Mit „Pins and Needles“ liefert er, nach den Alben „Faces“ und „WARPED“ sein drittes Soloalbum innerhalb von 3 Jahren ab – scheint fleißig zu sein der Mann. Dass Chris Caffery ein außergewöhnlicher Gitarrist ist, dürfte hinreichend bekannt sein, dass er über ein ebenso ausdrucksstarkes Vokalorgan verfügt hingegen weniger. Seine überwiegend rauhe Stimme ist zwar etwas gewöhnungsbedürftig, aber durchaus abwechslungsreich und variabel eingesetzt. Neben genanntem, ist er bei einigen Tracks auch als Bassist, Keyboarder, Saxophonist und Drummer zu hören. Ein echtes Soloalbum also! An Position 1 des Albums befindet sich der Titeltrack, der mit rasanten Gitarrensoli und abgehackten Riffs auch gleich mächtig nach vorne präscht. Wer auf diesem Album mit einem Savatage-Abklatsch gerechnet hat, dürfte ein wenig enttäuscht sein, wer’s jedoch etwas weniger episch mag, wird hier mit einem Großteil der Songs zurechtkommen. Mit „66“ folgt dann eine Midtempo-Nummer, die vom Stil her auch auf Steve Vais „Sex and Religion“ Album hätte sein können. Es folgen „Torment“ und das düstere „Walls“, das mit seinen Keyboardflächen und dem teilweise gesprochenen Gesang eine leichte Gothic Atmosphäre versprüht. Allerdings nur bis zum Zwischenteil, der mit Jazz-Piano Geklimmper und swingenden Drums für die erste Überraschung dieses Albums sorgt. Eine lustige Idee, die den ansonsten eher mittelmäßigen Song leider auch nicht nach vorne bringt. Im Laufe dieses Albums werden uns, besonders zum Ende hin, noch eine Vielzahl dieser Gimmicks begegnen, die die progressive Note ein wenig hervorheben sollen, Ich würde diese Herangehensweise als „ausbaufähig“ bezeichnen. Dann wird mit „Y.G.B.F.K.M.“ und „SAD“ wieder straighter gerockt, durchaus gelungen! Melodischer wird es bei „Chained“ – erinnert mich vom Stil her ein wenig an Rainbow oder DIO. Ab jetzt wird’s schräger! „Worms“ ist wahrscheinlich Chris Caffery’s Antwort auf „Walk this Way“. Oder trifft hier doch Nuno Bettencourt auf Dog eat Dog? Man weiß es nicht. Als Spaßnummer durchaus zu gebrauchen und das Gitarrensolo entschädigt für einiges. Das Saxophonsolo am Ende ist eins von diesen „Gimmicks“. Track Nr. 9 heißt „Crossed” und verlangt dem Hörer einiges ab. Bleibt nicht wirklich hängen, ist aber auf Grund von seinen eigenartigen Sound- und Gitarrenriff-Kombinationen irgendwie interessant. „The Time“ könnte auch von Peter Tätgren’s Pain stammen. „Metal East“ hat einen leicht folkigen Touch und fällt hauptsächlich durch seine Streicher Arrangements auf, wobei ich finde, dass man diese besser in den Gesamtmix hätte integrieren können. „Qualdio“ – Gitarrengedudel mit Akustikbegleitung. Ist ausnahmsweise genehmigt – ist ja schließlich das Soloalbum eines Gitarristen! Nun folgt die einzige Ballade des Albums, „The Temple“ weiß mit gutem Gesang zu gefallen, ist mit 1:37 aber relativ kurz. Der letzte Titel der CD, der Bonustrack „Once upon a Time“, ist nicht schlecht, hält aber keine weiteren Überraschungen bereit.

Dieses Album in seiner Gesamtheit zu bewerten ist wirklich nicht so einfach. Es gibt kaum einen roten Faden, der dieses Album zu einer Einheit zusammenschweißt. Was der Titelsong qualitativ verspricht, wird leider nicht auf dem gesamten Album gehalten. Besonders in der zweiten Hälfte wurde sehr viel herumexperimentiert und Experimente gehen leider manchmal schief, oder zumindest in eine Richtung, die man nicht erwartet hat. Allein die geniale Gitarrenarbeit ist mir einen Punkt wert, macht zusammen mit einer ansonsten durchschnittlichen Bewertung insgesamt 3,5 Punkte