Wertung: 7 von 10

Man schreibt das Jahr 1791. Die erste Hälfte von Coppelius trifft bei der Uraufführung von Mozarts „Zauberflöte“ aufeinander. Zwei Jahre danach, bei der Hinrichtung von König Ludwig XVI, beschließt man, gelangweilt ob des öden Vorprogramms, die Musikkultur zu bereichern.


So steht es zumindest auf der Homepage der Berliner Max Coppella (Gesang, Klarinette), Nobusama (Schlagzeug), Graf Lindorf (Gesang, Klarinette), Comte Caspar (Klarinette, Gesang), Sissy Voss (Bass) und Bastille (Butler, Gesang, Schlagzeug, Erfrischungsgetränke, Korrespondenz, Aufgaben des täglichen Lebens).

Etwa zweihundert Jahre nach ihrem ersten Auftritt (1803), veröffentlichten Coppelius am 30. Januar 2009 ihre zweite Langspielplatte „Tumult!“, welche an die Erfolge des Debütalbums „Time – Zeit“ anknüpfen soll.

„Kammermusikmetal“? Was bitte? Ähnlich wie zum Beispiel Apocalyptica haben sich Coppelius es sich zur Aufgabe gemacht, Metal mit eher genreungewöhnlichen Instrumenten zu spielen, und das Konzept funktioniert auch hier.

Der Vergangenheit getreu bleibend beginnt „Tumult!“ mit einem Vorwort von E.T.A. Hofmann zum Thema musikalische Erziehung, um kurz darauf mit „Habgier“ in rhythmische Celloriffs zu verfallen.

„Rightful King“ hebt sich allein deswegen schon von Repertoire der Band ab, weil der Song auf Englisch präsentiert wird. Wem Subway To Sally ein Begriff ist und hier denkt: „Moment, die Stimme kenn ich doch…“ hat recht, denn Eric Fish (Sänger STS) ist aus seiner U-Bahn ausgestiegen und leiht Coppelius bei diesem Stück seine Stimme. Auch bei Track fünf des Albums wird auf die Brandenburger Kollegen zurückgegriffen, denn hier gastiert Frau Schmitt (Geige) und bildet damit eine weitere musikalische Komponente in der ohnehin schon bunten Mischung die da heißt Coppelius.

Die Texte zu den Stücken sind im Allgemeinen dem täglichen Leben aus 200 Jahren Geschichte entsprungen. So lässt sich zum Beispiel Sänger Max Coppella bei „Lilienthal“ über seinen Zeitgenossen Otto Lilienthal und dessen erste Flugversuchen aus, und das Stück „Charlotte The Harlot“ soll augenscheinlich Verwirrung stiften, denn wer covert da eigentlich wen, angesichts dessen, dass Iron Maiden erst viel später gegründet wurde…?

Das Nachwort übernimmt erneut E.T.A. Hofmann mit einer Schilderung seines ersten Kontaktes mit der Musik.

Coppelius machen Spaß. Bemängeln würde ich einzig, dass das Album keine wirkliche Weiterentwicklung im Vergleich zum ersten bietet und sie auch bei weitem nicht an die live Darbietungen der Band heranreichen kann, bei welchen sie ihre Shows absolut perfektionistisch präsentieren (sie haben ja schließlich 200 Jahre daran gearbeitet).

Wer also nicht von neuen Klängen abgeschreckt wird, zugreifen! Oder noch besser, angucken!

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