Metal Embrace die Dritte. Nach 2 erfolgreichen Partys 2004 in Osnabrück und Madgeburg lockten die Veranstalter auch dieses Mal wieder mit Altbewährtem.-Zugkräftige Bands, günstige Preise und passende Location.

Die rund 50 Fans, die sich um 20.00 im Westwerk versammelten, wurden erstmal auf eine harte Probe gestellt. Erst mit knapp 1,5 stündiger Verspätung betrat die 1. Band des Abend die Bühne.

Dawn of Disease & Nebular Moon & Guerilla & Jack Slater am 29.01.2005

Dawn of Disease & Nebular Moon & Guerilla & Jack Slater am 29.01.2005

Dawn of Disease. Den bekannten und beim Publikum hoch in der Gunst stehenden Death Metalern aus Osnabrück merkte man den Heimvorteil an. Nach kurzer Begrüßung gingen die Jungs um Frontmann und Shouter Thomas sofort richtig ab; das Publikum zog mit.

Tracks wie „Rape The Unborn“ oder „Reincarnation“ brüllte Thomas in seiner bekannten, vielschichtigen Stimmlage mit der passenden Aggression ins Mikro! Die tiefen grounts beherrschte er ebenso routiniert wie die hohen shout-parts.

Burner wie „Realize The Lies“ ließen die Fans von der ersten Minute an moshen und bangen; so tat Dawn of Disease in bravouröser Manier genau das, was ein Opener tun sollte: Einheitzen bis nichts mehr geht!

Knapp 30 Min. dauerte der Auftritt der 4; dann die Verabschiedung mit einer schlechten Nachricht für die Fans: „Dies war erstmal unser letzter Auftritt für 2005 in Osnabrück!“ verkündete Thomas.

Heisst: Entweder längere Fahrten in Kauf nehmen, oder sich das aktuelle Album der 4 „Through Bloodstained Eyes“ zulegen!

22.00, kurze Umbauphase, dann, nur 15 Minuten später, Nebular Moon.

Die Stimmung ist, auch Dank Dawn of Disease, prächtig.

Genau der richtige Nährboden für die 5 Black Metaler aus Münster.

„Hi Osnabrück!!““ brüllte Frontmann Darius dem Publikum entgegen und schien die gute Stimmung regelrecht aufzusagen. Unter den mittlerweile rund 70 Leuten entgegen, unter denen sich auch eine große Anzahl Nebular Moon-Fans befanden.

Darius´ Keifen und die harten Riffs der Leadgitarre, untermalt von einer düsteren Bühnen-Atmosphäre (die u.a. auch durch das schwummerige Bühnenlicht mit dunklen, teilweise giftigen Farben entstand), zogen sofort auch den Rest der Zuschauer auf ihre Seite; das Bangen zog sich nun von den ersten Reihen quer durch den Saal!

Nebular Moon gaben mit 8 dunklen Songs eine Reise durch ihre Discographie zum Besten, ehe Darius sich zur Zugabe als Highlight (wie zu den Anfangszeiten der Band) selbst hinters Keyboard stellte und die sphärisch anmutende Introduktion zu „Pest“ erklingend ließ! Dies brachte die Fans noch mal richtig zum Glühen!

Dann, Ende: Die Fans wollten eine weitere Zugabe, Darius baute sich auf der Bühne auf, und sprach mit leiser, aber fester Stimme den Satz, den nie ein Fan hören wollte: „Nach 9 Jahren Nebular Moon werden wir erstmal aufhören. Wir danken euch für die schöne Zeit. Dieser Gig hier in Osnabrück war erstmal unserer letzter!“

Lähmendes Entsetzen unter den Fans gepaart mit schüchternem Beifall. Niemand wusste so ganz, wie er sich verhalten sollte, als Nebular Moon die Bühne verließen.

Mit dem Ausruf „Revolution!“ leitete der Sänger von Guerrilla den Auftritt seiner Band ein. So undeutlich und verzerrt der Sound bei den vorangehenden Bands war, so klar war er nun bei dieser ‚Kölschen’ Thrash Metal Band, was wohl auf den hervorragenden Soundcheck zurückzuführen war. Schon nach den ersten gespielten Tönen dankte das Publikum mit dem ersten Kopfnicken, und bereits beim zweiten Song ging das Nicken bei einem Großteil der Anwesenden in herzhaftes Moshen über. Die Jungs von Guerrilla arbeiteten sich mit spürbarer Spielfreude durch Ihre Setlist.

