In der Osnabrücker Lagerhalle trafen sich am 17 März 2009 all jene, die von dem etwas anderen, besonderen, außergewöhnlichen Sound von Klarinette, Cello und Kontrabass im Metalfieber nicht genug bekommen könen: Coppelius war wieder in der Stadt.


Die Vorband, wenn man in diesem Falle überhaupt von einer Band sprechen kann, war Haruko alias Susanne Stanglow (Akk.-Gitarre & Gesang) und ein sie begleitender zweiter Akkustikgitarrist.

Zu Beginn ihres Auftrittes stellt Susanne fest, dass ihr Musikstil sich sehr von dem der Hauptband unterscheide und sie deshalb auf die Gnade des Publikums hoffe. Auf diese Ansage folgten sieben Stücke, allesamt langsame Balladen, die vor allem durch die schöne Stimme von Susanne zu überzeugen wussten.

Der Sound war leider etwas zu leise, so dass das Gerede aus dem hinteren Teil der Halle zeitweise sogar die Gitarren übertönte, aber insgesamt wurde Haruko vom Publikum sehr warmherzig aufgenommen.Trotz dessen stellt sich die Frage, ob die Wahl dieser Vorband wirklich sinnvoll war, denn musikalisch haben die zwei Bands wirklich sehr wenig gemeinsam.

Eine halbe Stunde später wurde es Zeit für Coppelius. Ein altes Radio, in der Mitte der Bühne platziert, beginnt zu spielen.

Kurz darauf betritt der Diener Bastille mit einer Laterne die Bühne, widmet sich Aufgaben wie Lampen zünden und Staub wischen und lässt sich schließlich nieder, um der Musik zu lauschen. Nach einer Weile steht er wieder auf, löscht das Licht und wechselt den Musiksender. Eine Cellomelodie erklingt.

Zu diesen Tönen erscheinen die fünf restlichen Musiker von Coppelius auf der Bühne

Los geht es mit „Der Advokat“ und „Schöne Augen“, zwei Stücke vom aktuellen Album „Tumult!“.

Coppelius kommen gut an, die Instrumente werden perfekt beherrscht und die Stimmung passt einfach. Ihre Begeisterung drückt eine Zuschauerin aus der ersten Reihe mit einem Strauß Rosen aus, für jeden Coppelianer eine.

Eine etwas ungewöhnliche Bitte hat Bastille vor dem Song „Das Amulett“. Er verlangt absolute Stille nach Beenden des Stückes. Man solle das Fallen eines Taschentuches (unbenutzt) hören können. „Das Amulett“ selber fällt vor allem durch den tiefen Gesang auf und ist ein sehr stimmungsvolles, klarinettenbetontes Stück.

Das Experiment funktioniert, nach dem Verklingen des letzten Tones ist absolut nichts vom Publikum zu hören. Gespannt zückt Comte Caspar sein Taschentuch und lässt es zu Boden fallen. „Matsch!“ „Bumm!“ tönt es nun doch vereinzelt als der Menge, worauf der Rest mit Gelächter reagiert. Coppelius wissen zu Unterhalten, soviel ist sicher.

Das Publikum wird gekonnt mit in die Performance eingebunden. Bastille sieht sich zwar häufiger gezwungen, die Leute zu bitten, an ihrer Intonation zu arbeiten, hält damit aber niemanden vom Mitsingen ab. Ein Junge namens Dominik wird willkürlich aus der Menge herausgeholt, um Nobusama beim Taktschlagen behilflich zu sein. Ein wenig holprig, aber sichtlich stolz geht er dieser Aufgabe nach – und wird daraufhin von Bastille gebeten, noch ein wenig Schlagzeugunterricht zu nehmen.

Am Ende des letzten regulären Songs wirft Comte Caspar aufs Neue sein Taschentuch in die Luft und verschwindet, wie die anderen, von der Bühne. Alle lauschen gespannt auf das Landegeräusch, danach bricht erneut wilder Jubel aus. Bevor es weitergeht, verteilt Bastille die zuvor angesprochenen Rosen auf die Instrumente seiner Bandkollegen und unterhält sich ein wenig mit dem Publikum.

Ganze drei Mal werden die Musiker zurück auf die Bühne verlangt. Statt „Zugabe“ ist bei den Coppelianern allerdings „Da Capo“ das zu rufende Zauberwort. Besondere Begeisterung erntet das abschließende Iron Maiden Cover „Charlotte the Harlot“, vereinzelt tauchen Wunderkerzen im Publikum auf.

Nach über zwei Stunden ist der Ausflug in die Vergangenheit und durch zwei Alben vorbei.

Diener Bastille stellt zufrieden fest, dass dieser Auftritt für alle Anwesenden wie Balsam für die Seele gewesen sein muss. Und bei mir bleibt einzig die Frage, wieso nicht schon viele andere Bands den Nutzen eines bühneneigenen Butlers erkannt haben.

Setlist Haruko:

  • 01 Homeless
  • 02 The Dragon’s Tears
  • 03 Home Is Where Your Heart Is
  • 04 Spring In Your Lungs
  • 05 Eat And Being Eaten
  • 06 There Is Love
  • 07 Memories

Setlist Coppelius:

  • 01 Der Advokat
  • 02 Schöne Augen
  • 03 Spring Doch
  • 04 Komposition
  • 05 Murders In The Rue Morgue
  • 06 Lilienthal
  • 07 Urinstinkt
  • 08 Viel Zu Viel
  • 09 Zu Dir
  • 10 Habgier
  • 11 Die Glocke
  • 12 Coppelia
  • 13 Gedicht
  • 14 Phantom Of The Opera
  • 15 Das Amulett
  • 16 Rightful King
  • 17 Charlotte The Harlot

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