Unter dem Motto „100 Jahre Dampfmaschine“ lud die gleichnamige Kapelle, vielen noch unter ihrem alten Namen Good Witch of the South, bekannt, zum Tanze im Ostbunker. Klar ist: Wenn eine der bekanntesten Osnabrücker Bands aufspielt, herrscht auch für eines der bekanntesten Osnabrücker Onlinemagazine Präsenzpflicht.


Zunächst hieß es jedoch: Warten. Eine gewisse Wartezeit ist ja regelmäßig auf die angegebene Startzeit aufzuschlagen, von daher auch nicht weiter erwähnenswert. 21:15 statt 19:30 Uhr ist aber schon fast böswillig.

Der Unmut darüber schwand jedoch recht bald, als mit Sixxxten die erste Band anfing, einzuheizen. Die vier Jungs aus dem Herzen Sankt Paulis spielten deutlich punkorientierten Rock und sorgten mit rotzigen Ansagen und ebensolchen Stücken für durchweg gute Stimmung. Mittlerweile war der Raum auch ordentlich gefüllt, so dass vereinzelte Tanzbewegungen zum Auftrittsende hin gar nicht mehr so selten waren.“Manchmal prollig, aber wenigstens ehrlich“- damit trifft es die Bandbio schon recht treffend.

Es folgte niemand geringeres als die straighten jungen Herren von Boozed, die wohl getrost ebenso wie Dampfmaschine zur musikalischen Lokalprominenz dazugezählt werden können. Mit erdigem Rock’n’Roll und einer beeindruckend aufpeitschenden Darbietung brachten die Bramscher ab den ersten Gitarrenriffs die Menge in Bewegung. In gewohnt souveräner Art und Weise stürzte sich Sänger Markus verbal auf das Publikum, das singend und johlend dagegenhielt. Das dreckige Riffgewitter, das aus den Boxen schallte, heizte die Stimmung dabei nur noch mehr auf. Besonderes Schmankerl waren einige Vorausblicke auf das neue Album, das die Band am 2. Mai spektakulär im Rahmen des Events Fieber im Osnabrücker Hyde Park vorstellen wird, inkl. aufblasbarer Gratis-Luftgitarren und 100 Litern Freibier. Unterstützt werden sie an diesem Tag nicht nur von Bands wie den V8Wankers und den Cellophane Suckers, sondern ebenso von Dampfmaschine höchstselbst.

Bevor sie ihren Part an diesem Abend übernehmen konnten, wurde es jedoch zunächst einmal ruhiger – aber nicht weniger unterhaltsam. Als unkonventionell, aber durchaus stimmungsvolle Besetzung für dieses Konzert war Christian Steiffen erschienen, selbsternannter „God of Schlager“, den vor allem eines kennzeichnet: Selbstironische und unbedingt entwaffnende Ehrlichkeit. Mit Textzeilen wie „Ich hab die ganze Nacht von mir geträumt“ erntete er zunächst verblüffendes Schweigen, als er bester Laune zum Schlagerplayback seine Stimme erhob – und kurz daraufhin begeistertes Gejubel, als der Sinn oder Unsinn seiner Texte ins Bewusstsein des Publikums sickerte. Das Repertoire umfasste die grandiosen Hits „Sexualverkehr“, „Ich fühl mich Disco“ und ähnliche tiefsinnige Stücke.

Nach dieser erfrischenden Einlage wurde es jedoch ernsthaft: Dampfmaschine wirbelten die Szenerie gewaltig auf. Und es lässt sich feststellen: Die Sprache der Texte mag sich mit der Umbenennung von Good Witch of the South verändert haben – aber das war es auch schon. Hemmungslose und kompromisslose musikalische Dresche zog den Zuschauern die Klamotten aus – in übertragenem Sinne zumindest. Faktisch traf dies auf die Band selbst zu, die nach den ersten zwei Stücken sich mehr und weniger ihrer Klamotten entledigten.

Aber hey, sie können es sich leisten – schließlich sind sie die Band, die besser ist als jede Diät, jedes Fitnessstudio und jeder Ernährungsberater (laut eigener Aussage), da erst durch sie Schlagzeuger Alexander „Schnalli“ Schröder (Vielen bekannt als Konzertveranstalter und Chef im hiesigen Bastard Club) viele seiner Pfunde verlor. So ist es kein Wunder, wenn die aus Frauen bestehende Band Pristine, die wohl ebenfalls anwesend war, in ihrem Blog schreibt: „Die Musik ist hart, die Männer wohl oberkörpermäßig entblößt und soviel Testosteron können selbst wir nicht verkraften.“

Weniger empfindlich war das Publikum, das den Saal inzwischen bis in die hintersten Ecken ausfüllte. Namentlich die ersten Reihen bemühten sich sichtlich, der Rampensau-Attitüde von Sänger Siggy Rock nachzueifern, und nahmen seine dezenten Hinweise auf ihr jugendliches Alter mit Humor.

Eine ausnehmend begeisternde Stimmung in Folge einer absoluten Ausnahmeband – das trifft den Nagel so ziemlich auf den Kopf und ist schließlich das perfekte Fazit für den Abend, der selbst das stabile Mauerwerk des Ostbunker zum Schwanken gebracht haben dürfte.

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