Soviel Spaß an der Musik musste sich geradezu auf das Publikum übertragen, so dass wohl auch den nicht-Thrash-Fans warm ums Herz wurde. Dank Funkmikrofon war es Sänger Marc Schwarz möglich, von Zeit zu Zeit die Bühne zu verlassen und sich unter das Publikum zu mischen, um von dort aus seine Stimme ertönen zu lassen und die Fans ein wenig beim Moshen zu unterstützen. Bassist ‚Westi’ (Andreas Westphal) tat es ihm dann und wann gleich, auch er war mit großartiger Funktechnologie ausgestattet. Dieser Mann schaffte es übrigens, während des gesamten Auftritts unentwegt Grimassen zu schneiden. Sehr beeindruckende Gesichtsmuskulatur.

Der Höhepunkt des Auftritts war erreicht, als Guerrilla’s Frontmann derbe Beleidigungen gegen den Sänger der Band Jack Slater (genannt ‚Horn’) aussprach. Dieser fühlte sich gekränkt und betrat wutentbrannt die Bühne (eine schauspielerische Glanzleistung) um den Beleidigungen zu trotzen. Das ganze endete damit, das Guerrilla ihren Song This Time It’s War“ anspielten und Horn die Band mit seiner gewalttätigen Stimme unterstütze – oder unterstützen wollte. Denn leider gab Horns Mikro spontan den Geist auf, so das von ihm nur ab und wann ein leises Husten zu vernehmen war… trotz dieses unglücklichen Umstands hat die Aktion aber jede Menge Spaß gebracht. Und so wurden Guerrilla dann auch mit heftigem Applaus verabschiedet als sie die Bühne verließen.

br>Nach ausführlichem Soundcheck wurde endlich das Filetstück des Abends serviert: Jack Slater – feinster technischer Death Metal aus Bonn, herrlich. Die Stimme der Band, Horn, begrüßte erstmal das Publikum (Zitat: „Ihr Geschmeiß.“). Die Reihen hatten sich bereits gelichtet, es waren wohl doch zahlreiche Besucher nur wegen Guerrilla angereist.

Egal, Jack Slater legten mit ihrer harten Nummer los. Der lange Soundcheck hatte sich gelohnt: der Sound war 1A. Das Publikum spaltete sich kurz nach Beginn des ersten Songs in zwei Teile: neun oder zehn Berserker, die sich direkt vor der Bühne beinahe die Köpfe wegmoshten, und die restlichen Zuhörer, die in respektvollem Abstand einen verschreckten Halbkreis bildeten. Dieser Zustand änderte sich auch nicht bis zum Ende des Auftritts, obwohl Horn zwischendurch Sprüche wie „Die Leute hier vorne – cool, cool. Ihr da hinten – kleine Schwänze!“ losließ. Die Stimmung unter den Moshern vor der Bühne wurde jedenfalls von Song zu Song explosiver, so dass sich ein paar Leute (auch Grunzer Horn) zu wagemutigen Stagedives entschlossen – klappte trotz der wenigen Leute überraschend gut…

Abgedreht wurde es, als irgendein Fan fortwährend Ladungen von Schneebällen von draußen hereinbrachte. Diese gingen natürlich an Horn, der ein Eis-Bombardement startete, während er noch seine Textpassagen ins Mikro grunzte. Die Mosher gingen immer mehr dazu über, nicht nur zum Stagediving auf die Bühne zu klettern – sie stellten sich neben Horn & Co. und moshten von dort aus weiter. Die Band schien das nicht zu stören. Und so war die Bühne gehen Ende des Auftritts überfüllt von langhaarigen Fans.

Ein letzter Song wurde noch gespielt, „Timmy“ vom aktuellen Album „Metzgore“, dann wurden die Fans in die klirrende Kälte des winterlichen Osnabrücks entlassen. Manch einer bediente sich noch am Merchandising Stand, wo man sich laut Horns Aussage mit Nutten, Drogen und Hodenersatz eindecken konnte.

Alles in allem ein gutes Konzert – für 8 Euro wurde Gutes geboten.

Schade war, dass die Veranstalter keine Tickets hatten drucken lassen. So blieb zur Erinnerung nur ein verblasster Stempelabdruck auf der Hand…

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Location: WestWerk 141
Datum: 29.01.2005
Autor: Reth & Ace


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