Wertung: 10 von 10

„Revolution in their minds. The children start to march.“ Alle zusammen, und jeder für sich. Wohin? Zum kolossalen Novopharus, Turm of the Türme.


Manchmal reicht ein Interview aus, um vom unbedingt notwendigen Erwerb eines Albums überzeugt zu werden. So verhielt es sich bei mir vor nun gut dreizehn Jahren mit Korovas „Dead Like An Angel“. Die, dem Drahtzieher Christof Niederwieser entfleuchten, so schön formulierten Wahrheiten, fernab der schwanzzeigegeilen Pseudo-Puristen, welche die Heftchen gern bevölkerten, las ich mit der Gewissheit etwas lange Gesuchtes gefunden zu haben. Das Album hielt was das Gesprächsprotokoll versprach und führte zu einer innigen Liaison zwischen mir und einer Scheibe Kunststoff. Aus Korova wurde Korovakill. Aus Korovakill wurde Chryst. Aus sechs wurden drei. „PhantasmaChronica“ wurde, bis auf Hilfen beim Mastering (Renaud Tschirner, Elend und immer mal wieder irgendwas bei Korova/Korovakill) und an den Drums, komplett im Alleingang erschaffen.

Ich bin gerade erst wieder aus der zeitschlenkernden Schleuse der Metatropolis-Welt zurückgekehrt und fühle mich verpflichtet, zum Apostillion berufen, die frohe Kunde zu verbreiten und dem gütigen Schöpfer der Wege ins Inversum, die verdiente Ehrendoktorwürde in Ywuflugie und Metadismetranik zu verleihen. Um auf Chrysts Wegen zu wandeln, dem Evangelium beizuwohnen, bedarf es keinem Folgen eines Imperativs, keiner Uniformierung (naja, vielleicht ein Chryst-Shirt), keiner Anpassung, sondern gegenteilig, seine eigene Abtrünnigkeit, frei von Trends, Milieus, Zwängen und Engstirnigkeitsberieselungen, bestätigt und befürwortet zu wissen, seine eigenen Pfade in den Phantasmachroniken abzustecken und gegebenenfalls wieder zu verwerfen. Die Metatropolis-Welt gehört uns, Chryst hat sie nur hervorgerufen. Die Möglichkeit dieser liegt natürlich nur in den Köpfen.

So bringt man die Musik am besten so nah wie möglich an den Dickschädel. „PhantasmaChronica“ ist ein Kopfhöreralbum, ein schlaues in Bild und Ton. Es stecken massenhaft Details unter den mal rasenden, mal hypnotischen, mal komplex symphonischen Gitarren in seltsamem Soundgewand. Elektronisches und was weiß ich wie viele Instrumente. Dr. Niederwieser kreischt und singt wie nie zuvor auf diesem einen Song. Ja, es handelt sich um nur einen einzigen, 47-mitütigen Song. Und alle sind gut. Es gibt eine Menge oberflächlich eingängiger Passagen, gerade in überhitzten Momenten. Vor allem die ruhigen, hypnotischen Stellen brauchen Zeit zur Entfaltung. Immer wieder scheint, wie schon auf den Vorgängern, eine gewisse Affinität zu güldenem Achtzigerpop durch… Ring… Ring… Chryst bqrg huooorrrgh, fluuuh bwy. Sar Shilatshi verwardt grof aarg Durp. Und Zurück.

Bevor mir die Schnuppernase vertrocknet, versuche ich die Sache mal auf den Punkt zu bringen: „PhantasmaChronica“ schafft einen horizontfreien Himmel, in dem es sich wunderbar schwimmen lässt, Unsichtbares schimmert gestalt ohne wirklich greifbar zu sein. Es sprengt die cerebralen Stadtmauern und befreit von Kurzsicht, macht kleinste Partikel des Zyrorphplaneten kristallin beglotzbar. Tempel. Aus einem Raum heraus baut es sich ein Haus, aus dem Haus… und daraus unendlichen Raum. Zeitrechnung 0.0. Wie gesagt, es verfehlt seine Wirkung nicht. Und die obige Genrebezeichnung habe ich müßig vom Promo-Zettel übernommen, weil’s stimmt. Progress and confess.

Und wieder wird nur eine kleine Fanschar sich den aufgeschachteten Dimensionen dieses ausgefuchsten, intellektuellen Scherzkekses hingeben. Gewiss ist Chryst auf seine Weise auch ein Drastiker, wie Dietmar Dath es im ersten Brief über Drastik und Deutlichkeit im Buch „Die salzweißen Augen“ beschreibt: „Drastiker sind Brunnenvergifter: Ein bißchen Gift reicht ihnen, weil es so extrem löslich ist, für die ganze Kultur. Haben sie es erst freigesetzt, wird man die Spuren schon finden.“ Auch wenn also die wenigsten Chryst wirklich kennen und kennenlernen werden, so ist er doch auch von eben jenen Unwissenden, zumindest lau, wahrnehmbar.

Chryst ist erschienen, um uns zu versühnen. Welch ein Jubilieren in der Jüngerschaft. Und wenn er erscheint, bringt er uns Musik, die in Auszügen klingt wie:

Anwählbare Songabschnitte:

  • 01. PhantasmaChronica 01 – The Awakening
  • 02. PhantasmaChronica 02 – I are you
  • 03. PhantasmaChronica 03 – Leaving the Ashes
  • 04. PhantasmaChronica 04 – Storming Outside
  • 05. PhantasmaChronica 05 – The Surge Lands
  • 06. PhantasmaChronica 06 – Universe Inverse
  • 07. PhantasmaChronica 07 – A New Age
  • 08. PhantasmaChronica 08 – Metatropolis
  • 09. PhantasmaChronica 09 – The NovoPharus / The ChronoMagus
  • 10. PhantasmaChronica 10 – The Drill-Tower
  • 11. PhantasmaChronica 11 – Templum Tempus
  • 12. PhantasmaChronica 12 – Grow into the Labyrinths
  • 13. PhantasmaChronica 13 – The Architect Maze
  • 14. PhantasmaChronica 14 – Back in the Room

TOPSCORE

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