Zeit des Festivals gesehen hatte.

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Anlass war der ziemlich gute Pop-Punk-Rock. Dieser wurde optisch durch die beiden Sängerinnen, deren Bühnenshow zeitweise durchchoreographiert wirkte, gestützt und enthielt einen wunderbar dominanten Gesang.

Mit Gorilla Monsoon ging es nach einer Unterbrechung weiter. Es war übrigens schon lange nicht mehr wichtig, wann die Unterbrechung zu Ende sein würde, denn das Festival hinkte mal wieder maßlos hinter dem eigenen Zeitplan hinterher, so dass einzelne Minuten schon gar nicht mehr ins Gewicht fielen.

Und schließlich hatte sich das Warten ja dann doch gelohnt. Mit einem Tierschädel, einem altertümlichen Mikro und der Mundharmonika ein bisschen auf Wildwest getrimmt, gab es einen ordentlichen Sound, der, trotz aller Stoner-Anteile, voll zum Moshen animierte. Insgesamt ergab sich durch die Dresdner ein wunderbar abgewracktes Klangbild, das unweigerlich zu Bewegung im Publikum führte.

Weiter ging mit Ohrenfeindt, die mir schon vor Anfang wegen des Namens aufgefallen waren. Beim Einspielen wurde klar, dass der Name absolut übertrieben war und allenfalls eine Anspielung auf die Lautstärke darstellte,
Los ging es mit einem Musikstil, der mich vollkommen überraschte. Die Hamburger aus St. Pauli spielten Deutsch-Classic- Rock, und das nicht zuwenig. Ein purer Schwall an Energie kam von der Stage ins Publikum geschwappt und machte einfach nur Spaß. Es war einfach cool, wie Stefan Lehmann an den Drums, Dennis Henning an der Gitarre und Chris Laut am Bass und mit dem Gesang, ihre Sache machten. Geniale Riffs, tolles, konzentriertes Drumming und vor allem ein monströser Bass, der sich allein durch die Lautstärke immer wieder Geltung verschaffte. Das wurde auch durch einen Herrn Laut erreicht, der immerhin ziemlich ulkig aussah, wie er da vorne stand. Ich kann nur sagen:„Es ist immer Rock’n’Roll!“, wie es auch in der Nummer „Immer Rock’n’Roll“ hieß. Super Auftritt!

Textlich vielen dann die Folgenden auf. Im melodischen Death Metal gut verpackte Inhalte brachten Mourning Caress dar. Und ich war sogar mal in der Lage, viel vom Text zu verstehen. Viel Emotionen, großartige Musik aus Münster.
Leider war ich auch heute nicht in der Lage, bis zum Ende zu bleiben, und so musste ich ausgerechnet noch vor The Ocean und Chainwreck enttäuscht das Fest verlassen, aber der Zeitplan war einfach zu durcheinander.

Es bleibt mir zum Schluss nur die Erinnerung und die sagt mir eins: Nächstes Jahr bin ich wieder da. Eine super Idee, mit einem derartigen Festival die lokale Szene derart zu unterstützen. Dem Veranstalter sei nur gesagt: Herzlich Glückwunsch und tausend Dank für zwei musikalisch hochwertige Abende!

Einige Setlists:

Lunarsphere
1. Intro/Mare Traquilitatis
2. The Sadness Hate
3. Atom Sized Heart
4. Lunarsphere
5. Symphony of Creation
6. Inside a Spiders Web
7. Sacrileg

A Chinese Restaurant
1. Intro
2. Falling Captive…
3. Next Conversation
4. ShouldITake
5. They Announced…
6. Sorries
7. Of Being Left Here…
8. Brokenhearts…
9. Player Two Wins

Dark Age
1. Intro
2. Fix The Focus
3. Daily Combat
4. Neokillers
5. Cold
6. Zero
7. Silent Republic
8. Neurosis 404
9. Black September
10. Last Words
11. Dare To Collapse
12. Minus Exitus
13. Suicide Crüe

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Autor: ArchiVader

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