Den Anfang machten um ca 19.15Uhr die drei Jungs von LAK. Schon jetzt war das N8 mit ca 300 Zuschauern gut gefüllt und viele, die es schon kaum noch erwarten konnten zog es auch blitzartig auf die Tanzfläche. Der LAK-Sound kam gut an: recht melodisch aber trotzdem schön laut, der Gesang von Frontmann Eiler bleibt größtenteils klar und gut verständlich statt in wütendes Gebrüll auszuarten, doch trotzdem schreit jede Textzeile nach Protest. Schon jetzt war das Publikum in super Stimmung und man konnte die ersten mutigen Stavediver beobachten.

Die Umbauten des Abends waren so rasant wie das Tempo der Punkrocksongs. Bereits nach 10,15 Minuten war alles bereit und es ging mit Fahnenflucht weiter, die sich noch Zeit für eine kleine Ansage ließen und dann derbe loslegten.

Spätestens nach dem zweiten Stück „Gesox“ waren allemann vor der Bühne und jegliche Hemmungen verflogen. Die 5 sind ja bekanntlich sehr selbstkritisch, betrachteten beispielsweise ihre Ausdruckskunst auf dem Debut „Beissreflex“ als noch ausbaufähig aber mit diesem Auftritt konnten sie voll und ganz zufrieden sein! Der Sound kommt rauh, aggressiv und sehr überzeugend. Sänger Thomas sprang mal wie irre umher und stand dann wieder lässig mit einem Arm hinterm Rücken am Mikro und qualmte beim Singen eine Zigarette nach der anderen, um was für seine rauhe Stimme zu tun. Gegen Ende des Auftritts stürmten dann bestimmt 20 Fans die Bühne und besetzen die Mikrophone, sodass von der Band fast nichts mehr zu sehen war. Die nahmens gelassen, spielten ihre letzten Lieder dann aber doch lieber alleine.

Es folgten S.I.K., die ihren Auftritt gleich mit ihrem Beitrag zum Schlachtrufe Sampler „Soldaten“ begannen. Nach diesem doch sehr ernsten Stück über die Männer in den Tarnanzügen herrschten jedoch größtenteils weniger tiefe Gute-Laune-Songs über Alkoholkonsum oder die Chaostage vor. Zwischendurch gab die Stuttgarter Band mit ihrem wunderschönen süddeutschem Akzent immer wieder amüsante Ansagen zum Besten. Die Zuschauerzahl war unterdessen auf bestimmt 500 gestiegen und alle die, die direkt nach Fahnenflucht noch konnten pogten fleißig weiter.

Die Nächsten war dann A.C.K., die mit ihrer charakteristischen Mischung aus tempogeladenem Punk und brutalem Hardcore sehr überzeugten. Da die wütenden Texte sowieso meist für sich selbst sprechen, wurde auf große Ansagen gänzlich verzichtet. Frontmann Mosti konnte wohl auch jedes Quentchen Luft gebrauchen: fast eine Stunde lang brüllte der charismatische Sänger den ganzen Laden zusammen und war jede Minute davon 100% bei der Sache. Der Kerl hatte eine solche Bühnenpräsenz, dass auch im hintersten Winkel des N8 alle Blicke starr auf die Bühne gerichtet waren. Die Setlist setzte sich aus Stücken vom aktuellen Album „Widerstand“, älteren Liedern und einigen Überraschungen zusammen. Sehr gut kam z.B. gleich am Anfang des Konzerts ein geiles Cover vom Buttocks Klassiker „BGS“.

Weiter ging’s mit Molotow Soda. Die Bonner kamen ausgesprochen sympathisch rüber und sorgten nach dem 60Minuten Wutausbruch von A.C.K. für eine fast entspannte Gute-Laune-Stimmung. Die Band verzichtete auf große Parolen, gab sich gespielt zurückhaltend. Als das Publikum nach Zugabe forderte, gab es kein „Hey, habt ihr noch Bock auf Punkrock, oder was?!“, sondern nur ein bescheidenes „Also…wenn ihr wollt können wir auch noch n paar Lieder spielen.“ Auch wenn die Mollies ja nun wirklich nicht schüchtern sein brauchten! Die gutgelaunten Punktitel fanden schnell Anklang und auch nach 5 Stunden (es ist unterdessen ca 0.00Uhr) waren immer noch zahlreiche Pogo-freunde auf der Tanzfläche. Der Höhepunkt von Molotow Sodas Auftritt war natürlich der rote Karnister, gefüllt mit dem gleichnahmigen, selbstentworfenen Getränk, der beim letzten Stück an die Zuschauer verteilt wurde.

Dann war es schließlich soweit: das Licht im Saal erlosch ein letztes Mal für Daily Terror. Die Bühne wurde in rotes Licht getaucht und während noch die Instrumente gestimmt wurden stand Sänger Pedder Teume (gekleidet in einen schweren, schwarzen Ledermantel) schon am Mikro, rauchte eine Zigarette und sah zufrieden auf uns hinab. „Hallo Osnabrück“, begrüßte er uns nach einiger Zeit und schon bei diesen Worten bemerkte man, dass der gute Pedder schon ordentlich einen getrunken hatte (vielleicht ja Molotow Soda?). Nunja, so rätselhaft seine Begrüßung und seine Zwischenkommentare wohl für immer bleiben werden, gerockt wurde allemal! Die meisten Titel wichen vom schnellen Durchschnittstempo des Abends ab, waren eher mittelschnell aber dafür ziemlich facettenreich. Mal zackiger Oi!-Punk, mal eher langatmiger aber mitreißender Rock. Auch nach 20 Jahren auf der Bühne gehören Daily Terror sicher noch nicht zum alten Eisen! Unter den Zuschauern sah man jetzt auch Mitglieder der Vorgruppen, die nach ihrem eigenen Auftritt nun selbst als Fans vor der Bühne standen. Um 2.00Uhr endete das Schlachtrufe Festival und nach 7Stunden (!!) Punkrock war auch der letzte Fan zufrieden.

Soviel gute Musik bekommt man selten für 15Euro!