Zu den Vorzeigebands der „Schwarzen Szene“ zählt seit langer Zeit mit Fug und Recht die von Stefan Ackermann und Bruno Kamm ins Leben gerufene Formation Das Ich. Unterstützt wurde sie bei ihrem Auftritt in der Osnabrücker Lagerhalle von den Norwegern von Gothminister, die unter dem Motto ihres neuen Albums “Happiness in Darkness” die Menge anheizen sollten.


Diese Menge bestand anfänglich aus einer sehr überschaubaren Anzahl an Menschen. Erst allmählich füllte sich die Lagerhalle, als Gothminister mit frenetischem Gothic Metal ihr Set begannen.

Die Formation, in Deutschland im Vergleich zu ihrer norwegischen Heimat recht unbekannt, lebte von der Präsenz von Frontmann Bjørn Alexander Brem, der, zumindest laut Wikipedia, im “richtigen” Leben Anwalt in Oslo ist.

In der Lagerhalle präsentierte er sich mit lebhafter Bühnenshow unter Zuhilfenahme etwa einer Klappleiter, die er als Ministerkanzel nutzte, um seine Sangesbotschaft unter das willige Volk zu bringen – das auch tatsächlich zwar in Teilen etwas verhalten, aber durchaus wohlwollend reagierte und sich vom Gothminister anheizen liess. Dieser, adrett mit Frack, Zylinder und Rüschenhemd gekleidet, spielte seinen Ministerposten auch überzeugend und wirkte sehr engagiert.

Gleiches gilt für Das Ich, wirkungsvoll präsentiert von Frontmann Stefan Ackermann, der, mit roter Körperfarbe und enganliegender Stoffhose in undefinierbaren Farbton ausstaffiert, in Mimik und Gestik zeitweise dem Wesen Gollum aus Herr der Ringe mehr ähnelte als einem Menschen.

Er und Bandmitbegründer Bruno Kamm wurden unterstützt vom Keyboarder Marty Söffker, seit 2007 mit dabei und derart kostümiert, dass er wohl einen Metzger mit blutigem Mantel darstellen sollte.

Von Beginn an hatte das Trio die Herzen des Publikums auf seiner Seite, das euphorisch die ketzerischen, satanischen, antichristlichen und frevlerischen Sprüche, Gesten und Gesänge begeisterte – mit einem Wort: Ein buchstäblicher Heidenspaß, der aber durchaus auch ernsthafte Anleihen hat. Die bekannte Auseinandersetzung von Bandtexter Stefan mit dem Philosophen Nietzsche und dessen Rezeption von Religion, die sich unter anderem in dem an Nietzsche angelehnten Albumtitel ”Antichrist niederschlägt, findet sich auch textlich wieder – mit ein Grund, warum in einem Interview der Seite Pagandance.de von einem “Spagat zwischen Tiefgang und Tanzfläche” die Rede ist.

Entsprechend brachten Stücke wie “Gottes Tod”, für die Das Ich ebenso bekannt sind wie für ihre extravagante Erscheinung, denn auch große Teile des Publikums in Wallung und die vorderen Reihen zum Tanzen, so dass zumindest der zweite Teil des Spagates mühelos geschafft wurde. Krönung für viele der Zuschauer war das Stück “Destilat”, das als finale Zugabe noch einmal für bebenden Boden und engagierte mitsingorgien sorgte.

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