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In Zeiten des allgegenwärtigen Säbelrasselns zwischen Russland und der Ukraine hält man gemeinsame Aktionen beider Länder, in welcher Form auch immer, fast nicht mehr für möglich – doch mit DAN DEAGH WEALCAN und deren zweiter Scheiblette innerhalb eines Jahres stellt man fest, dass zumindest musikalische Projekte möglich sind. Was dabei herauskommt steht auf einem anderen Filz.

Erst im Februar des aktuell angebrochenen Jahres erschien mit “Two straight horizontal lines and the organized chaos in between: director’s cut“ das Debut der Herren Repp (Musik, Gitarre, Programming, Keys) und Zoidze-Mishchenko (Lyrics, Vocals) auf Total Metal Records, nun folgt gerade einmal drei Monate später der Nachfolger „Who cares what music is playing in my headphones?“. Bei Albumtiteln solchen Ausmaßes und/oder Bandnamen bestehend aus drei Worten ist man allerdings durchaus etwas voreingenommen…Hätte diese russisch-ukrainische Kombo einen Stand auf dem Metal-Rummel, würde an ihrer Bude ein Schild mit der Aufschrift „Kranke Ohren zum Mithören gesucht“ stehen. Eine musikalische Achterbahn, die sämtliche Stationen zwischen Midi, Math und Mambo Kurt durchquert.

Gingen DAN DEAGH WEALCAN beim Vorgänger noch deutlich härter zur Sache, hier lag der Fokus auf der tight-sterilen Industrialgitarre, schaltet das Duo nun einen Gang zurück. Das einzige „echte“ Instrument agiert eher im Hintergrund und wird nur selten songdefinierend nach vorne gemischt („Dogs in a box“, „Neutral Moresnet“), doch gerade diese Songs stechen als positive Ausreißer hervor. Ansonsten herrschen die typischen Mathcore- und Chaos-Trademarks vor, die Genre-Szenepolizei würde hier durchwinken.
Der Gesang ist nun wesentlich cleaner und es wird weniger gescreamt, es gibt spoken-word-Passagen, das ganze allerdings selten in unverzerrter Form. Die Synthesizer wechseln zwischen Nintendo-, etwa bei den ersten Takten des Openers, bis zu harmonisch-atmosphärischen Einstellungen („Endless apathy“). Bei „Baseless hatred“ zeigt die Platte menschliche Züge, der Song beginnt mit einem jubelndem Publikum sowie dem Einzählen mit echten, hölzernen Drumsticks, ansonsten tritt auch im Rhythmusbereich nur ein gewisser Angelo Sasso in Erscheinung. Wenn auch mittlerweile unter ADHS leidend.

Core-Nerds, die Dillinger Escape Plan schon zum Frühstück hören, können an „Who cares…“ durchaus ihre Freude haben, für Sabaton-Frontliner und Trinkhornsammler ist die Scheibe allerdings ein scharfes Soundgulasch, das zweimal brennt.

Sucht man nun noch eine Antwort auf die im Albumtitel gestellte Frage „Who cares what music is playing in my headphones?“ – der komplett in Beige gekleidete Rentner neben Dir in der U-Bahn wird sie Dir mit der „Scheibenwischer“-Geste geben…

Tracklist:
Anamorphic Widesound
Dogs in a box
Easy way – long way
No more than usual
Neutral moresnet
What was that?
Baseless hatred
I killed everything that was good in me
Endless apathy